Phantom

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
Black Widow / Natasha Romanoff Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
04.04.2019
09.11.2019
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Ein leichtes, zufriedenes Schmunzeln zuckte an ihren Lippen, als das gestohlene Stück Brot unter ihrem weiten Shirt verschwand. Die schnellen Griffe ihrer kleinen, zarten Hände schienen unsichtbar für das ansonsten so wachsame Personal zu sein, während sie ihre tägliche Routine immer und immer wieder durchführte.

Es war nicht mehr als ein kleines, unauffälliges Stück, welches jedoch reichte, um den anhaltenden Hunger in den Nächten zu stillen. Und selbst wenn sie nicht hungrig sein sollte, so konnte sie es für andere Tage hinter den losen Steinen des Fensterrahmes verstecken.

Niemand hatte ihr kleines Spiel bisher durchschaut – nicht einmal die Madame, deren wachsamen Augen beinahe jeden noch so kleinen Schritt der Kinder beobachteten.

Denn sie waren noch so jung, so unerfahren. Es war beinahe unmöglich, dass eines der Kinder zu solch einem riskanten Vergehen in der Lage war.

Es machte Ivana stolz, dass niemand sie bisher bei ihrem kleinen Verbrechen ertappt hatte. Stolz und zufrieden mit sich selbst, während sie die Erwachsenen mit ihrem unschuldigen Gesicht täuschte.

Doch neben dem Stolz, dem Gefühl der Überlegenheit, existierte dieser angsterfüllte Teil in ihrem Inneren, der sie vehement vor den unausweichlichen Konsequenzen warnte, falls man sie eines Tages bei ihrem Diebstahl erwischen sollte. Denn sie hatte selbst mitansehen müssen, welche Bestrafung sie erwarten würde. Wovor sie sich zu fürchten hatte.

Aber trotz ihrer unterschwelligen Angst, verdrängte sie all ihre Zweifel; vielmehr würde sie sich den eventuellen Konsequenzen stellen, als jede Nacht von dem unerträglichen Gefühl des Hungers geweckt zu werden.

Sie konnte und wollte es nicht mehr ertragen – nicht nachdem sie jeden Tag darin bestätigt wurde, dass ihre Routine funktionierte.

Doch obwohl Vorsicht und Achtsamkeit ihr oberstes Gebot war, entging ihr an diesem Abend die neugierigen Blicke eines der anderen Mädchen.

-


„Ya videl, chto ty sdelal.“

Ich habe gesehen, was du getan hast.

Die lauten, unterschwellig drohenden Worte des Mädchens ließen sie in ihren Schritten innehalten. Langsam kam sie zum Stehen, ehe sie sich in dem schmalen Gang, welcher zu ihrem Schlafsaal führte, umdrehte.

Ihr gegenüber stand eines der anderen Mädchen aus ihrer Gruppe; diese war lediglich ein oder zwei Jahre älter als die Achtjährige selbst, doch dieser Altersunterschied machte sich deutlich in ihrer Größe bemerkbar.

Nicht, dass Ivana sich davon einschüchtern ließ – sie war es gewohnt, immer die Kleinste von allen zu sein.

Unbeeindruckt verschränkte die Rothaarige ihre Arme vor der Brust, ehe sie eine ihrer Augenbrauen in die Höhe zog.

„Kak ty dumayesh‘, chto ty videl, Aleniya?“

Was glaubst du gesehen zu haben, Aleniya?

Das Mädchen mit den langen, pechschwarzen Haaren ließ ein leises Schnauben vernehmen. Ihre eisblauen Augen bohrten sich in ihre grünen, während sie sich mit langsamen Schritten Ivana näherte.

Sie konnten die neugierigen Blicke der anderen auf sich spüren, doch jene wussten es besser, als sich in dem brodelnden Konflikt einzumischen. Denn sollte einer der Erwachsenen diese Auseinandersetzung bemerken, würde es für alle Beteiligten Konsequenzen geben.

Aleniya sah von oben auf sie herab, als sie vor dem kleineren Mädchen zum Stehen kam.

„Vy ukrali chto-to iz yedy. YA eto videl.“

Du hast etwas vom Essen gestohlen. Ich habe es gesehen.

Die Überraschung und den Schock, welchen Ivana verspürte, überspielte diese mit einem leichten Schmunzeln. Es war eine der ersten Lektionen der Madame – ganz gleich der Situation, lasse deinen Gegner niemals deine wahren Gedanken wissen.

Alles andere könnte nur gegen einen selbst verwendet werden.

Stattdessen war es nun an der Rothaarigen, ein belustigest Schnauben von sich zu geben.

„Ponyatiya ne imeyu, o chem ty govorish‘.“

Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.

Sie wandte sich bereits wieder ab, um ihren Weg zum Schlafsaal fortzusetzen, als Aleniyas Finger sich um ihr Handgelenk wickelten. Mit einem festen Ruck zog das Mädchen die Jüngere zu sich zurück.

„Yesli vy ne khotite, chtoby dat' mne eto, ya skazhu madam.“

Wenn du es mir nicht geben willst, werde ich es der Madame sagen.

Ihre geweiteten Augen trafen auf das eisblaue Paar der Schwarzhaarigen. Jene bedachte sie mit einem überlegenen Grinsen, welches einen Hauch von Panik in ihrem Inneren entfachte.

Sie war nicht bereit, den Konsequenzen zu begegnen – doch noch weniger war sie dazu bereit, ihr Diebesgut einfach so Aleniya zu überlassen.



Es war beinahe so, als hätte ein in ihr schlummernder Instinkt ihren Körper übernommen. Bis auf die Trainingseinheiten unter den wachsamen Augen der Lehrer hatten sie alle noch nie einen richtigen Kampf bestritten.

Doch in diesem Augenblick breitete sich solch eine lodernde Wut in ihrem Inneren aus, dass diese sämtliche logischen Entscheidungen überschwemmte. Ihr einziges Ziel war es, Aleniya zum Schweigen zu bringen.

Noch bevor die Schwarzhaarige hätte reagieren können, holte die Jüngere mit ihrem Ellenbogen aus. Diesen rammte sie ihrer Gegnerin mit solch einer Wucht in das Gesicht, dass Aleniya laut keuchend einige Schritte zurücktaumelte.

Ivana nutzen diesen kurzen Moment des Schocks, um den Arm des Mädchens zum Packen zu bekommen. Diesen verdrehte sie ihr auf den Rücken, ehe sie den freien Arm und deren Hals wickelte.

Entschlossen zog sie diesen von Sekunde zu Sekunde fester. Aleniya begann verzweifelt nach Luft zu schnappen, während sich ihre Fingernägel in Ivanas Haut vergruben.

Sie hatte nicht vor das andere Mädchen zu töten – doch mit jedem verzweifelten Keuchen; jedem aussichtslosen Versuch, sich aus ihrem festen Griff zu befreien, wuchs in Ivana das erfüllende Gefühl der Genugtuung.

Nur sie alleine hatte in diesem Augenblick die Kontrolle über das Leben Aleniyas und diese Tatsache trug solch ein Gefühl der Macht mit sich, dass es beinahe blendend war.

Das hilflose Kratzen ihrer Fingernägel hörte auf; die Gegenwehr erstarb allmählich unter ihrem Griff, als eine laute, donnernde Stimme den schmalen Gang erfüllte.

„Chto zdes' proiskhodit?“

Was ist hier los?



Ivanas Kopf zuckte in Richtung der Stimme. Kaum trafen ihre Augen auf die der Madame, entließ sie Aleniya aus ihrem todbringenden Würgegriff.

Hustend brach die Schwarzhaarige vor ihr zusammen. Tränen breiteten sich in ihren eisblauen Augen aus, während sie ihre zitternden Finger um ihren rotangelaufenen, geschundenen Hals legte. Sie schnappte verzweifelt nach Luft; gleichzeitig würgte sie und kämpfte gegen den schmerzhaften Husten an, welcher ihren Körper erschütterte.

Ivana hingegen bedachte das Mädchen lediglich mit einem regungslosen Gesichtsausdruck. Die harten, widerhallenden Schritte der Madame klangen wie Schüsse in ihren Ohren; ließen sie in ihrer Starre zurück, während sie auf das Unausweichliche wartete.

Doch anstatt die Konsequenzen Sekunden später am eigenen Leibe zu verspüren, sah sie mit an, wie die Madame unsanft nach Aleniyas Arm griff und ihre zusammengekauerte Gestalt auf die Beine zog. Das Mädchen verzog schmerzerfüllt ihr Gesicht. Die heißen Tränen liefen ihr über die Wangen, aber sie sagte nichts.

Die Madame bedachte sie schweigend. Der Ausdruck der Wut war einem viel angsteinflößenderen gewichen. Stattdessen musterte sie die beiden Mädchen mit einem sanften, ruhigen Schmunzeln auf ihren Lippen.

„YA prosto sprashivayu yeshche raz: chto zdes' proiskhodit?“

Ich frage nur noch einmal: Was ist hier los?

Noch bevor die Rothaarige ihren Mund zur Antwort öffnen konnte, kam Aleniyas kratzige Stimme ihr zuvor: „Ivana ukrala khleb s obeda. Ya khotel snyat' yego i soobshchit' vam.“

Ivana hat beim Abendessen Brot gestohlen. Ich wollte es ihr abnehmen und Sie informieren.

Mit einer angehobenen Augenbraue wandte die Frau sich dem beschuldigten Mädchen zu, welche ihren Blick gen Boden gesenkt hielt. Ein lautes Räuspern zwang diese dazu, ihren Kopf wieder anzuheben.

„Eto pravda?“

Ist das wahr?

Nicht mutig genug, die Madame zu belügen, nickte Ivana schweigend.

Es vergingen einige Sekunden der Stille, in denen die Anspannung beider Kinder wuchs. Die Angst war ihnen anzusehen, doch noch deutlicher die Überraschung auf ihren Gesichtern, als die Madame lächelte.

„Khorosho. Nikogda ne pozvolyay sebe vzyat' to, za chto ty borolsya.“

Gut so. Lasst euch niemals das nehmen, was ihr euch selbst erkämpft habt.

-


Regungslos verharrte sie in einer der unbelebten Ecken des Raumes, während ihre Augen langsam über den überfüllten Buffettisch schweiften. Überfüllt, obwohl der größte Teil bereits von den Gästen der Party gegessen worden war.

Kaum eines der servierten Gerichte kam ihr in irgendeiner Art und Weise bekannt vor; nichts, außer das trockene Brot und ein paar der am Rand stehenden Früchte, von denen sie jedoch auch mehr als die Hälfte nicht kannte.

Ihr aufmerksamer Blick schweifte über die wenigen Leute, ehe sie nach einem der Brote griff und es sich in den Mund schob. Sie war sich bewusst, dass sie diese Essen nicht nur betrachten, sondern tatsächlich auch essen durfte – und trotzdem fühlte es sich so an, als würde sie erneut eine der vielen, ihr auferlegten Regeln brechen.

Als würde sie etwas Verbotenes tun, wofür man sie bestrafen würde.

Es war diese Denkweise, von der sie wusste, dass sie diese ablegen durfte. Sollte. Doch es schien für sie beinahe unmöglich zu sein, all diese Erinnerungen, welche sie geprägt hatten, abzuschütteln. Stattdessen ließen diese sie noch unwohler als zuvor in dieser bereits unangenehmen Situation zurück.

Ihr zögernder, hin und her gerissener Blick fiel auf die übrige Auswahl des Buffets.

„Weißt du, du darfst das auch alles essen. Du musst nicht nur starren.“

Bemüht den neutralen Ausdruck auf ihrem Gesicht zu bewahren, wandte das Mädchen sich dem Neuankömmling zu. Jener schüttelte belustigt seinen Kopf.

„Aber ich weiß ja, was du für ein Problem mit Essen hast. Beruhigt mich, dass es nicht nur mein Essen ist.“

„Sam“, begrüßte sie den Mann, welcher sich ihr mit einem breiten Grinsen näherte. Als er vor ihr zum Stehen kam, umfasste er sanft ihre Schulter und drückte diese für einen kurzen Augenblick.

„Wenn das nicht eine angenehme Überraschung ist. Schön, dich in einem Stück wiederzusehen.“

Zu ihrer Überraschung war das Wiedersehen mit Sam für sie keineswegs unangenehm. Von all den Personen ihrer kleinen Gruppe war die Begegnung mit ihm vermutlich die einzige, welche sie nicht mit dem beengenden Gefühl der Panik erfüllte.

Denn er hatte an das, was in Washington geschehen war, keinerlei Schuld – er war, ebenso wie sie selbst, nur von Natasha und Steve in das ganze Chaos mit hineingezogen worden. Verantwortlich waren lediglich die beiden anderen Erwachsenen.

Sie rief sich ein Lächeln auf die Lippen, ehe sie in Richtung des Essens deutete: „Das sieht zumindest besser aus als das, was du mir vorgesetzt hast.“

„Na, die kennen aber meine geheime Rezeptur gar nicht“, mit einem belustigten Schnauben verwarf der das Buffet, bevor er eine seiner Augenbrauen anhob, „und mal ganz davon abgesehen: dafür, dass du mein Essen anscheinend nicht mochtest, hast du ganz schön gespachtelt.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Der Hunger treibt alles rein.“

Er stimmte ihren Worten mit einem schweigenden Brummen zu, während seine Augen über den gefüllten Tisch schweiften. Es vergingen einige Sekunden der Stille, bis er sich mit einem neugierigen Ausdruck auf dem Gesicht ihr wieder zuwandte.

„Und wo hast du gesteckt? Wir haben ziemlich lange gesucht, nachdem unser kleines Team auf dem Highway auseinandergebrochen ist.“

Es war eine harmlose Frage seinerseits; sie vermutete keinen Hauch des Vorwurfes oder der Wut hinter seinen Worten und dennoch entfachten sie die lodernden Funken, welche nur darauf warteten, entzündet zu werden.

Sie bemühte sich darum ruhig zu bleiben. Keinerlei Emotionen preiszugeben. Ihr Kiefer spannte sich verräterisch an, während sie um ihre eiserne Fassade kämpfte. Letztendlich überspielte sie das Chaos in ihrem Inneren mit einem Räuspern, ehe sie sich ein Lächeln auf die Lippen rief.

„Hier und da“, sie zuckte mit den Schultern, „ich hab einige Orte gesehen, während ich versucht habe, mich ohne HYDRA zurecht zu finden. Und das hat offenbar nicht so gut funktioniert, wie ich es mir erhofft habe.“

Ihr war bewusst, dass ihre Stimme verbittert und abweisend klang. Sie konnte Sam ansehen, dass er ihre Frustration klar und deutlich hören konnte; dass er wusste, wie oft sie dieses Thema und die damit verbundenen Vorwürfe bereits zu hören bekommen hatte.

Und deshalb überraschte es sie, als er nach einigen Sekunden der Stille zustimmend nickte.

„Ist nicht leicht aus sowas rauszukommen. Ich versteh das. Meine Zeit im Irak ist zwar nicht vergleichbar mit deinem Folter-Schrägstrich-Mörder-Leben bei HYDRA, aber die Rückkehr zum ‚Normalen‘ war trotzdem hart. Ist einfach nicht das, was man kennt.“

Er bedachte sie mit einem Lächeln, welches echt wirkte. Es schien die auflodernden Flammen zu besänftigen.

„Keiner kommt mit Veränderungen gut klar, egal was sie behaupten. Vor allem nicht, wenn man dabei ganz alleine ist.“

Ein nachdenklicher Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht, als sie ihren Blick vom ihm abwandte. Sie war sich sicher, dass er auf Steve und sein vorwurfsvolles Verhalten anspielte. Und es war eine angenehme Ausnahme, eine Meinung zu hören, welche seinen Standpunkt nicht verteidigte.

Es gab ihr das Gefühl, dass zumindest einer ihre Entscheidung nachvollziehen konnte.

Unwillkürlich zuckte ein leichtes Schmunzeln an ihren eigenen Lippen, während sie zu dem Mann aufsah.

„Es freut mich auch, dich wiederzusehen, Sam.“

-


„Und, wie gefällt dir die Party?“

Natasha begrüßte sie mit einem Lächeln, ehe sie auf den freien Platz neben sich deutete. Zögerlich stieg sie über die ausgestreckten Beine der übrigen Avenger hinweg, um sich der Frau zu nähern. Bei ihr angekommen, ließ sie sich unelegant auf das weiche Sofakissen fallen, bevor sie die unbequemen Absatzschuhe von ihren Füßen strich.

„Ich hoffe doch, dass du nicht noch mehr meiner Gäste mit deinem beängstigenden und leider akkuraten Wissen verscheucht hast.“

Ihr unbeeindruckter Blick traf den Tony Starks, welcher ihr direkt gegenübersaß und sie mit einer Mischung aus Skepsis und Belustigung betrachtete. Letzterer Ausdruck stand ganz klar seinem Freund zu seiner Linken auf dem Gesicht geschrieben.

Trotz seines ernst wirkenden Äußeren schien James Rhodes, welcher von den Avengers lediglich ‚Rhodey‘ genannt wurde, besonders amüsiert von ihrem kurzen Vortrag gewesen zu sein. Nachdem sein Lachen und die damit verbundenen Witze auf Kosten Tonys abgeklungen war, hatte er sich ihr als ‚der bessere Iron Man alias War Machine‘ vorgestellt.

Auf der nächsten Couch neben ihm saßen Thor und Steve, welche mit einem leisen Klang ihre braunen Glasflaschen aneinanderstießen, ehe sie einen großen Schluck des darin befindlichen Getränkes nahmen.

Auf dem kleinen, weißen Sessel zu ihrer Linken schlief eine schwarzhaarige Frau in einem dunkelblauen Kleid scheinbar tief und fest. Es war ihr nicht zu verübeln; sie alle waren die übrigen Gäste der Party, während alle anderen bereits vor etwa einer Stunde gegangen waren.

Ivana konnte nur vermuten, dass es bereits tief in der Nacht, wenn nicht sogar früher Morgen sein musste – sie selbst kämpfte von Minute zu Minute gegen die wachsende Erschöpfung an.

Leise seufzen ließ das Mädchen ihren Kopf gegen die Lehne ihres Sofas fallen, worauf ihr Natasha zu ihrer Rechten ein leichtes Lächeln schenkte. Sie bedachte Ivana für einen kurzen Moment, ehe sie sich erneut ihrem Gesprächspartner zuwandte.

Angeregt unterhielt sie sich mit dem Wissenschaftler, welcher ihr mit dem Namen ‚Bruce Banner‘ vorgestellt worden war. Sie hatte bereits kurz von ihm als anerkannten Experten für Gammastrahlung gehört, doch viel bekannter war seine ‚zweite Persönlichkeit‘, welche von den Menschen Der Hulk genannt wurde.

Natashas angeregte Unterhaltung mit dem Wissenschaftler zog sich bereits durch den gesamten Abend; Ivana war das scheinbar engere Verhältnis der beiden bereits aufgefallen, als die Frau sie für ein kurzes Gespräch mit dem Doktor alleine zurückgelassen hatte.

Das Mädchen war sich nicht sicher warum, aber Bruce Banner konnte sie von all den ihr vorgestellten Avengern am wenigsten leiden. Seine Anwesenheit löste in Ivana ein unangenehmes, erdrückendes Gefühl aus, welches sie mit einem verzogenen Gesichtsausdruck ertragen musste.

Den kleinen Kreis schlossen Clint Barton und Maria Hill, welche nebeneinander auf dem Boden saßen und aus ihren eigenen Flaschen tranken.



Der Blick des Bogenschützens traf den ihren, während sich ein leises Gähnen von ihren Lippen löste. Clint bedachte sie daraufhin mit einem amüsierten Lächeln.

„Sehe ich da etwa Müdigkeit in den Augen des Teufels?“, in einer übertriebenen Geste blickte er auf sein Handgelenk herab, bevor er sich an Natasha wandte und auf eine nicht-existente Uhr tippte, „es ist aber auch schon weit über die Schlafenszeit der Kleinen hinaus.“

Über seinen eigenen Witz lachend, hob er die Bierflasche erneut zu seinem Mund an. Ivana nutze diesen kurzen Augenblick der Unachtsamkeit, um mit einem harten Tritt seinen Arm wegzustoßen.

Ein lautes Grunzen löste sich von den Lippen des Mannes, als die Glasflasche aus seinen Händen fiel und sich der Inhalt über seine Lederjacke ergoss. Während er ein lautes Stöhnen vernehmen ließ und sie mit einem genervten Blick bedachte, breitete sich auf Ivanas Lippen ein zufriedenes Grinsen aus.

Ihre Augen wanderten von Clint zu Natasha, welche den Bogenschützen mit einem Schmunzeln ihrerseits beobachtete, als plötzlich ein lautes Schnauben ihrer aller Aufmerksamkeit erweckte.

Zeitgleich richteten sich die Blicke auf Tony Stark, welcher kopfschüttelnd die beiden Damen auf dem Sofa ihm gegenüber betrachtete. Letztendlich warf er theatralisch die Hände in die Höhe, ehe er sich auf seiner Couch zurückfallen ließ.

„Warum muss es denn ausgerechnet Romanoffs Kind sein?“

„Tony-“, begann Natasha in einem warnenden Tonfall, doch jener winkte ihren Einspruch unbeeindruckt ab.

„Stellt euch mal vor sie wäre – ich weiß nicht“, er überlegte einen kurzen Augenblick, bevor er auf Banner deutete, „stellt euch mal vor, sie wäre Bruce Tochter. Sie wäre so ein liebes Mädchen; zurückhaltend und die Ruhe in Person.“

Ivana verdrehte genervt die Augen und warf Natasha einen vielsagenden Blick zu, doch Tony setzte seine Wunschvorstellung bereits lautstark fort.

„Oder Steves Tochter“, seine Stimme trifte vor Sarkasmus, als er auf den Captain deutete, „stellt euch das einfach mal vor: ein kleines, blondes Mädchen mit hervorragenden Manieren. Höflich, freundlich und zuvorkommend. Und ihr Vokabular“, er stockte, um seine Fingerspitzen zu seinem Mund zu führen und einen lauten Kusslaut von sich zu geben, „das wäre so glänzend rein, sie würde nicht einmal ein einziges Schimpfwort kennen. Sie wüsste nicht einmal, was das Wort ‚Schimpfwort‘ überhaupt bedeutet, denn Steve hasst solche Wörter ja.“

Ein Lachen ging durch die Runde, wobei der Captain als einziger die Augen verdrehte und ein leises „Ganz ehrlich, Tony“ von sich gab.

Noch bevor der Milliardär mit seiner Begeisterung ausschweifen konnte, mischte sich Clint von seinem Platz aus ein. „Und stattdessen sieht sie nicht nur aus wie Natasha, nein. Sie ist Natasha, nur noch kleiner und gemeiner.“

„Ich hätte damals einfach den Abzug drücken sollen“, murmelte Ivana, bevor sie erneut nach dem Mann trat.

Dieser deutete anklagend auf ihre Füße, ehe er diese mit seinen Händen von sich schlug. „Seht ihr?“

Das Mädchen vernahm hinter sich nur ein leises Schnauben seitens Natasha, als sich plötzlich der Wissenschaftler zu Wort meldete. „Aber stellt euch mal vor sie wäre Bartons Kind.“

Augenblicklich waren verschiedene Ausrufe wie „Nein“, „Bloß nicht“ und „Gott, das wäre ein Alptraum“ zu hören, während sich Clints Gesicht, begleitet von dem lauten Lachen Natashas, verfinsterte.

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A/N: Weiter geht's! :)
Ich hoffe natürlich, dass das Kapitel euch gefallen hat!
Endlich, endlich habe ich den 2. Teil fertig überarbeitet. Je nachdem wie ich mit Teil 3 jetzt voran komme, lade ich vielleicht wieder etwas schneller hoch. :)
Vielen lieben Dank für die neuen Reviews und drei neue Empfehlungen! Habe mich sehr gefreut! :)

Wünsche euch noch ein schönes Wochenende!
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* social skills - 'soziale Kompetenzen'
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