Wenn plötzlich ein Wunder passiert

von Lizzz
GeschichteRomanze / P16
OC (Own Character) Pia Douwes
07.04.2019
10.10.2019
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Wie sich herausstellte hatte Pia sich scheinbar tatsächlich zu viele Gedanken darum gemacht, was Juli von ihr dachte. Auf ihr Drängen hin, hatte Paul seine Tochter noch angerufen und nachgefragt, ob sie mit einem gemeinsamen DVD-Abend einverstanden wäre.
Zwar war Juli anfangs noch schüchtern und sehr zurückhaltend, doch jedes Mal wenn Pia auf sie zuging und sie ansprach, schien Juli sich ehrlich darüber zu freuen und gab sich Mühe, eine Unterhaltung am Laufen zu halten.

Der wirkliche Eisbrecher zwischen ihnen war dann die Filmauswahl. Juli hatte sich den neuen Avengers-Film ausgesucht und war regelrecht schockiert über Pias Frage, ob Batman dabei wäre.
Juli war der Ansicht Pias Bildungslücken in Sachen Marvel-Universum und Superhelden-Teams unbedingt schließen zu müssen, bevor sie den Film schauen konnten und so ließ Pia einen sehr ausführlichen, aber deswegen nicht unbedingt interessanten Vortrag über Iron-Man und Co. über sich ergehen. Auch Paul teilte begeistert sein Wissen mit ihr und so stellte Pia überrascht fest, dass nicht nur in Juli, sondern auch in ihrem Freund, wohl ein ziemlicher Nerd steckte.

Während Paul und Juli mit Begeisterung das Geschehen auf dem Bildschirm verfolgten, beschloss Pia für sich, dass sie das nächste Mal den Film aussuchen würde. Der Gedanke daran, dass sie nun selbst schon an ein nächstes Mal dachte, ließ sie lächeln. Genau in diesem Moment schaute Juli zufällig zu ihr herüber und erwiderte das Lächeln, ehe sie sich wieder auf den Fernseher konzentrierte.
Paul hatte den Blickwechsel bemerkt, legte Pia den Arm um die Schultern und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich hab dir doch gesagt, dass sie dich mag.“
Entspannt lehnte Pia ihren Kopf an Pauls Schulter und wartete geduldig auf das Ende des Films.

Erleichtert atmete sie auf, als endlich der Abspann lief.
„Und wie hat er dir gefallen?“ wollte Juli wissen.
Pia bemühte sich um ein Lächeln: „Ja, war ganz nett.“
Juli schien noch nicht zu wissen, dass „nett“ in diesem Zusammenhang nichts Gutes bedeutete und schlug enthusiastisch vor: „Es gibt noch viel mehr solche Filme. Wie wäre es mit einem Marathon?“
Schnell schaltete Paul sich ein: „Aber nicht heute. Wir müssen morgen alle früh raus. Ich muss dich ja noch zu deiner Mutter bringen, bevor wir uns auf den Weg machen.“
„Ach ja, diese Preisverleihung“, fiel es Juli ein. „Das ist bestimmt voll cool. Bist du nominiert oder überreichst du einen Preis?“
Pia erzählte ihr von dem Ehrenpreis, den sie bekommen sollte, von weiteren Kollegen, die ebenfalls vor Ort sein würden, und wer noch alles nominiert war und Juli hörte gespannt zu.
„Das hört sich so cool an“ seufzte Juli. „Wollt ihr mich nicht mitnehmen?“
Pia konnte schlecht einschätzen, ob diese Frage überhaupt ernst gemeint war und warf einen hilfesuchenden Blick zu Paul. Juli mitzunehmen, kam für sie eigentlich überhaupt nicht in Frage. Es war schon ein großer Schritt Paul mitzunehmen und ihn ihren Kollegen und nicht zuletzt auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber dann gleich noch mit Juli im Gepäck, das wäre wohl etwas zu viel des Guten.
Glücklicherweise mischte Paul sich schnell ein und brachte Pia somit gar nicht erst in die Verlegenheit, antworten und Juli möglicherweise vor den Kopf stoßen zu müssen.
„Das geht nicht, Spatz“, sagte er liebevoll, aber trotzdem in einem Ton, der keine Widerrede zuließ.  „Das ist immerhin abends und wird lange dauern, das ist noch nichts für dich.“
Juli schob die Unterlippe nach vorne, doch Paul ließ sich nicht erweichen: „Das ist mein Abend.“
„Geht’s nicht eher um Pia?“ konterte Juli frech und Pia konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber das ist bestimmt voll cool“, jammerte Juli.
„Ich erzähl dir alles“, bot Paul an und Juli verdrehte die Augen: „Super.“
„Hey“, schaltete Pia sich in das Gespräch ein. Irgendwie hatte sie das Gefühl nun wieder Pluspunkte bei Juli sammeln zu müssen. „Wenn dein Vater einverstanden ist, dann hätte ich da vielleicht ein kleines Trostpflaster: In ein paar Wochen ist die Premiere von Adams Family und wenn du Lust hast, dann reserviere ich euch beiden zwei Tickets auf den besten Plätzen. Wie wäre das?“
Beide warfen einen Blick zu Paul, dem natürlich gar nichts anderes übrig blieb, als zuzustimmen.

Gerade als sie dachten, jegliche Diskussionen wären damit vom Tisch, legte Juli nach: „Kann ich dann morgen nicht wenigstens hier bleiben?“
Paul schüttelte den Kopf: „Du weißt doch, dass wir schon morgens losfahren und über Nacht nicht da sein werden.“
„Ich bin kein kleines Kind mehr“, erwiderte Juli. „Ich kann ruhig mal eine Nacht allein sein.“
„Das ist doch völlig unnötig, wenn deine Mutter zuhause ist.“
Wieder verdrehte Juli die Augen: „Das ist ja das Problem.“
Pia fühlte sich etwas unwohl und fehl am Platz. Kurz überlegte sie, ob sie ins Bad gehen sollte, aber dann war sie doch zu neugierig und wollte das Gespräch weiter verfolgen. Also tat sie so, als hätte sie eine Nachricht auf ihr Handy bekommen und wäre furchtbar konzentriert dabei diese zu beantworten.
„Du hast ja keine Ahnung, wie die zur Zeit drauf ist“, maulte Juli. „Egal was ich mache, alles ist falsch. Ständig mault sie nur rum.“
Paul legte den Kopf ein bisschen schief: „Spatz, ich glaube so geht es vielen Töchtern in deinem Alter mit ihren Müttern. Das war bei deinen Geschwistern nicht anders.“
Juli schüttelte den Kopf: „Willst du das jetzt auf diesen Pubertäts-Quatsch schieben? Ich mache wirklich gar nichts und trotzdem findet sie immer einen Grund einen Streit anzufangen.“
Paul versuchte sich verständnisvoll zu geben, was ihm in Pias Augen katastrophal schlecht gelang.
„Vielleicht liegt es ja daran, dass du gar nichts tust?“
„Boah“ schnaubte Juli wütend. „So habe ich das doch gar nicht gemein. Aber klar, dass du wieder zu ihr hältst. Du musst ja auch nicht mit ihr unter einem Dach wohnen und dir täglich ihre Ausraster geben. Papa ehrlich, die sucht regelrecht Streit. Ich will lieber bei dir sein.“
„Und ich habe dich gerne hier bei mir. Aber es sind doch nur zwei Tage, solange werdet ihr euch doch sicher verstehen“, versuchte Paul sie zu besänftigen. „Und sobald ich wieder da bin, hole ich dich ab, wenn du möchtest. Okay?“
„Oh ja, ganz klasse“, maulte Juli beleidigt und schien sich dann aber wieder daran zu erinnern, dass sie nicht allein, als ihr Blick auf Pia fiel, die immer noch mit ihrem Handy beschäftigt war. „Ich gehe ins Bett. Gute Nacht.“
Auch Pia und Paul wünschten ihr eine gute Nacht und sahen ihr hinterher, wie sie davon stapfte.
„Sorry“, murmelte Paul an Pia gewandt. „So sollte das nicht laufen.“
„Schon okay“, antwortete Pia und obwohl sie es eigentlich gar nicht wollte, musste sie über das nachdenken, was Juli gerade über Linda gesagt hatte. War es wirklich so, dass sie Streit mit ihrer eigenen Tochter anzettelte, damit die lieber bei ihrem Vater war? Der Gedanke, dass eine Mutter so etwas tun würde, erschien Pia absurd, allerdings traute sie Linda inzwischen so einiges zu.
Allerdings war Juli 14 Jahre alt und mitten in der Pubertät, da hörte man doch oft, von Streitigkeiten mit den Eltern. Also hatte vielleicht auch Paul einfach Recht und es war normal, dass Teenagertöchter nunmal oft mit ihren Müttern aneinandergerieten.

„Und?“ durchschlug Paul ihre Gedanken, als er näher an sie heran rutschte und sie in den Arm nahm. „Bleibst du über Nacht?“
Er nutzte Pias Zögern aus, griff mit der Hand in ihren Nacken und küsste sie zärtlich.
„Das ist unfair“, nuschelte Pia gegen seine Lippen, erwiderte aber dennoch seinen Kuss.
Als er sich von ihr löste, grinste Paul ihr zu: „Dann geh doch, wenn du willst.“

Pia ging natürlich nicht. Am nächsten Morgen machte sie sich allerdings noch bevor Juli wach wurde auf den Weg, um Sansa bei ihrem Bruder abzuliefern und noch ein paar Sachen von zuhause zu holen.
Als sie schon wieder auf dem Weg zu Paul war, rief der sie an:
„Linda hat mir gerade eine Nachricht geschrieben, dass sie gerade sowieso unterwegs ist und Juli hier abholen könnte, wenn es uns recht ist. So würde ich mir den Weg sparen. Also: Ist dir das recht?“
Perplex antwortete Pia: „Natürlich.“
Als sie das Gespräch beendete, konnte sie ein zufriedenes Grinsen nicht unterdrücken. Na also, Linda meldete sich vorher an – ging doch. Dass Paul sie nun gewissermaßen um Erlaubnis gebeten hatte, war ihr aber schon fast wieder unangenehm. Hoffentlich würde sich das bald einspielen.

Als sie bei Paul ankam, stand Linda schon im Flur der Wohnung. Von Juli und Paul war nichts zu sehen.
„Hi“, grüßte Linda für ihre Verhältnisse recht kühl und sachlich. „Die Beiden suchen gerade noch Julis Ladekabel. Ich bin gleich weg.“
„Guten Morgen“, erwiderte Pia und versuchte freundlich zu lächeln. Nun standen sie sich gegenüber und hatten sich nichts zu sagen.
„Kann sich nur noch um Stunden handeln“, rief Paul aus Julis Zimmer und zerschlug somit Pias Hoffnung, dieser unangenehmen Situation bald zu entkommen.
„Na, habt ihr noch einen passenden Anzug gefunden?“ säuselte Linda schließlich in die Stille hinein. Und da war es dann auch wieder: dieses scheinheilige und inzwischen gut bekannte Lächeln.
Pia nickte: „Klar. Steht ihm super.“
„Ich weiß“, erwiderte Linda mit einem Schmunzeln. „Ich hoffe nur, du weißt auch wirklich, wen du da heute Abend mitnimmst.“
Pia wollte eigentlich gar nicht darauf reagieren, doch reflexartig sah sie Linda an, kaum dass deren Worte ausgesprochen waren.
Linda trat einen Schritt näher an Pia heran und senkte die Stimme zu einem Flüstern: „Dir muss ich ja sicher nicht erzählen, dass die Presse sich im Falle eines Skandals auch auf Z-Promis stürzt, um diese ordentlich zu zerfleischen.“
„Drohst du mir?“ erwiderte Pia äußerlich unbeeindruckt, obwohl innerlich sämtliche Alarmglocken schrillten.
„Gefunden“, rief Juli und erschien kurz darauf, mit Ladekabel, Tasche und Paul im Schlepptau.
Linda trat wieder einen Schritt zurück und lächelte ihrer Tochter entgegen: „Super. Dann lass uns mal abhauen Süße, damit Papa und Pia sich auf den Weg machen können.“
Juli verabschiedete sich mit einem Küsschen auf die Wange von Paul, winkte Pia zu und ging nach draußen.
„Ich wünsche euch viel Spaß, ich werde mir das mit Juli im Live-Stream anschauen“, sie winkte ihnen lächelnd zu. „Tschüss.“
Die Tür fiel hinter ihr zu und Pia starrte immer noch auf den Fleck auf dem Linda gerade noch gestanden hatte.
„Anzug und so weiter ist gepackt, meinetwegen können wir los“, verkündete Paul gut gelaunt.
Pia reagierte nicht.
„Pia? Alles in Ordnung?“
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