Obsessions

GeschichteDrama, Romanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
02.04.2019
10.10.2019
16
35829
39
Alle Kapitel
102 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Haaaaallo, ihr Lieben :)

Wie geht es euch? Alles soweit gut? Ich muss sagen, mir schon! Irgendwie schenkt der Herbst mir aktuell viel neue Energie und Inspiration - auch, wenn das Wetter leider zu wünschen übrig lässt. Ich glaube aber, ich hab dann einfach mehr Zeit, zu spinnen und zu lesen und dann kommen die Ideen irgendwie von ganz alleine :) Freut ihr euch über den Herbst? Oder welche ist eure liebste Jahreszeit?

Übrigens merke ich gerade, dass mir das Update alle zwei Wochen wirklich gut passt und es für mich definitiv funktioniert! Ich freue mich sehr, dass ihr dafür so viel Verständnis habt :) Und vielen, lieben Dank nochmal für eure tollen Kommentare ❤ Wie immer habe ich mich total gefreut und werde natürlich jedem/jeder persönlich antworten! Es macht einfach so Spaß zu lesen, wie ihr mit Hermine und Draco mitfiebert! Vielleicht seid ja auch gerade ihr es, die mir so viel Energie geben? Ich bin mir sicher, ihr habt da auch einen großen Einfluss :)

Ok, so, nun genug gelabert: Hier kommt das nächste Kapitel von "Obsessions" mit einem kleinen Einblick in Dracos verwirrtes Köpfchen :) Viel Spaß!

PS: Ich hoffe, ihr bekommt beim Kapitel-Namen nicht auch so einen hartnäckigen Ohrwurm wie ich :D
______

Kapitel 15: Hotline Bling

LONDON, 26. FEBRUAR 2005

Ever since I left the city, you
Got a reputation for yourself now
Everybody knows and I feel left out

xxxxxxxxxxxx

Dracos Kiefer knackten gefährlich aufeinander, als er Hermine Granger mit den Augen verfolgte.

Sie verließ gerade in diesem Moment die Bar - gemeinsam mit dieser Lachnummer von einem Typen. Lange hatte es nicht gedauert, Draco hatte das abstoßende Geknutsche der beiden nur etwa eine halbe Stunde mitansehen müssen, dann hatten sie sich entschlossen, die Bar - zu Dracos Abscheu Hand in Hand - zu verlassen.

Er fixierte Hermine Grangers lockigen Hinterkopf und ließ sie auf ihrem Weg zur Tür nicht aus den Augen. Er beobachtete, wie dieser Typ ihr ihre Jacke reichte und ihr hineinhalf. Lächerlich. Als könnte Hermine Granger sich nicht selbst anziehen. Er sah, wie sie sich durch die Haare fuhr und den schwarzhaarigen Loser immer wieder anlächelte. Bei Merlin, er sah sogar, dass ihre Wangen gerötet und ihre Lippen geschwollen waren - vom Küssen, natürlich.

Draco umklammerte sein Glas mit einer Hand, mit der anderen griff er den Rand des Stehtisches. Eine unbändige Wut kochte gerade in ihm hoch - und er konnte nicht dafür garantieren, dass er irgendwann überkochen wurde. Oder anbrennen, je nachdem.

Er sah, wie der Schwarzhaarige ihr die Tür aufhielt und sie ihm dankbare Wort zumurmelte.

Und dann drehte sich Hermine Granger um und blickte noch ein letztes Mal zurück in die Bar. Draco konnte nicht schnell genug reagieren, und so starrte er mit einem Mal direkt in ihre haselnussbraunen Augen. Er war nicht fähig, irgendetwas zu tun oder zu sagen. Er sah sie einfach nur an. Und sie tat dasselbe. Sie sah ihn so eindringlich an, dass Draco mit einem Mal vergaß, was er zuvor noch gedacht hatte. Sein Kopf schien wie leergefegt.

Aber dann, ohne etwas zu tun oder irgendwie zu reagieren, wandte sich Hermine Granger wieder ab und ging durch die Tür. Der Schwarzhaarige folgte ihr und so fiel die schwere, dunkle Tür hinter ihnen ins Schloss.

Sie war weg.

Draco atmete auf und fühlte sich, als würde er gerade aus eiskaltem Wasser auftauchen. Die Luft war knapp geworden. Plötzlich fror er, die heiße Wut, die ihn vorhin ergriffen hatte, machte einer eisigen, alles einnehmenden Leere Platz.

„Ist sie gegangen?“, hörte er nun die Stimme von Dean, der mit neuen Getränken zurück an den Tisch gekommen war.

Ihr Gespräch war in der vergangenen halben Stunde deutlich abgekühlt. Einfach, weil Dracos Laune just in dem Moment, als Hermine Granger diesem Typen ihre Lippen aufgezwungen hatte, im Sturzflug in den Keller gerauscht war. Er hatte sich auf nichts mehr konzentrieren können, was Dean ihm gesagt hatte. Er hatte nicht einmal irgendwo anders hinsehen können. Er hatte sie die ganze verdammte Zeit angestarrt.

„Ja“, murmelte Draco und griff mit einem dankbaren Nicken nach seinem Glas.

Er nahm einen Schluck, blickte dann kurz auf die braune Flüssigkeit, zuckte mit den Achseln und kippte dann das gesamte Getränk hinunter. Es schüttelte ihn und der Whiskey brannte in seiner Kehle - doch das war jetzt nötig gewesen. Ihm wurde langsam wieder warm.

„Wow, das war wohl nötig?“, fragte Dean mit großen Augen, der gerade das Glas an seine Lippen gesetzt hatte.

„Sorry, Mann, ich -“, sagte Draco zu seinem Freund, unterbrach sich aber. Was sollte er nur sagen?

Irgendetwas in ihm wehrte sich dagegen, Dean zu erzählen, wie es ihm gerade erging. Er wusste zwar, dass sein Kumpel etwas ahnte, dass er irgendwie im Gefühl hatte, dass da mehr zwischen ihm und Hermine gewesen war. Dennoch hatte Draco nie mit ihm darüber gesprochen, selbst damals, vor sechs Jahren, nicht. Und wenn er es ihm jetzt sagen würde, würde er sich da nicht einfach nur lächerlich machen? Alle hier hatten weitergemacht, da konnte er Dean doch mit nicht mit etwas, was vor sechs Jahren geschehen ist, belangen.

Also versuchte er, sich wieder ein wenig normal zu verhalten. Er würde sich noch lächerlich machen.

„Es hat keine Bedeutung, wenn sie das macht, weißt du?“, sagte der Schwarzhaarige nun langsam und beäugte weiterhin sein eigenes Glas Feuerwhiskey.

„Dean“, versuchte Draco, ihn zu unterbrechen. Doch Dean hob nur die Hand und Draco verstummte. Die Richtung, in die das alles hier ging, gefiel ihm absolut nicht.

„Sie sucht sich die Männer, verbringt eine Nacht mit ihnen und löscht dann ihr Gedächtnis. Und das immer und immer wieder“, murmelte sein Kumpel und nahm noch einen tiefen Schluck. Dabei warf er Draco einen kurzen, aber eindeutigen Blick zu.

„Sie kann sich einfach nicht länger binden. Ginny wird noch irgendwann verrückt, weil Hermine all ihre Kuppel-Versuche ausschlägt. Hermine hat es lieber so.“

„Pragmatisch“, antwortete der Blonde trocken und sehnte sich bereits nach einem neuen Glas Feuerwhiskey.

Irgendwie schmeckte ihm diese neue Hermine Granger überhaupt nicht. Was hatte dieses Verhalten nur zu bedeuten?

Doch dann realisierte Draco zum ersten Mal, was Dean gerade gesagt hatte. Sie wollte sich nicht binden, schlug alle Angebote aus und löschte den Männern sogar das Gedächtnis. Sie meinte es wirklich nicht ernst - so, wie sie es ihm vorhin bereits gesagt hatte.

Und es war idiotisch, utopisch und vollkommen surreal - aber plötzlich beruhigte sich Dracos Atem und in ihm keimte ein kleines bisschen Hoffnung auf. Hermine Granger schien ihr Herz verschlossen zu haben, vielleicht könnte er - durch irgendeinen dummen, verrückten Zufall, es schaffen, dass sie sich ihm wieder öffnete? Sie so zu sehen, eng umschlungen mit einem anderen Kerl, ja, verdammt, das tat weh. Aber es spornte ihn auch an. Würde er Hermine Granger wieder erobern können?

„Allerdings. Hermine hat vieles über Bord geworfen, wenn ich ehrlich bin. Ich meine, klar, sie ist immer noch dieses wandelnde Lexikon, ein verrückter Workaholic und ein Bücherwurm. Aber manchmal, da macht sie einfach dicht. Lässt niemanden an sich heran. Ich erkenne sie dann nicht wieder.“

Es stimmte also, was er bereits vermutet hatte. Hermine Granger hatte ihr Herz verschlossen. Seit wann? Seit dem Krieg? Seitdem er sie verlassen hatte? Draco hasste sich für diese Gedanken und er war wieder einmal sicher, dass er absolut masochistisch war und ein viel zu großes Ego hatte. Größer, als es ihm guttat. Aber was wäre, wenn er einfach versuchen würde, neu mit ihr anzufangen? Wenn er - so wie sie es eben auch tat - all die Dinge, die in die Vergangenheit gehörten, auch dort beließ und es jetzt hier, in seinem neuen Leben, in einer neuen Zeit, noch einmal bei ihr probierte? Würde sie ihn an sich heranlassen? Würde sie dann vielleicht die echte Hermine Granger zeigen?

Dracos Herz klopfte verräterisch. Und er wollte sich diese Gedanken sofort wieder aus dem Kopf schlagen. Was stellte er sich eigentlich vor? Als ob er jemals wieder eine Chance bei Hermine Granger hätte. Er hatte ihr Vertrauen missbraucht, sie ohne ein Wort einfach verlassen - ohne ihr vorher auch nur zu sagen, was er damals für sie empfunden hatte. Was er vielleicht jetzt immer noch für sie empfand.

Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie ihm jemals verzeihen würde. Sie war sturköpfig und geradezu manisch loyal - und deshalb würde sie ihm seine Flucht nie verzeihen. Sie würde ihn bestenfalls anschreien und ihm alles vorwerfen - oder ihn weiterhin wie einen entfernten Bekannten behandeln. Draco war sich nicht sicher, was besser sein würde.

Er seufzte und versuchte irgendwie, sein dämlich klopfendes Herz zu beruhigen. Dieses kleine bisschen Hoffnung, dass sich in ihm ausgebreitet hatte, wollte immer noch nicht verschwinden. Was hatte er da nur getan?

Er schämte sich für die starken Gefühle, die diese besondere Hexe in ihm hervorrufen. Aber er konnte einfach nicht aus seiner Haut. Wenn sie im Raum war, war sein Kopf gleichzeitig leergefegt und sprudelte über vor nichtgesagten Gedanken. Dann wollte er zu ihr gehen, konnte sich jedoch nicht bewegen - als würde ein unsichtbares Seil ihn an Ort und Stelle halten. Er erinnerte sich zu gern an die Hermine Granger, die er damals hatte kennenlernen dürfen. Sie war intelligent und witzig, sie zog ihre Unterlippe zwischen die Zähne, wenn sie sich konzentriere. Sie gab niemals auf, sie ließ sich durch nichts und niemanden vor ihrem Weg abbringen - außer vielleicht, wenn derjenige ihr Schokolade brachte. Er hörte ihr wahnsinnig gerne zu, ihre Stimme hatte einen ganz leichten Sing-Sang und klang irgendwann rau, wenn sie lange gesprochen hatte. Ihre Augen strahlten, wenn sie lachte.

Und dann traf Draco die Erkenntnis, diese schreckliche, alles vernichtende Realisation. Er würde sie niemals bekommen. Niemals würde er ihr genügen, nie gut für sie sein. Denn sie war alles und er war nur Draco Malfoy. Und er konnte niemals aus seiner Haut.

„Ja, sie bringt mich auch manchmal ganz schön auf die Palme“, holte Dean ihn plötzlich wieder zurück in die Gegenwart. Er schien Dracos Gedankenspiel irgendwie von außen verfolgt zu haben. Anscheinend musste er sehr wütend und dann verzweifelt ausgesehen haben - so, wie Dean ihn jetzt ansah.

Dean lächelte sanft, während er von Hermine erzählte. Und auch, wenn Dean gerade Hermine Grangers schlechte Seiten aufzählte, erkannte Draco diese tiefe Freundschaft, die den Schwarzhaarigen und die Brünette verband. Die sie alle verband. Alle, bis auf ihn.

„Ich schätze, sie hat sich verändert“, sagte Draco nur vage, um von diesen ganzen verwirrenden Gedanken, die gerade durch seinen Kopf geschossen waren, abzulenken. Bei Merlin, er schämte sich so für seine Gefühle. Wann war er so ein liebestrunkener Idiot geworden? Seit wann stürzte er sich in Unterfangen, die er sowieso nur verlieren konnte?

„Machen das nicht alle mit der Zeit?“

Er wusste bei bestem Willen nicht, was er Dean sagen sollte. Er wollte nicht mit ihm über Hermine Grangers Eigenarten sprechen. Er wollte überhaupt nicht über Hermine Granger sprechen. Und seine Gedanken aus seinem bescheuerten Kopf verbannen.

„Ja, vielleicht“, antwortete sein ehemaliger bester Freund und sah ihm nun endlich in die Augen, bevor auch er den Inhalt seines Glases herunterstürzte.

Und während Dean seinen Mund aufgrund des brennenden Feuerwhiskeys verzog, sah Draco es. Auch Dean machte die Vergangenheit noch zu schaffen. Auch er litt an dem, was geschehen war, und dem, was der Krieg auch noch heute mit ihnen anrichtete. Mit einem Mal überkam Draco eine Welle des Mitgefühls für seinen guten Freund. Seinen ehemaligen guten Freund, den er ebenfalls einfach im Stich gelassen hatte.

An dessen Elend er wahrscheinlich noch mehr schuld war, als Dean vielleicht ahnte.

Alkohol. Draco brauchte mehr Alkohol. Alles, was er gerade dachte, war verdammt gefährlich. Und irgendwann würde er aus dem Strudel nicht mehr herausfinden, wenn er so weitermachte.

„Ich glaube, wir brauchen noch einen Drink“, sagte er nun mit fester Stimme und sah seinen Freund mit einem auffordernden Grinsen an. Die Draco-Malfoy-Maske saß wieder perfekt.

„Du sagst es“, sagte Dean, der seine Dämonen ebenfalls abzuschütteln schien.

Draco schnappte sich die leeren Gläser und ging an seinem Kumpel vorbei zur Bar. Auf dem Weg schüttelte er sich nochmal - so, als würde er auch all seine fiesen Gedanken abschütteln. Dort bestellte er zwei weitere Feuerwhiskey und brachte sie zurück an den Stehtisch.

„Also dann“, sagte er, hob sein Glas und machte eine kunstvolle Pause. „Auf uns!“

Dean tat es ihm gleich und stieß mit seinem Glas an seines.

„Auf uns und unseren Untergang.“

______

Ohhhhhh, was sagt ihr zu Dracos Gedanken? ❤ Sind sie nicht schön und gleichzeitig einfach so herzzerreißend? Bin wirklich gespannt auf euer Feedback!

Liebste Grüße
eure Koko ❤
Review schreiben