Obsessions

GeschichteDrama, Romanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
02.04.2019
07.11.2019
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Hey meine Lieben :)

Ich mache es heute Morgen mal ganz kurz: Vielen, vielen Dank für eure zahlreichen Reviews, mir geht wirklich immer das Herz auf, wenn ich lese, wie sehr ihr mit den Charakteren mitfiebert. Dankeschön <3 Nur mit eurer Unterstützung kann ich das Ganze hier meistern! Deshalb ist es mir auch so wichtig, mich jedes Mal bei euch zu bedanken. Ich weiß ja selbst, dass es als Leser nicht immer leicht ist, immer Reviews zu schreiben und sich zu melden, deshalb weiß ich das sehr zu schätzen, was ihr tut!

Ich will euch auch gar nicht so lange gefühlsduselig vollquatschen, hier ist das neue Kapitel von "Obsessions!":

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Kapitel 10: Wild Stare

LONDON, 24. FEBRUAR 2005

At times I swim 'til I shiver
We deny, we deny to push it on

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Gerne. Wie wäre es mit Samstag? Ich kenne da eine schöne Bar in Camden.

Hermine schaute mit einem kleinen Lächeln auf das Pergament hinunter, welches sie gerade mit ihrer Lieblingsfeder beschrieben hatte. Dann faltete sie das Blatt zusammen, band es an den Fuß ihrer fluffigen Eule und schickte sie auf die Reise. Hermine schaute dem Tier noch eine Weile nach, bis sie sich umwandte und durch ihre kleine Wohnung ins Bad spazierte.

Dabei umspielte immer noch ein leises Lächeln ihre Lippen. Gerade hatte sie für Samstagabend eine Verabredung festgelegt. Und Verabredung stand in ihrem Sinne für One-Night-Stand. Ja, Hermine war zwar Single aber das hieß nicht, dass sie auch abstinent sein musste. Eigentlich wusste sie genau, was sie wollte, und sie wusste auch, wie sie das bekommen konnte.

Eigentlich lief es immer gleich ab: Sie lernte durch Zufall einen Mann kennen - ob im Ministerium oder nach Feierabend -, blieb für einige Zeit mit ihm in Kontakt und dann - wenn er sich als geeignet herausstellte - verabredete sie sich mit ihm. Meist gingen sie etwas Trinken oder in ein Restaurant und dann holte Hermine sich eben das, was sie wollte. Ganz wichtig dabei: Sie ging immer mit zu ihm. Und wenn er dann eingeschlafen war, löschte sie sein Gedächtnis und verschwand spurlos.

Denn immerhin war sie Hermine Granger. Sie war in der Zaubererwelt quasi prominent - und deshalb waren die Klatschspalten des Tagespropheten immer höchst interessiert an ihrem Liebesleben. Sie konnte es einfach nicht gebrauchen, wenn einer von diesen Männern etwas ausplaudern würden. Es war damals, direkt nach dem Krieg, schon schlimm genug gewesen, dass die Reporter und Kameras ihnen auf Schritt und Tritt gefolgt waren. Jetzt war es zwar etwas ruhiger, aber Hermine wusste nur zu genau, dass der Tagesprophet sich nur zu gerne auf eine männerfressende Hermine Granger werfen würde.

Auch wenn diese Gedanken natürlich immer mitschwangen, freute sie sich auf den kommenden Samstagabend. Wenn sie sich mit anderen Männern traf, dann fühlte sie sich herrlich normal. Dann fühlte sie sich begehrenswert und so, als wäre sie eben nicht Hermine Granger.

Heute Abend würde sie aber wieder Hermine Granger sein - und das war auch gut so. Denn heute Abend traf sie sich zu ihrer allwöchentlichen Runde mit ihren liebsten Freunden. Hermine freute sich darauf. Auch wenn sie wusste, dass sie sich eigentlich viel zu oft sahen. Sie waren fast wie eine Sekte, schmunzelte Hermine in Gedanken. Oder eben einfach ein echt eingeschworenes Team.

Lächelnd betrachtete sie sich in ihrem Badezimmerspiegel und griff nach ihrer Mascara, um ihr Make Up noch ein wenig aufzufrischen, bis sie sich auf den Weg machen würde. Eigentlich war sie bereits ein wenig zu spät, doch Hermine hatte nach dem Krieg gelernt, dass die akademische Viertelstunde gar nicht so eine schlechte Idee war - und zwar in allen Lebenslagen.

Früher hätte ihr so etwas nie passieren können. Und sie musste zugeben, dass sie sich diese Lässigkeit nur schwer antrainiert hatte. Doch nach dem Krieg war ihr schnell klargeworden, dass ihre vorherige Verbissenheit ihr Leben ganz schön im Griff gehabt und es eben nicht gerade erleichtert hatte. Zwar konnte sie ihre Persönlichkeit nicht grundlegend verändern - und das wollte sie auch gar nicht. Sie war gerne gewissenhaft, fleißig, belesen und manchmal besserwisserisch. Aber dort, wo sie ohne Konsequenzen etwas lockerer werden konnte, hatte sie es zugelassen: so zum Beispiel bei ihrer Pünktlichkeit - oder eben bei den Männern.

Hermine brauchte jedoch nicht lange, um sich etwas aufzufrischen. Dann lief sie in den Flur ihrer Wohnung, löffelte dort noch etwas Futter in den Napf ihres Katers Krummbein, der wahrscheinlich vor ihr zurück nach Hause kommen würde, schnappte ihre Jacke und disapparierte.

Sie landete kurze Zeit später wie gewohnt in dem Hinterhof der Bar, in der sich die Freunde seit Jahren trafen. Es handelte sich zwar um ein Magierlokal, trotzdem zog sie es vor, nicht direkt in das Etablissement zu apparieren. Die Brünette lief deshalb schnellen Schrittes um das Gebäude herum und trat dann ein. Sie brauchte gar nicht nachzusehen, wo ihre Freunde saßen, denn immer saßen sie immer an demselben Tisch.

„Hey Leute“, sagte sie und winkte ihren Freunden zu, die bereits alle versammelt an dem großen Tisch saßen.

„Hermine“, rief Ginny und winkte sie zu sich heran, da neben ihr noch ein Platz frei war.

Die Angesprochene lächelte und ließ sich neben ihrer besten Freundin nieder, die ihr sofort ein Butterbier herüberschob. Hermine lächelte dankbar und nahm einen kräftigen Schluck, wobei sie einen Blick in die Runde warf. Neville und Ron unterhielten sich gerade angeregt, während Harry, Luna und Lavender ihnen aufmerksam zuzuhören schienen. Allein Ginny und Dean beteiligten sich nicht an ihrem Gespräch. Dean hatte sein Gesicht in beide Hände gestützt und Hermine beobachtete, wie er erst sie ansah, dann - als er ihren Blick bemerkte - aber schnell wegsah und einen langen Blick mit Ginnys austauschte.

Was ging hier vor?

Gerade, als sie ihren Mund öffnen und sie fragen wollte, ertönte allerdings das laute Lachen von Ron und Neville, das Hermine für einen Moment aus dem Konzept brachte und die gesamte Aufmerksamkeit des Tisches auf die beiden jungen Männer lenkte.

Anscheinend hatte Neville gerade wieder eine hirnrissige Aktion seiner Schüler zum Besten gegeben, denn Ron sagte prustend: „Man, Neville, ich danke dir, dass ich durch dich noch ein wenig den Alltag in Hogwarts durchleben kann.“

„Gern geschehen“, antwortete der Angesprochene grinsen und nahm einen Schluck Butterbier, ehe er Hermine freundlich zuwinkte.

Die brünette Hexe lächelte und nahm ebenfalls einen großen Schluck. Gerade öffnete sie ihren Mund, um Ginny etwas zu fragen, als Dean plötzlich das Wort erhob.

„Leute, ich hab mich gestern mit Draco getroffen“, sagte er mit fester Stimme und schaute einmal offen in die Runde.

Mit einem Mal war alles still, alle Augen waren auf Dean gerichtet. Hermine konnte nicht anders, als ihren Kumpel unverwohlen anzustarren.

„Du hast - was?“, fragte Harry und sah Dean mit großen Augen an. „Wie hast du das denn geschafft?“

„Ihn wahrscheinlich geschockt und gefesselt“, sagte Ron spöttisch und lehnte sich abwartend in seinem Stuhl zurück. Nun lagen wieder alle Augen auf Dean, der erst einmal verärgert über die Stirn rieb, dann aber strahlend lächelnde.

„Naja, ich habe ihn am Dienstagabend durch Zufall im Atrium getroffen“, schilderte Dean langsam. „Er hatte es ziemlich eilig - sah eher aus, als wäre er irgendwie auf der Flucht.“

Hermines Herz machte einen kleinen Sprung. Dienstag? Das war doch der Tag gewesen, an dem sie fast aufeinandergetroffen waren. An dem sie vor ihm geflohen war. Nervös sah sie wieder zu Dean und war ganz gespannt darauf, was er zu erzählen hatte.

„So sah er auch aus, als ich ihn getroffen habe“, seufzte Harry. „Als wollte er am liebsten ganz schnell weg von mir.“

„Genau“, sagte Dean nickend, aber immer noch lächelnd. „Aber ich hab es einfach nicht zugelassen. Hab gesagt, dass er nicht einfach davonrennen und sich verstecken kann. Ich wollte es ihm einfach nicht durchgehen lassen.“

Jetzt hingen alle am Tisch an Deans Lippen. Das war mal eine Neuigkeit.

„Nun ja, erst ist er irgendwie ganz traurig und bedrückt geworden, dann haben wir plötzlich Witze gemacht und dann war er wieder traurig. Der Typ ist echt ein Rätsel, ich sag’s euch“, schilderte der dunkelhäutige Zauberer kopfschüttelnd.

„Und dann, als ich beinahe aufgegeben habe, hat er dann doch zugesagt - also für einen späteren Zeitpunkt. Aber ich wollte nicht länger warten und habe ihm direkt am Abend ein Memo geschickt und gefragt, ob wir uns nicht Mittwochabend - also gestern - kurz treffen könnten. Tja, er hat es gestern Morgen gelesen, eingewilligt und dann haben wir uns gestern Abend in dieser einen Bar in Camden getroffen.“

Er machte eine Pause, nahm ein Schluck und betrachtete seine Hände.

„Und? Wie war das Treffen verdammt nochmal?“, kam es von Ginny wie aus der Pistole geschossen. „Erzähl, worüber ihr geredet habt!“

Hermine war ihrer ungeduldigen Freundin zutiefst dankbar. Denn fast wäre sie es gewesen, die Dean flehend gebeten hätte, weiter zu erzählen.

Draco hatte sich tatsächlich mit Dean verabredet. Hatte Dean etwa erfahren, warum Draco gegangen war? Was er all die Jahre gemacht hatte und warum er jetzt urplötzlich wieder da war? Hatte er vielleicht etwas über sie gesagt? Hatten sich Dean und Ginny deshalb vorhin so bedeutungsschwer angesehen? Nein. Nein, das war Unsinn. Sie und Draco hatten niemandem erzählt, was zwischen ihnen vorgefallen war. Da war es unmöglich, dass er sechs Jahre später plötzlich mit Dean darüber reden würde.

„Also, anfangs war es echt komisch. Irgendwie wusste keiner so recht, was er sagen sollte“, sagte Dean langsam. „Aber dann haben wir uns einfach überwunden und über alles geredet, was uns in den Sinn kam. Er hat mir aber nicht viel von sich erzählt - zumindest nichts, was irgendwie seine Beweggründe aufzeigt. Er hat in Ilvermorny seinen Schulabschluss nachgeholt, in Russland studiert und in Finnland gearbeitet. Mehr weiß ich nicht.“

Nachdem Dean geendet hatte, brach es gleich an verschiedenen Enden des Tisches los.

„Was? Du hast über nichts anderes mit ihm gesprochen?“, fragte Ginny - nun ernsthaft verärgert.

„Er war in Russland? Wow“, sagte Neville mit nachdenklichem Gesicht.

„Ilvermorny? Ist das die Schule in Amerika?“, fragte Ron in die Runde.

„Er - er hat studiert“, murmelte Hermine mehr zu sich selbst, als zu sonst irgendjemandem.

Wenn sie ehrlich war, dann hatte sie eine Zeit lang gedacht, dass Draco verschwunden war, um sich selbst zu bestrafen. Sie hatte sich Sorgen gemacht und ihn schon in zwielichtigen Speluken gesehen, in denen er sich hemmungslos betrank und nachher irgendwelche Unschuldigen verprügelte. Sehr dramatisch, das wusste Hermine selbst. Aber sie wusste auch, dass es eine solche Seite an Draco Malfoy gab. Und sie hatte Angst gehabt, dass diese aus ihm herausbrechen würde. Immerhin hatte auch er viel Leid erleben müssen.

Stattdessen hatte Draco Malfoy etwas Sinnvolles getan. Er hatte einen Schulabschluss. Er hatte sogar studiert - nicht einmal sie war zur Uni gegangen. Bevor sie sich jedoch weiter in ihre Gedanken verstricken konnte, sprach Dean bereits weiter.

„Jaa, ich habe mit ihm nicht über all das gesprochen, was passiert ist“, sagte er ergeben und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.  „Aber aus dem einfachen Grund, dass ich ihn nicht sofort wieder vergraulen wollte. Er kämpft offensichtlich noch mit alldem. Da wollte ich einfach langsam machen.“

Er zuckte mit den Schultern und sah in die Runde. Doch niemand schien darauf etwas erwidern zu wollen, weshalb Dean noch einmal ansetzte.

„Leute, er versteckt sich - vor uns und vor sich selbst. Er hat immer noch Probleme mit der Vergangenheit. Und es macht ihm auch zu schaffen, dass er nun wieder hier ist. Scheinbar hatte er nie damit rechnet. Aber auch, wenn er so abweisend war, habe ich es trotzdem versucht und er hat nachgegeben. Dass heißt, dass er sich uns nicht gänzlich verschließt. Vielleicht kommen wir so wieder an ihn ran.“

„Ja, aber ich glaube nicht, dass wir es sofort alle auf einmal versuchen sollten“, sagte Harry. „Ich habe das Gefühl, dass wenn man zu viel von ihm verlangt, dann haut er wieder ab.“

„Du hast Recht“, antwortete Dean. „Aber ich bleibe dran.“

Alle anderen nickten und starrten auf die Tischplatte - jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Und Hermine wusste überhaupt nicht mehr, was sie denken sollte. Sie freute sich für Dean, dass er langsam wieder den Kontakt zu seinem ehemaligen Freund aufbauen konnte. Sie war überrascht und erleichtert, dass es Draco in den letzten sechs Jahren scheinbar gut ergangen war.

Und trotzdem war sie traurig darüber, dass er sich so abweisend verhielt und dass er nicht glücklich darüber war, zurück zu sein. Dann war da noch diese unbändige Wut auf ihn, die seit seinem Verschwinden in ihr brodelte. Und Sehnsucht. Diese verdammte Sehnsucht nach ihm.

Dean seufzte und beugte sich noch einmal nach vorn in die Runde.

„Wenn ich noch ein Letztes sagen darf: Wir sollten ihm nicht abweisend gegenübertreten. Wir sollten ihn nicht aufgeben. Er ist genauso kaputt wie wir - und dabei ist er auch noch allein. Lasst uns dafür sorgen, dass Letzteres wenigstens nicht so bleibt.“


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Dean hat gesprochen! Was meint ihr? Hat er Recht?
Entschuldigt, dass ich das Treffen zwischen den beiden ausgelassen habe, aber mir war es wichtig, euch jetzt wieder mehr über Hermine und ihre Gefühlslage wissen zu lassen. Draco und Dean würde ich ehrlich gesagt als typische Männerfreundschaft betiteln. Nicht lange reden, einfach machen. So hat Dean definitiv einen anderen Zugang zu Draco.

Was sagt ihr zur "männerfressenden" Hermine Granger? :D Ein Aspekt, der später eventuell nicht ganz unwichtig wird...

Apropos später: In der nächsten Woche kommt wohl das von euch lang ersehnte Kapitel! :)
Bis dahin, habt eine schöne Zeit!
Eure Koko :)
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