Re|s|ponse

von Chai
GeschichteFreundschaft, Sci-Fi / P16
Mr. Tidwell OC (Own Character) Visser Eins
07.04.2019
07.04.2019
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Re|s|ponse

Wie eine Feinstrumpfhose zog Fenya mir das Hosenbein des Raumanzuges über Waden, Knie und Oberschenkel. Seine wippende Handbewegung war vertraut. Das elastische schwarze Material war mit nichts zu vergleichen was ich auf der Erde kannte. Es passte sich durch meine Körperwärme an und legte sich anschmiegsam an jede Kurve als er es höher zog. Ohne die störende Gesäßnaht, die bei engen Hosen für unschöne Kamelhöcker zwischen den Beinen verantwortlich war, saß dieser Raumanzug perfekt und sah mit den roten Konturlinien sogar ziemlich schick aus. Man musste nur ausblenden, dass es die Farben des Vissers waren…
<Ich dachte es würde sich kühl anfühlen.>, gab ich zu und ließ meine Verwunderung darüber hervor sprudeln.
<Das Anzug besteht aus verschiedenen Schichten mit unterschiedlichen Funktionen. Ich weiß du denkst, es fühlt sich an wie ein, aber da unterliegst du einem Irrtum Eileen.>, begann Fenya mir zu erklären:
<die innerste Schichte regiert auf die Temperatur deiner Haut und dehnt sich oder ziht sich zusammen um sich deinem Körper anzupassen. In der nächsten Schichte sein elektromagnetische Impulsgeber verarbeitet, die reizen deine Haut und lösen somit eine biochemische Stoffwechselreaktion aus die dafür sorgt, dass dir automatisch warm wird. Darüber liegt eine Schicht die sich bei Schwerkraft stabil verhält und falls diese ausfallen sollte mit lichten Kontraktionen reagiert was deinen Kreislauf unterstützt und den Muskelabbau in der Schwerelosigkeit verhindert.>
Ich staunte ziemlich. <Wenn die Yirks mit friedlichen Absichten gekommen wäre, hätte ihnen die Nasa sicher ein Vermögen dafür hingeblättert.>, grinste ich.

„Passt es?“, fragt Illim und ich schaute hoch. Fenya war fertig damit mich in den Raumanzug zu kleiden und die Öffnung durch die er mich hatte schlüpfen lassen mit einen Gel zu versiegeln. Das Gel trocknete schnell ein und verband Anzug mit meiner Haut ohne zu kleben, dennoch war es elastisch ohne zu reißen.
„Ähm, ja, danke.“, sagte ich. Fenya mochte ihn Mittler Weile ganz gerne und suchte häufig Illims Gesellschaft. Sie hatten sich gegen das yirkanische Empire verschworen und waren Teil der Friedensbewegung geworden die gerade erst auf der Erde Fuß gefasst hatte. Fenya hatte mal erwähnt, dass es in der Heimatwelt auch Peacer gab, aber die mussten sich verstecken und waren eine Minderheit die der Rat der Dreizehn noch ignorierte. Je weiter weg man von dort ging, desto mehr dürstete die Yirk nach Freiheit. Für sich selbst und ihre Wirte. Man könnte sagen, mit der Distanz zur Heimat waren sie gezwungen über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich auch in sozialer Hinsicht weiterzuentwickeln.

„Was bin ich dir Schuldig?“, fragte ich und wusste nicht, was das Ding überhaupt kosten sollte oder wie yirkanische Währung überhaupt aussah. Doch er schüttelte den Kopf. „Fenya hat sich offiziell für die Mondmission registriert und damit steht ihm auch ein Raumanzug zur Verfügung. Einen zu tragen freiwillig, aber bei der Störanfälligkeit unserer provisorischen Basis dort höchst empfehlenswert. Außerdem würde es Stan schon reichen, wenn ihr mal einen Kaffee zusammen trinkt.“, zwinkerte Illim mir zu. „Das ist ein Thema, das wir bei Gelegenheit mal näher besprechen sollten, danke noch mal.“, meinte ich und winkte zum Abschied.
<Ich bin nicht mal von der Erde und kenne mich in euren Balzverhalten eindeutig besser aus als du. Um deine Gedanken zu beantworten, ja, Illim hat stellvertretend für seinen Wirt mit dir geflirtet.>, lachte Fen. <Und ich dachte, er wollte bloß nett sein und smalltalk machen…>, schmollte ich wegen der Belehrung durch mein Lieblingsalien.
<Aber wenn Stan sich für mich interessiert, angenommen wirklich auf romantischer Ebene, dann muss ich richtig mit ihm sprechen. Nicht so zwischen Tür und Angel. Illim ist doch dein Freund geworden, ich will das nicht belasten, weil ich Stan einen Korb gebe.>
Fenya überlegte kurz. <Das ist sehr diplomatisch gesprochen, aber ich denke nicht, dass es ein Problem für Illim wäre, wenn du Stan ablehnst. Wir Yirk sehen das etwas differenzierter als Menschen.>

Eine Stunde später wartete ich gespannt darauf, dass sich die Luke öffnen und ich meinen ersten Schritt auf den Mond machen konnte. Ich kannte die anderen die mitgekommen waren nicht, aber sie hatte sich ruhig verhalten. Ein Zeichen, dass die Yirk in ihren Köpfen ganz die Kontrolle hatten.
Die Luft in der Ausstiegskammer war abgelassen und ein grünes Licht blinkte schneller werdend wie der Selbst Auslöser einer Kamera. Lautlos öffnete sich die Luke und wir steigen aus.
Am liebsten wäre ich mit einem großen Sprung im Mondstaub gelandet, aber dann hätten Fenya und ich riesigen Ärger bekommen.
Zum Glück konnte durch die Kopfbedeckung niemand meine freudig glühenden Wangen sehen.
Am Raumanzug war eine Art enganliegender Badehaube montiert die man sich über den gesamten Kopfziehen konnte. Die Augenpartie war ausgespart für ein abgetöntes Sichtfenster. Die Maske verschloss meinen Mund und atmen konnte ich nur danke zwei kleiner Schläuche die in meiner Nase steckten und irgendwo in meinem Anzug mit Sauerstoff verbunden waren. Weil dieses Kopfkondom so eng war hörte ich lediglich das Rauschen in meinen eigenen Ohren.
Gesprochen werden musste ohnehin nicht. Die anderen Controller hatten ihre Aufgaben und wussten wo sie hin mussten.

Wir waren in einem Krater auf der Rückseite des Mondes gelandet. Hier brauchten die Yirk kein Hologramm zu installieren um vor neugierigen Menschenblicken zu schützen.
Dennoch war der Krater in sanftes Dämmerlicht getaucht. <Wie funktioniert das? Müsste es hier nicht Stockfinster sein?>, fragte ich und hielt den Kopf gerade, bewegte nur die Augen um mich umzusehen.
<Ganz recht. Die Kulturen die hier früher mal gelegt hatte haben einiges zurückgelassen das sich praktisch nutzen lässt. Nach neusten yirkanischesn Funden die auf dem Mond gemacht wurden müssen es so vier Kulturen gewesen sein. Das wissen wir, da wir unterschiedlichen Schriftformen gefunden haben.>
Ich bekam eine Gänsehaut bei der Vorstellung, dass auf unseren Trabanten schon langezeit vor den Yirks Aliens gehaust haben.
<Ach Eileen, die sind doch längst ausgestorben. Die Leuchtsteine die uns hier den Weg bescheinen haben an den Bruchstellen Abnutzungsgrade die auf eine Bearbeitung von vor 900.000 Jahren schließen lassen. Diese Spezies haben wohl durch Ferndiagnose der Veränderungen in der Atmosphäre erkannte dass sich auf der Erde Leben entwickelt hat. Visser Eins dagagen hat einfach nur gesehen, dass jemand das Licht angelassen hat und hat die Erde dann mit ihrem Team untersucht. Wusstest du dass Hendrick Chapman einer der ersten Human-Controller war?>

Da fiel mir auf dass der Boden nicht wirklich staubig war sondern von ebenmäßig runden Steinen bedeckt war. <Der Boden scheint mir nicht natürlich zu sein.>
<Gut beobachtet. Die Steine auf denen wir laufen sind im gesamten Krater ausgelegt worden und wirken wie dir Häarchen in deinem Ohr, sie fangen tieffrequente Schwingungen auf. So haben die wohl Kommuniziert. Du musst dort in der Mitte den Schacht runter.>
Der Schacht war ein schwarzer Kreis, ein Loch von knapp 10 Metern Durchmesser dessen Boden man nicht erkennen konnte. <Ernsthaft, da soll ich runter?> Da bekam man ja schon Beklemmungszustände, wenn man nur am Rand stand und in den Abgrund blickte.
<Tut mir leid Eileen, erst die Arbeit, dann das Vergnügen.>, sagte er zuversichtlich und es munterte mich ein klein Wenig aus.

In das nackte Mondgestein waren Tritte gemeißelt die einer Leiter glichen. In den senkrecht hinab führenden L-Förmigen Einkerbungen kletterten wir gute 50 Meter in die Tiefe. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten stellte ich fest, dass ich immer noch sehen konnte. Das war unheimlich. Zum Glück hatte Fenya meinen Körper nach ein paar metern übernommen, ich hatte zu zittern angefangen und hätte uns sicher nicht heil nach unten gebracht. Als meine Füße plötzlich festen Boden unter sich spürten. Der Boden schien uns förmlich anzuziehen. <Der ist hoch magnetisch und dein Raumanzug haftet automatisch daran, da hat schon während des Abstieges angefangen und wurde immer stärker je weiter wir nach unten kamen.>
Es fühlte sie schräg an. <Der Boden läuft hier wie ein Trichter zusammen. Im Zentrum ist wiederum ein weiteres Loch, dass konisch bin zum Kern des Mondes hinab führt.>

Die anderen waren vorgegangen und Fenyas Schritte trugen mich in den Schlund eines Tunnels. Ich fühlte mich wie Aladin in der Wunderhöhlte. Zunehmend wurde es heller. <Und die Yirks die heir arbeiten wollten nicht ein paar Lichter aufstellen?>, meinte ich und taute langsam wieder auf. Die Innere Kälte die dieses Gebilde ausstrahlte hatte etwas Übernatürliches und magisches.

<Yirk fürchten sich nicht vor der Dunkelheit.>, merkte Fenya an und es war das Einzige was er dazu zu sagen hatte. Die Ecken des Tunnels waren perfekte 90° Winkel und die Wände aalglatt poliert, ich hätte sie gerne berührt doch wir holten zu den anderen Controllern auf. Hier wurde es langsam lichter, in den Wänden leuchtete wieder Steinen wie oben im Krater, nur um einiges Stärker. Am Ende des Tunnels betraten wir eine unterirdische Kuppel die hell erleuchtet war. <Wir haben wir wie ich in den Dokumenten ersehen habe fast 90.000 LUX in Tageslichtqualität. Ein Sommertag in Inneren des Mondes.>
<Oh mein Gott, ich komm mir vor wie bei Jules Verne’s Reise zum Mittelpunkt der Erde nur auf dem Mond.>, staunte ich.
<Nun ja, du kennst seine Bücher. Wer sagt, dass er nicht schon mal hier war? Die letzten Besiedlungsspuren auf dem Mond verlieren sich so Mitte des 19. Jahrhunderts.>, verriet mir Fenya.
<Ich seh keine Lampen?>
<Das Licht wird biochemisch von Mikroorganismen erzeugt. Neben Licht produzieren sie auch Luft zu Amten. Und das wir uns jetzt innerhalb des Kraftfeldes befinden das dafür sorgt, dass die Luft auch drinnen bleibt…> Fenya schob die Maske von meinem Kopf und schüttelte meine Haare aus. Mein Herz hätte beinahe vor Schreck ausgesetzt. <Ich weiß du magst diese Maske nicht. Ein paar unserer Wissenschaftlern arbeiten schon daran sie Menschen-Kopf-Ergonomischer zu gestalten.>
Er zwang meine Lungen zum Atmen, die Luft war frisch, kühl und roch etwas nach Meer.
<Die Organismen ernähren sich von den salzhaltigen Gestein. Irgendwann in ein paar Millionen Jahren werden sich zur Oberfläche durchgefressen haben und jämmerlich zugrunden gehen.>, lenkte er mich ab. <Wie konntest du das so einfach tun? Ist die Luft auch sicher? Was ist mit Giftstoffen? Vertragen Menschen das überhaupt?>, kreischte ich panisch. <Aber sicher doch Eileen. Ich würde dich nie einer Gefahr aussetzen. Ich kenne die Messwerte hier und die anderen arbeiten schon länger hier, sodass wir etwaige schädliche Faktoren längs ausgemerzt hätten. Und jetzt gehen wir Andrey besuchen.>
Ich hatte mich beruhigt und war neugierig geworden. <Wen?>

In der Kuppel waren einige Container aufgebaut, es sah ein wenig provisorischer aus als im unterirdischen Poolkomplex meiner Stadt.
Wir liefen zwischen den Containern hindurch, diese waren wie ein Ring um ein Kugelförmiges Gebilde platziert. <Was zum Teufel ist das?>
Die Controller hier unten ignorierten es. <Was bitte soll das Fen? Warum erforscht das Ding denn keiner?>
<Weil es uninteressant ist.>
Als wir näherkamen erkannte ich die Form, es war eine aufgebrochene Sojus Kapsel. Schläuche und Kabel quollen daraus hervor. So stellte ich mir die Gedärme eines aufgeschlitzten Roboters vor. Aus der Öffnung kam ein warmes Licht, doch sowie ich sah was dessen unerschöpfliche Quelle war blieb ich angewidert stehen. Ein Mensch! Ein Mann um genau zu sein, sein Oberkörper war aus dem klobigen Raumanzug geschält wie einen Banane. <Was ist mit ihm passiert?> Es war so schrecklich zu sehen, wie die Kabel seine Arme auseinander streckten und ihn an eine groteske Jesus am Kreuz Figur erinnerten. Schläuche, die zu was auch immer dienten, steckten überall in seinem Körper. In Augen, Mund und Kehle aber auch zwischen den Rippenbögen und dem Bauchnabel. Sie wirkten ein wenig wie Tentakel bei denen man nicht sagen konnte ob sie aus dem Körper kamen oder in ihn eindrangen.
Ich wollte mich abwenden doch die Seite in mir die sich für Wissenschaft und Medizin interessierte wollte herausfinden was das sollte.

<Das ist Andrey, zumindest sagt das das Namensschilt auf seinem Anzug. Visser Eins Team hat ihn schon zu genüge erforscht. Er war der erste Mensch mit dem die Yirk Bekanntschaft gemacht hatten. Du kannst dir ihre Überraschung vorstellen als sie merkten, dass ihr keine halben Cyborgs wart. Man muss schon zugeben, bei allem was Visser Eins geleistet hat, war ihre Beförderung gerechtfertigt.>

„Fenya 462 vom Veekan-Pool?“, sagte eine Stimme hinter uns. Mein Freund ging blitzartig in Kontrolle was meinen Verstand unsanft in die Ecke drückte. <‘Tschuldigung.>
„Das ist korrekt. Sind Sie der Administrator hier?“
Der schmächtige Mann nickte und starrte auf meine Brüste. <Nur weil er in Augenhöhe ist braucht er nicht so offensichtlich zu starren, das ist eklig.>
„Du hättest dich gleich bei mir melden sollen Fenya.“
„Mein Dienst beginnt erst in einer Stunden, ich wollte mich noch Umsehen und mit der Umgebung vertraut machen um meine Aufgaben hier bestmöglich zu erfüllen.“
„Das weiß ich, ich habe dich eingeteilt. Aber hier in der Mondbasis gibt es gelegentlich kleinere Erdbeben und ich muss alle Neuen in die Sicherheitsmaßnahmen einweisen.“, sagte er mit schnarrende Stimme als würde es sogar im Wachzustand Schnarchen.
„Ich wurde nicht über Sicherheitsmaßnahmen informiert.“
„Nun dann werden wir das Ändern.“ Der Controller drehte sich zur Seite und legte dabei einen Arm um meinen Hüfte um Fenya mit sich zu ziehen.

Fen boxte ihm mit dem Ellenbogen gezielt unter die Achsel und wand sich aus dem Griff. Anschließen packte er die aufgedunsene Hand des Administrators und verdrehte sie so, dass er nur auf Abstand keinen stechenden Schmerz darin fühlte. „Im Zuge dessen möchte ich Sie auf den Standardabstand hominider Wirte aufmerksam machen der sich in Kontrolle durch einen Sanitäter verdoppelt. Bleiben Sie auf Distanz, meine Hände können nicht nur heilen.“, drohte Fenya im mit gesenkter Stimme. Ich wusste Fenya machte seine Drohungen auch wahr…
„Du bist respektlos, das werde ich dem Visser melden.“
„Im Krisenfall geht die Befehlsgewalt an den Ranghöchsten des medizinischen Personals. Selbst der Visser muss sich diesem Gesetz beugen. Wollen Sie dass ich Sie wegen Missachtung genereller Auflagen durch medizinisches Personal dem Rat melde? Der steht meines Wissens nach über unserem Visser.“
Wenn ich etwas nicht mochte, mochte Fenya es noch weniger und das machte er sehr deutlich.
Der Administrator murmelte eine Entschuldigung und schickte uns in einem der Container um die Sicherheitsunterweisung zum Verhalten während seismischer Beben selbst zu studieren.

Danach sahen wir uns die gesammelten wissenschaftlichen Aufzeichnungen an. Auf dem Kommandoschiff waren nur die verfügbar die auch weitergereicht worden waren, doch hier im Zentralarchiv der Mondbasis war das unzensierte Urmaterial. Alle Dokumente von den Aufzeichnungen und Berichten der Visser Eins Teams bis zu den neusten Forschungsergebnissen.
Auf der Erdzugewandten Seite gab es ein paar verwitterte Pyramiden, einen aufgeschütteten Wall, mehrere Bergbauanlagen und abgestürztes Wrack da eindeutig keine irdische Nation gebaut haben konnte.
Fenya zeigte auf die Karte und fuhr mit dem Finger eine Strecke darauf ab. <Da fahren wir später hin und uns die Erde an.> <Ja, das wäre wirklich cool.>
Vorher mussten wir allerdings noch mit einigen Gewebeproben unseren Versuchsaufbau bereitstellen um in ein paar Stunden ei ersten Ergebnisse zu haben.
„Hallo.“, sagte ein junger Mann im Blaumann. Man hätte meinen können wir wären auf der Erde und er würde gleich in seinen Pickup springen und zur nächsten Baustelle fahren. „Möge das Kandrona scheinen und dich stärken.“, entgegnet Fenya die Standargrußformel der Yirks.
„Ich bin Isslin. Arbeite drüben an der Schütte. Hab gehört du bist unserem Admin auf die Füße getreten. Find ich cool.“ Fenya unterbrach ihn. „Redest du immer so viel?“
„Sorry, der Visser lässt kaum neue Leute zu uns rein.“
Fenya blickte zu ihm. „Gibt es hier etwas ein mobiles Kandrona?“
„Ähm ja, wusstest du das nicht?“
„Nein. Aber weshalb lässt er dann die Arbeiter hier zur Nahrungsaufnahme zum Klingenschiff bringen?“
„Vielleicht weil er vorhat hier Super-Yirks zu züchten? Solltest du nicht herkommen um für die zu sorgen?“
<So eine Scheiß, was zieht dieser Irre hier schon wieder ab?>
„Bring mich hin.“, sagte Fenya und wir folgten dem Blaumann. Schraubenziehen und andere metallische Sachen klirrten wenn er ging.

In einer der Container war tatsächlich ein kleiner Pool aufgebaut. Mein Freund sah sich den Überwachungsmonitor an. <Diese Larven sind erst wenige Wochen alt aber schon 30% größer als ausgewachsene Yirk und sie wachsen weiter, ihre Hautmorphologie ist noch nicht im Endstadium.>, erklärte mir Fen da ich keine yirkanischen Wörter lesen konnte.
<Und woran liegt das?>, fragte ich, obwohl ich nicht so genau wusste, ob ich die Antwort dazu hören wollte.
<Es gibt hier ein Mondgestein das schwach Radioaktiv ist, damit wurde das Zellwachstum dieser Larven angeregt. Wie Pervers, dem Visser hätte doch einleuchten müssen, dass unser Erfolg doch gerade im Klein-Sein liegt. Ich denke der Pool wird beim nächsten Beben kaputt gehen.>, sagte Fen wohlüberlegt. <Und das Kandrona? Wenn es funktionsfähig bleibt, kann der Visser es reaktivieren und erneut Gott spielen.>
Ich wusste wie heilig das Kandrona den Yirk war. Es war ihre allereinzigste Nahrungsquelle!
<Es wird nicht stehen bleiben Eileen.> Ich spürte wie die Rädchen in seinem Verstand rotierten. Fenya würde den Visser sabotieren und dafür sorgen dass diese abscheulichen Experimente aufhörten. Wir wären eine Woche hier stationiert, danach konnte die Sinnflut kommen.
<Wenn wir zurück auf dem Kommandoschiff sind kann uns Illim sicher etwas besorgen das ein Beben hervorruft sobald wir es dem Mond in den Schlund geworfen haben. Hat der Visser halt Pech, wenn er das Loch da draußen nicht absichert.> Ich lachte: <Er hat Pech, wenn er dir ans Bein pisst.>

Fenya nahm einen der tragbaren Hologramm Kommunikatoren mit, dann stiegen wir wieder zur Mondoberfläche empor. Wie befreiend es hier oben war! Trotz der Maske fühlte es sich hier an, als könnte ich endlich wieder durchatmen.

In der Nähe des Abgrundes schwebten Hoverboards wie aus zurück in die Zukunft. Geformt waren sie allerdings so, dass man wie auf einem Schlitten darauf sitzen konnte. Fenya stieg auf eines auf. <Du steuerst es mit deinem Körpergewicht als würdest du ein Pferd ohne zügel reiten.>
In der Tat war es gar nicht schwer und ich hatte den Bogen schnell raus nachdem ich ein paar Mal ruckelnd angefahren war.

<Gut so Eileen.>
<Juup, das macht Spaß. Wohin jetzt?>
Fenya lenkte meinen Blick und ich flog in dieselbe Richtung los. Sobald wir den Krater passiert hatten schob der Mondstaub hinter uns in die Höhe und schwebte langsam wieder zu Boden. Wir hinterließen dabei eine Spur wie mit einem Jet-Ski der durchs Wasser pflügte.
<Wou hooouu, dafür hat es sich echt gelohnt herzukommen!>, jubelte ich. <Warte ab, bis du das Beste siehst.>, schnurrte Fenya.

Ich jagte mit einem Affenzahn über den Mond, ohne Atmosphäre die einen ausbremste konnte man selbst bei geringer Geschwindigkeit enorme Strecken zurücklegen, ganz zu schweigen wenn man dann auch noch Gas gab. Dabei fühlte ich mich wie mit 12 auf der schnellsten Achterbahn im Vergnügungspark. Der Geschwindigkeitsrausch wurde nur dadurch beendet, dass wir unser Ziel erreichten. Gerade schoss unser kleiner Schlitte über eine felsige Erhöhung und wir landeten sacht auch einem schmalen Plateau genau auf dem Rand des Mondhorizontes.
So schön wie der Anblick der Erde aus dieser Perspektive konnte es nur sein, wenn man nach Langerzeit in die Gesichter seiner Familie blickte.

Nach einer ehrfürchtigen Minute des Besinnens flüsterte ich: <Wärt ihr doch nur als Freunde gekommen!>