After the storm

von Liskaya
OneshotDrama, Schmerz/Trost / P12
OC (Own Character)
06.04.2019
06.04.2019
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Anfang Praios 1036

Friedlich lagen Felder und Wiesen in der sommerlichen Nachmittagssonne. Vögel zogen ihre Bahnen am fast wolkenfreien Himmel, in ewigwährenden Kreisen, als würden sie ihr Reich nie verlassen müssen, um irgendwann Ruhe zu finden. Der schmale Weg, der sich durch die Landschaft zog, war menschenleer. Bis auf einen Reiter, der in gemächlichem Tempo dem Weg folgte - zum Ende des Pfades, an dem es jedoch nichts mehr gab, was sich zu besuchen lohnte.

Die Ruinen von Burg Ritterstein lagen still in der hochsommerlichen Wärme. Wie ein stummes Mahnmal, erinnernd an Furchtbares, das sich nur wenige Tage zuvor hier zugetragen hatte. Die Trümmer waren frisch, vereinzelt fanden sich noch Blutspuren auf dem Burghof. Die anderen Gebäude waren ebenso zerstört, zerrissen von einem unheilvollen Sturm, der nicht nur hier Leben ausgelöscht und den Glauben mancher ins Wanken gebracht hatte. Keine Spur von Leben war mehr zu finden. Die wenigen, die überlebt hatten, waren fortgegangen.

Der Reiter zügelte sein Pferd und stieg ab. Ging einige Schritte in den Burghof hinein, der nun so anders aussah, dennoch friedlich und ruhig erschien. Am Tage des Unglücks hatte purpurnes Licht den Himmel beherrscht, die Sonne verschluckt und selbst die kleinsten Schatten grausig und wie Dämonen erscheinen lassen. Er glaubte, noch immer das tosende Brausen des Sturmes hören zu können, der die Mauern hatte einstürzen lassen und fauchend und schmerzhaft in sein Gesicht geschnitten hatte wie unzählige kleine Messer. Der Menschen fortgerissen hatte ins Verderben, den wenigen Überlebenden Heimat und Zuversicht genommen hatte.

Doch nicht die Hoffnung. Sein Blick folgte dem Pfad, der zum Wald führte. Er band das Pferd am Rest des halb zerfallenen Torbogens an und wandte sich in Richtung des in vollstem Blatt stehenden Waldes. Kräftiges Grün umgab ihn – vor wenigen Tagen war es fast grau erschienen im Schatten des violetten Himmels. Nun jedoch zerriss kein unheilvoller Wind die Stille, das leise Rascheln der vielen Blätter wurde nur ab und an von dem Zwitschern eines Vogels unterbrochen. Der buntgefiederte Vogel, der nun auf seiner Schulter ruhte und während des Ritts hierher stets dicht neben ihm her geflogen war, war still. Fast andächtig hielt er sich auf seinem Platz, erinnerte sich gewiss ebenfalls an den Weg, den sie beschritten hatten. Es war fast, als würde Trauer in den Augen des tierischen Begleiters liegen.

Sharikas ging weiter in den Wald hinein, immer tiefer. Gelenkt von Erinnerungen und einem sicheren Gefühl in seinem Inneren. Bilder des Marsches erschienen ihm, Bilder seiner Gefährten, die tief erschüttert gewesen waren wie auch er, doch nicht ohne Hoffnung, und bereit für den letzten Kampf. Bilder von Verbündeten, die sich nach und nach an ihre Seite gestellt hatten. Nun ging er diesen Weg allein, und keine Gefahr würde am Ende auf ihn warten. Keine, die einen Kampf mit Waffen fordern würde. Der schlimmste Kampf würde in seinem Inneren stattfinden. Doch er würde sich ihm ebenso stellen wie dem letzten Gefecht, das sie vor wenigen Tagen für sich entschieden hatten.

Schließlich öffnete sich eine Lichtung vor ihm. Auch hier zeigten sich noch vereinzelte Spuren des Sturmes, und auch des Kampfes. Doch dieser Ort war mehr als ein Schlachtfeld. Mehr als ein Mahnmal. Er war heilig.

Der Stein in der Mitte der Lichtung hatte sein Schimmern nicht verloren. Noch immer ging das beruhigende, helle Leuchten von ihm aus, das nicht allein durch die Sonne kam, die sich auf ihm widerspiegelte. Er leuchtete von innen, der geweihte Platz eines aufstrebenden Gottes. Um ihn herum war die Erde teils noch aufgewühlt, Blutspuren fanden sich hier und da, doch die Zeichen der Hoffnung und des stolzen Sieges überwogen. Viele Bäume am Rande der Lichtung waren nun mit Kletterpflanzen bewachsen, die verletzte Rinde und abgerissene Äste ebenso verdeckten wie Spuren von Blut und Tod. Die hellen Blüten schienen das Licht des Steines zu reflektieren und tauchten den Ort in sanftes, beruhigendes und fast tröstendes Schimmern.

Der Vogel auf seiner Schulter gurrte. Seine Haltung, vorhin angesichts der Ruinen noch ein wenig verschüchtert, hatte sich gewandelt. Stolz richtete er sich auf und breitete die bunten Flügel aus. Sein Herr neigte den Kopf in Richtung des Steines. In Ehrfurcht und Vertrauen, Treue und Zuversicht. Der Vogel stieß sich ab und begann, weite Kreise über der Lichtung zu ziehen. Seine hellen Rufe mischten sich in das Singen der zahlreichen Vögel, die hier nun ihre Heimat gefunden hatten und diese Lichtung fast schon zu bewachen schienen.

Sharikas stellte seinen Rucksack ab und ging auf den Stein zu. Noch immer waren die Erinnerungen an den Kampf präsent, der ihm und seinen Gefährten alles abverlangt hatte. Stahl und Magie, die Hilfe seines Gottes und bloße Hände. Alles hatten sie als Waffe gegen die Macht des Rattenkindes zu nutzen gewusst. Sie hatten gewonnen, doch sie waren noch lange nicht fertig. Der Sturm war vorüber. Ihre Aufgabe jedoch noch nicht erfüllt. Vor allem seine nicht.

Er legte die Hände auf die kühle Oberfläche des Steins und erschauderte. Wieder spürte er die göttliche Macht, die durch ihn geflossen war, als es daran ging diesen Ort zu weihen. Ein Zeichen zu setzen, dem drohenden Unheil entgegen zu treten. Dieser Platz hatte für etwas Furchtbares benutzt werden sollen, und dies war nur knapp verhindert worden. Was wäre geschehen, wäre der Plan seines Feindes geglückt und der Atem des Namenlosen würde nun frei und zerstörerisch über der Mitte des Kontinents walten könnten? Rasch schob er diesen Gedanken beiseite. Es war nicht passiert und würde nicht passieren. Der Sturm war gebrochen.

Nach dem zehrenden Kampf hatten sie sich bemüht, die Spuren so gut wie möglich zu tilgen. Die Leichen unzähliger Tiere hatten sie fortgeschafft, Tiere die beschworen worden waren mit der Macht des verbannten Gottes, um ihn und seine Gefährten zu töten. Auch den Körper manches Verbündeten hatten sie forttragen müssen, trauernd über jene, die sich ihnen angeschlossen hatten um dem Feind gemeinsam entgegen zu treten. Sie würden unvergessen bleiben, ihr Mut und ihre Treue waren für immer an diesem Platz verewigt.

Ein Körper jedoch lag noch am Rande der Lichtung. Zugedeckt mit einem dunklen Mantel lag er reglos und still da. Um ihn herum waren zaghaft die ersten Ranken der Kletterpflanzen gewachsen, berührten ihn jedoch nicht. Er wartete auf ihn. So wie er gewartet hatte im Auge des Sturmes. Doch diesmal gab es keine hohnvollen Worte aus seinem Mund. Er würde auf ewig schweigen.

Langsam löste er die Hände vom Altar seines Gottes und wandte sich dem Leichnam zu. Sein gefiederter Begleiter hatte sich auf einem der Bäume niedergelassen und gurrte laut, als würde er ihm Kraft und Trost spenden wollen. Mit ruhigem Schritt ging er hinüber, bis er neben dem reglosen Körper stand. Dann kniete er sich langsam nieder, verharrte kurz. Er konnte nicht verhindern dass seine Hände zitterten, als er den Mantel ergriff und beiseite zog.

Die leeren Augen des jungen Mannes starrten in die mit Ranken und Blüten bewachsenen Bäume über ihn. Nach dem Kampf hatte er keine Kraft gefunden, seine Augen zu schließen. Doch nun hatte er sie. Für einen Moment wurden seine Hände ruhig. Die kühle Haut des Toten ließ ihn erschaudern. Kurz wurde er noch in dessen starren, leeren Blick gezogen, dann schüttelte er den Kopf und schloss die Augen des Toten.

Dann legte er die Hand erst einmal wieder auf seinem Knie ab und seufzte. Verharrte. Starrte auf den Körper, die Wunden, die er geschlagen hatte. Er allein war in den Kampf mit ihm getreten, seine Gefährten hatten nicht eingreifen müssen. Sie hätten es getan, um ihm zu helfen, hätte er es nicht alleine geschafft. Dessen konnte er sich immer sicher sein. Doch rechtschaffener Zorn und Vertrauen in die Macht der Zwölfe hatten seine Hand geführt. Und auch andere Gefühle, die er nun zulassen konnte. Niemand war da, um ihn zu stören. Nur sein Begleiter, und die allgegenwärtige Präsenz seines Gottes. Tröstend. Zuversichtlich. Verständnisvoll.

Er schluckte und erhob sich wieder. Sein Blick schweifte über die Lichtung und fand dann einen bestimmten Punkt zwischen zwei Bäumen. Er ging hinüber und in den Wald hinein, streifte ein wenig umher, bis er einen geeigneten Platz fand. Unter einem alten Baum, neben dem ein anderer vom Sturm ausgerissen dalag. Sonnenlicht fiel auf diesen Platz. Ein guter Ort, um ein Grab zu errichten.

Ruhigen Schrittes ging er zurück, nahm seinen Rucksack wieder auf, an dem ein Spaten fest geknotet war. Er schlug den Mantel wieder über den Toten und beugte sich kniend vor, um ihn auf die Arme nehmen und hochheben zu können. Ächzend kam er auf die Füße, seine Glieder schmerzten trotz der guten Behandlung der Wunden. Es war mehr ein innerer Schmerz, doch das Leuchten des Altars und der zahllosen Blüten milderte ihn. Langsam verließ er die Lichtung, gefolgt von dem bunten Vogel. Mit tiefen, ruhigen Atemzügen zwang er sich, keine Pause zu machen, auch wenn das Gewicht nicht gerade wenig war. Schließlich erreichte er den ausgewählten Platz und legte die Leiche langsam im von der Sonne aufgewärmten Gras ab. Wieder zitterten seine Hände.

Atrejo ließ sich im Baum über ihm nieder und beobachtete, wie er den Spaten losmachte und zu graben begann. Die Erde war trocken und leicht, ihr Geruch mischte sich mit dem von sommerlichen Blattgrün, Moos und frisch gebrochenem Holz. Er grub rasch, aber nicht hastig, ließ alle Gedanken zu, die sich nun in sein Bewusstsein schoben. Die letzten Tage hatte er alles verdrängt. Funktioniert. Nein, nicht nur die letzten Tage. Es waren Wochen, sogar Monate. Nicht nur der Kampf zwischen den Jahren kam ihm nun in den Sinn. Auch anderes, das länger zurücklag. In Gedanken reiste er zurück bis an den Anfang seiner Queste, als er noch ein anderer gewesen war. Bevor sein Gott ihn erwählt und aus der Verzweiflung gezogen hatte. Noch vor dem ersten Treffen mit seinen jetzigen Gefährten. Als er so allein gewesen war wie jetzt, nur in Begleitung eines Vogels. Doch welchen Weg war er gegangen, und wohin hatte ihn dieser geführt. Anderer Name. Andere Zukunft. Anderes Schicksal.

Irgendwann hielt er inne und legte den Kopf in den Nacken, nachdem er den Spaten für kurze Zeit in die Erde gestoßen und dort belassen hatte. Schloss die Augen und spürte dem Erdgeruch nach. Dieses Grab würde er fertigstellen können. Für andere hatte er dies nicht gekonnt. Den Freund aus Kindertagen. Den Vater. Doch er hatte Vergebung und Trost erfahren. Und für so manchen, der verloren schien, gab es noch Hoffnung.

Langsam wandte er sich dem Toten zu. Es gab nichts, was er ihm mit ins Grab geben würde. Er hatte ihn mit eigenen Händen getötet. Vielleicht war dies schon genug. Langsam kniete er nieder, griff den kalten Körper und zog behutsam ihn in das frisch geschaufelte Loch. Zuerst hatte den Mantel danach über ihn breiten wollen, damit er ihn nicht mehr sehen musste. Doch er hatte schon vor einiger Zeit den Entschluss gefasst, nicht mehr wegzulaufen. Lange Jahre hatte er dies immer getan. Doch diese Zeiten waren vorbei. Er hatte es sich selbst und seinem Gott geschworen. Nun würde er ein letztes Mal in das Antlitz des Feindes blicken und sich dem stellen, was dies auslösen würde.

Der Mantel wurde zur Unterlage für den Toten. Ein nachtschwarzer Umhang aus dem Häuten getöteter Vögel, die nur auf einer Insel im Osten lebten. Das Zeichen eines Geweihten des Firun... der, für den sich der Feind ausgegeben hatte. Als Geweihter des Weißen Jägers hatte er sich und sein Ansinnen verborgen. Lästerlich den Zwölfen hatte er das Vertrauen unzähliger Menschen missbraucht, und damit dem Dreizehnten wohl sehr zu dessen Gefallen gedient. Nun jedoch lag er hier, besiegt und seine letzte Untat vereitelt.

Sharikas zwang sich, ihn ruhig anzusehen. Das verzerrte Gesicht. Die letzten hasserfüllten Worte klangen ihm noch in den Ohren, als er ihm die geweihte Waffe in die Brust gestoßen hatte. Er hatte nicht mit Worten geantwortet, sondern dem sterbenden Feind ins Gesicht gespuckt. Geschrien hatte er nicht. Das hatte er sich für diesem Moment aufgehoben, an dem er allein war, niemand ihn stören oder beobachten würde. Nur sein Begleiter. Und sein Gott.

Doch er schrie nicht. Obwohl Wut und Trauer in ihm wüteten. Obwohl sich Tränen ihren Weg über seine Wangen suchten, seine Hände zitterten, sein Atem klang wie der eines Ertrinkenden. Er hatte Worte finden wollen, Worte die es ihm leichter machten mit allem klar zu kommen. Doch er fand sie nicht. Obwohl dutzende Wortfetzen durch seinen Kopf rasten wie aufgescheuchte Vögel. Das Gurren seines Begleiters im Baum holte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück, die ihn kurz verloren hatte, als seine Gefühle Überhand nahmen.

Er schluckte schwer und griff nach dem Spaten. Kurz hielt er dabei inne, schloss die Augen. Dann fand die erste Erde ihren Platz auf dem Leichnam, und während er nach und nach das Grab wieder schloss, begann er zu singen. Es war kein bestimmtes Lied, nur lose aneinandergereihte Töne, die seinen Gefühlen Gestalt gaben und die nun der Wind forttrug. Der Wind, das Element seines Gottes, dem er sein Leben gewidmet hatte in einer der dunkelsten Stunden seines Lebens. Es brachte Ruhe in sein Innerstes, und irgendwann schrie er dann doch. Es war das Ende des Liedes. Unzählige Vögel fielen plötzlich in diesen Ruf ein, erwiderten ihn und trugen ihn weiter fort. Es erschreckte ihn kurz, dann zog sich ein Lächeln über sein tränennasses Gesicht.

Irgendwann war das Grab geschlossen, die aufgeworfene Erde wieder an ihrem Platz. Er lehnte den Spaten an den Baum und öffnete seinen Rucksack, aus dem er einen vollen Wasserschlauch zog. Noch immer schwer atmend wusch er sich Hände und Gesicht, bis alle Spuren von Erde und Tränen getilgt waren. Sein Innerstes war noch immer aufgewühlt, doch er fühlte sich befreit.

Langsam erhob er sich wieder, sah sich um. Er würde kein Boronsrad auf dieses Grab stellen. Kein Name und keine Worte der Trauer würden es zieren. Es reichte, wenn er es wusste, und den wenigen die es etwas anging, irgendwann mitteilen würde. Es fühlte sich richtig so an, und daher verschwendete er keine weitere Zeit damit, darüber zu grübeln. Doch etwas anderes würde er tun. Denn der Mann darin war nicht nur ein Geweihter des Rattenkindes gewesen.

Seine Stimme war ruhig und leise, als er den Grabsegen begann, mit ruhigen Händen das Zeichen des zerbrochenen Rades schlug. Doch diesmal waren die Worte, die er dazu wählte, andere als sonst. Die Seele dieses Mannes war verloren. Doch zumindest sein Körper sollte Frieden finden. Noch einmal griff er in die frisch aufgehäufte Erde und streute etwas davon um das Grab herum, nachdem der die Worte klar und deutlich ausgesprochen hatte. Die Vögel waren still geworden. Das leise Gurren Atrejos war fast das einzige Geräusch eines weiteren Lebewesens.

Nachdem das letzte Wort verklungen war und nur noch ein kleiner Rest von Erde an seinen Fingern haftete blickte er lange auf das frische Grab und neigte schließlich langsam den Kopf. Es war getan. Der Kampf hatte es in sich gehabt, und umgeben von purpurnem Licht hatte er in manchen Momenten durchaus gezweifelt, ob er das neue Jahr erleben würde. Doch noch einmal hierher zu kommen und in das Gesicht des Feindes zu blicken, der sie alle für so lange Zeit an der Nase herumgeführt und für seine schändlichen Pläne missbraucht hatte, war ebenfalls nicht gerade einfach gewesen.

Vor allem die letzten Worte des nun Begrabenen hallten noch immer in ihm nach. Sie waren dazu gedacht gewesen ihn zu verletzen, ihn ins Wanken und Zweifeln zu bringen. Das letzte Aufbäumen eines Sterbenden, der sich dem Feind der Zwölfgötter verschrieben hatte und mit seinen Versuchen, seinen Gegenüber auf seine Seite zu ziehen, letztendlich doch gescheitert war.

Vom Tempelschänder zum Brudermörder. Vater wäre stolz!

Doch nun herrschte Ruhe in ihm. Noch immer klangen die Gefühle nach, doch langsam legte sich der Sturm in seinem Inneren.

„Ja, Vater wäre stolz.“

Die ersten Worte, die er frei hervorbrachte. Noch immer sah er das Gesicht des Feindes vor sich. Verzerrt und mit purpur-rot glühenden Augen. Gehässig. Es nützte nichts sich zu fragen was wäre wenn. Er war tot. Besiegt. Nicht sein Gott oder seinesgleichen. Doch diesen einen Kampf hatten sie gewonnen. Den Sturm besiegt.

„Finde Frieden, Bruder.“

Er nahm Rucksack und Spaten, ehe er noch einmal inne hielt um die Sonne zu betrachten, die neben dem Grab das Gras fast schon glühen ließ. Sie berührte das Grab nicht, der Baum über ihm fing das Licht ab. Keinen passenderen Platz hätte es geben können. Sein Bruder hatte sich beizeiten in die Schatten geflüchtet. Doch sein Schatten würde nicht länger auf den Lebenden lasten.

Begleitet von Atrejo, dem buntgefiederten Vogel, ging er zurück zur Lichtung, zum Schrein. Dort kam er zur Ruhe, betete und fand Frieden im Angesicht seines Gottes. Die Welt würde ihn bald wiederhaben, denn noch vieles gab es zu tun. Doch für den Moment war er frei. Ließ Altes zurück um Neuem entgegentreten zu können. Genoss die Ruhe. Die Ruhe nach dem Sturm.
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