Jū ni kami

von tigerbi
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 Slash
31.03.2019
24.09.2020
66
134.459
14
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Dieses Kapitel
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16.09.2020 2.220
 
Yutsuko stand an der Reling des Schiffes und starrte die langsam näherkommende Insel an. Sie hatte ihre Heimat vermisst, auch wenn sie mit der Zeit Freunde gefunden hatte. Tilos war immerhin ihr Zuhause gewesen. Ob es das immer noch war, da war sie sich leider nicht mehr sicher. Die Schwarzhaarige hatte so vieles von Sabo und Koala erfahren, was sie nicht ganz glauben wollte. Die Politik ihrer Insel war doch niemals so grausam gewesen. Warum hatte sich das so schlagartig geändert? Angeblich sollen Weltaristokraten etwas damit zu tun haben. Die Verwandten von der Familie, welche Yutsuko angeblich umgebracht hatte. Mit dem Grund, dass die Mörderin von dieser Insel kam, erhöhten sie angeblich die Steuer. Quasi als Ausgleich für den großen Verlust.

Die Marinebasis auf Tilos, unter anderem ihr Vater und ihr Bruder, hatten somit keine Wahl, als diese einzutreiben. Und desto höher die Steuern wurden und die Inselbewohner sie nicht mehr zahlen konnten, desto höher stieg die Rate der Gefangenen und schließlich der Gehängten. Offenbar galt Yutsukos Bruder als einer der Radikalsten dabei.

Sie schüttelte den Kopf und krallte ihre Fingernägel in die Reling. Sie konnte das alles noch gar nicht wirklich glauben! Ihr Bruder hatte laut den Informanten der Revolutionäre so viele unschuldige Leute auf dem Gewissen. Außerdem soll er dafür verantwortlich sein, ein Haus angezündet zu haben, während eine gesamte fünfköpfige Familie darin eingesperrt war. Danach brach wohl der Bürgerkrieg aus und jetzt mischten mittlerweile drei große Parteien mit.

Zum einen die Marine, welche immer noch für Ordnung sorgen musste.

Dann die radikalen Bürger, welche sich aktuell die Freiheitskämpfer nannten.

Und zu guter Letzt die Revolutionsarmee, welche den wirklichen Frieden auf die Insel bringen wollte und sowohl gegen die Freiheitskämpfer als auch gegen die Marine agierte.

Drei Fronten und ihre Familie befand sich genau mittendrin, genauso wie sie. Sollte sie jemand erkennen, würde sie sicherlich von der Marine gejagt werden und von dem Bürger … sie konnte es nicht abschätzen. Aus ihrer Sicht war sie unschuldig, aus der Sicht der Inselbewohner war Yutsuko wohl der Auslöser für all die Misere.

Ein Windstoß erfasste ihre langen Haare und wirbelte sie herum. Fahrig fing sie alle ihrer Strähnen wieder auf, um sich einen Pferdeschwanz zu binden. So konnten sich ihre Haare nicht ständig in ihrem Gesicht verirren und außerdem sah es nach einem weiteren Unwetter aus. Die dunklen Wolken über ihrem Kopf wirkten etwas bedrohlich. Eigentlich genau passend für die aktuelle Stimmung in ihrem Herzen.

Für welche Seite sollte sie sich entscheiden?

Sabo hatte ihr zwar versichert, dass ihrer Familie nichts geschehen würde, aber auch er konnte ihr nicht sagen, wie sie mit ihrem brutalen Bruder und ihrem Vater verfahren würden. Das würde vielleicht sogar der Anführer der Revolutionäre entscheiden wollen. Demnach sah Yutsuko schon schwarz für beide – und das konnte sie nicht akzeptieren!

Ein Plan in ihrem Kopf wollte sich noch nicht ganz zusammensetzen, aber sie musste. Sobald sie ankerten, musste sie sich überlegt haben, wie sie alle von der Insel herunterschaffen konnte. Ihre jüngeren Geschwister würden ihr vertrauen, aber Ryota und ihr Vater sicher nicht. Sie konnte mit beiden schon immer nicht wirklich gut. Ihr älterer Bruder hasste sie aus einem ungewissen Grund aus tiefstem Herzen, während ihr Vater sie ohne weiteres verurteilt hatte und ins Himmelsgefängnis brachte. Auch wenn er derjenige war, der ihr danach geholfen hatte …

Kurz bevor das Schiff ankerte, hatte sich Yutsuko schließlich einen Plan überlegt. Sie würde sofort nach ihren jüngeren Geschwistern schauen und diese retten. Ihren großen Brüdern könnte sie niemals überzeugen und ihr Vater … vielleicht aber ihre jüngeren Geschwister hatten Priorität. Sie waren unschuldig und sollten das alles nicht mitmachen müssen! Sie wusste noch nicht, wohin sie alle flüchten sollten, aber ihr fiel bestimmt etwas ein.

Deshalb stand sie auch schon bereit, als die Rampe zum Steg ausgelegt wurde. Das Schiff war noch nicht einmal richtig vertraut, da befand sie sich schon auf dem Steg und wollte weiter in Richtung der Stadt laufen, da ertönte Sabos Stimme hinter ihr. „Hey, Yutsuko. Einfach loslaufen bringt nichts! Wir müssen uns erst einmal über die Lage informieren“, rief er ihr zu. Kaum waren die Worte aus dem Mund des Blonden hinaus, standen schon ein paar Verbündete vor Yutsuko. Sie alle trugen braune Mäntel und sahen ziemlich angekämpft aus. Dennoch standen sie aufrecht und warteten, bis Sabo und Koala zu ihnen aufschlossen.

„Berichterstattung!“, meinte einer mit braunen Haaren. Sabo nickte ernst. „Die Lage hat sich verschärft! Die Freiheitskämpfer haben die Stadt Lagos eingenommen und einige Marinesoldaten gefangen genommen. Heute Morgen sind vom Marinehauptquartier neue Soldaten in der Stadt Zypern angekommen, unter anderem zwei Vizeadmiräle. Sie haben dort ihre Basis weiter ausgebaut.“ „Die Bewohner? Auf welcher Seite stehen sie?“, fragte Sabo nachdenklich. „Ein paar haben sich zu uns abgesetzt. Sie haben erkannt, dass es nicht unsere Schuld ist und wollen einfach nur Frieden. Andere vertreten immer noch die strikte Meinung der Marine, während der Rest zu den Friedenskämpfern übergelaufen sind.“

Sabo nickte erneut, dann seufzte er tief. „Wir müssen das Vertrauen der Inselbewohner für uns gewinnen und diesen Kampf beenden, sonst artet es in einem zerstörerischen Krieg aus. Wir müssen die Kommunikation der Marine kappen. Nicht, dass sie noch einen Admiral anfordern. Oder die Weltregierung eine CP-Einheit schickt.“ Die Informanten pflichten ihm bei, danach verschwinden sie und setzen seine Befehle sofort um.

Die Schiffszimmerfrau blieb erstarrt stehen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals und sie wusste nicht genau, ob sie ihren Plan noch umsetzen konnte. Die Situation war schlimmer, als was sie angenommen hatte. Sollte die Stadt tatsächlich in die Hände der Freiheitskämpfer gefallen sein...! Ihr Haus stand doch auch dort! Hatte ihr Vater soweit gedacht und es räumen lassen? Sie hoffte es aus tiefstem Herzen! Was geschah denn sonst mit ihren Geschwistern?

Eine Hand legte sich beruhigend auf ihre Schulter und Koala legte ihr einen Umhang um. „Hier. Nicht, dass es sonst noch eine unschöne Überraschung geben wird. Du solltest deine Identität vorerst geheim halten.“ Sanft wurde sie von der Braunhaarigen angelächelt. „Es wird alles gut. Sabo ist schon dran und ich werde mich mal in der Stadt umhören. Keine Sorge, wir werden deine Familie finden!“

„Ich will mit“, murmelte Yutsuko und sah Koala entschlossen an. „Ich will mit in die Stadt und sie suchen! Ich kenne mich immerhin aus, du würdest dich nur verlaufen!“, setzte sie lauter nach. Die Revolutionäre sah nicht unbedingt einverstanden damit aus, aber sie konnte nichts gegen Yutsukos Entschlossenheit unternehmen. Das realisierte auch Sabo, welcher zugehört hatte. „Einverstanden. Nimm sie mit Koala, oder sie wird auf eigene Faust gehen. Auch wenn sie auf den ersten Blick ruhig und zurückhaltend wirkt, sobald es um ihre Familie geht, ist sie wild entschlossen. Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut.“ Er grinste und lächelte Yutsuko warm an. „Aber pass auf. Und tu das, was Koala dir sagt, einverstanden?“

Sie nickte, ohne zu zögern. Schließlich war das hier ihre Chance!

„Dann los, bevor es dunkel wird!“, meinte Koala. Yutsuko schloss sich ihr an und zusammen verließen sie die Basis der Revolutionsarmee. Diese befand sich tatsächlich etwas abseits, am Rande der Insel. Es war etwas schwer zu erklären. Denn Tilos Form war ein umgedrehtes „S“. Und an beiden Spitzen lagen jeweils die großen Städte. Dazwischen gab es nur Wald und offenbar hatte sich die Revolutionsarmee zur näheren Stadt Lagos das Lager aufgebaut. Sicher und versteckt in einer kleinen Bucht.

Geschickt lief Yutsuko auf den beinahe unerkannten Pfaden durch den Wald. Früher hatte sie hier immer gespielt und so als wäre es gerade mal gestern gewesen, konnte sie sich noch gut an die Trampelpfade erinnern. Schneller als gedacht konnten sie die großen Stadtmauern erkennen, genauso wie das Tor, welches leider von ein paar bewaffneten Leuten bewacht wurde. „Wie kommen wir da nur hinein?“, fragte sich Koala neben Yu. „Durch die Abwasserkanäle“, antwortete Yutsuko nachdenklich. „Ein Freund von mir hat mir davon erzählt. In Kindheitstagen ist er immer zu spät gekommen und wollte nicht von den Wachen zusammengestaucht werden. Deshalb ist er immer so in die Stadt geschlichen.“ „Das ist ekelhaft und genial zugleich“, murmelte Koala als Antwort.

„Hoffentlich wurden die Zugänge nicht versiegelt“, meinte die Schwarzhaarige und schlich zum großen Abwasserrohr. Dieses befand sich ein paar Meter abseits der Stadtmauer. Ein kleiner Fluss lief ins Meer und so auch das ganze Abwasser der Stadt. Dicke Eisenrohre verhinderten größere Verschmutzungen und doch waren sie schon sehr rostig und teilweise eingefallen. Prüfend stieg Yutsuko mit einem Fuß gegen eines der Gitter. Erstaunlicherweise gab es viel zu leicht nach. „Das wird ein Spaziergang. Ein richtig stinkiger Spaziergang“, kicherte Koala und kletterte vor Yutusko durch das renovierungsbedürftige Gitter, indem sie die Stäbe einfach auseinanderbog.

Die Piratin nickte, folgte ihr und nach ein paar Metern im Dreckwasser konnten sie auf einen Weg wechseln. Dieser verlief parallel zum Wasser, schien aber schon lange nicht mehr benutzt zu werden. Zum Glück trug Koala ein paar Fackeln, sodass sie nicht im Dunkeln ihren Weg bestreiten mussten. „Weißt du, wie lange wir hier unten laufen müssen? Der Geruch ist unerträglich!“, jammerte Koala ein wenig und hielt sich die Nase zu. Yutsuko sah prüfend nach oben und musterte die Decke. „Ich schätze, sobald es eine Leiter nach oben gibt. Wir müssen nur einen Gullydeckel in einer kleineren Gasse benutzen. Auf der Hauptstraße wäre es zu auffällig.“ „Leider hast du recht“, pflichtete die andere Frau bei.

Der Geruch ist echt abartig“, brummte da eine altbekannte Stimme durch Yutsukos Kopf. „Ach, du meldest dich auch mal wieder?“, antwortete sie gedanklich. „Natürlich. Ich sehe dir schließlich zu und deine Empfindungen teile ich auch mit dir. Gab es wirklich keinen anderen Weg? Vom Meer aus zum Beispiel? Soweit ich aus deinen Erinnerungen lesen kann, hatte die Stadt doch eine Werft.“ „Du bist gut informiert. Ja, aber das wäre auch zu auffällig gewesen.“ Yutsuko seufzte leise. „Da ist doch noch was anderes, oder? Du willst einfach nicht zur Werft“, mutmaßte Ebisu, doch er bekam keine Antwort mehr. Er hatte ins Schwarze getroffen und das störte Yu.

Zuerst meldete sich ihr Gott gar nicht mehr und dann mischte er ihre Gedanken und Erinnerungen auf, stöberte auch noch darin und klang so, als wäre das alles hier ein einziges großes Abenteuer für ihn. Dabei war es das nicht. Für sie war es purer Ernst.

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie nicht Koalas Anhalten nicht bemerkte und frontal in sie hineinlief. Mit einem Zischen stolperte Koala ein wenig nach vorne, konnte aber ihr Gleichgewicht noch halten. „Tut mir leid!“, entschuldigte sich Yu sofort. „Nichts passiert. Aber ich glaube, wir können hier hoch. Bitte sag, dass wir hier hochklettern können!“, flehte die Braunhaarige beinahe und zeigte auf die Leiter. Mit einem prüfenden Blick spähte Yu nach oben. „Ich schau mal nach. Bitte halte das für mich.“ Sie drückte Koala ihre Fackel in die Hand und machte sich an den Anstieg.

Ohne weitere Probleme kam sie am schweren Gullydeckel an und spähte hinaus. Sie konnte ein paar Häuserspitzen erkennen und hörte nichts um sie herum. Keine Geräusche, keine Menschen. Außerdem mussten die Häuser enger zusammenstehen. Mit etwas Glück würden sie in einer Gasse landen. Sie wendete sich ab, winkte Koala zu und drückte sich dann gegen den Deckel. Nichts bewegte sich. Kein Stück.

„Sieht schwer aus“, meinte Ebisu lasch. „Klappe. Du könntest mir auch helfen, wenn du jetzt schon kommentieren musst!“, meinte Yutsuko streng. Der Gott seufzte in ihr Ohr, dann spürte sie eine Kraft in ihr aufwallen und sie konnte den Deckel endlich aufstemmen und wegrutschen. Vorsichtig steckte sie ihren Kopf hinaus. Sie waren in einer Gasse gelandet. Leichtfüßig kletterte sie hinaus und reichte dann Koala ihre Hand. Nachdem diese auch mit beiden Füßen fest auf der Straße stand, schoben die Frauen zusammen den Gullydeckel wieder zu. „Das hat schon mal funktioniert. Jetzt sehen wir uns um. Weißt du, wo wir sind?“, fragte Koala.

Yutsuko war schon einen Schritt weiter. Sie beugte sich gerade ein wenig von der Gasse raus auf eine größere Straße und nahm die Häuser in Augenschein. Sehr schnell fand sie heraus, wo sie sich befanden. Nicht weit von ihrem Haus entfernt, in der Straße der Marine-Familien!

„Die Straße hier führt direkt zu meinem Haus. Außerdem ist hier nie viel los, vor allem nicht am späten Abend. Wir sollten schnell los!“, teilte Yutsuko Koala mit und schon rannte sie mit der Kapuze über ihrem Kopf auf die Straße. Koala folgte ihr dicht auf den Fersen. Dabei konnte man anhand der Häuser erahnen, dass es sich hier um ein gehobeneres und reicheres Viertel der Stadt handeln musste. Jedoch – was sehr ungewöhnlich war – kein Licht leuchtete in den Fenstern und einige der Türen wurden eingetreten. Während Yutsuko diese Details entgingen, bekam Koala ein mieses Gefühl bei der Sache.

Sie hielten vor einem größeren, weißen Haus. Die Schwarzhaarige schob ihre Kapuze vom Kopf und lief mit gemischten Gefühlen auf ihr Zuhause zu. Die Tür sah unbeschädigt aus und dennoch öffnete sie sich sofort, als Yu nur ihre Hand auf das Holz legte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen begab sie sich in das Innere. „Sei vorsichtig. Wir wissen immer noch nicht, ob nicht doch jemand da sein sollte“, murmelte Koala hinter ihr und spielte auf die Freiheitskämpfer an. Doch die Worte kamen bei der Piratin nicht mehr an. Ihr Herz setzte aus, als sie das verwüstete Innere des Hauses im Licht der Straßenlaternen erkannte.


***



Heeey :3
alles gute zum Geburtstag, Demian :D
auch wenn er heute im Kapitel nicht dran kam xD
lg tiger
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