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Delirium

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Phoenix / Doktor Jean Elaine Grey Quicksilver / Pietro Maximoff
09.04.2019
14.07.2020
16
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Glücklich sind die Menschen, wenn sie haben, was gut für sie ist.

- Platon



Am nächsten Morgen, ich hatte schlecht und vor allem wenig geschlafen, wollte ich hinunter in die Bibliothek, während Jean und Ororo, welche überrascht von meinem früh morgendlichen Auftreten waren, bereits hinunter zum Frühstück aufgebrochen waren, nur hatte ich auf dem Weg dorthin eine merkwürdige Begegnung. Also nicht mit Geistern oder so, nichts in die Richtung Übernatürliches, also mal abgesehen der Tatsache, dass hier in diesem Haus ausschließlich Mutanten lebten, aber gerade als ich mein Zimmer verlassen hatte, um die Zeit bis zum Mittagessen in der Bibliothek zu verbringen, rannte ich geradewegs in eine Person hinein, die in dem Moment um die Ecke bog. Meine Schreckhaftigkeit musste natürlich wieder auf Hochtouren laufen und die Person, mit der ich zusammengestoßen war, hatte jetzt eine zweite morgendliche Dusche abbekommen. Von wegen Jean konnte ihre Kräfte nicht kontrollieren, was war denn dann mit mir?

„Oh bei allen guten Geistern“, entkam es mir dann, als ich erkannte wem ich da eine eiskalte Dusche verpasst hatte. Wanda, ausgerechnet Wanda stand mir gegenüber und hatte einen erschrockenen Blick drauf, ähnlich dem einer Katze, die in die Badewanne geworfen wurde.

„Es tut mir so leid, warte ich repariere das wieder“, sagte ich dann, aber bevor ich meine „Trocknungskräfte“ wirken lassen konnte, hob sie die Hand.

„Nein, lass gut sein, bevor uns noch ein Unglück passiert“, sie klang nicht böse, ganz im Gegenteil, sie klang eher traurig und verletzt und am liebsten hätte ich mir selbst eine Ohrfeige verpasst, warum war ich nur Schreckhaft, in Gottes Namen?

„Aber ich krieg das wieder hin“, bat nicht noch einmal, aber sie blockte ab.

„Lieber nicht, ich krieg das auch selbst wieder hin“, und damit trat sie an mir vorbei und setzte ihre Weg den Gang entlang fort, nur dass sie den Teppich volltropfte, bis sie, mit einem letzten Blick zu mir, da ich wie angewurzelt stehen geblieben war, in ihrem Zimmer am Ende des Korridors verschwand.

Wenigstens den Teppich konnte ich trocken, aber was blieb waren Schuldgefühle und das Wissen, dass Peters Schwester mich jetzt wohl auf ewig hassen würde. Dieser Tag war dann wohl die Fortsetzung zum gestrigen Gipfel der Furchtbarkeit und am liebsten würde ich mich jetzt nur noch in jemandes Arme stürzen und heulen.

Aber das Leben ging weiter, der Tag ging weiter, die Arbeit verging, die Angst kam und verschwand wieder. Peter tauchte nirgendwo auf. Das störte mich, neben einigen anderen Problemen, dann doch wohl am meisten, deshalb ergriff ich an diesem Tag die erste Möglichkeit, als ich mit den anderen zum Abendessen wollte und Peter ungewohnt langsam vom Garten hereinspaziert kam.

Ich war so erleichtert, dass ich ihn endlich mal wieder sah, so als hätten wir uns am Tag zuvor nicht noch gesehen, dass ich mich aus einem Gespräch mit Ororo löste und zu ihm hinüberging. Er schien unaufmerksam und verloren, so wie er in der Eingangshalle stand, abgetaucht in eine andere Welt, sodass er mich erst mit seinem Blick fixierte, als ich ihm sanft an den Arm fasste und ihn vorsichtig anlächelte.

Auf einen zweiten Blick sah er furchtbar aus, dicke Tränensäcke unter seinen Augen, vermutlich von Schlafmangel, dazu leicht gerötete Augen, die Haare verwuschelter als sonst, so als wäre er sich heute unzählige Male hindurchgefahren, wie er es immer tat, wenn er aufgekratzt war. Besonders besorgniserregend war dann aber doch eher seine fahle Haut, die ganz darauf hindeutete, dass er bald umkippen würde, wenn er sich nicht mal Zeit nahm, um sich auszuruhen.

„Peter?“, fragte ich, als er mich zwar angestarrt, aber noch nichts gesagt hatte.

„Hey Dazz, na wie geht’s?“, fragte er dann, aber seine Stimme war brüchig und schwer vor Erschöpfung, was hatte den armen Kerl bloß so ausgezerrt?

„Die bessere Frage ist doch eher, wie geht es dir, du siehst schauderhaft aus“, ich machte Anstalten ihn langsam an seinem Arm in Richtung Treppe zu ziehen, um ihn in sein Zimmer zu verfrachten. Peter hatte definitiv Vorrang gegenüber dem Abendessen.

„Vielen Dank auch“, er wollte wohl sarkastisch klingen, aber dieses Vorhaben wurde einerseits von seiner offensichtlichen Erschöpfung und andererseits von seiner Stimme vereitelt, die mitten im Satz aufgab.

„Komm mit, wir bringen dich lieber nach oben“, er fügte sich dann seinem Schicksal ohne groß zu protestieren und in einer unterdurchschnittlichen Geschwindigkeit, vor allem für ihn, erklommen wir die Stufen nach oben, die ich vor wenigen Minuten noch heruntergekommen war.

„So“, sagte ich dann, als Peter sich die Schuhe ausgezogen und mit dem Rücken an die Wand ins Bett gesetzt, während ich mich selbst in einen Stuhl neben ihn verfrachtet hatte, „Was in Gottes Namen ist mit dir passiert?“

„Ach“, wollte er wohl sagen, aber seine Stimme gab ganz auf, deshalb füllte ich ihm mithilfe meiner Fähigkeiten ein Glas mit Wasser, das auf seinem Nachtisch gestanden hatte.

Dankbar nahm er es an und trank es in Rekordgeschwindigkeit aus. Selbst wenn Peter verfressener war, als sonst jemanden den ich kannte, aufs Trinken vergas er gerne Mal, das war nichts Neues.

„Du wirst dich wohl mit einem „Das Rugby war heute anstrengend“ nicht zufrieden geben?“, seine Stimme klang wieder eindeutig besser, nicht gut, aber besser.

„Nicht nachdem du Rugby für gewöhnlich montags hast und gestern deine Schwester hier angekommen ist.“

„Na gut, ich schätze du kannst demnach ahnen was los ist?“

„Ansatzweise ja, aber ich würde dann doch gerne die Details hören, mich würde interessieren, warum ich dich seit gestern Morgen nicht mehr gesehen habe, also so gar nicht mehr, nicht mal aus der Ferne“, ich dachte du wärst böse auf mich, fügte ich im Stillen noch hinzu.

„Naja, du weißt ja, dass Wanda und ich und Mom und Sadie gestern dann zum Professor ins Büro gegangen sind, um uns anzuhören wie es weiter geht, was er mit Wanda vor hat und so weiter.“

„Ja so ungefähr weiß ich das, ach und was ist eigentlich mit Sadie und deiner Mom, wie geht es ihnen?“

„Ach den beiden fehlt nichts, es ist einfach nur schwer gewesen für beide, dass sie Wanda nicht helfen konnten, egal was sie versucht haben. Deshalb haben sie das Angebot des Professors ja überhaupt erst angenommen, weil ihnen die Alternativen ausgegangen sind.“

„Und was macht der Professor jetzt mit ihr, wie kann er ihr helfen?“

„Ob er es kann, hat er gesagt, weiß er selbst nicht, aber er durchforstet, natürlich mit Wandas Erlaubnis , ihren Kopf um den Ursprung zu finden, eine Depression kommt ja nicht von nichts.“

„Ja, das ist schon klar, aber du sagtest doch schon, dass es ihr nicht gut geht, mit dem was euer Vater getan hat, gibt es denn noch einen anderen Grund?“

„Ich habe keine Ahnung, ich bin weder bei diesen Sitzungen dabei, noch möchte Wanda mir oder sonst jemanden etwas erzählen, was natürlich in Ordnung ist, nur …“

„Nur würdest du es trotzdem gerne wissen“, beendete ich seinen Satz und er nickte mit einem beschämten Blick neben ihm auf seine Bettdecke.

„Aber sie wollte nicht darüber reden, sie will nie über irgendetwas mit mir reden und ich weiß aber, dass es ihr schlecht geht. Ich weiß immer, dass es ihr schlecht geht und dann geht es mir schlecht und ich fühle mich hilflos, weil ich ihr nicht helfen kann. Es fühlt sich einfach so, so elend an, nichts für sie tun zu können. Sie ist meine verdammte Zwillingsschwester und sie will nicht mit mir reden und ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, er vergrub sein Gesicht in seinen Händen und dieser Anblick, von dem gebrochenen Selbst meines besten Freundes versetzte mir einen tiefen Stich in mein Herz.

Miserabel, er sah miserabel aus und ich tat das, was er vor kurzem noch für mich getan hatte, ich setzte mich zu ihm auf das Bett, nahm ihn so fest ich konnte in den Arm und tätschelte ihm sanft den Rücken, während er seinen Kopf in meiner Halsbeuge verbarg, ähnlich wie ich es bei ihm getan hatte. Es schien Ewigkeiten zurückzuliegen.

Er gab keinen Laut von sich, ich spürte bloß regelmäßige Atemzuge auf meiner Haut und seine erdrückend fest um mich gelegten Arme, die mich an ihn drückten, aber es könnte schlimmer sein. Außerdem bemerkte ich, dass seine Haare gut rochen, also ich bemerkte das natürlich nur so nebenbei, ohne Hintergedanken. Aber sie rochen wirklich gut, frisch nach einem Nadelwald und ich musste mich davon abhalten tief einzuatmen. Verdammt noch eins, Daisy, das hier ist dein bester Freund, der gerade eine ernstzunehmende Krise durchlebt und alles was du beisteuerst ist der Gedanke an seine gut duftenden Haare. Reiß dich zusammen Mädchen!

„Daisy?“, fragte er dann nach einer Weile, in der ich die Augen geschlossen hatte und einfach die Nähe zu einer anderen Person genoss. Wenn das ein Verbrechen war, selbst, wenn es ihm wirklich nicht gut ging, dann bitte, aber die Umarmung hatte mir auch gut getan und letzte Zweifel, dass er sauer auf mich sein könnte, waren ausgelöscht.

„Ja?“, wisperte ich in den sonst totenstillen Raum, mit den zwei weiteren Betten von Scott und Kurt, die sich gerade mit den anderen beim Abendessen befanden. Ich hatte auch Hunger, aber Peter hatte Vorrang.

„Was würdest du tun, wenn du ich wärst?“, er löste sich von der Umarmung, vermutlich um mir in die Augen zu schauen und zu bestätigen, dass er diese Frage komplett ernst meinte. Ich lachte ein etwas erbärmlich verzweifeltes Lachen, um Zeit zu schinden.

„Ich habe keine Ahnung, wirklich“, antwortete ich dann , „Aber ich denke ich würde anfangs ,wie du vermutlich auch, versuchen mit ihr zu reden, um sie dazu zu bringen mit mir zu reden. Aber das würde nicht funktionieren, wie wir ja wissen, also … Hey!“, entkam es mir dann, als eine Idee wie ein Blitz meine Gedanken streifte und Peter war wohl überrascht von meinem plötzlichen lauten, nennen wir es Mal „Aufschrei“, denn er war etwas von mir weggezuckt.

„Was?“, fragte er dann und kniff seine Augen ein wenig zusammen, ob aus Neugier oder Misstrauen, wer weiß.

„Habt ihr denn schon einmal daran gedacht, dass es helfen könnte, wenn sie einmal mit Erik spricht. Ich weiß, dafür wäre es wohl nötig ihm zu sagen, dass ihr seine Kinder seid und so weiter, aber er ist doch eine der Hauptursachen dafür, dass es ihr so geht wie es ihr nun mal geht“, ich war selbst etwas überrascht von der Idee, vor allem, weil ich oft total bescheuerte, wenig hilfreiche Ideen hatte. Aber diese Idee fand ich eigentlich ausnahmsweise Mal nicht so schlecht bis auf das offensichtliche Problem, dass Peter und Wanda Erik sagen müsste, dass sie seine Kinder sind und dass er das einerseits wohl erstmal verarbeiten und andererseits auch dafür bereit sein müsste, mit Wanda zu sprechen. Und Wanda müsste natürlich auch bereit sein mit ihm zu sprechen. Oh naja, vielleicht war es doch eine zu verrückte Idee, vor allem wusste überhaupt jemand wo Erik derzeit war?

Peter schien zwar darüber nachzudenken, Begeisterung sah aber anders aus.

„Also, ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht einmal, ob ich dazu bereit bin ihm zu sagen, dass wir … naja, verwandt sind, ganz zu schweigen von Wanda, aber ich denke ich werde mit ihr mal darüber reden, wenn sie überhaupt dazu bereit dazu ist und mit dem Professor werde ich auch mal sprechen, vielleicht ist es ja wirklich der einzige Weg.“

„Es ist nur eine kleine, dumme Idee von mir, vermutlich ist sie genauso schlecht wie alle anderen, die ich so habe“, sagte ich so heiter ich konnte, um endlich diese drückend traurige Stimmung loszuwerden, bevor ich noch in Tränen ausbrach, weil alles so hoffnungslos schien.

Peter sah aber kein bisschen heiter aus und ich zog etwas den Kopf ein vor dem ungewohnt ernsten Blick, der sich gerade auf seinem Gesicht ausbreitete.

„Daisy, deine Ideen sind nicht dumm, denk das nicht, diese hier ist sogar wirklich gut und ich habe selber schon öfter darüber nachgedacht, dass es Zeit wird mit Erik zu sprechen, dass du denselben Gedanken hast, bestätigt bloß, dass es nicht so abwegig ist, wie es in meinem Kopf geklungen hat.“

„Oh, ähm danke, schätze ich“, murmelte ich und drehte meinen Kopf ein wenig zur Seite in der Hoffnung, dass er meine vielleicht etwas geröteten Wangen nicht bemerkte.

Sein Gesichtsausdruck wurde wieder weicher, aber die Erschöpfung kannte man ihm noch immer an, der Junge brauchte ganz dringen Schlaf und das wusste er vermutlich selbst.

Ich stand vom Bett auf und setzte mich wieder in meinen Sessel, während er sich seine metallisch glänzende Jacke auszog, sie auf einen Schreibtischstuhl am Ende seines Bettes warf und sich hinlegte, wenn auch auf die Bettdecke anstatt unter sie. Er faltete seine Hände auf seinem Oberkörper und dann fiel sein Blick wieder auf mich. Sobald das passierte rückte er zur Seite, bis er an der Wand lag und klopfte mit einer Hand auf den freien Platz neben sich, ich zögerte.

„Komm schon, du siehst müde aus“, sagte er und grinste.

Ja, ich war müde, ich hatte seit gefühlten Ewigkeiten weder lange noch gut geschlafen, Arbeiten laugte mich zusätzlich aus und ich war noch immer hungrig, aber langsam wurde ich zu faul, wenn ich daran dachte, dass ich dafür hinunter in die laute Kantine gehen müsste. Also entschied ich mich dafür, den Platz neben Peter zu beanspruchen, selbst wenn ich einfach in mein Zimmer hätte gehen können, um mich dort in mein eigenes Bett zu legen. Das schien mir aber nicht so einladend, viel eher sehnte ich mich nach seiner Gesellschaft, selbst wenn er so aussah, als würde er jeden Moment einschlafen, sein Blick hatte mich fixiert. Auch noch, nachdem ich mich neben ihn gelegt hatte und peinlichst darauf achtete seinen Arm nicht mit meinem zu streifen. Warum ich das tat? Keinen Schimmer, wir hatten uns vor wenigen Minuten noch in den Armen gelegen, aber mir kam es jetzt komisch vor ihn zu berühren, mir wäre es vielleicht sogar peinlich unangenehm gewesen, vor allem, weil er mich von der Seite her noch immer anstarrte.

„Ist irgendetwas?“, fragte ich dann und drehte meinen Kopf in seine Richtung, um ihm in die braunen Augen zu schauen, die mich warm anblickten. Seine Augenbraue zuckte neckisch nach oben, als ich ihm die Frage gestellt hatte.

„Nichts, was sollte sein?“, antwortete er und drehte seinen Kopf wieder so, dass er an die Decke starrte, ich tat es ihm gleich.

„Erzähl mir was“, unterbrach er erneut die Stille und ich drehte mich nun auf die Seite um ihn besser ansehen zu können.

„Was soll ich dir denn erzählen?“

„Keine Ahnung, irgendetwas, du bist doch gestern das erste Mal im Café arbeiten gewesen, wie ist es dir gegangen?“

„Ganz gut, ich meine, du kennst doch meine Ängste, aber wenn man die bei Seite lässt, dann ist es nicht weiter schlimm, ich habe sogar noch kein einziges Glas zerbrochen“, den letzten Teil verkündete ich besonders feierlich, ich war wirklich stolz darauf, dass mir meine Ungeschicklichkeiten noch nicht dazwischengefunkt hatten.

„Klingt doch gut“, sagte er nur darauf und ich wusste nicht was ich ihm sonst noch erzählen sollte, aber da war noch was, das ich wohl erzählen sollte, selbst wenn ich ihn nicht beunruhigen wollte.

„Ja … Hey, ähm es könnte sein, dass ich deiner Schwester heute über den Weg gelaufen bin“, begann ich und er drehte seinen Kopf zu mir, ich hatte alle sein Aufmerksamkeit und ich konnte aus seinem Gesicht nicht lesen, was er davon hielt.

„Heißt das du hast mit ihr gesprochen?“

„Naja, also ich war irgendwie dazu gezwungen.“

„Oh nein, was ist passiert?“

„Bitte, du musst mir versprechen, dass du nicht allzu sauer wirst, ich bin schon sauer genug auf mich selbst“, gab ich zu und drehte den Kopf wieder in Richtung Decke.

„Daisy“, drängte er, „Was ist passiert?“

„Naja … Also, heute, wie ich aus meinem Zimmer gekommen bin, weil ich heute nicht viel geschlafen hatte und die freie Zeit vor dem Mittagessen in der Bibliothek verbringen wollte, um noch etwas zu lesen, da sind wir ineinander gerannt, als sie gerade um die Ecke gebogen ist. Und, na, du kennst mich ja, ich bin schreckhaft und im nächsten Moment war sie pitschnass, so wie jeder der mich erschreckt. Ich habe mich natürlich entschuldigt und wollte sie gerade wieder trocknen, aber sie hat abgelehnt und ich wollte noch darauf bestehen, aber, aber, naja, sie ist gegangen, immer noch pitschnass und vermutlich hasst sie mich jetzt. Und ich kann es ihr noch nicht einmal verübeln und ich könnte es dir auch nicht verübeln“, meine Stimme wurde immer leiser gegen Ende hin, bis sie kaum mehr als ein Wispern war und ich nahm allen Mut zusammen und sah Peter wieder an.

Peter hatte unterdessen seine Augenbrauen zusammengezogen und nach einer gewissen Zeit, die sich ewig hingestreckt hatte, während ich auf mein Urteil wartete und hoffte, dass ich nicht mit einem allzu festen Tritt zur Tür hinausbefördert würde, sagte er etwas, was ich so nicht erwartet hatte.

„Wir müssen das Mal in den Griff bekommen.“

„Wie bitte?“

„Na, deine Schreckhaftigkeit, das geht so nicht weiter, du bist eine Gefahr für die Umwelt.“

„Ja, aber, bist du nicht böse auf mich, ich meine, es geht hier um Wanda?“

„Daisy, ich werde jetzt keine Szene machen, wegen etwas, das dir ohnehin schon genug zu schaffen macht, wir sind Freunde, wir bekommen das in den Griff. Außerdem muss ich dir Wanda sowieso noch verstellen und dann sehen wir mal, ob sie dich wirklich hasst, ich kann es mir nicht vorstellen, sie ist vielleicht depressiv, aber nicht uneinsichtig. Sie ist sogar sehr verständnisvoll. Und noch etwas, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dich je wegen irgendetwas hassen werde, vergiss das bitte nicht.“

„Ach man, sollte ich nicht eigentlich dich aufheitern und nicht du mich“, jammerte ich dann, gerührt von seinen Worten, so gerührt, dass es mir schon wieder unangenehm war.

Er lachte bloß. „Du musst mich nicht trösten, deine Anwesenheit ist Trost genug.“

Und dann kam mir eine Berührung nicht mehr unangenehm vor, es fühlte sich natürlich an, dass ich etwas näher rutschte, er seinen Arm um mich legte und ich meinen Kopf auf seiner Schulter ablegte. Es fühlte sich nicht nur natürlich an, es fühlte sich richtig an, wir haben auch schon oft bisher in einem Bett gelegen, aber nie in so einer Position, doch ich mochte es. Sehr sogar. Ich fühlte mich geborgen.

„Eigentlich wollte ich mir noch was zu essen holen“, meinte Peter dann und mir knurrte der Magen.

„Ja ich auch, aber ich bin so fertig, ich will mich kein Stück mehr bewegen.“

„Dito, wir holen uns einfach später was“, entschied er, gähnte dann und klang fast so, als würde er jeden Moment einschlafen. Mir ging es genauso.

Fünf Minuten, sagte ich mir, ich mache für fünf Minuten die Augen zu und dann werde ich mich diskret zurückziehen. Aber sobald ich meine Augen geschlossen hatte übermannte mich ein derartige Erschöpfung, der ich mich nicht mehr widersetzen konnte und schließlich schlief ich mit Peter als Kissen, dicht an ihn gekuschelt ein, mit dem Duft von Nadelwald in der Nase. Friedlich und glücklich, so wie schon lange nicht mehr.



Sehr verehrte Freunde der Sonne,

ich kann es selbst nicht glauben, nein, kann ich nicht, aber ich habe es geschafft, ich habe ein neues Kapitel fertig, ohne, dass ihr hundert Jahre darauf warten musstet! Und dann auch noch endlich mit dem Inhalt, den ich schon seit Ewigkeiten schreiben wollte, ich hoffe es ist nicht zu kitschig geworden, aber selbst wenn, die beiden haben es gebraucht und ich auch. Aber ich habe so viel Fluff noch nie geschrieben, also wenn es doch zu viel war und es irgendwelche Verbesserungsvorschläge gibt, immer her damit.
So, das war es dann auch wieder von mir, ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen und das nächste ist bereits in Arbeit so viel kann ich sagen.

Alles Liebe und liebe Grüße
eure Ladybug
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