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KurzgeschichteAngst, Familie / P12
Loki Thor
05.04.2019
24.09.2019
8
15941
12
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Hallo zusammen, diese Geschichte habe ich letztes Jahr geschrieben, kurz bevor Infinity War raus kam. Viel Spaß!


Die meisten der Verliese waren leer. Die Hitze des kargen Wüstenplaneten war auch hier in dem in Fels geschlagenen Gefängnis noch deutlich zu spüren. Es roch nach Verwesung und Tod.
Thor war bereits bei der fünften und letzten Ebene angekommen und mit jeder weiteren verlassenen  Zelle, an der er vorbei schritt, verlor er ein weiteres Stück Hoffnung das seine Suche hier ein Ende fand.
Zwei Jahre waren bereits seit Ende der Schlacht von Wakanda vergangen und er hatte gefühlt jeden noch so abgelegen Winkel des Universums besucht. Die Guardians hatten ihn unterstützt, ihr Schiff zur Verfügung gestellt, ihn begleitet oder hatten auf ihren Missionen nach weiteren Informationen für  ihn gesucht. Immer wieder hatte er seine Suche unterbrochen, schließlich wurde er in seiner neuen Heimat gebraucht. Neu-Asgard war an der Klippe errichtet worden, an der Odin gestorben war. Kein Vergleich zu der alten Pracht, aber eine einladende Kleinstadt, in der die letzten Überlebenden sich ein neues zu Hause aufgebaut hatten.

Der heiße Wüstenwind heulte erbarmungslos durch den Gang und wirbelte den Sand auf, der hier alles bedeckte. Der Gang hatte etwa dreißig Zellen auf jeder Seite. Das Licht fiel alle paar Meter durch lange Schächte in der Decke, die auf das obere des Felsplateaus führen mussten.

Es war Nebula, die ihm letztendlich diesen Tipp gegeben hatte. Sie und Gamora hatten ihn zu allen Stützpunkten geführt, die sie irgendwie mit Thanos in Verbindung bringen konnten, aber an diesen hier hatte Nebula sich erst letzte Woche erinnert. Sie meinte als Kind schon mal dort gewesen zu sein. Mit Hilfe eines Erinnerungszaubers von Stephen hatte sie die Koordinaten des Planten eingrenzen können und hier waren sie nun.

Thor nahm einen Schluck Wasser, während er Zelle für Zelle passierte. Trotz ihres primitiven Äußeren musste die Gefängniseinrichtung vor noch gar nicht allzu langer Zeit bestens geschützt gewesen sein. Doch dann war sie entweder aufgeben wurden oder es hatte einen Aufstand gegeben. Wachen waren hier die längste Zeit keine mehr gewesen und die wenigen Überlebenden, die noch in den Zellen vor sich hin vegetierten, waren halb verhungert und verdurstet gewesen. Immerhin diese armen Seelen hatten sie retten können.

Noch vier Zellen, zwei links, zwei rechts. Dann endete der Gang in einer nackten Felswand.
Entmutigt blickte Thor in der erste Zelle zu seiner rechten Seite. Sie war leer, bis auf den Sand und ein paar verfaulten Essensresten um die ein großer Schwarm Fliegen kreiste.                                                                                                                                                                

Er ging weiter, durch einen Kreis aus Licht von dem Schacht über ihm, hinein in das Halbdunkel vor der letzten Zelle.
Kurzzeitig geblendet von dem gleißenden Wüstenlicht musste sich sein Auge erst wieder an das umgewöhnen. Er trat an das unsichtbare Schutzschild und kniff sein Auge zusammen. Auch hier, nur Sand. Leeres Geschirr, jedoch keine Essensreste.
Er wollte sich gerade abwenden, als ihm im hinteren Teil der Zelle etwas auffiel. Der Raum war etwas tiefer als die vorherigen Zellen, deswegen lag die hintere Wand in Dunkelheit. Das Licht aus dem Schacht konnte gerade einmal die Hälfte des Raumes in ein schummriges Zwielicht tauchen.
Er blinzelte, und ja da war es, kaum zu sehen im schwarzen Schatten der hinteren Mauer.
Doch Thor war sich sicher.
                                                 
Ein Stück blaue Haut.                                                                        

Mit klopfenden Herzen bediente er das Control-Panel neben der Zelle und öffnete den Schutzschild.
Zögern trat er ein. Jetzt konnte er es deutlicher sehen, der Umriss eines liegenden Körpers auf den nackten Felsboden.
Sein Herz klopfte immer lauter. Hatte seine Suche ein Ende? Kam er zu spät?
Zwei weitere Schritte. Die Gestalt war nackt, lag mit dem Rücken zu ihm und hatte dunkles Haar das bis fast zur Taille reichte. Sand bedeckte den ausgemergelten Körper und er bewegte sich nicht, drehte sich nicht um beim Klang seiner Schritte.
Sein Unterbewusstsein wusste, er hatte gefunden, was er suchte. Sein Verstand wollte es nicht wahrhaben, denn er spürte kein Leben in dem Verlies, hörte keinen Atemzug außer seinem eigenen.
Trotz der unsäglichen Hitze lief im ein Schauer über den Körper, als er sich neben die Gestalt kniete um Gewissheit zu haben.
Langsam beugte er sich über den Körper und dann nahm er alles gleichzeitig wahr. Das leichte heben und senken des Brustkorbs, der kaum hörbare, flache Atem, das ausgezehrte, aber vertraute Gesicht. Die halb geöffneten, roten Augen.

Er stieß einen erleichterndes Seufzen aus.

„Loki...“

Vorsichtig berührte er den dünnen Arm, strich über die rauhe, sandige Haut.

Sein Bruder reagierte nicht, blieb regungslos liegen, den Blick weiterhin teilnahmslos auf die schwarze Wand gerichtet.

„Loki, ich bin es.“ versuchte er es nochmal.  „Dein Bruder Thor.“

Er wartete noch ein paar Momente, doch auch diesmal erfolglos.

„Es wird alles gut...“ flüsterte er mehr zu sich selbst als zu Loki.
Vorsichtig tastete Thor den geschundenen Körper nach Verletzungen ab, konnte aber nichts ernstes feststellen.
Er nahm sein Cape ab und wickelte Loki notdürftig darin ein, bevor er ihn so behutsam wie möglich in seine Arme zog und voller Dankbarkeit an sich drückte. Leicht und kraftlos wie eine Puppe lehnte Loki gegen seine Brust. Thor stütze ihn mit einem Arm am Rücken, mit der anderen fuhr er seinem Bruder durch das lange, verfilzte Haar.
Thor schloss sein Auge, ließ seinen Kopf für einen Moment auf Lokis Schulter ruhen.

„Ich bin hier, Loki. Ich bin hier.“


Gamora und Rocket starrten ihn mit einer Mischung aus Überraschung und Neugierde an. Die beiden hatten die wenigen Überlebenden zu der nächstgrößeren Siedlung gebracht und saßen bereits im Cockpit des  Raumgleiters, als er mit Loki in den Armen auf dem Schiff erschien.
„Nichts wie weg hier.“ sagte Thor anstelle einer Begrüßung.
Garmora schenkte ihm ein teilnahmsvolles Lächeln und machte sich daran den Abflug einzuleiten.

Rocket dagegen runzelte die Stirn.
„Also Thor, ich will dir ja nicht zu Nahe treten...aber als wir deinen Bruder das letzte mal gesehen haben, da war er nicht so...blau…“

„Rocket!“ fuhr Gamora ihn an und rollte genervt die Augen.

„Ich mein ja nur!“ wehrte Rocket ab und wandte sich dann wieder an Thor. „Bist du dir sicher, dass er der richtige ist?“

Thor lächelte.
„Ganz sicher.“

Wenig später waren sie in der Luft und während der karge Wüstenplanet hinter ihnen langsam immer kleiner wurde, legte Thor Loki in das einzige noch freie Bett. Der Raumgleiter war nicht gerade luxuriös, dafür sehr schnell. Der Aufenthalts bzw. Schlafraum schloss sich direkt an das Cockpit an und bestand aus vier Schlafkojen, zwei übereinander auf jeder Seite. Danach kam nur noch ein ebenso winziger Fracht- und Maschinenraum.
Mit einem feuchten Handtuch versuchte Thor Lokis Körper notdürftig zu waschen. Immer wieder benetze er ihm die aufgesprungenen Lippen mit Wasser, denn bisher hatte Loki noch keinen Schluck Wasser zu sich genommen, egal wie oft ihm Thor die Flasche an den Mund gehalten hatte.
Wie schon in dem Verlies zeigte sein Bruder keine Regung, ließ alles willenlos geschehen, die roten Augen blickten ausdruckslos an Thor vorbei.
Als er fertig war ging Thor zurück in das beengte Bad um sich ebenfalls zu waschen. Wieder zurück  legte er sich auf das Bett gegenüber von Loki und betrachtete den abgemagerten Körper, dessen blaue Haut sich so kontrastreich von der weißen Decke abhob, welche Thor über ihm ausgebreitet hatte.
Was hatte Loki durchmachen müssen seit jenem schrecklichen Moment vor zwei Jahren als Thor ihn das letzte mal gesehen hatte.  Allein das er wohl nicht mehr die Kraft oder den Willen hatte, seine Jotun Gestalt zu unterdrücken, ließ schreckliches erahnen. Wäre er doch nur früher hier gewesen. Hätte er doch noch mehr Zeit in die Suche investiert...Thor wusste das sein Bedauern sinnlos wahr, trotzdem konnte er sich bei Lokis Anblick nichts als Vorwürfe machen. Er war auf das schlimmste vorbereitet gewesen, als er vorhin aus dem Zwielicht in das grelle Sonnenlicht getreten war und dennoch hatte ihn Lokis Anblick hart getroffen. Der Körper bis auf die Knochen abgemagert, die Haut an vielen Stellen verbrannt vor Hitze und überall mit unzähligen Narben übersät.
„Es tut mir so leid...“
Er wollte die Worte hinausschreien, doch sie kamen nur als kaum hörbares Flüstern über seien Lippen.

Erschöpfung, Trauer und dennoch auch Erleichterung erfüllten ihn und er zwang sich den Blick abzuwenden. Er musste etwas Schlaf finden um wieder bei Kräften zu sein, sobald sie zu Hause waren.
Jedoch fand er keine Ruhe, musste sich immer wieder vergewissern das Loki immer noch zwei Meter gegenüber lag und – so hatte es zumindest den Anschein – friedlich schlief.
Schließlich gab er die Hoffnung auf Schlaf auf. Er kniete sich neben Lokis Bett und griff nach seiner Hand.
Vorsichtig drückte er die schlanken Finger, fuhr mit dem Daumen die dunklen Linien nach, die sich wie bei allen Eisriesen durch die Haut zogen und – wenn er es richtig in Erinnerung hatte – ein Hinweis aus darauf waren, aus welchem Geschlecht man stammte.

„Es wird alles gut.“ wiederholte er sein Versprechen.
                                                                                                                     
„Ich bringe dich nach Hause.“




Ich hoffe es hat euch gefallen :-) Eigentllich war die Geschichte mal als Mehrteiler geplant gewesen, doch dazu ist es leider nie gekommen.
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