Missing trust - Licht und Schatten

GeschichteDrama, Fantasy / P16 Slash
Harry Potter Hermine Granger Severus Snape
31.03.2019
15.09.2019
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Kapitel 22 – Nächtliches Treffen auf dem Astronomieturm oder Blaise und Luna

Als Luna diese Nacht den Astronomieturm erreichte, wusste sie, wer bereits dort war. Sie hatte gesehen, was geschehen würde. „Hallo Blaise“, begrüßte sie den Anderen, kaum, dass sie die Tür geöffnet hatte. Der Angesprochene zuckte vor der verträumten Stimme zusammen. Er wusste sofort, wessen Stimme es war. „Was willst du, Lovegood? Kannst du nicht einfach verschwinden?“, fragte der Dunkelhäutige kalt und unnachgiebig. Warum musste gerade von allen Wesen und Menschen gerade diese junge Hexe ihn finden?
„Ich weiß, dass du dir nichts sehnlicher wünschst, als dass Draco und ich uns nicht getroffen hätten und er deine Gefühle erwidert“, begann sie, während sie langsam auf den Anderen zuschritt. In dem Licht des Mondes konnte sie erkennen, wie sich die Finger des Älteren im Geländer verkrallten. „Aber ich kann es nicht ändern, genauso wie Draco es nicht ändern kann. Wir könnten ohne einander vermutlich halbwegs glücklich werden, aber du weißt, wie wichtig Gefährten für magische Wesen sind“, ergänzte sie noch, bevor ihr Blick in die Sterne fiel. Es hatte für sie immer etwas beruhigendes, die Sterne zu sehen.
Stille folgte, bevor er schließlich sagte: „Woher weißt du das? Ich bin nicht dumm, obwohl ich ein Mensch bin. Dray könnte ohne dich irgendwie glücklich werden, da er nur zur Hälfte ein Vampir ist, aber er wird es nicht werden. Nicht umsonst gibt es Gefährten, die füreinander bestimmt sind.“ Seine Stimme klang bitter, während sein Blick ebenfalls in Richtung Sterne fiel. „Und ich würde sterben, langsam und qualvoll, wenn Draco sich gegen mich entscheiden bin. Ich bin zur Hälfte Fee, die umso mehr auf ihre Gefährten angewiesen sind. Ich würde vermutlich einige Zeit überleben und das Beste aus der Situation machen, aber ich würde vor euch sterben“, erklärte die Blonde leise, was sie nicht einmal ihrem Gefährten anvertraut hatte.

Das ließ den Dunkelhäutigen inne halten, bevor er sich zu der jungen Hexe umdrehte, die immer noch ihren Blick in die Sterne gerichtet hatte. „Weiß Draco es?“, fragte er sie, woraufhin sie ihren Blick ebenfalls von den Sternen abwandte. Blaue Augen trafen auf dunkelbraune Augen. „Nein, er weiß es nicht. Draco soll sich aus freien Stücken für mich entscheiden und nicht die Entscheidung wegen einer solchen Kleinigkeit erzwingen“, antwortete sie leise. „Niemand würde den eigenen Tod als eine Kleinigkeit ansehen“, gab daraufhin Blaise zurück.
„Ich weiß, dass der Tod keine Kleinigkeit ist. Ich habe als Kleinkind den Tod meiner eigenen Mutter angesehen, weil ihr Gefährte keine andere Fee war. Ich habe über ein Jahr nicht gesprochen und in meinen Träumen erlebe ich es immer wieder. Meine Eltern haben sich geliebt und ich wünsche mir eine solche bedingungslose Liebe. Ich will kein erzwungenes Bündnis, nur weil es meinem eigenen Überleben dient. Das könnte ich nicht ertragen“, erwiderte die junge Hexe daraufhin nur. Absolute Ehrlichkeit klang in ihren Worten mit.
Wieder folgte Schweigen, während der Slytherin eine Weile über ihre Worte nachdachte. Er würde niemanden zu Gefühlen zwingen. Seine Eltern waren das beste Beispiel dafür, wie so etwas schiefgehen konnte. Sie hatten sich geliebt, aber dennoch war seine Mutter zu gierig gewesen. Sie war hinter dem Erbe seines Vaters hergewesen und hatte ihn versucht umzubringen. Das hatte die Liebe, die zwischen ihnen jemals vorhanden gewesen war, zum Erliegen gebracht. Nun war es eine reine gegenseitige Duldung bis er die Schule verließ.

Schließlich sagte er: „Das kann ich verstehen. Ich könnte ihn auch nicht vor solch eine Entscheidung stellen.“ Niemals könnte er seinen besten Freund zu Gefühlen und einer Beziehung zwingen, nur weil er sterben könnte. Dafür war ihm ihre Freundschaft zu wertvoll. „Ich weiß, dass das auch ein Grund ist, warum ich hier bin. Wenn ich heute nicht hier gewesen wäre, hätte es die Möglichkeit gegeben, dass du dich umbringst. Und das hätte Draco niemals verkraftet“, gab die Ravenclaw ein wenig nachdenklich zurück.
Das brachte Blaise dazu, die Augen aufzureißen und seine Maske für einen Moment zu lichten, die den Slytherins so zu eigen war. Woher hatte sie das wissen können, dass dieser Gedanke für einen Moment durch seinen Kopf geschossen war? „Woher?“, fragte er sie, während er seine Maske langsam wieder aufsetzte. „Ich wusste, dass ich dich heute Nacht hier treffen würde, weil ich es gesehen hatte. Eine Vorfahrin meines Vaters war Cassandra von Troja. Sie war eine Elbin mit einer starken hellseherischen Gabe. Doch sie wurde nicht immer ernst genommen. Diese Gabe zieht sich durch meine Familie, wobei sie nur bei den Frauen ausbricht und immer mehr oder weniger stark ist. Gemeinsam mit den empathischen Genen der Feen, lichtet sich der Schleier für mich leicht bei Personen, die mir etwas bedeuten oder denen diese nahestehen“, erklärte sie schließlich.
Der Dunkelhäutige kannte natürlich den Namen der alten Wahrsagerin. Es erklärte so vieles, was das Verhalten der Ravenclaw betraf. „Das ist der Grund, warum du dich teilweise so verrückt gibst, obwohl du es nicht bist“, erkannte er, woraufhin die Jüngere nickte und sagte: „Ja, damit niemand ahnt, wie viel Talent ich wirklich besitze. Ich will nicht, dass meine Gabe für die falschen Zwecke benutzt wird. Komm, ich bring dich zurück nach Slytherin.“

Nach den Worten streckte sie ihm ihre blasse Hand, die der Andere nach einem Moment des Zögerns ergriff. Niemals hatte er gedacht, dass er Luna an der Seite seines besten Freundes akzeptieren konnte. Doch das Gespräch hatte ihm geholfen, denn die junge Ravenclaw war nicht so selbstsüchtig wie er es gedacht hatte. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Freunde werden. Für Draco“, gab der Slytherin von sich, woraufhin sich ein Lächeln auf ihren Lippen bildete.
„Ich denke, das ist eine hervorragende Idee. Ich nehme das Angebot gerne an und erwidere es“, erwiderte sie ohne zu Zögern, ohne die Hand ihres neuen Freundes loszulassen. Schweigend gingen sie nebeneinander her. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, so war ihnen eines wichtig: Dracos Glück. Und dafür akzeptierten sie den Anderen vorbehaltlos. Ohne das Gespräch auf dem Astronomieturm wäre das wohl niemals passiert.
Gerade als die in den Gang zum Slytherin-Gemeinschaftsraum betraten, sahen sie blonde Haare im Fackelschein. Eine Gestalt lief auf und ab und sie erkannten schnell, dass es Draco war. Es dauerte nur wenige Sekunden bis er sie erkannte. Für einen Moment war Erleichterung und eine Frage in den grauen Augen zu erkennen, die Luna gleich verstand. „Ich habe ihn bei meinem Rundgang entdeckt und dachte, ich bringe ihn zurück. Du weißt, ich bin auch Vertrauensschülerin, auch wenn nicht alle Ravenclaws begeistert sind“, erklärte sie ihrem Gefährten, ohne weitere Worte zu verlieren.

„Danke“, erwiderte der blonde Slytherin ehrlich, bevor er sich an seinen besten Freund wandte und ihn in eine Umarmung zog und leise sagte: „Bitte lauf nicht noch einmal weg, nachdem du so etwas mir erzählst. Ich habe mir Sorgen gemacht, so sehr, dass Harry mich aus dem Schlafsaal geworfen hat.“ „Ich lasse euch alleine. Vergiss das Essen heute Abend nicht, Draco“, erwiderte Luna noch mit einem sanften Lächeln. Diese Worte führten dazu, dass sich der Malfoy-Erbe von dem anderen Slytherin löste und seine Gefährtin sanft umarmte und einen Kuss auf die Stirn hauchte, bevor er sagte: „Werde ich nicht. Danke für alles.“
„Immer wieder gerne“, gab sie nur noch zurück, während sie die Umarmung für einen Moment erwiderte und schließlich auflöste. Langsam glaubte sie daran, dass ihre Beziehung auch eine Zukunft hatte, auch ohne die Tatsache, dass sie Gefährten waren. Dennoch würde die nächste Zeit erst zeigen, ob sie Liebe füreinander empfinden konnte. Mit ein wenig klopfendem Herzen verließ sie den Kerker schließlich, während sie spürte, dass es von ihrer Seite vermutlich einfach sein würde. Sie hatte Draco die letzten Wochen ein wenig kennengelernt. Es würde einfach sein, ihn zu lieben.
Mit einem kleinen wehmütigen Lächeln beobachtete Blaise die Interaktion der beiden Gefährten. Auch wenn sie beide es nicht aussprachen, so spürte er, dass beide auf einem guten Weg waren, dass ihre Gefühle nicht nur allein auf dieser Gefährtensache beruhte. Dennoch fiel ihm es immer noch schwer, es zu ertragen. Aber er musste es ertragen, wenn er Draco glücklich sehen wollte. Vielleicht würde er sich auch noch einmal verlieben. Vielleicht gab es noch eine andere Person für ihn, die ihn genauso lieben konnte.

~+~

Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, sah er, dass die Vorhänge von Blaise und Draco noch zugezogen waren. Scheinbar schliefen sie noch, was nichts Ungewöhnliches war. Müde rieb er sich die Augen, bevor er an seine Narbe auf der Stirn packte. Sie schmerzte, denn wieder war er in Voldemorts Geist gefangen gewesen. Wieder hatte er gesehen, wie er eine unschuldige Familie einfach getötet hatte, weil sie Muggel waren. Sie hatten ihm nichts getan.
Erst registrierte er im Halb-Dunkeln eine Nachricht auf seinem Nachttisch. Nachdem er mittels eines Zaubers die Ungefährlichkeit des Briefes kontrolliert hatte, öffnete er das Pergament und las die Nachricht:

„Potter,
ich habe mich entschieden. Ich werde dein Angebot annehmen und die Seite wechseln. Aber ich werde in Hogwarts bleiben, da ich Draco und auch Luna nicht allein lassen kann. Sollten sie gehen, um sich in Sicherheit bringen, werde ich ihnen folgen. Werden sie hierbleiben, bleibe ich ebenfalls hier und kämpfe. Auch wenn ich erst heute weiß, wie sich mein Vater entscheiden wird, kann ich die Beiden nicht im Stich lassen.
Blaise Zabini“


Diese Nachricht kam irgendwie für ihn aus heiterem Himmel. Er fragte sich wirklich langsam, was gestern vorgefallen war. Draco hatte nach dem Gespräch mit seinem besten Freund so komplett neben der Spur gewirkt, dass er ihn aus dem Raum gejagt hatte, um überhaupt schlafen zu können, was nicht wirklich viel war, da ja Voldemort ihn gestört hatte. Der Andere war alt genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Nichts Anderes hatte er sein ganzes Leben bisher gemacht, soweit es ihm möglich war.

„In Ordnung. Rede mit deinem Patenonkel darüber. Er wird dich instruieren und besitzt einen Portschlüssel, den er entsprechend verzaubern kann. Harry Potter.“

Nachdem er diese Worte unter die Nachricht des Anderen geschrieben hatte, schloss er den Brief wieder und legte ihn auf den Nachttisch des anderen Slytherins, bevor er ins Bad verschwand. Eine kalte Dusche würde Leben in seine müden Knochen bringen.

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Heute gibt es wie geplant ein neues Kapitel, in dem Blaise und Luna noch einmal eine Hauptrolle spielen. Ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Ich würde mich über ein Review freuen.

Eure Schneekreis