Cooperatio ad malum

GeschichteRomanze, Horror / P18 Slash
OC (Own Character) Uta
08.04.2019
04.09.2019
9
12.688
2
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08.04.2019 1.449
 
Müde sah ich zu Boden. Ein neues Territorium alleine erkunden war doch schwerer, als ich zuvor annahm. Ich hatte zwar gehört, dass Tokyo eine Plage an ungezähmten Gouls hatte, aber dieses Ausmaß habe ich nicht erwartet. Egal wo ich hinging konnte ich den Geruch von Ghoulen wahrnehmen.

Auch das suchen nach einem neuen Wohnort belastete mich in diesem Moment. Mit meiner Akustikgitarre auf meinen Schultern schlenderte ich nun schon seit Stunden durch die Straßen Tokios, auf der Suche nach einem Motel, welches mir nicht suspekt war. Langsam musste ich wirklich einen Schlafplatz finden, denn mittlerweile verabschiedete sich die wärme bringende Sonne und die Straßenlaternen begannen zu flackern, um die Straßen zu erhellen.

Wieder kam mir der Geruch eines Ghouls entgegen. Ich sah mich um, doch fühlte ich keine Gefahr. Als ich gerade weiter gehen wollte, fanden meine Augen eine Aufschrift an einem Gebäude. "HySy Artmask Studio", laut den Öffnungszeiten an der Tür hatte es noch offen.
Kurz zögerte ich.
Ich wollte mir schon vor Monaten eine neue Maske besorgen. Meine momentane bekam ich mit 16, damals entsprach diese meinem Charakter. Doch Zeiten änder sich und Zeiten ändern dich.
Ich war nicht mehr das junge Ding von damals. Ich holte meine Maske aus meiner Gitarrentasche und betrachtete sie. Meine Finger glitten melancholisch über die Rillen und Kanten meines treuen Begleiters, welche so lange meine 2te Identität ausmachte. Ich drückte diesen Teil meiner Vergangenheit noch ein letztes Mal gegen meine Brust und nahm somit Abschied von ihr.
Bevor ich das Masken-Studio betrat, ließ ich meine alte Maske in einen nahe gelegenen Mülleimer gleiten und wollte nun hier in Tokyo ein neues Leben starten.
Ich öffnete die Türe und fühlte mich von Beginn an wohl. Die Ästhetik dieses Raumes nahm mich sofort ein und ich fühlte mich inspiriert sofort selbst etwas zu schaffen. Ich stellte meine Gitarre an der Wand neben der Tür ab und gab mich den Masken hin, welche nicht nur an den dunklen Wänden dieses Raumes hingen, sondern auch in der Mitte des Raumes ausgestellt wurden auf Kopfbusten.
Jede einzelne war einzigartig und dennoch erkannte man deutlich den Charakter des Schöpfers.
"Wenn wir in Wien so gute Maskenhersteller gehabt hätten, hätte ich mir schon längst eine neue zugelegt.", murmelte ich leise und wollte am liebten jede einzelne der Masken von der Wand nehmen. Was ich natürlich nicht machte, denn wenn man ebenfalls Künstler ist weiß man, dass man Kunstwerke nicht mit nackten Händen antatschen soll. Der minimale Fettfilm auf der Haut reicht, um das Kunstwerk zu verfälschen.
"Kann ich irgendwie helfen?", hörte ich direkt an meinem Ohr, wodurch ich eine Gänsehaut bekam. Die Stimme, welche mir diese Frage stellte, war tief, rau und dennoch melodisch. Ich drehte mich zu ihren Besitzer, welcher mich mit seinen tiefen roten Augen fest in seinem Blick hatte. Er sah zu mir hinunter, da er ungefähr einem Kopf größer als ich war. Insgesamt könnte dieser Mann für manche seltsam aussehen. Er hatte rabenschwarzes Haar, einen Sidecut auf der von mir gesehen rechten Seite und die restlichen Haare trug er zusammengebunden in einem Zopf. Ihn schmückte Lippenpiercing und ein Piercing an der Augenbraue. Die vielen Tattoos an seinem Körper und seine Ghoul-Augen rundeten das Bild für mich ab. Er wirkte wie ein einziges Kunstwerk.
Ich bemerkte das auch er mich begutachtete. Meine grauen, langen Haare fielen heute in Wellen über meine Schulter, da ich bis vor wenigen Stunden diese noch zu einem Zopf geflochten hatte. Sein Blick ging von meinen Snakebites zu meinem Septum, wanderte zu meinen Tattoos, zwischendurch beäugte er mein Outfit. Ich trug an diesem Tag einen schwarzen Hoodie mit japanischen Schriftzeichen auf den Ärmeln, welcher mir eigentlich zu groß war, aber ich liebte es einfach zu große Pullover zu tragen. Da mir mein Oberteil bis zur Mitte meines Oberschenkels ging, sah man die kurze Hose, welche ich darunter trug nicht. Natürlich verzichtete ich nicht auf meine Netzstrumpfhose und meine weißen Doc Martens.

Als ich merkte, dass er damit fertig war mich mit seinen roten Augen zu begutachten, legte ich meinen Kopf schief und setzte mein freundlichstes Lächeln auf.

"Ich seh mich nur um.", sagte ich freundlich und dachte mir, dass ich ihn damit los wäre. Ich wollte mich mit den Masken auseinandersetzen, nicht eine aufgebunden bekommen. Sie sollte mich und meinen Charakter repräsentieren. Dementsprechend drehte ich mich von dem schwarz Haarigen weg und bewegte mich weiter durch den Raum. Nichts.. Zumindest keine für mich. Nicht dass sie nicht alle ihren Reiz hatten, nur gab mir keine das Gefühl, dass sie zu mir gehörte. Mir entkam ein Seufzer.

"Noch nichts gefunden, das deinen Ansprüchen entspricht?", trotzdem, dass seine Stimme so melodisch klang schwang kaum bis gar keine Gefühle mit... Die Mischung irritierte mich etwas.

"Meinen Ansprüchen schon, nur mir nicht.", meinte ich und drehte mich wieder zu dem Künstler.
"Ich mache auch Sonderanfertigungen.", gab er mir zu verstehen.
Ich überlegte kurz und schüttelte dann meinen Kopf.
"Nein, dafür habe ich zu wenig Geld." Ich ging von den jungen Ghoul weg und schmiss mir meine schwarze Gitarrentasche, welche voll gekritzelt mit weißen Zeichnungen von mir war, über meine Schulter.

Ich bemerkte, dass er mir bis zu dieser gefolgt ist. Kurz fragte ich mich, ob er mich als potenzielles Abendessen sah, da er offensichtlich ein Ghoul war. Er versuchte es Nichtmal zu verstecken.

"Die Sonderanfertigungen kosten nicht sonderlich mehr, als die schon angefertigten.", sagte er während er meine Gitarrentasche begutachtete.

Nun war mein Interesse geweckt.
Die Preise der Masken waren nicht ohne, aber ich konnte sie mir leisten.
"Was, wenn auch diese dann nicht mir entspricht?", fragte ich provokant.
"Das sehen wir dann.", antwortete er schlicht.

Er machte eine einladende Handbewegung in das Geschäft, da wir ja momentan bei dem Ausgang standen.

Ich folgte dem Mann, welcher mir deutete, dass ich mich auf einem Sessel, welcher stark nach einem Tattoowiererstuhl aussah, niederlassen sollte.
"Darf ich deinen Namen wissen?", fragte er, als er gerade die Maße meines Gesichtes abnahm.
"Lovell." Er sah mir kurz in meine grauen Augen. Ich konnte nicht deuten, was in seinen Kopf vorging. "Steht dir.", hörte ich, als er kurz zur Seite ging um Notizen zu machen.
"Du bist nicht aus Japan?"
Seine Frage hörte sich für mich eher wie eine Tatsache an.
Ich nickte und wollte auf seine Skizzen sehen, bekam aber leider keinen Eindruck.
"Bist du alleine hier?" Ich fragte mich kurz, ob es sicher war ihm diese Information zu geben. "Leider.", kam es aus meinem Mund ohne das ich es wollte.
"Nun zu deiner Persönlichkeit. Du willst ja, dass dieses Werk zu dir passt." Es störte mich wenig, das er auf die vorige Information nicht einging.
"Lieblingsfarbe? Und warum?" Ich überlegte kurz.
"Schwarz, weil es vollkommen ist und alle Farben in sich birgt, außerdem ist es sehr poetisch und Weiß, weil es Reinheit repräsentiert. Und bitte sag jetzt nicht, dass schwarz und weiß keine Farben sind, ich wollte meinen Kunstlehrer immer schlagen für diese Aussage."
Kurz dachte ich ein Lächeln auf seine Lippen zu sehen, was ich dann aber als Hirngespinst abstempelte.
"Lieblingstier und warum?"
Die Antwort kam aus mir heraus geschossen. "Katzen, weil sie ästhetisch sind, sozial und dennoch Einzelgänger. Aber ich möchte bitte keine Kätzchenmaske."
Es leises Kichern könnte ich von meinem Gegenüber warnehmen. "Ich glaube, ich habe genug Eindruck von dir bekommen" , meinte er und legte seine Skizzen beiseite. Ich wollte gerade fragen, ob ich mir diese ansehen konnte, doch da meinte er bereits, dass er nun schließen wollte. Geschockt sah ich auf mein Handy. "Neun Uhr.", flüsterte ich fast schon. "Scheiße!" Ich schnappte meine Gitarre und machte mir bewusst, dass ich heute wohl irgendwo auf einer Parkbank schlafen musste.
Für meinen Kraftausdruck erntete ich einen verirrten Blick von... Ja genau... Ich wusste ja noch nicht Mal seinen Namen.
"Um neun schließen die meisten Seriösen Motels ihre Rezeption. Also kann ich schauen wo ich heute Nacht abbleibe.", meinte ich kühl und wollte mich selbst Ohrfeigen, weil ich die Zeit so übersehen hatte.
Er nickte in Gedanken. "Du kannst diese Nacht in meinem Apartment verbringen, wenn du möchtest." Ich sah geschockt in seine roten Seelenspiegel, welche mir ruhig entgegenstarrten. Ich fragte mich, ob ich dieses Risiko eingehen sollte, aber es war wohl sicherer in einem Apartment mit einem Ghoul, als draußen mit wer weiß wie vielen.
"Nur wenn ich deinen Namen erfahren darf." Er wusste vermutlich, dass ich auch ohne seinen Namen sein Angebot angenommen hätte.
„Uta."