Schillernde Dämonen

von Enigma
GeschichteAbenteuer, Drama / P18
02.04.2019
01.08.2019
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02.04.2019 1.151
 
„Das ist sie, die Shibusen. Oh, mein Gott! Sie ist noch viel beeindruckender, als ich sie mir vorgestellt habe."
Verzückt stand der Schwertmeister mit dem knallroten Mantel auf einem Bein vor dem Treppenabsatz, der zur besagten Schule gehörte.
Das Gebäude war riesig. Drei Totenköpfe zierten die Vorderseite des Schlosses, deren schwarze Türme hoch hinauf in den Himmel ragten. Die Flammen der gewaltigen Kerzen, welche die prägnanten Totenköpfe flankierten, flackerten unruhig im Wind. In unregelmäßigen Abständen tropfte eine große Menge Wachs von ihnen hinunter.
Ja, in der Tat war dieser Anblick beeindruckend!
Seine grauen Augen leuchteten vor Freude.
„Ich liebe sie", verkündet er lautstark und breitet dramatisch die Arme aus.
Sein Waffenpartner schnaubte abfällig.
„Du nervst mit deinen ständigen Gelaber wie toll du alles findest. Halt doch wenigstens für ein paar Minuten die Fresse", maulte die Waffe und verschränkte bockig die Arme vor der Brust. Sein Meister zuckte bloß desinteressiert mit den Schultern. „Alles was du sagst, Me-chan."
Ein harter Schlag traf ihn daraufhin in den Nacken.
„Nenn mich gefälligst nicht so", zischte er wutentbrannt und verengte die rosafarbenen Augen zu Schlitzen.
Sein Meister lachte daraufhin bloß hell auf und rieb sich mit der Hand über die schmerzende Stelle.
„Okay", trällerte er weiterhin gut gelaunt und begann die Treppen hinauf zu hüpfen, „Komm schon, Omega! Beweg deinen Arsch", kicherte der seltsame Schwertmeister und erklomm die nächsten Stufen.
Nach drei weiteren hielt er jedoch plötzlich inne.
„Hoppla. Da hab ich doch glatt vergessen die Treppenstufen zu zählen."
Er machte auf dem Absatz kehrt und stieg die Stufen wieder hinab.
Auf dem Weg zurück nach unten winkte er seiner Waffe übertrieben heftig.
Omega hatte sich noch kein Stück bewegt. Er massierte sich genervt die Schläfen, da er gerade wieder einmal heftige Kopfschmerzen bekam.
Unten angekommen legte sein Partner ihm einen Arm um die Schulter und zeigt auf den weit entfernten Eingang der Shibusen.
„Wer zu erst oben ist!", rief er fröhlich aus und erklomm erneut die Stufen.
„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs..." Es dauerte nicht lange und die Stimme seines Meisters wurde immer leiser. Als Omega sie schließlich nicht mehr hören konnte, nahm auch er die ersten Stufen.
Sein Meister stand bereits seit einiger Zeit am Ende der Treppe.
Er wickelte eine Strähne seines kinnlangen, hellgrünen Haares um seinen Finger und strahlte übers ganze Gesicht, als er Omega erblickte.
„Ah, da bist du ja endlich. Komm, beeil dich. Lass uns reingehen!"
Die Waffe seufzte nur tief. „Emerald warte...", rief er dem überdrehten Schwertmeister kraftlos hinterher. Wirklich unglaublich, dass er immer noch so fit war.
Er selbst war völlig außer Atem. Für einen kurzen Augenblick schloss Omega die Augen und fuhr sich mit einer Hand durch die pechschwarzen, strubbeligen kurzen Haare.
Missmutig folgte er Emerald schließlich. Der Typ raubte ihm noch den letzten Nerv.
Ständig stellte er seine Geduld auf die Probe - obwohl er wusste, dass er davon nur wenig besaß. Extrem wenig.
Allerdings half es nichts den Schwertmeister zusammen zu schlagen.
Hatte er bereits einige Male versucht, doch selbst dann schenkte er ihm nur ein strahlendes Lächeln.
Nachdem Omega seine ersten Schritte innerhalb der Shibusen getan hatte, schallte ihm auch schon die laute, fast schon schrille Stimme seines Meisters entgegen. Ruhig bleiben. Ganz ruhig.
Langsam setzte die Waffe sich in Bewegung und erblickte den auffälligen Haarschopf seines Partners im Sekretariat.
„Nein, nein, nein! E-m-e-r-a-l-d. Mit einem d, wie Dora. Doch nicht mit einem t!"
Aufgeregt tippte er mit dem Finger auf das Formular das zwischen ihm und der Sekretärin auf dem Tresen lag.
Als er das leise Quietschen der Tür vernahm, drehte er sich schwungvoll um und deutete mit dem Finger auf Omega, der noch zwischen Tür und Angel stand.
„Und der da ist mein Partner", erklärte Emerlad freudig und warf der verwirrten jungen Frau einen Blick über die Schulter zu.
Sie blickte auf den Anmeldebogen vor ihr und wieder hinüber zu dem Schwertmeister.
„Und wie lautet sein Name?"
„Ach, nicht so wichtig", antwortete Emerald und machte eine wegwerfende Handbewegung.
Das empörte „Wie bitte?!" seines Partners ignorierte er gekonnt.
Die Sekretärin blinzelte einige Male verwundert.
Den Stift hielt sie immer noch in der Hand, auch weiterhin bereit ihn zu benutzen.
Sie brauchte beide Namen. Immerhin musste sie für das neue Waffen-Meister-Paar eine Akte anlegen.
„Ich heiße Omega Fernis", murmelte die Waffe und schlug seinem Partner mit der Faust gegen den Hinterkopf.
„Au. Das ist schon das zweite Mal, dass du mich haust", jammerte Emerald mit Tränen in den Augen, allerdings nahm seine Waffe den Ansatz eines schelmischen Grinsen auf seinem Gesicht wahr.
Als Antwort hob Omega nur erneut die Faust.
„Bin schon ruhig", grinste der Grünhaarige und hielt schützend die Arme über den Kopf.
„Das hoffe ich auch für dich", knurrte die Waffe missgelaunt und rückte seine Brille zurecht.
Die Sekretärin nickte einmal kurz, notierte den fehlenden Namen und erklärte ihnen daraufhin den Weg zu ihrer Klasse.
Des Weiteren erhielten sie die Mitteilung, dass sie sich nach den ersten beiden Stunden im Büro des Schulleiters einfinden sollten.
„Okay, machen wir”, kicherte Emerald vergnügt, drehte sich um und stolzierte an seiner Waffe vorbei, die ihm kopfschüttelnd folgte.
„Hier ist alles so groß und ordentlich! Das ist einfach perfekt”, freute sich der Schwertmeister lautstark und tänzelte durch den leeren Gang.
Über die Tatsache das momentan niemand unterwegs war, war Omega mehr als froh. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn viele Schüler auf dem Gang gewesen wären. Die hätten sie doch gleich als Freaks abgestempelt!
Andererseits konnte er seinen Partner sowieso nicht lange vor den anderen verstecken...
Ein leises Seufzen verließ seine Lippen.
Erneut rückte er seine Brille zurecht. „Du brauchst deine nerdige Brille nicht ständig hochzuschieben. Du siehst gut aus, keine Sorge”, lachte Emerald und begann die Bilder, welche in den Gängen hingen zu zählen.
Omega ballte seine Hände zu Fäusten. Eine unsagbare Wut erfasste ihn.
Am liebsten würde er ihm das widerliche Grinsen ein für alle Mal aus dem Gesicht schlagen.
Bis jetzt war es ihm gelungen einigermaßen ruhig zu bleiben, doch nun war endgültig Schluss!
Sein Partner bemerkte das drohende Unheil nicht.
Er zählte lautstark in einer nervigen Kindermelodie weiterhin die vollkommen gleich aussehenden Bilder.
„Sei still und komm endlich”, zischte er, packte Emerald grob am Arm und schleifte ihn mit sich.
„Ey, vorsicht! Du zerknittert meinen schönen Mantel! Ach, verdammt jetzt habe ich den Faden verloren und muss von vorn anfangen.”
„Wag es nicht!”, knurrte Omega bedrohlich.
„Eins, zweeei”, fing Emerald langsam an zu zählen.
Omega konnte das Grinsen, welches sich wahrscheinlich langsam auf seinem Gesicht ausbreitete, förmlich hören.
„Ich schwöre, ich werde dir den Hals umdrehen!” Ein leises Kichern ertönte.
„Uhh, da hab ich jetzt aber Angst...”
„Argh, ich hasse dich!”
Das erstickt klingende Lachen Emeralds hallte durch die Gänge der Shibusen.
Jetzt würde ihr Leben erst richtig anfangen!