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Delirium

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Phoenix / Doktor Jean Elaine Grey Quicksilver / Pietro Maximoff
09.04.2019
14.07.2020
16
37.904
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Dieses Kapitel
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11.07.2020 3.088
 
Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

- Dietrich Bonhoeffer



Nie wieder in meinem Leben würde ich auf einen Baum klettern! Das war die dümmste, undurchdachteste Idee, die ich jemals hätte haben können und ich erkläre mich jetzt offiziell für schwachsinnig. Dazu sollte gesagt sein, dass es anfangs noch ganz nett war, auf dem Ast zu sitzen und einfach mal durch zu schnaufen nach diesem bescheidenen Morgen, aber ich hätte meinen Blick wohl nur über das Gelände schweifen lassen sollen, anstatt direkt nach unten zu schauen, da hab ich dann nämlich festgestellt, dass ich doch ziemlich weit oben saß. Also habe ich mich nach einem kurzen Schockmoment an den Baumstamm neben mir geklammert und mir geschworen für immer auf diesem Baum zu bleiben.

Nach vielen Beschwichtigungen habe ich mich schließlich selbst überzeugt, dass ich auch wieder runterkomme, wenn ich rauf gekommen bin, nur wollte mir nicht so recht einfallen, wie ich die Sache mit dem Klettern überhaupt hinbekommen habe. Den Impuls um Hilfe zu schreien habe ich gekonnt unterdrückt, das wäre auf der Peinlichkeitsskala dann doch zu weit oben gestanden, deshalb habe ich mich dazu entschlossen, ohne viel nachzudenken einfach Ast für Ast hinunterzuklettern. Ganz blöde Idee. Ich erspare euch ausschweifende Erzählungen darüber wie ich meinen Zitteranfall vor lauter Angst nicht mehr unter Kontrolle bekommen habe und deshalb fast vom Baum gefallen wäre. Besser ich springe zu dem Teil, in dem Scott dann auftaucht.

Allem Anschein nach haben sich meine Freunde wohl Sorgen um mich gemacht, wo ich denn bleibe und daher beschlossen mich zu suchen. Und ja, es war ziemlich peinlich, dass Scott mich gesehen hat, wie ich mich verzweifelt an den Baumstamm geklammert habe, Augen zusammengekniffen, in Gedanken schon mein Testament aufsetzend.

Zuerst habe ich seine Anwesenheit nicht mitbekommen, ich war zu beschäftigt mein rasendes Herz irgendwie zu beruhigen. Erst als er mir, wohlgemerkt spöttisch, zurief: „Hey Daisy, brauchst du Hilfe?“

„Halt die Klappe und hol mich hier runter“, quietschte ich.

„Ich hol lieber Kurt, der schafft das denke ich besser“, erwiderte er, immer noch spöttisch und ich verlor langsam wieder meine Sympathie für ihn. Wenn ich von diesem Baum heruntergekommen war, würde ich ihn erwürgen.

Letzten Endes teleportierte sich Kurt, in Anwesenheit all der anderen, mit Ausnahme von Peter, zu mir hinauf und gemeinsam teleportierten wir wieder auf den sicheren Boden, den ich nie, nie wieder verlassen würde. Bäume würde ich wohl in Zukunft nur aus sicherer Ferne begutachten, oder mich maximal anlehnen, wenn ich darunter saß.

Gemeinsam machten wir uns dann auf in die Kantine, ich hatte wohl doch mehr Zeit als gedacht auf dem Baum verbracht, Jean fragte mich wenigstens ob ich wieder in Ordnung war. Scott zog es vor mich auszulachen, ich gebe zu, das hatte ich verdient, dümmer ging es nicht. Ororo aber war ich noch eine Entschuldigung schuldig und es widerstrebte mir mich zu entschuldigen, aber nichtsdestotrotz musste ich meinen Stolz wohl hinunterschlucken.

„Ororo, hör mal, ich hätte dich vorher nicht so anfahren dürfen, ich war sauer auf mich selbst und du hast nichts falsch gemacht, es tut mir Leid“, meinte ich zu ihr und senkte reumütig meinen Blick. Ich hatte sie mir beiseite genommen, als die anderen bereits in die Kantine spaziert sind und trotz meiner gewöhnlichen Unfähigkeit anständige Entschuldigungen zu formulieren, schien sie mit dieser ganz zufrieden.

„Du hast recht, das hättest du nicht“, antwortete sie mir, aber ihre Augen fixierten mich sanft und verständnisvoll, „Aber ich kann es verstehen. Entschuldigung angenommen, keine Sorge.“

„Danke Ororo“, Erleichterung machte sich in mir breit und ich öffnete meine verkrampften Fäuste, von denen ich vorher nicht einmal gemerkt hatte, dass ich sie verkrampft hatte.

Gemeinsam holten wir uns dann unsere Tabletts mit dem heutigen Mittagessen und setzten uns dann zu den anderen, die bereits in ein Gespräch vertieft waren. Ich hatte keine Lust mich zu beteiligen. Selbst nachdem ich mich bei Ororo entschuldigt hatte, war das dumpfe Gefühl von Schuld und einer Art Verzweiflung immer noch da. Auf wessen Kappe das ging, wissen wir wohl alle und das Schlimmste war, dass Peter sich nicht beim Mittagessen blicken hat lassen. Ich hatte nicht einmal die Chance irgendetwas ins Reine zu bringen und ich war mir noch nicht einmal ganz sicher wofür ich mich denn eigentlich entschuldigen wollte.

Hatte ich den überhaupt etwas falsch gemacht? Wir hatten doch bloß geredet und dann ist in einem unglücklichen Moment eben gerade Wanda da gewesen und hat genau das Falsche gehört. Da konnte ich doch nichts dafür, zumindest glaube ich das, aber warum war Peter dann sauer? War er denn überhaupt sauer? Dieser eine Blick den er uns zugeworfen hat, könnte das schon andeuten, aber dann hieß das ja, dass er, wenn überhaupt, auf uns alle sauer ist. Aber eines konnte ich mir nicht erklären. Warum beschäftigte mich das Ganze so dermaßen? Es ist ja nicht so, dass Freunde sich nicht hin und wiedermal in die Haare kriegen würden, dabei hatten wir uns gar nicht gestritten. Ich machte mich hier fertig wegen eines Blickes, aber mir hat das so weh getan.

Meine inneren Monologe führten zu nichts und ehe ich es mich versah, war sogar Jean fertig mit dem Essen, bei dem ich gerade mal die Hälfte geschafft hatte.

Als wir die Kantine gemeinsam wieder verließen, nahm Jean mich beiseite und ich konnte mir schon denken wieso.

„Daisy, bist du immer noch frustriert, weil du glaubst, dass Peter sauer auf dich ist?“, oh ja, Jean hatte wie immer genau ins Schwarze getroffen, aber ich hatte jetzt wirklich keine Lust auf dieses Gespräch.

„Jean, ich muss gleich zur Arbeit ins Café, können wir heute Abend darüber reden?“, ich verschränkte meine Arme und sah sie abwartend an, aber sie schien zu verstehen, dass sie hier jetzt nichts erreichen konnte.

„Ja, wenn wir es dann auch wirklich tun“, antwortete sie und lächelte, aber sie sah nicht aus, als würde sie es wirklich erwarten. Ehrlichgesagt, erwartete ich es auch nicht, heute Abend würde ich vermutlich beschäftigt damit sein, alles totzudenken und zu versuchen Peter aus dem Weg zu gehen. Falls er denn überhaupt Zeit hatte, schließlich musste für Wanda da sein, wahrscheinlich war, dass er in nächster Zeit sowieso ausschließlich mit ihr beschäftigt sein würde und das kam mir sogar gerade recht. Wollte ich das denn? Wollte ich, das er keine Zeit mehr für mich hatte? Nein, aber meine Gedanken machten mich völlig fertig, ich wusste eigentlich doch gar nicht was ich wirklich wollte, oder?

Ich schüttelte den Kopf über meine wirren Gedanken und seufzte genervt, am besten war es wohl, wenn ich mich jetzt für die Arbeit fertig machen würde und meine Gedanken ausschließlich darauf zu konzentrieren, nicht vor Angst zu sterben, wenn ich daran dachte. Allein bei dem Beginn und weitern Verlauf dieses Tages, waren Katastrophen doch nur vorprogrammiert.



Nachdem ich mich also von Kurt bei der Arbeit habe abliefern lassen, klammerte ich meine schwitzende Hand an dem Henkel meiner Umhängetasche fest und versuchte verzweifelt meinen Herzschlag zu beruhigen. Die Sonne brannte mir auf den Rücken und ich konnte mich einfach nicht vom Fleck bewegen, ich stand mittlerweile seit sicher geschlagenen fünf Minuten von dem Eingang, aber meine Beine ließen sich nicht überreden, eher noch machte sich jetzt mein Magen bemerkbar, der sich mit einem Mal so anfühlte, als hätte jemand darin eine Flasche Essig darin ausgeschüttet.

Ich brachte mich dazu ganz tief ein und auszuatmen und auch wenn sich mein Gesicht so anfühlte, als wäre jegliches Blut daraus verschwunden, schaffte ich den ersten Schritt. Dann noch einen und noch einen und nach einem weiteren tiefen Atemzug ergriff ich den goldenen Türgriff und drückte die Tür auf, wodurch ein vertrautes Glöckchen über mir bimmelte.

Das Café hatte sich kein Stück im letzten Jahr verändert und der süßliche Duft von Schokolade und dem feinen Röstaroma des Kaffees stieg mir in die Nase. Das Café war gut besucht, wie letztes Jahr auch schon, aber trotz dessen, dass alle Plätze besetzt waren, drang bloß gedämpftes Stimmgewirr zu mir durch, während mir aber keine Beachtung geschenkt wurde. Dem Himmel sei Dank, also bahnte ich mir unbemerkt von Gästen oder meinen Arbeitskollegen den Weg zur Theke, hinter der eine mir bekannte Person gerade die italienische Kaffeemaschine bediente.

„Mrs. Marino?“, fragte ich und die Dame drehte sich sofort zu mir und lächelte ihr mir so liebgewonnenes, sanftes Lächeln.

Mrs. Marino war eine gertenschlanke, fast zu dünne, italienische Frau, die wohl bereits in ihren Sechzigern war, aber darauf deuteten bloß ihre schwarzen, mit grauen Strähnen durchzogenen Haare und die ausgeprägten Falten an ihren Augenwinkeln hin. Außerdem liebte sie ihr Café fast so sehr wie Mr. Marino, der sich im Hinterzimmer mit den Finanzen beschäftigte, das merkte man schon an ihrem vertrauten Umgang mit den Gästen. Jeder Gast war ihr gleich viel wert, egal ob Stammgast, oder bloß jemand der einmal aus Neugier hereinschaute.

„Daisy, Liebes, was bin ich froh, dass du diesen Sommer wieder hier bist“, sie kam hinter der Theke hervor und nahm meine Hände in ihre, so als wären wir alte Freunde und nicht in einem Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis. Aber ich war froh, dass es so war, denn Mrs. Marinos mütterliche Gesten schafften es, mich unmittelbar sicherer zu fühlen und etwas der Nervosität abzubauen.

„Und ich erst, ich habe es hier vermisst“, antwortete ich und realisierte, dass ich diesen Ort wirklich vermisst hatte, obwohl ich mich zuvor noch dermaßen gefürchtet hatte, was der heutige Tag wohl bringen würde.

„Jetzt bist du ja wieder hier und du lebst dich sicher ganz schnell wieder ein“, sie wuselte zurück zu dem Cappuccino, den sie gerade vorbereitet hatte, „Wenn du mir den doch bitte gleich zu Tisch fünf bringen könntest.“

„Natürlich, ich bringe nur ganz schnell meine Tasche weg.“

Und so verging der Tag in einer Routine, die ich ganz schnell wieder beherrschte, Bestellungen aufnehmen, bringen und sich um die Gäste kümmern, das konnte ich noch immer und auch wenn das Tablett auf meiner Hand die ersten Male verräterisch zitterte, ich bekam es hin und das erleichterte mich so sehr.

Der Tag verging auch schnell genug und ehe ich es mich versah, verabschiedete ich mich von Mrs. Marino und wurde von Kurt wieder abgeholt, der offensichtlich überrascht war von meiner guten Laune.

„Spaß gehabt?“, fragte er mich, als wir wieder in der Eingangshalle der Schule ankamen und ich nicht aufhören konnte zu grinsen.

„Ja, mehr als ich erwartet hatte.“

„Dafür, dass du davor so blass warst, das man meinen könnte, du würdest gleich umfallen, siehst du jetzt aber wirklich wieder einigermaßen in Ordnung aus.“

„Ach, na vielen Dank, hat man das wirklich so sehr gemerkt?“, ich war wohl wirklich eine Niete im verstecken meiner Gefühle.

Er nickte bloß und ich zuckte mit den Schulter. „Was solls, vorbei ist vorbei und beim nächsten Mal bin ich gleich gar nicht mehr nervös.“

„Das ist schön, aber ich habe ganz andere Nachrichten, Peter hat uns Wanda vorgestellt.“

„Er hat was?!“, meine Stimme brach fast vor Hysterie, die sich in ihr breitmachte und meine gute Laune verdünnisierte sich schlagartig.

„Ja, er schien übrigens auch nicht wütend oder so nur etwas zerstreut, also mehr als sonst, Wanda ist etwas eigen, aber das war vermutlich auch nicht anders zu erwarten.“

„Wird er sie mir auch noch vorstellen?“, fragte ich und wurde überrascht von einer Welle der Enttäuschung, auch wenn ich nicht wusste wieso.

„Ich weiß es nicht, vermutlich, er zeigt ihr meines Wissens nach gerade das Haus, aber danach wird er sicher zu dir kommen. Die anderen sind übrigens schon beim Abendessen, komm mit.“

Wir gingen zum Abendessen und ich war mir sicher, dass Peter mir Wanda sicher heute noch vorstellen würde, oder zumindest, dass wir heute noch miteinander reden würde und ich war mir sicher, dass das gleich beim Abendessen passieren würde. Aber er tauchte nicht auf. Während ich den anderen kurz von meinem Tag erzählte und dann versuchte etwas über Wanda von ihnen zu erfahren, war ein Teil meiner Aufmerksamkeit immer bei der Tür zur Kantine, durch die weder Peter noch Wanda an diesem Abend traten.

Aber meine Hoffnung gab ich nicht auf, denn ich entschloss mich noch auf einen Spaziergang durch den Garten zu begeben, bei dem sich Jean anschloss. Unglücklicherweise, denn ich wusste ganz genau warum.

Wir streiften also durch den Garten, der nebenbei bemerkt riesig war und während ich eigentlich nur hier war um einer bestimmte Person meine Anwesenheit auf die Nase zu binden, damit diese bestimmte Person mir eine andere bestimmte Person vorstellen konnte, war ich mir sicher, dass Jean ihren Versuch von heute Mittag erneut starten würde.

„Ich bin mir ganz sicher, dass Peter nicht sauer auf dich ist“, sagte Wanda dann und ich nahm mir die Zeit um einen ganz tiefen Atemzug zu nehmen bevor ich ihr antwortete.

„Ja, ich bin mir auch sicher“, sagte ich dann.

Sie blieb stehen und drehte ihren Kopf überrascht zu mir, wobei sie ihren Blick zuvor noch auf den Boden gerichtet hatte.

„Wie kommt dieser Sinneswandel denn jetzt?“

„Ach, weißt du, nachdem nun genug Zeit zwischen heute Mittag und Jetzt liegt, kann ich sagen, dass Peter mit Sicherheit nicht wirklich sauer ist, er ist vermutlich einfach nur mit dem Kopf ganz bei seiner Schwester. Was ich voll und ganz verstehe, da ist es auch legitim, dass er nicht will, dass seine Schwester irgendwie verletzt wird.“

„Wow, die Antwort hätte ich jetzt nicht erwartet, er hat uns übrigens heute auch nicht viel Beachtung geschenkt, nachdem er uns Wanda vorgestellt hat.“

„Kann ich mir vorstellen.“

„Sie wirkt übrigens nicht so instabil, wie ich sie mir vorgestellt hatte, nur etwas schüchtern vielleicht.“

„Also nicht so psychisch kaputt, wie wir wohl alle dachten?“

„Nein, sie wirkte auf mich ziemlich normal, außerdem ist psychisch kaputt ziemlich gemein, findest du nicht?“, sagte sie und ich verdrehte innerlich meine Augen bei ihrem maßregelndem Ton, aber sie hatte recht.

„Ja, schon gut, ich wusste nicht genau wie ich es ausdrücken sollte, aber mal ganz ehrlich, wir beide sind auch keine Vorzeigebeispiele.“

„Du meinst, du bist immer noch nicht über deine Eltern … hinweg?“, bei jedem anderen hätte das vermutlich verletzend geklungen, aber Jean hatte ein eindeutiges Talent dafür sich bei Menschen nach ihren tiefsten Problemen zu erkundigen, ohne das sie sich dabei angegriffen fühlen.

„Wie sollte ich jemals“, antwortete ich und um ehrlich zu sein, hatte ich den Gedanken an die beiden in letzter Zeit größtenteils verdrängt, wenn ich nicht doch noch von Alpträumen heimgesucht wurde.

„Ich meine, ja, ich habe mich irgendwie damit abgefunden, dass sie tot sind und auch warum sie es sind, aber ich würde oft am liebsten schreien“, und das wurde mir erst so richtig bewusst, als ich es gerade ausgesprochen hatte.

„Warum tust du es nicht?“

„Jean, die Leute halten mich doch eh schon für ein komplett durchgeknalltes Huhn, da muss ich ihnen nicht noch einen Grund dafür geben das zu denken.“

Daraufhin musste sie lachen und ich wusste einfach nicht wieso, aber als wäre das nicht noch genug konnte ich mir ein Kichern auch nicht verkneifen. Meine Situation war so verworren und lächerlich, das man wohl nichts anderes tun konnte, als darüber zu lachen.

„Entschuldige“, sagte Jean dann, als wir allen Dampf, der sich wohl in letzter Zeit angestaut hatte, herausgelassen hatten und nichts blieb außer einem riesigen Grinsen in unser beider Gesichtern, „Aber du bist nicht alleine in dem Boot des Versagens, im Grunde ist das doch alles was ich tue.“

Und am liebsten hätte ich ihr dafür eine gescheuert, nicht weil ich wütend war, nein, sie sollte nur endlich verstehen, dass sie mehr war, als ihre Fehler sie glauben ließen.

„Jean“, mit einem hoffentlich eindringlichen Blick suggerierte ich ihr, dass sie jetzt besser zuhören sollte, „Hör endlich auf dich selbst so herunterzumachen, abgesehen davon, dass du in allem besser bist als ich und ich meine wirklich alles, nur weil es dir, wie vielen anderen auch, schwer fällt deine Kräfte im Zaum zu halten, heißt das nicht, dass du im Boot des Versagens sitzt. Wofür sind wir denn sonst überhaupt hier, wenn nicht, um zu lernen, die eigenen Kräfte zu kontrollieren?“

„Du sagst das so einfach.“

„Ja, weil es so einfach ist, hör auf an dir selbst zu zweifeln und alles andere kommt von selbst.“

Und nachdem ich das gesagt hatte kehrte einvernehmliche Stille ein, die ich einerseits begrüßte, aber andererseits sofort unterbrechen wollte. Aber sie brauchte wohl Zeit um ihre Gedanken zu sortieren und was gab es dafür Geeigneteres als einen Spaziergang?

Währenddessen schweiften meine Gedanken in Richtung Peter ab und ich war überzeugt, dass zwischen uns alles in Ordnung war, weil ich einfach keine Lust darauf hatte mir noch mehr inneren Stress zu machen. Den hatte ich schon reichlich aus gegebenen Anlässen, die psychisch bedingt waren aber auch damit zusammenhingen, dass ich wieder in die Arbeit musste, bald, und selbst wenn es heute wirklich gut gelaufen war und mir, man höre und staune, kein Fehler aus Schusseligkeit passiert war, es könnte jederzeit soweit sein und ich würde mich unweigerlich blamieren.

„Wie läuft es eigentlich mit Scott?“, fragte ich dann und sie tauchte aus ihrem Gedankenpool mit einem derartig glücklichen Grinsen auf, dass ich immer wieder froh bin, Scott den letzten Schubser gegeben zu haben.

„Er ist einmalig, ich hätte nie gedacht, dass er so einfühlsam sein könnte, aber er ist wahnsinnig aufmerksam und spürt es sofort, wenn es mir nicht gut geht und … ich will dich damit jetzt aber nicht belästigen.“

„Nein, nein, ich habe gefragt, da werde ich das jetzt auch aushalten“, antwortete ich und während eine wahre Flutwelle aus ihr hervorbrach, konnte ich mich nicht davon abhalten zu denken, wie es wohl wäre, selbst in einer Beziehung zu sein.

Dieser Gedanke verfolgte mich dann noch bis tief in die Nacht, sodass ich meine Zeit damit verbracht an die Decke zu starren und mir vorzustellen, ich hätte jemanden, der mehr mit mir sein wollen würde, als bloße Freundschaft, denn auch wenn ich dankbar dafür war, dass ich meine Freundesgruppe hatte, mir fehlte etwas, von dem ich nicht genau wusste, was es war.


Hallo meine treue Leserschaft,
ja, ich weiß, ganze drei Monate, aber ich bin hier, mit einem neuen Kapitel bei dem selbst ich überrascht bin, dass kein Peter in Person vorkommt, aber es hat sich nicht ergeben, dafür im nächsten, versprochen. Dann hoffe ich nur, dass alles soweit Sinn ergibt und nicht zu hastig und gedrängt wirkt. Außerdem noch ein ganz liebes Dankeschön an alle, die seit dem letzten Kapitel gereviewt, favorisiert, eine Empfehlung dagelassen oder einfach nur gelesen haben. Danke, danke, danke, ich seid die besten.
Bis hoffentlich bald, einen Teil von nächsten Kapitel habe ich zumindest schon.
Alles Liebe und liebe Grüße
Ladybug
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