Wenn plötzlich ein Wunder passiert

von Lizzz
GeschichteRomanze / P16
OC (Own Character) Pia Douwes
07.04.2019
09.11.2019
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Als Pia im Auto saß, atmete sie tief durch. Doch egal wie sehr sie sich dazu zwang, ruhig und ganz bewusst zu atmen – der Zorn in ihr brodelte weiter. Sie hatte das Gefühl, ihre Wut würde sie innerlich verbrennen, wenn sie ihr nicht endlich Luft machen würde.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Paul aus dem Haus und auf ihr Auto zugelaufen kam. Er war jedoch der Letzte, mit dem sie im Moment reden wollte. Sollte er doch mit seiner Linda reden und sich erklären lassen, welch wundersamer Zufall nun schon wieder für dieses Desaster verantwortlich war. Noch bevor er sie erreicht hatte, startete Pia den Motor und fuhr davon.


Auch während der Fahrt beruhigte sie sich kein bisschen, erst recht nicht, als sie im Rückspiegel sah, dass Paul ihr folgte. Sie verdrehte die Augen. Merkte er nicht, wie sehr es sie verletzte, wenn er ständig Ausreden für Linda suchte? Warum konnte er sich nicht einmal auf ihre Seite stellen – nicht mal jetzt?
Erst als sie Lindas Auto in einer Einfahrt stehen sah, wurde Pia bewusst, dass sie ohne Nachzudenken hierher gefahren war. Sie hatte ungefähr gewusst, in welcher Gegend Linda wohnte, damit dass es so leicht zu finden war, hatte sie jedoch nicht gerechnet.
Sie dachte nicht weiter nach, und parkte ihren Wagen kurzerhand am Straßenrand, fest entschlossen, das zu tun, wozu Paul offensichtlich nicht fähig war – Linda zur Rede zu stellen.

Nur Sekunden nach ihr, stieg auch Paul aus seinem Auto, das er hinter ihrem geparkt hatte.
Aufgebracht wirbelte Pia zu ihm herum: „Was? Hast du Angst ich würde deiner geliebten Ex die Augen auskratzen?“
„Nein, ich möchte in Ruhe mit dir reden“, versuchte Paul seine Freundin zu besänftigen. Doch Pia ließ ihn einfach stehen und ging zielstrebig auf die Haustür zu.
Das Klingeln blieb ihr erspart, denn noch bevor sie die Hand hob, öffnete Linda ihr schon.

Sie schien überhaupt nicht überrascht zu sein. Im Gegenteil, gelassen und mit selbstgefälligem Grinsen lehnte sie sich gegen den Türrahmen, verschränkte lässig die Arme vor der Brust und ließ ihren Blick über Pia, Paul und die beiden Autos vor ihrer Einfahrt schweifen.
„Oh, ihr kommt getrennt“, bemerkte sie mit teuflischem Lächeln. „Gibt es etwa Ärger im Paradies? Man hört ja gerade ungeheure Dinge.“
Pia bemühte sich sehr um Beherrschung – sie war eigentlich ein sehr friedlicher Mensch, aber im Moment hätte sie nichts lieber getan, als Linda mit bloßen Händen in der Luft zu zerreißen.
Doch sie riss sich zusammen und drängte sich wortlos an Linda vorbei, als wäre es ihr eigenes Haus, das sie gerade betrat.
Damit schaffte sie es tatsächlich Linda kurz ein wenig aus der Fassung zu bringen, doch sie brauchte nur Sekunden, um sich wieder zu fangen und folgte Pia, die bereits das Wohnzimmer erreicht hatte.
„Komm doch rein“, sagte sie unnötigerweise, als sie Pia nun gegenüberstand.
Die beiden Frauen starrten sich feindselig in die Augen, und würdigten Paul, der ihnen gefolgt war, keines Blickes.
„Was willst du hier?“ fragte Linda also und machte sich noch größer, so dass sie auf Pia hinabschauen konnte.
„Du hast diese Bilder an die Presse gegeben, gib es zu“, konfrontierte Pia sie unbeeindruckt mit ihren Vorwürfen.
„Ja. Und?“ erwiderte Linda kühl. „Du kannst mir nicht vorwerfen, ich hätte dich nicht gewarnt.“


„Moment!“ schaltete Paul sich ein. „Das warst tatsächlich du?“
Linda schaute zu ihm, bedachte ihn mit einem eiskalten Blick, den er so nicht von ihr kannte: „Wer sonst, Paul? Glaubst du wirklich eines deiner Flittchen wäre das gewesen?“

Pia sah wie Paul sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich und wie es in ihm arbeitete. Sie nutzte die Gelegenheit um ihre eigenen Fragen los zu werden.
„Und was erhoffst du dir von dieser Aktion? Glaubst du, wir trennen uns und Paul kommt zu dir zurück?“
Beinahe schon hysterisch lachte Linda auf: „Ich habe dir doch schon mal gesagt, dass ich das überhaupt nicht will.“
„Was ist es dann?“ wollte Pia wissen und war inzwischen wirklich kurz davor, die Antwort aus Linda heraus zu prügeln.
„Aber warum?“ wollte jetzt auch Paul wissen, der offensichtlich gar nicht mitbekommen hatte, was Pia gerade gesagt hatte. „Ich dachte zwischen uns wäre alles klar?“
Linda schüttelte den Kopf und stieß bitter aus: „Wie blöd bist du eigentlich? Das konntest du nicht wirklich glauben?“
„Aber…“
„Paul! Du begreifst immer noch nicht, was du mir angetan hast, oder?“
Sie ließ ihm keine Gelegenheit zu antworten.
„Erinnerst du dich an den Autounfall, den ich mit Juli hatte? Als das arme Kind allein im Krankenhaus saß, während ich operiert wurde? Nein? Kein Wunder, weil du da wieder eine von deinen Schlampen gevögelt hast!“
„Linda, ich habe mich…“
„Ja, du hast dich entschuldigt und es tut dir ja so leid“, unterbrach Linda ihn. „Und du glaubst damit ist alles vergeben und vergessen? All die Jahre, in denen du nachts nicht nach Hause gekommen bist und deine Hemden nach diesem ekelhaften Kaugummi-Parfüm deiner Flittchen gestunken haben? Wenn du dir nicht mal mehr die Mühe gemacht hast, deine lächerlichen Knutschflecken zu verstecken oder SMS zu löschen – oder diese schäbigen Fotos? Du denkst wirklich, ich könnte dir verzeihen, wie du mich über Jahre hinweg erniedrigt hast?“

Pia schluckte schwer und schaute zu Paul, der immer blasser wurde. Stocksteif stand er im Raum und schien zu keinerlei Regung mehr fähig zu sein.
Linda hatten ihnen Beiden jeden Wind aus den Segeln genommen und sie war noch längst nicht fertig: „Den Kindern zuliebe habe ich versucht, mit dir auszukommen – aber jedes Mal wenn ich dich ansehe kommen die Erinnerungen wieder hoch. Ich habe dich geliebt, mein ganzes Leben für dich und unsere Familie umgekrempelt – und du… du hast das mit Füßen getreten!“
Linda verstummte und starrte Paul in die Augen. Pia lief es kalt den Rücken herunter und sie hätte Lindas vorwurfsvollen und verachtendem Blick sicherlich nicht so standhalten können, wie Paul es tat.
Plötzlich brach Linda wieder die Stille und schrie ihn an: „Und jetzt -jetzt bist du plötzlich dieser perfekte Mann – für sie!“
Sie deutete auf Pia: „Ausgerechnet für sie! Was gibt sie dir denn? Sie ist doppelt so alt, wie alles was du in den letzten Jahren flachgelegt hast. Und plötzlich bist du spontan und fährst mal übers Wochenende nach Hamburg, steigst sogar in Flugzeuge und kaufst dir Anzüge. Aber glaubst du wirklich du wirst mit ihr glücklich? Als Mann an der Seite von…? Du kannst dich doch gar nicht so sehr zurück nehmen, das bist nicht du! Als ob du treu sein könntest, wenn sie Abend für Abend auf der Bühne gefeiert wird und wahrscheinlich eh kaum Zeit für dich haben wird, um dein übergroßes Ego bei Laune zu halten! Und von dem her solltet ihr Beide mir dankbar sein, dass ich die Sache einfach nur beschleunigt habe.“
„Stopp!“ Pauls Stimme donnerte durchs Haus und hallte von den Wänden wider, dass Pia regelrecht zusammenzuckte. „Du bist doch völlig irre! Ja, ich habe mich wie ein Arsch verhalten. Das habe ich eingesehen und mich weiß Gott wie oft bei dir entschuldigt! Aber es gehören immer zwei dazu. Ich dachte wir wären durch damit!“
„Wir werden nie damit durch sein“, erwiderte Linda kalt, sie spie ihm ihre Worte regelrecht entgegen. „Und glaub ja nicht, dass das schon vorbei ist. Du sollst wissen, wie es sich anfühlt, wenn man alles gibt und doch alles verliert. Ich mach dich fertig, das schwöre ich dir!“
Ihr Blick ließ keinen Zweifel daran, wie ernst es ihr war. Paul starrte mit einer Mischung aus Entsetzen und Zorn auf seine Exfrau und dann schließlich schwankte sein Blick zu Pia, die recht erschrocken hinter ihm stand.
Ein paar Herzschläge lang war es so still, dass jeder scharfe Atemzug deutlich zu hören war. Jeder von ihnen wartete darauf, das etwas passierte, das die Spannung, die in der Luft lag, endgültig zum Explodieren bringen würde.

Pia war die Erste, die das Geräusch wahrnahm, welches von der Treppe her zu ihnen hinüberhallte, und wandte den Kopf nach links. Sofort traf ihr Blick auf Juli, die mit ihren großen Augen erschrocken zu ihnen hinüber starrte.
Pauls Tochter stand auf der vorletzten Treppenstufe und zitterte.
„Ihr seid beide sowas von krank“, warf sie ihren Eltern vor und Pia hörte deutlich die Tränen in ihrer Stimme.
Das Mädchen riss ihre Jacke und eine Tasche vom Garderobenhaken und verließ fluchtartig das Haus.

Pia schaute von Paul zu Linda. Die hässliche Fratze geprägt von Hass und Rachsucht, die Linda gerade noch offenbart hatte, war verschwunden und mit jeder Sekunde, zeigte sich die Sorge deutlicher in ihrer Miene, ebenso wie bei Paul. Doch der war immer noch in einer Art Schockstarre gefangen.
Pia schlug die Augen nieder und murmelte an Paul gewandt: „Kümmer dich um deine Tochter.“
Dann tat sie es Juli gleich und verließ eilig Lindas Haus.
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