Die Vergangenheit holt ein jeden ein...

GeschichteAllgemein / P16
Gakuho Asano Gakushu Asano Koro OC (Own Character) Tadaomi Karasuma
31.03.2019
24.03.2020
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31.03.2019 855
 
Regeln


wenn man sie befolgt, hat man nichts zu befürchten. Stelle keine Fragen, tue einfach, was sie von dir verlangen. Dann wird alles gut. Diese Wahrheit musste ich schon früh in meinem Leben lernen. Wir hatten in unserem Haushalt viele Regeln. Mein Vater beschrieb sie gerne auch als Gesetzte. Er war derjenige, der sie festlegte und wir, die sie befolgen mussten. Taten wir dies nicht, wurden wir hart bestraft. Mein Vater war ein absoluter Sadist zu seiner Lebenszeit gewesen. Und die Nachwirkungen konnte ich auch noch heute spüren.Denn, ob ich es wollte oder nicht… Ich bin zu jemanden wie er es war geworden.Das wurde mir nach dem verlorenen Kampf gegen die E-Klasse bewusst. Wie konnte ich nur jemals so tief sinken? Ich habe meinen einzigen Sohn jahrelang als ein Objekt der Zucht angesehen. Ich habe meine Frau geschlagen, als sie mir nicht gehorchen wollte. Und all das nur, um den Frust aus meiner Kindheit abbauen zu können. Und jetzt? Jetzt wo ich all das bemerkt habe, ist es sowieso schon viel zu spät…

. . . .


Es war ein kalter Wintertag gewesen, an dem ich die Entscheidung fiel, meine Taten zu sühnen. Es hatte den ganzen Tag geregnet und die Temperatur war drastisch gesunken. Sie lag nun bei weniger als - 16 °C. Niemand würde sich in so einer kalten Nacht nach draußen begeben. Da war ich mir sicher gewesen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich meinem Sohn sagte, ich gehe kurz spazieren. Er hatte gerade etwas für die Schule für den morgigen Tag vorbereitet und nahm das mit einem Nicken zur Kenntnis. Danach habe ich mir meine braune Jacke übergestreift und bin rausgegangen.

Mein Weg führte mich direkt in ein menschenleeres Gebiet. Die Straßen waren hier von Unreinheiten gerade nur so verseucht. An den Wohnhäusern bröckelte schon die Farbe ab. Rostige Gitter waren an den Fenstern angebracht um unliebsame Gäste keinen Zutritt zu gewähren. Die eingetretenen Holztüren sagten allerdings etwas Anderes dagegen aus. Ich ging in eines dieser verlassenen Häuser rein. Der Boden war von kaputten Möbeln, Spielzeug und Papieren belegt. Nur der Fernseher stand noch an demselben Platz, wie vor zehn Jahren. Ich ging die Treppe hinauf, welche auch schon bessere Tage gesehen hatte. Oben angekommen ging ich in das Zimmer, welches sich ganz links befand. Es war nicht sehr viel größer als eine Abstellkammer gewesen.

In dieser stand ein Bett und ein Schrank. Für mehr war auch kein Platz mehr gewesen. Ich machte den Schrank auf und holte ein eingewickeltes Paket aus dem obersten Fach heraus. Achtlos zerriss ich das Papier und ließ es auf den Boden fallen. Ein kleines Taschenmesser befand sich darin und ein kleiner Zettel auf dem draufstand: „Nur für den Notfall.“Das Messer steckte ich mir in die Hosentasche. Kurz darauf verließ ich das Gebäude wieder und trat auf die Straße hinaus. Es hatte damals angefangen zu regnen.

Also machte ich mich, so schnell ich konnte, auf zu meinem letzten Halt auf Erden. Ein breiter Fluss, der etwas außerhalb der Stadt lag. Der Platz, den ich damals ausgewählt hatte, war von großen Bäumen umgeben. So schnell würde also niemand auf mich aufmerksam werden. Ich zog mir meine Jacke und mein Jackett aus, die Ärmel meines Hemdes krempelte ich nach oben, so dass sie mich bei meinem Vorhaben unter Garantie, nicht stören würden.

Bis zu meiner Hüfte watete ich in das kalte Wasser und hielt mir dann das Messer an meine Schlagader auf der rechten Seite ran. Genau in diesem Moment kamen in mir Zweifel auf. Sollte ich das wirklich tun? Gäbe es nicht doch noch einen anderen Weg? Ich schäme mich zugeben zu müssen, dass ich Angst hatte. Allerdings anders als man denken würde. Ich hatte keine Angst davor zu sterben, nein, ich begrüßte es regelrecht. Endlich könnte ich meiner Familie folgen – in den Tod.

Meine Zweifel gingen in die Richtung, was die anderen, unter anderem auch mein Sohn, davon halten würden. Sie wären doch erfreut darüber, oder etwa nicht? Sie wollten mich Tod sehen! Sie nannten mich selbst ein Monster, ein übernatürliches Wesen. Und genau wie Koro-Sensei muss ich von dieser Welt gehen. Tief atmete ich die kalte Winterluft ein, bevor ich einen geraden Schnitt durch meine Haut machte. Wenige Sekunden später auch auf der anderen Seite.

Zu meiner Überraschung fühlte es sich gut an wie das Lebenselixier aus mir herausfloss. Es war betörend und erfrischend. Die Schmerzen nahm ich damals auch nicht wirklich mehr wahr. Vermutlich lag es auch daran, weil ich meinen Körper abwärts schon nicht einmal mehr spüren konnte. Seufzend ließ ich mich ins Wasser gleiten. Mein Blick glitt in den Nachthimmel. Der Sichelmond war heute besonders groß und die Sterne leuchteten in einem kalten Licht wunderschön auf.

Schon sehr bald verschwamm alles und ich wurde unsagbar müde. Ich schloss meine Augen und legte ein sanftes Lächelnd auf meinen Lippen. Meine letzten Gedanken waren ungefähr: „Endlich ist es vorbei. Jetzt kann ich für immer verschwinden“, bevor ich vollkommen das Bewusstsein verlor.

Das war alles, dass sollte es gewesen sein. So dachte ich auf jeden Fall…

Doch es kam ganz anders. Und das hatte ich allein meinem Vater zu verdanken.
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