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Delirium

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Phoenix / Doktor Jean Elaine Grey Quicksilver / Pietro Maximoff
09.04.2019
14.07.2020
16
37.904
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13.04.2020 2.575
 
Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar nichts. Gefährlich sind nur die Streitigkeiten zwischen Menschen, die einander nicht ganz verstehen.

- Marie von Ebner-Eschenbach    



„Jetzt zapple doch nicht so“, ermahnte mich Jean, die neben mir im Foyer stand.

Was wir hier tun? Nun ja, heute war Montag, ich hasste Montage sowieso schon, aber heute passierte eine Sintflut an Dingen, angefangen mit der Bekanntgabe von den Stunden, in denen unsere Kurse stattfanden. Hank, der grundsätzlich alles händelte, was mit Organisation zu tun hatte, hatte auch die Kurspläne ausgetüftelt und jetzt lauerte ihm so gut wie die gesamte Schülerschaft, bestehend aus rund achtzig Schülern, auf, die wissen wollte, wann er endlich sagte, was Sache war.

Um zu wissen, wann man Hank wo auflauern konnte, musste man seinen Tagesablauf kenne, der so gut wie jeden Tag gleich war, mit Unterschieden der Unterrichtszeiten unter der Woche. Und damit man mich jetzt nicht für jemanden hielt, der in seiner Freizeit Hank stalkte, musste man wissen, dass Hank immer mal wieder von seinem Tagesablauf erzählte. Einmal hatte er uns von seinem neuesten Experiment erzählt und dabei zufällig erwähnt, dass ihm ein genialer Einfall beim Zähneputzen um viertel nach fünf Uhr morgens gekommen war. Somit konnte man sich erschließen, dass der Wahnsinnige schon um fünf Uhr aus den Federn kam.

Wenn ich nicht gerade meine nächtlichen Phasen habe, ist es beinahe unmöglich mich zu wecken und schon gar nicht um fünf Uhr morgens. Da ich das Frühstück für gewöhnlich ausfallen ließ, stand ich höchstens eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn auf. Ich hatte meine Morgenroutine mittlerweile soweit verfeinert, dass ich kaum zwanzig Minuten für alles zusammen brauchte. Im Vergleich, Jean brauchte mindestens doppelt so lange, was bedeutet, dass sie auch eine Stunde vor mir aufstand, um noch frühstücken zu können. Man bedenke, Jean brauchte lange beim Essen, das war also einkalkuliert.

Darauf wollte ich aber nicht hinaus, wie waren gerade bei Hank, also, wenn man gut aufgepasst hatte, wenn er uns etwas erzählte, dann wusste man, dass Hank sich um neun Uhr morgens beim Professor befand, um etwaige Dinge zu besprechen und ungefähr um neun Uhr zwanzig das Büro verließ, also genau jetzt.

„Ah, ich kann mir schon denken, warum ihr alle hier seid“, begrüßte er die Schülerschaft und rückte seine Brille zurecht, „Ich habe die Stundenpläne hier und eigentlich hatte ich vor, … na egal, wenn ihr schon mal hier seid, kann ich sie euch gleich geben. Ich rufe euch einzeln auf. … Auch wenn das dauern kann“, den letzten Teil sagte er eher zu sich selbst, als zu uns.

Nach den ersten paar Leuten stellte ich fest, dass der Stapel alphabetisch geordnet sein musste und mit T war man wohl eher einer der Letzten. Na toll. Außerdem hatte natürlich immer mal wieder einer meiner Mitschüler eine Frage, die auch wieder Zeit kostete. Wir, das waren Ororo, Jean, Scott, Kurt und Peter, nahmen auf der Treppe platz und beobachteten, wie sich das Foyer langsam leerte.

Jean war als einzige von uns mit ihrem blöden G relativ früh dran und als sie sich wieder neben uns setzte, kam Kurt zu ihr, um sich schon mal anzusehen, wann der eine Kurs, den sie gemeinsam hatten, stattfand.

Ich wartete derweil mehr oder weniger geduldig und versank in meinen Gedanken, als ich schon wieder von der Tatsache, dass Wanda heute zu uns kommen würde, eingeholte wurde. Sie würde mittags ankommen also in guten zwei bis zweieinhalb Stunden. Zu meiner Verteidigung, nicht nur ich war ein Nervenbündel, sondern vor allem Peter, der seine Schwester jetzt schon ziemlich lange nicht gesehen hatte. Peters Mutter würde Wanda herbringen und vermutlich war Sadie, Peters kleine Schwester, auch dabei. Obwohl sie natürlich nicht wirklich klein war, sie war schließlich schon sechzehn und  damit nur ein Jahr jünger als ich, dafür war sie ein ganz kleines bisschen kleiner als ich. Zum Vergleich, ich war um einen halben Kopf kleiner als Peter. Das hielt er mir trotzdem immer mal wieder gerne vor und tätschelte dann herablassend meinen Kopf. Das machte mich natürlich wütend und er lachte mich dafür meistens aus und das machte mich noch wütender, bis ich dann selbst zu lachen anfing. Verzwickte Sache und sonderlich seriös wirkte ich dadurch nicht, geschweige denn willensstark, schließlich konnte ich mich nie für eine Emotion entscheiden.

Endlich, nach einer Wartezeit die sich wie ein Kaugummi gezogen hatte, rief Hank mich auf und händigte mir meinen Stundenplan aus. Nach einem kurzen Blick darauf fühlte ich mich, als wäre gerade eine Tonne Gestein von meinem Herzen gefallen. Ich hatte nur einmal am Nachmittag Unterricht und das war dem Himmel sei Dank Mittwoch, der Tag, an dem ich keine Schicht im Café hatte. Aber es folgte gleich wieder ein Schock, denn ich bemerkte, dass wir seit fünf Minuten schon Unterricht hatten, und zwar von zehn bis elf Uhr fünfzig „Weltgeschichte“. Ein paar Sekunden blieb mir mein Herz fast stehen, weil ich es hasste, wirklich hasste zu spät zu sein, dann aber fiel mir ein, dass der „Unterricht“, erst ab morgen seinen geregelten Ablauf nahm und schon hatte ich meinen Schock wieder verarbeitet. Ich wusste schon jetzt, dass dieser Tag wirklich nichts Gutes mehr mit sich bringen konnte und dabei war es erst fünf nach zehn Uhr morgens.

„Und? Wie sieht es bei dir aus?“, fragte mich Peter dann, der seinen Stundenplan schon längst hatte und bei dem ich auch vorher schon nachgeschaut hatte, wann wir den Buchklub hatten. Am Freitag von zehn bis elf Uhr fünfzig und ehrlich gesagt hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was Peter Maximoff jetzt plötzlich an Büchern so spannend fand.

„Ach nichts Aufregendes“, antwortete ich ihm, „Nur „Kreatives Schreiben“ ist Mittwochnachmittag, aber da habe ich glücklicherweise keine Schicht im Café.“

„Warte mal“, sagte er und hob seine Hand, „Seit wann arbeitest du in einem Café?“

„Ach“, antwortete ich und grinste fies, „Wusstest du das nicht? Ich arbeite diesen Sommer schon das zweite Mal dort und mein erster Tag ist heute.“

Oh ja, ich hatte zwar eigentlich vor es ihm gestern zu erzählen, aber nachdem er das mit seiner Zwillingsschwester offenbart hatte, wollte ich ihm einerseits nicht etwas vergleichsweise Unwichtiges auf die Nase binden, aber hauptsächlich wollte ich eine kleine Rache dafür, dass er mich im Unwissenden gelassen hatte.

„Wann hattest du vor es uns zu erzählen?“, fragte er dann und mein Grinsen wurde breiter, als die anderen antworteten.

„Oh nein, wir wussten davon“, sprach Ororo für sich, Kurt, Jean und Scott.

„Nein wie freundlich, ich sage jetzt einfach mal, dass wir quitt sind. Obwohl ich von deiner Rache fast etwas enttäuscht bin“, scherzte er und ich rollte mit den Augen.

„Ach komm schon, solange ich keine geheime Zwillingsschwester herbeizaubern kann, würde meine Rache immer enttäuschend sein“, erwiderte ich ebenso scherzhaft, auch wenn es mich wunderte, dass er auf einmal so locker war. Vor guten zehn Minuten wirkte er noch so angespannt, dass man meinen konnte, ihn würde es gleich zerreißen. Aber solange es ihm half, wenn man mit ihm Scherze trieb, war ich zufrieden. So nervös hatte ich ihn bisher nicht gesehen und ich konnte auch gut darauf verzichten, denn es machte mich selbst nur noch aufgeregter und wenn ich aufgeregt war, passierte er noch leichter, dass jemand in einem Wasserbad endete. Jean hatte damit am meisten Erfahrung, schließlich saß sie bei den meisten Prüfungen neben mir und kurz vor einer Prüfung war ich ein derartiges Nervenbündel, dass ich zur Gefahr für meine nähere Umgebung war. Aber solange ich sie trocknen konnte, war sie nicht allzu böse auf mich, selbst wenn ihre geliebte Frisur dabei ruiniert wurde. Ich war der Grund dafür, dass sie sich keine aufwändigen Frisuren mehr machte und stolz war ich darauf nicht, aber glatte Haare waren doch auch in Ordnung. Bei mir selbst kannte ich es gar nicht anders, schließlich war mir mein Schlaf wichtiger als irgendwelche Zöpfe, da konnte Jean noch so sehr insistieren, sie hatte nämlich Spaß daran anderen allerlei Frisuren zu machen. Tja, und wer durfte darunter leiden? Ich, natürlich, aber manchmal auch Jubilee, weil sie längere Haare und mehr Geduld hatte als ich.

„Hey Dazz“, damit holte Peter mich wieder aus meinen Gedanken.

„Hey Pete“, gab ich zurück, in dem Wissen, dass er diesen Spitznamen nicht leiden konnte. Wie erwartet rollte er mit den Augen.

„Lust auf eine Partie Schach?“, fragte er.

„Nope, sonst immer gerne, aber du erscheinst mir nicht in der richtigen Verfassung zu sein, um mit mir eine ordentliche Partie Schach zu spielen, bei der ich keine Chance habe. Mir würde ja langweilig werden, wenn du verlieren würdest.“

„Aber warum glaubst du, dass ich nicht in der richtigen Verfassung bin?“

Bevor ich antworten konnte, meldete sich Scott zu Wort: „Alter, du bist schon den ganzen Tag komplett von der Rolle, da würde ja sogar ich dich in Schach schlagen.“

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

„Ich bin überhaupt nicht von der Rolle, vielleicht ein bisschen aufgeregt, aber das ist auch schon alles.“

„Ach komm schon Peter“, sagte Jean und zog eine Augenbraue hoch, „Du hast heute beim Frühstück keinen Bissen angerührt.“

„Was? Nicht Mal eine kleine Schüssel Müsli?“, rief ich alarmiert aus, woher hätte ich das auch wissen sollen, zu dem Zeitpunkt hatte ich vermutlich noch geschlafen, oder war gerade dabei mich aus dem Bett zu quälen.

„Nicht einen Löffel, er ist nur dagesessen und hat die Cornflakes niedergestarrt. Ich hab mich nur nicht getraut etwas zu sagen, für gewöhnlich lässt man ihn besser in Ruhe, wenn er in so einer Phase ist“, antwortete sie mir.

„Das ist beunruhigend“, murmelte ich.

„Leute ich sitze direkt neben euch, könnt ihr mir mal sagen wo das Problem ist?“, kam es von Peter, der die Konversation zwischen mir und Jean genervt verfolgt hatte.

„Kann ich dir sagen“, mischte sich Kurt nun ein, „Du verhältst dich genau wie Daisy.“

„Hey“, beleidigt verschränkte ich meine Arme.

„Ist doch wahr, du sagst doch auch nichts, wenn es dir schlecht geht, heißt nicht, dass wir es nicht bemerken würden, ich meine so subtil seid ihr beide wirklich nicht. Also“, sagte er und wendete sich nun wieder zu Peter, „entweder zu erzählst uns jetzt, warum die Ankunft deiner Zwillingsschwester dich so bedrückt, oder du lässt es, aber wenn du es uns nicht erzählst wird es vermutlich nicht besser.“

Oh ja, weise Worte Kurt, weise Worte, hätte ich von ihm gar nicht erwartet, für gewöhnlich hielt er sich ja doch eher zurück.

„Mich würde aber auch interessieren, warum dich das so belastet“, meinte Ororo.

In mir keimte langsam der Gedanke auf, dass sie gar nicht wussten, in welch schlechter Verfassung Wanda zu sein schien, zumindest, wenn Peter mir die Wahrheit erzählt hatte und davon ging ich jetzt mal stark aus.

„Ja, das würde mich aber auch interessieren“, meinte eine leise, mir unbekannte Stimme und wir alle drehten synchron den Kopf in die Richtung woher sie kam.

„Wanda“, entwich es Peter und er stand blitzschnell vor ihr. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wie viel von unserer Unterhaltung hatte sie mitbekommen und vor allem, warum war dieses Mädchen kein Ninja geworden, so gut wie sie sich anschleichen konnte.

Das Mädchen, welches also Peters Zwillingsschwester sein sollte, glich von den Gesichtszügen her ihrem Bruder, wie ein Ei dem anderen. Ihre Haare waren hellbraun und leicht buschig, aber nicht lockig, das rührte wohl daher, dass sie viele und besonders dicke Haare hatte. So ähnlich wie bei meinen, nur das ihre Haare deutlich länger waren. Ich brüstete mich zwar immer mit meiner guten Menschenkenntnis, aber Wanda erschien mir nicht anders als Jean, Ororo oder ich. Sie war vielleicht etwas in sich gekehrt und scheu, was man an ihrer abweisenden Haltung erkennen konnte, aber ansonsten kam sie mir ziemlich normal vor, mal abgesehen von ihren Mutantenkräften, was auch immer ihre waren. Ich fragte mich aber, ob Peters Haare vor dem ersten Auftauchen seiner Mutation wohl auch so ausgesehen haben.

„Wanda hör nicht auf sie“, sagte Peter und deute mit einer Handbewegung auf uns anderen fünf und wir waren noch etwas, sagen wir mal, vor den Kopf gestoßen. Vor allem, weil sie viel zu früh hier war, sie sollte doch erst in zwei Stunden oder so ankommen.

„Sie wollten mich nur aufziehen“, versicherte er ihr, aber sie schien nicht sonderlich überzeugt.

„Ja, was solls, Mom und Sadie sind schon beim Professor und du sollst auch dabei sein“, dann drehte sie sich um und steuerte auf die offene Bürotür zu.

Wie konnten wir nur nicht mitbekommen, dass sie angekommen waren, wie sehr waren wir bitte in unsere Unterhaltung vertieft?

„Ja klar“, meinte Peter noch und folgte ihr zum Professor, jedoch nicht, ohne uns noch einen bösen Blick zuzuwerfen.

Ich hatte von Peter noch nie einen ernstgemeinten, bösen Blick kassiert und auch wenn er uns allen galt, es tat trotzdem weh.

„Ist er jetzt sauer aus uns?“, fragte ich und blickte unsicher in die Runde.

„Und wenn schon, der kriegt sich wieder ein, ich meine wir haben doch nichts getan“, meinte Scott und winkte locker ab.

„Wenigstens hast du sie nicht vor lauter Schreck in ein Wasserbad getaucht“, kam es dann von Ororo lachend und auch wenn sie recht hatte, erleichtert war ich trotzdem nicht.

„Das ist nicht lustig“, fauchte ich und bevor ich wusste woher das jetzt kam, war ich aufgesprungen und eilte in Richtung Garten.

„Was ist denn mit ihr plötzlich los“, hörte ich Ororo noch fragen, bevor ich draußen war.

Nichts war mit mir los, ich war nur wütend, weil Peter auf uns wütend war und ich nicht wollte, dass er wütend war. So ganz verstand ich die Situation auch nicht, aber ich wollte keinen Streit mit meinem besten Freund. Wir hatten uns doch nur Sorgen um ihn gemacht.

Meine Schritte beschleunigten sich immer mehr und ohne nachzudenken, kletterte ich auf den nächstbesten Baum. Leute, ich sage euch, ich klettere nie auf Bäume, hauptsächlich weil ich wusste, dass ich absolut unfähig war was jede Art von Sport anging, aber auch, weil ich Angst hatte hinunterzufallen. Aber mit Wut im Bauch war alles möglich und ehe ich mich versah, saß ich auf einem der breiten Äste der Eiche, die ich auserkoren hatte. Von hier aus hatte man einen guten Blick über das Gelände und über meine Mitschüler. Mir war niemand von den anderen gefolgt, worüber ich froh war, denn ich fühlte mich schuldig. Ororo hatte ja nichts mit meiner Wut zu tun und ich hatte kein Recht sie anzufahren, aber ich hielt es nicht aus, dass Peter sauer war. Außerdem wollte ich nicht, dass Wanda etwas Falsches über uns dachte, wir waren nämlich für gewöhnlich ein ziemlich gemütlicher Haufen, so im Großen und Ganzen.

Ich stöhnte, das war alles so falsch gelaufen, warum mussten sie auch früher ankommen als geplant, das war so nicht geplant. Warum lief nie etwas so, wie es sollte? Jetzt waren vermutlich alle wütend auf mich, ich habe es gewusst. Dieser Montag würde wohl die Hölle werden und dabei war es erst zehn oder elf Uhr. Bei dem Gedanken an die Arbeit im Café heute Nachmittag wollte ich mich einfach nur unter meinem Bett verstecken und nie wieder rauskommen, außer es gab Schokolade, und zwar kiloweise.


Hey Freunde,
dieses Kapitel ist weder korrekturgelesen, noch so lange, wie ich es eigentlich haben wollte und das Ende, ja tja, da weiß ich auch nicht so ganz, was mich geritten hat, aber macht euch keine Sorgen, das mit den beiden biege ich wieder hin, das gehört alles zum Plan.
Also, danke fürs Lesen und wir lesen uns bei meinem Tempo vermutlich in zwei Monaten wieder *entschuldigend grins*
Eure Ladybug
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