Letzte Station Hollywood

von IcGatter
CrossoverDrama, Krimi / P16
03.04.2019
17.07.2019
10
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Nell und Eric schlenderten gedankenversunken die Promenade entlang. Es war ein angenehmer Tag in L.A.. Es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Sie hatten gerade ihren Lunch beendet und waren auf dem Weg in ihr gemeinsames Apartment. Es sollte das erste entspannte Wochenende nach ihrem Umzug und den daraus folgenden Strapazen sein. Die letzten nervenaufreibenden Fälle taten ihr übriges dazu.
Nachdem Essen waren sie schweigsam nebeneinander hergegangen. Sie blickten sich immer wieder gegenseitig an und genossen die Nähe des Anderen. Viele Worte waren dafür nicht nötig. Die meiste Zeit verstanden sie sich ohne Worte. Nach einer Weile fragte Eric: „Woran denkst du?“ Damit riss er Nell völlig aus ihren Gedanken. Sie blinzelte ihn kurz an und meinte: „Nichts spezielles. Es ist schön mal einen Tag unplugged zu verbringen.“ Sie lächelte ihn verschmitzt an.
Denn noch vor vierundzwanzig Stunden gab es genau darüber eine hitzige Diskussion. Eric wollte partout nicht auf sein Smartphone verzichten. Er erklärte ihr lang und breit, dass er sich ohne es nackt fühlen würde. Nell hatte die Diskussion allerdings schnell im Keim erstickt indem sie drohte mit Kensi anstatt ihm den Tag zu verbringen. Spätestens der strenge Blick seiner Partnerin, als er zögerte zuzustimmen, brachte die Entscheidung. Mittlerweile hatte er sich nicht nur damit abgefunden, sondern genoss ebenfalls die Ruhe und Zweisamkeit. Im Notfall würde Hetty sie immer noch über ihren Pager erreichen doch daran wollte jetzt keiner der Beiden denken.
Eric schmunzelte und meinte: „Da kann ich dir nur zu stimmen. Es ist wirklich sehr befreiend. Allerdings würde ich auch gerne den einen oder anderen Schnappschuss machen, damit dieser Moment für die Ewigkeit hält.“
Sie hatten sich derweil auf einer Mauer an der Promenade niedergelassen. Nell lächelte Eric an und biss sich, während sie in ihrer Tasche kramte, leicht auf ihre Zunge. Eric betrachtete sie genaustens. Er liebte ihr schiefes lächeln und war gespannt nach was sie suchte. Es dauerte nicht lange dann zog sie einen alten Polaroid Fotoapparat hervor. Sie hielt ihn Eric grinsend vor die Nase und meinte: „Ich finde das zählt noch unter unplugged.“ Eric schüttelte lachend den Kopf und rutschte näher an sie heran. Sie lachten und neckten einander und so entstanden die ersten unplugged Selfies des Tages.
Nach einigen Schnappschüssen schlenderten sie weiter nach Hause. Sie hatten sich noch vorgenommen den ein oder anderen Film anzuschauen bevor das Wochenende gänzlich enden würde. Damit sie nicht mehr Zeit als nötig vertrödelten, entschieden sie sich für den direkten Weg durch die Innenstadt. Es war nicht viel los auf den Straßen L.A.´s. Ein paar Touristen, ein paar Skater aber keine Menschenmassen, wie es noch das letzte Wochenende der Fall gewesen war, als dort die Filmpremiere auf dem roten Teppich stattfand.
Nach einer Weile ergriff Eric ihre Hand. Sie war warm und sanft. Nell blickte ihn mit großen Augen an und drückte seine Hand ebenfalls sanft. Dieses Verhalten war sie von Eric gar nicht gewohnt, aber es gefiel ihr. Zufrieden schritten sie weiter, es würde nicht mehr lange dauern dann wären sie Daheim.
Als sie um die nächste Ecke bogen, erreichten sie das örtliche Bankenviertel. Dort befanden sich im Durchschnitt die meisten Fastfoodstände sowie verschiedenste Kiosk´s. Sie umrundeten gerade den Zeitungsstand und liefen in Richtung Hot-Dog Stand. Da entdeckte Nell als nächstes einen Kaffeestand. Sie tippte Eric gerade am Ellenbogen an, als sie plötzlich von den Füßen gerissen wurden.

Eric brauchte eine Sekunde um zu verstehen was gerade geschehen war. Seine Ohren piepten und er lag seitwärts auf der Straße. Er schmeckte Staub und Sand auf seiner Zunge.
Die Menschen in seiner Umgebung waren ebenfalls von den Füssen gerissen worden. Manche rappelten sich auf, andere blieben leblos auf dem Boden liegen. Eric versuchte sich vorsichtig aufzusetzen. Er schaute sich wie in Trance um. Es wirkte alles so surreal. Sein Blick war verschwommen und milchig.
Nachdem er die ersten blutenden Menschen sah, realisierte er sein eigenes warmes  Blut, welches ihm aus Nase und einer Platzwunde am Kopf herunter lief. Er wischte sich reflexartig durchs Gesicht und betrachtete dann das Blut zwischen seinen Fingern. Langsam kam sein Denkapparat wieder auf Touren und dann machte sich prompt Panik in ihm breit. Er sprang auf und versuchte das Gleichgewicht zu halten. Er taumelte in Richtung Bürgersteig, genau zu der Stelle, wo er eben noch mit Nell gestanden hatte. Hilfesuchend blickte er sich apathisch um. Er wollte schreien, wollte ihren Namen rufen, doch seine Stimme versagte.
Die ersten Ersthelfer waren vor Ort eingetroffen und begannen mit der Versorgung der Verletzten. Es dauerte nicht lange da packten ihn zwei Arme und versuchten ihn auf eine Liege zu bugsieren, doch Eric wehrte sich vehement. Er wollte weiter nach Nell suchen, er konnte sie doch nicht im Stich lassen. Seine Gedanken kreisten nur noch um sie und er merkte erst viel zu spät wie Kraftlos er bereits war. Er wurde an die Seite getragen, dort wurde gerade das notdürftige Lazarett aufgebaut. Von dort aus hatte er wenigstens alles im Blick. Er betrachtete wie die Helfer einen nach dem anderen auf eine Trage verfrachteten. Einige kamen auf seine Seite, andere wurden in einen mit Lacken abgesperrten Bereich getragen. Eine Träne kullerte ihm die Wange hinab. Er versuchte Nell´s grauen Parker auszumachen, doch das Gedrängel der Ersthelfer war einfach zu groß. Seine Atmung wurde immer flacher und daher verpasste man ihm eine Sauerstoffmaske.
Eric schaffte es tief durchzuatmen und sich zu beruhigen. Er musste einen kühlen Kopf bewahren und betrachtete weiter die Ersthelfer. Irgendwo hier musste Nell doch sein.


„Was haben wir?“, fragte Callen unter Strom stehend während er OPS betrat. Sam, Kensi und Deeks waren ebenfalls vor wenigen Minuten eingetroffen.
Hetty´s Blick ließ nichts gutes verheißen. „Vor wenigen Min..“ „Wo sind Eric und Nell?“, unterbrach Callen Hetty. Hetty holte tief Luft und fuhr unbeirrt fort: „Vor wenigen Minuten gab es im Zentrum von Los Angeles eine Explosion in einer Bank. Dies wird vorläufig als Terrorakt gewertet und fällt daher in unseren Aufgabenbereich.“
„Gibt es schon eine Gruppe die sich dazu bekennt?“, fragte Sam fokussiert. Hetty schüttelte den Kopf: „Nein, aktuell sind nur sehr wenige Informationen bekannt.“ Callen musterte Hetty scharf und fragte erneut: „Hetty, wo sind Eric und Nell?“ Hetty blickte zum Bildschirm und griff auf die umliegenden Kameras zu. Sie zeigte ihnen eine Aufnahme die kurz vor der Explosion aufgenommen wurde.
Es machte sich eine unangenehme Stille breit als die vier Nell und Eric Händchen haltend erkannten. Keiner traute sich seine Gedanken laut auszusprechen. Bis Hetty die Stille brach: „Miss Jones und Mister Beale gehen Beide nicht an ihre Smartphones. Da Miss Jones allerdings ihre Wochenenden teilweise ohne ihr Smartphone verbringt, ist dies nicht unüblich.“ Hetty holte kurz Luft und fuhr fort: „Für den Fall hat Sie immer einen Pager dabei, den Sie normalerweise auch regelmäßig beantwortet. Dies hingegen ist heute nicht passiert. Ebenfalls bei Mister Beale. “
Das Team stand noch immer schweigend in der Kommandozentrale. Es wirkte hier leerer und trauriger als normalerweise. Sam fand als erstes seine Stimme wieder und fragte leise: „Können wir das Video noch mal sehen?“ Hetty nickte und drückte einen Knopf auf ihrer Fernbedienung. Sam betrachtete das Video genaustens. Callen entging Sam´s Blick nicht. „Was denkst du?“ Sam überlegte: „In Anbetracht dessen wo Eric und Nell sich zum Zeitpunkt der Explosion befanden,,“, er unterbrach sich kurz und schaute vorsichtig in die Runde, „Müssen wir wohl erst einmal vom Schlimmsten ausgehen.“
In Sam´s Stimme schwang Trauer und Sorge mit und seine Analyse ging durch Mark und Bein. Kensi hielt sich immer noch die Hand vor den Mund und starrte traurig auf den Monitor. Deeks wirkte wie versteinert und schwieg weiter vor sich hin.
Callen nickte und entschied: „Kensi, Deeks ihr fahrt zum Polizei Department. Ich will wissen was die Wissen. Sam und ich fahren zum Tatort.“
Dabei versagte seine Stimme gänzlich. Doch er brauchte es nicht zu wiederholen. Wie eine gut geölte Maschinerie setzen die Vier sich in Bewegung.

Kensi und Deeks schwiegen die gesamte Fahrt über. Erst kurz bevor sie ausstiegen, ergriff Kensi das Wort. „Was glaubst du werden Sam und Callen am Tatort vorfinden?“ Deeks überlegte und meinte nachdenklich: „Ist es fair, das wir nicht zum Tatort mitgefahren sind?“ Kensi schaute ihn überrascht an, verstand aber worauf er hinaus wollte. „Callen hat uns diese Entscheidung abgenommen. Wir finden schnell heraus was das LAPD weiß und fahren dann ebenfalls zum Tatort.“, antwortete sie leise. Deeks nickte und schwang sich direkt aus dem Wagen.
Schnellen Schrittes marschierten die Beiden durch das Revier. Man hatte bereits alle bisher zusammengetragenen Informationen parat gestellt. Deeks betrat als erstes den Untersuchungsraum und nickte seinem altem Captain zu. Er machte sich innerlich schon auf die fiesen Sprüche seines Captains gefasst, doch zu seinem Erstaunen blieben diese aus.
Zu jeder anderen Tages oder Nachtzeit hätte Deeks´ alter Captain einen flotten Spruch auf den Lippen gehabt um den jungen Detektive zur Weißglut zu treiben. Doch darauf verzichtete dieser heute. Es hatte sich schon herum gesprochen warum das Team des NCIS so viel Interesse an diesem Fall hatte.
Deeks presste die Lippen zusammen und fragte: „Was haben wir?“ Der Captain reichte Deeks eine der bereitliegenden Akten und meinte bitter: „Außer Angst, Verletzten, Toten, sowie maximale Panik und Zerstörung...nicht viel.“ Kensi die hinter Deeks stand, bekam die zweite Akte in die Hand gedrückt. „Das sind bis jetzt alle Opfer die Identifiziert worden sind.“, erklärte man Kensi. Kensi nickte und schlug die Akte auf. Ihr wich sofort alle Farbe aus dem Gesicht als sie Eric´s Namen entdeckte.
Deeks dem Kensi´s Blick nicht entgangen war, fragte schnell: „Mit Opfer meinen Sie...?“ Doch weiter kam er nicht, denn der Captain unterbrach ihn direkt: „Nicht nur Tote sondern auch Verletzte. Entschuldigen Sie meine Wortwahl, Miss Blye.“ Kensi nickte und entspannte sich ein wenig.
Nachdem der erste Schreck erfolgreich verdaut war, erklärte der Captain allerdings neue, nichts gutes bringende Erkenntnisse.
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