Mit Leichtigkeit

von Perdita9
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
31.03.2019
23.05.2019
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Tai murmelte irgendwas, aber das nahm Mimi gar nicht wahr. Sie schluckte, vergrub den Kopf in den Händen und versuchte zu verstehen, was sie eben gehört hatte.

Was war passiert? Hatte Tai als kleiner Junge in kindlichem Leichtsinn Kari zu einer gefährlichen Mutprobe überredet? Oder hatten die Geschwister sich einmal heftig gestritten, sodass Tai Kari schubste und sie daraufhin unglücklich fiel? Immerhin hatte Kari, wenn sie wirklich so oft krank war, sicherlich sehr viel Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekommen. Vielleicht hatte sich Tai darüber geärgert und war deswegen ausgerastet...

Alles war irgendwie möglich... Und hatte Kari nicht auch sowas gesagt? Irgendwas darüber, dass sich Tai wegen einer Sache aus ihrer Kindheit noch heute Vorwürfe macht?

Die junge Frau stand auf und zog sich hastig an. Sie verließ ihr Zimmer, um Kari zu suchen. Mimi musste unbedingt mit ihrer Freundin sprechen.

"Hey, Mimi!", ertönte auf einmal Tais Stimme dicht hinter ihr. Mimi drehte sich um. Da stand Tai und lächelte ihr freundlich zu. "Ich wollte dich fragen, ob wir noch mal ein bisschen spazieren gehen wollen."

Mimi biss sich auf ihre Unterlippe. Sie wusste nicht, was sie denken und fühlen sollte. Einerseits hatte sie angefangen, ihn wirklich gerne zu mögen.Und wie Tai jetzt so vor ihr stand und sie mit seinen großen, dunklen Augen ansah musste sie zugeben: Sie fand ihn schon ziemlich attraktiv... Aber wenn Kari, ihre allerbeste Freundin, durch seine Schuld wirklich einmal beinahe gestorben war... Wie sollte sie ihn dann noch gern haben?

"Tut mir leid, darauf hab ich jetzt so gar keine Lust", sagte Mimi- und sie konnte nicht verhindern, dass diese Worte sehr kühl klangen. Tai hörte auf zu lächeln. Die pure Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben. "Oh... Na dann... Bis später", sagte er und trottete davon.

Mimi seufzte. Sie war eben ziemlich abweisend zu Tai gewesen, was sie auch aufrichtig bedauerte- aber sie musste erst wissen, was damals passiert war. Eher würde sie keine Ruhe haben.

Unruhig durchsuchte Mimi das ganze Hotel. Ihre Suche nach Kari blieb erfolglos, sodass sie es schließlich im Garten versuchte. Und siehe da: Sie fand Kari. Sie spielte mit T.K. Federball.

"Kann sie eigentlich auch mal was allein machen?", schoss es Mimi durch den Kopf, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um sich über unverschämt glückliche Pärchen zu ärgern. "Hallo, ihr zwei!", rief Mimi und brachte sogar irgendwie ein Lächeln zustande

Kari und T.K. winkten ihr zu. "Hi", sagte Kari. "Hallo, Mimi", begrüßte sie T.K. "Möchtest du vielleicht auch 'ne Runde Federball spielen?" Mimi schüttelte den Kopf. "Nein, ich muss unbedingt mit Kari reden. Unter vier Augen." Sie wusste, dass sie wahrscheinlich gerade eine echte Spielverderberin war, aber sie musste einfach wissen, was es mit der Anschuldigung von Frau Yagami auf sich hatte.

"Ach, T.K. kann ruhig bleiben, ich habe vor ihm keine Geheimnisse", sprach Kari. Die ziemlich angespannte Mimi war kurz davor, etwas Schroffes zu erwidern, was sie sicher im Nachhinein bereut hätte. Aber zum Glück sagte T.K. just in diesem Moment: "Nein, schon in Ordnung, ich will euch bei euren Mädelsgesprächen wirklich nicht stören." Fröhlich vor sich hinpfeifend schritt er davon.

"Was ist denn los?", sagte Kari und runzelte die Stirn. "Du bist irgendwie so komisch." Mimi zögerte. Sie war generell eine direkte Person, aber eine Frage wie diese hatte sie natürlich noch nie jemandem gestellt. Mimi überlegte sogar, ob sie nicht doch einen Rückzieher machen sollte- immerhin wusste sie, dass Kari ihren Bruder sehr liebte. Und die Anschuldigung war ja doch heftig... Aber schließlich holte Mimi tief Luft und fragte: "Bist du einmal wegen Tai fast gestorben?"

Karis Augen weiteten sich. "W- wie kommst du denn darauf?", stotterte sie. "Ich hab gehört, wie deine Mutter sowas zu Tai gesagt hat. Und du hast ja auch mal so eine Andeutung darüber gemacht, dass in eurer Kindheit irgendwas vorgefallen ist, wofür Tai sich schämt. Nun?", hakte Mimi nach.

Die Jüngere senkte den Blick. Man merkte deutlich, wie unwohl sie sich in ihrer Haut fühlte. Dies wiederum sorgte für ein flaues Gefühl in Mimis Magen. Wenn Kari so reagierte, war an der Anschuldigung wohl leider etwas dran..

Kari fuhr sich mit der Hand durch die Haare, seufzte und sagte schließlich leise: "Nun... Ja..." Mimi schnappte nach Luft und machte einen Schritt rückwärts. Obwohl ihr Mund ganz trocken war, presste sie hervor: "Wie kannst du zu ihm dann nur so ein gutes Verhältnis haben? Ehrlich, Kari, du..."

Kari hob die Hand, um ihre Freundin zum Schweigen zu bringen und sagte: "Es war ganz anders, als du denkst. Mal abgesehen davon, dass wir halt Kinder waren: Er wollte mir nur eine Freude machen."

Mimi klappte die Kinnlade runter und ihre Augen wurden so groß, dass sie fast schon grotesk aussah. "Wie bitte?", rief sie, wobei ihre Stimme vor Fassungslosigkeit ganz rau klang. "Willst du mich verarschen?"

Wieder seufzte Kari. "Ja, ich weiß, wie das klingt. Komm, wir setzen uns auf die Bank dahinten- und dann erkläre ich es dir."
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