Before Darkness

GeschichteMystery, Romanze / P18
08.04.2019
03.07.2019
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Verschlafen öffnete ich meine Augen und kniff sie kurz daraufhin wieder zusammen. Die grelle Morgensonne schien mir warm ins Gesicht und eine leichte Brise zerzauste mein Haar, ich hatte keine Ahnung wann ich zuletzt eine Bürste in der Hand, geschweige denn ein Bad genommen hatte. Genau gesagt strotzte mein Körper nur so vor Dreck.
"Verschwinde von hier Abschaum" rief mir ein älterer Bootsmann zu. Erst jetz wurde mir bewusst das ich letzte Nacht, gegen eine Kiste gelehnt, am Harfen eingeschlafen war. Wie aufs Stichwort fing auch noch mein Magen an zu knurren. Ich rappelte mich langsam auf, meine Gelenke schmerzten von der unbequemen Stellung in der ich eingeschlafen war. Die Leute schenkten mir abwertende Blicke, natürlich, ich war eine Bettlerin, Abschaum, Arm. Zum zweiten mal knurrte mein Magen, vermutlich weil meine letzte Mahlzeit schon einige Zeit zurück lag. Stöhnend legte ich meinen Kopf in den Nacken und genoss die Sonne. Eine laute Schiffsglocke durchschnitt das kreischen der Möwen und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Am Hafen legte ein riesiges schwarzes Schiff an, die Segel warfen dunkle Schatten und zeigten leuchtend rote Flammen mit einem glühenden Herz darauf. Mit gerunzelter Stirn dachte ich angestrengt nach um welches Adeltum es sich hier handeln könnte, kam aber zu keiner Antwort. Leute brüllten Befehle und Männer schleppten Kisten von Bord, einige davon sicher reich gefüllt mit Schätzen. Ein komisches Gefühl kroch langsam über meinen Rücken und bereitete mir Gänsehaut, als ich den Blick hob trafen meine grünen Augen auf hellbraune. Ein Junge, um die 16 jahre, ungefähr ein jahr älter als ich erwiderte meinen Blick. Mein Atem stockte, die Intensität mit der er mich musterte war fast greifbar, aber auch ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Eine der ersten Personen die mich seit einiger Zeit wirklich ansah. Sein Gesicht hatte eine angenehm gesunde Hautfarbe, was im kontrast zu seinen dunklen Augenringen lag, die noch durch seine tief liegenden Augen betont wurden. Braune Haare hiengen ihm in einzelnen Strähnen ins Gesicht. Verdammt er war auf seine eigene art wirklich attraktiv. Er biss die Zähne zusammen, sein markanter kiefer trat nochmehr in den Vordergrund. Ein großer Körper unterbrach unseren Blickkontackt, erst jetzt wird mir bewusst das er von fünf Soldaten begleitet wurde. Sie trugen die selben Farben, die auch die Segel des Schiffes hatten. Woher kamen sie ? Ich wurde aus meiner Überlegung gerissen als ein kleines Säckchen vor mir landete. Es kam von dem jungen Mann, der mir ein kaum merkliches Lächeln schenkte und dann mit seinen Männern weiter ins innere der Stadt zog. Einen Moment überlegte ich den Beutel einfach liegen zu lassen, aber meine Neugier war einfach zu groß. Vorsichtig hob ich ihn auf, er passte perfekt in meine Hand, mit dem Daumen strich ich über die abgenutze Oberfläche. Sachte zog ich die Schnüre auseinander und schaute mir den Inhalt an, Geld, es war ein haufen Geld. Für einen Moment hasste ich mich selbst dafür das ich auf die spenden anderer angewiesen war. Meine Finger schlossen sich fest um den Beutel und ich machte mich ebenfalls auf den Weg ins Innere der Stadt.
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Der Trubel war schlimmer als sonst, hunderte von Menschen drängten sich zwischen den Ständen umher, von überall kamen andere Gerüche und Eindrücke die auf mich einprasselten. Ich kaufte mir das erst beste zu essen. Ein einfaches Gewürzbrot und eine kleine flasche Wein und suchte mir einen ruhigen Ort in einer Seitengasse. Vorsichtig zog ich den kleinen Beutel wieder hervor, nebenbei knabberte ich an meinem Brot. Ich beschloss die Münzen zu zählen, es waren genau 50 Lybra und eine Münze die ich zuvor noch nie gesehen hatte, ihre Prägung zeigte einen brüllenden Löwen und der Rand war komisch gezackt. Der Beutel würde mich eine ganze weile ernähren wenn ich sparsam war. Ich schob den letzten Bissen Brot in meinen Mund und trank den Wein aus. Er war unangenehm bitter. Die komisch aussehende Münze schob ich mit 5 weiteren Lybra in meine Hosentasche. Den Beutel band ich wieder zu und behielt ihn in den Händen, ohne aufzupassem trat ich zurück auf den Platz, die sich näherne Kutsch bemerkte ich erst zu spät. Mit einem dumpfen Schlag landete ich im Dreck. Für einen Moment fühlte ich mich schwerelos, im anderen hörte ich das dumpfe aufschlagen meines Körpers. Ich stöhnte auf und rollte mich zusammen. Eine Frau stieg aus der Kutsche, ihr Kleid war unglaublich voluminös und ihre lockigen Haare waren auf ihrem Kopf zusammen gesteckt. In ihrem Gesicht zeigten sich die ersten Falten und sie kniff verbissen die Lippen zusammen. "Das hat uns grade noch gefehlt" sagte sie zu sich selbst. "Fredrick hilf ihr auf", eine Sekunde später stand ein, ebenfalls gut angezogner, Mann neben ihr. Sein Gesicht wahr überraschend freundlich als er auf mich herab blickte. "Alles gut ? Ich helfe dir" ich nickte und setzte mich mit seiner Hilfe langsam auf. "Danke" meine Lippen bewegten sich wie von allein. "Nichts zu danken" seine stimme war angenehm und dunkel. Er drehte sich zu der Frau um "Nehmen wir sie mit?" Ihre Stirnfalten wurden noch tiefer "Wieso sollten wir, was bringt sie uns?". Mein Blick wanderte zu dem Säckchen mit Geld, ihr Blick folgte meinem. Ihre sauberen Hände standen im Kontrast zu dem Dreckigen Beutel als sie ihn aufhob. Sie passte nicht hierher. Sie schaute nicht mal hinein als sie sich nahe zu mir beugte, ihre Stimme kühl und abschätzend "Ich mache dir ein Angebot das du dir gut überlegen solltest", ich nickte langsam. "Du gibst mir diesen Beutel als eine art Mitgift und im Gegenzug nehmen wir dich mit in unsere Unterkunft, du bekommst Essen, Kleidung und wir geben dir Arbeit. Was hälst du davon?" Ihre Augen hatte eine Farbe die man gut als Sturmgrau bezeichnen konnte. Meine Blick senkte sich wie von selbst auf den Dreck in dem ich lag. Innerhalb von Sekunden hatte ich mich entschieden. Mit Hoffnung schaute ich auf "Ich nehmen das Angebot an". Ein breites lächeln legte sich auf ihr Gesicht. "Sehr gut" freudig klatschte sie in ihre Hände "Ich bin Miss Laurent". "Wir heißt du, Mädchen?" Fredrick streckte mir seine Hand hin, für einen Moment überlegte ich, dass könnte die Chance auf ein neues Leben, eine neue Identität sein, "Carmilla" ich nahm seine Hand und er stellte mich wieder auf die Beine. "Ein schöner Name", ich lächelte ihm breit an und folgte dem auffordernden Blick von Miss Laurent und stieg nach ihr in die Kutsche. Ein letztes mal schaute ich auf die Dreckige Straße, die seit einem halben Jahr, seit ich hier angekommen war, mein Zuhause war. Ich wendete schließlich meinen Blick ab als wir uns in Bewegung setzten.
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