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Red Dead Redemption 2

von Shannon
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Abigail Roberts Arthur Morgan Dutch van der Linde John Marston
31.03.2019
23.02.2021
51
128.928
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Dieses Kapitel
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18.08.2019 4.549
 
Lonepine, Idaho, USA – 23.06.1895


Nachdem die Van der Linde Gang einige erfolgreiche Überfälle in Colorado begangen hatte, waren sie nach Idaho weiter gezogen. Das Gebiet war nur dünn besiedelt und Dutch war davon überzeugt, das sie hier vor der Verfolgung durch Gesetzeshüter erst mal sicher waren. Jetzt zog die Gruppe am Sullivan Creek entlang in Richtung Norden. Arthur und Javier ritten auf ihren Pferden neben den Wagen her, als Javier sagte: „Arthur, sieh mal da…“ „Was gibt’s denn?“ „Siehst du die Jungs da oben, auf dem Felsplateau?“ „Die sollten besser nicht da rum klettern, das Gestein dort ist bestimmt brüchig“, meinte Arthur. „Na, wenn das mal gut geht“, stimmte Javier zu. Er hatte kaum den Satz zu Ende gesprochen, als eine Felskante nachgab. Einer der Jungen konnte sich gerade noch festhalten, aber der andere rutschte nach unten und fiel in den Fluss. „Verdammt! Das musste ja so kommen!“, schimpfte Arthur. „Wir müssen ihm helfen!“, rief Javier. „Dann aber schnell! Die Strömung reißt ihn bereits mit!“ Arthur lenkte seinen Hengst Barrus herum und jagte dem Jungen nach, Javier dicht hinter sich. Der Fluss machte eine Biegung und Arthur ritt an dem Jungen vorbei. Vor ihm lag ein umgestürzter Baum im Fluss. Arthur hielt an und sprang ins Wasser. Er griff sich einen dicken Ast und wartete. In diesem Moment kam der Junge durch die Biegung und trieb auf ihn zu. Er schaffte es ihn zu packen, doch das Gewicht wurde zu groß und der Ast brach ab. Jetzt trieben beide den Fluss hinab. Arthur bemühte sich, den Jungen über Wasser zu halten und gleichzeitig den Felsen auszuweichen, die aus dem Wasser ragten. „Arthur! Arthur! Halte aus, ich komme!“, rief Javier und jagte ihm nach. Arthur schaffte es, sich ein wenig aus der Hauptströmung herauszubewegen und sich dann an einem großen Felsen festzuklammern. In diesem Moment tauchte Javier neben ihm auf, sprang aus dem Sattel und lief auf ihn zu. „Javier! Schnell! Schnapp dir den Jungen!“ Javier packte zu und zog ihn ans Ufer. Während der Junge hustend und japsend da lag, reichte Javier Arthur die Hand. „Los komm!“ Arthur griff zu und wurde ebenfalls ans Ufer gezogen. „Das war verdammt knapp!“, japste Javier. „Wem sagst du das…“, meinte Arthur. Javier nahm seine Decke vom Pferd und wickelte den zitternden Jungen darin ein. In diesem Moment kamen ein Mann und eine Frau auf sie zu. „Jeremy! Jeremy!“, rief die Frau und nahm den Jungen in den Arm. „Gentlemen! Ich danke ihnen, das sie meinem Sohn das Leben gerettet haben“, sagte der Mann. Verärgert sah er den Jungen an. „Wie oft habe ich euch schon gesagt, ihr sollt nicht auf der Klippe herumklettern!“ „Schaffen sie den Jungen nach Hause, er muss schnell aus den nassen Sachen raus, sonst holt er sich noch eine Erkältung“, meinte Arthur. „Das gilt für dich aber auch“, erwiderte Javier. Die Wagenkolonne kam in Sicht. Dutch war umgekehrt und sah besorgt zu ihnen rüber. „Alles in Ordnung bei euch?“ und beide nickten. Arthur ging zu seinem Wagen, um sich umzuziehen, während das Paar mit dem Jungen davon ging. Da kamen drei Männer auf sie zugeritten und unterhielten sich kurz mit dem Ehepaar, dann kamen sie auf die Wagen zu. Dutch sah das der eine einen Sheriffstern trug, die anderen beiden waren vermutlich seine Deputys. Besorgt sahen Dutch und Javier sich an. „Gentlemen, ich habe gerade von ihrer Heldentat gehört. Ich bin Sheriff Langston aus Lonepine und das sind meine Deputys Dick Kennel und Tyree Cobb.“  In diesem Moment kam auch Arthur wieder dazu. „Nun, meine beiden Männer hier haben den Jungen gerettet“, erwiderte Dutch. „Das sind Arthur und Javier. Mein Name ist Aiden O´Malley.“ „Wir sind ihnen sehr zu Dank verpflichtet. Wo kommen sie her Mr. O´Malley?“ „Wir kommen weit aus dem Süden. Unsere kleine Stadt wurde durch einen Waldbrand vernichtet, seitdem ziehen wir als Wanderarbeiter durch die Gegend.“ „Nun, für ehrliche, hart arbeitende Menschen ist bei uns immer Platz“, sagte Sheriff Langston. Dann schien er einen Moment zu überlegen. „Hören sie, Mr. O´Malley. Vor einem Jahr kam ein Geschwisterpaar aus dem Osten in diese Gegend. Zwei Brüder, wollten sich hier eine Rinderzucht aufbauen. Hatten ihr Wissen aber wohl hauptsächlich aus Büchern und nicht viel Ahnung von dem Leben hier draußen. Nach nur wenigen Monaten sind sie wieder nach Osten gezogen, aber die Barren Ranch steht noch und die meisten Gebäude sind noch in einem sehr guten Zustand. Die Ranch ist verlassen und gehört praktisch niemandem. Ein guter Platz für eine Gruppe wie die Ihre. Wenn sie für eine Weile hier bleiben wollen, können sie sie gerne nutzen.“ „Vielen Dank Sheriff, das Angebot nehmen wir gerne an. „Folgen sie dem Fluss bis zur nächsten Biegung, dann etwa drei Meilen die Straße entlang nach Nordosten, sie fahren dann direkt darauf zu, sie können sie nicht verfehlen.“ „Nochmals Danke, Sheriff Langston. Also los Leute, aufsitzen, es geht weiter!“, rief Dutch und der kleine Treck setzte sich wieder in Bewegung. Die drei Gesetzeshüter sahen ihnen nach. „Halten sie das für eine gute Idee, Sheriff? Denen einfach so die Ranch überlassen? Ich meine, wir wissen doch überhaupt nichts von diesen Fremden. Vielleicht sind es Banditen?“, meinte Dick Kennel. „Dick, ich weiß, du hast nicht viel Verstand, aber bitte setzte doch das bisschen ein, was du hast“, erwiderte der Sheriff. „Erstens fahren Banditen nicht mit einem langsamen Treck mit Frauen und Kindern durch die Gegend und zweitens riskieren sie auch nicht ihr Leben, um das eines fremden Kindes zu retten oder?“ „Nicht das ich wüsste“, erwiderte Dick. „Eben…“, erwiderte Langston und die drei machten sich wieder auf den Weg, zurück in die Stadt.


Eine Stunde später erreichten sie die Ranch. Sheriff Langston hatte nicht zuviel versprochen. Auf der Ranch befanden sich ein großes Wohnhaus, eine Scheune und mehrere Koppeln. „Sieht doch gut aus“, meinte Dutch. Sie stellten die Wagen hinter der Scheune ab und sahen sich um. „In Ordnung, ich denke, wir können für eine Weile hier bleiben. Kommt mal alle kurz her.“ Die Gruppe versammelte sich um ihn. „Hört zu, wir haben in letzter Zeit gute Beute gemacht und ich denke, wir haben uns alle eine Pause verdient, aber damit wir hier bleiben können, müssen wir uns ruhig verhalten. Also zur Zeit keine Raubüberfälle, Diebstähle oder sonst etwas. Miss Grimshaw, Mr. Pearson, fangen sie damit an unser Lager hier zu errichten. Und ich erwarte, dass alle von euch mit anpacken. Ansonsten, geniest die Zeit, die wir hier verbringen. Das war`s vorläufig.“


Drei Tage später…


Terry Richards fuhr mit dem Wagen nach Hause. Sie hatte in Lonepine einige Vorräte eingekauft und war jetzt auf dem Weg zurück zur Red Rock Ranch, der Ranch ihres Vaters. Doch dann überkam sie ein ungutes Gefühl. Sie drehte sich um und sah eine Gruppe von Reitern auf den Wagen zupreschen. „Die Munny Gang! Na die haben mir noch gefehlt!“, dachte Terry und trieb die Pferde an. Der Wagen donnerte über die Straße. Eine halbe Meile weiter verließ sie die Straße, fuhr den Wagen hinter ein paar Felsen und ging in Deckung. Dann kam der erste Reiter um die Kurve und Terry schoss ihn vom Pferd. Die übrigen Banditen sprangen aus dem Sattel und gingen ebenfalls in Deckung. „Los! Erledigt sie! Wir brauchen die Vorräte!“, rief der Anführer. Doch als sich einer der Banditen aus seinem Versteck wagte, wurde auch er nieder geschossen. „Idioten! Könnt ihr nicht mal mit einer einzelnen Frau fertig werden?“ „Dann geh du doch, Mike!“ rief einer seiner Männer. In diesem Moment ertönten weitere Schüsse. Ein Reiter war hinter den Banditen aufgetaucht und eröffnete das Feuer. Jetzt fuhr auch Terry wieder hoch und die Banditen wurden in die Zange genommen. Der Anführer fluchte, dann rief er: „Rückzug! Alle Mann auf  die Pferde! Weg hier!“ Die Banditen preschten davon. Terry atmete einmal tief durch und erhob sich. Dann drehte sie sich um und sah nach dem Wagen. Glücklicherweise waren die Pferde unverletzt geblieben. Jetzt kam der Reiter auf sie zu. „Alles in Ordnung, Miss?“ „Ja, danke für ihre Hilfe, Mr. …?“ „Callahan, Arthur Callahan.“ „Ich bin Terry Richards. Gehören sie zu den Leuten, die auf der Barren Ranch untergekommen sind?“ „Ja, das stimmt. Wer waren diese Kerle?“ „Das ist die Munny Gang, sie sind vor etwa einem halben Jahr zum ersten Mal hier aufgetaucht. Ihr Anführer war der berüchtigte William Munny, aber seit er getötet wurde, führt seine rechte Hand Mike Ramsey das Kommando.“ „Unternimmt der Sheriff denn nichts gegen diese Bande?“ „Nun ja, ehrlich gesagt, Sheriff Langston ist nicht unbedingt der Schlauste und auch nicht der Mutigste. Sein Vorgänger, Charles Dawson, der war ein knallharter Hund, bis er und William Munny sich gegenseitig erschossen haben.“ „Verstehe und danach gab es wohl nicht viele Interessenten für den Sheriffsposten, oder?“ „Nein, absolut nicht.“ „Sie sind ein guter Schütze, Miss Richards. „Danke. Hier draußen muss man sich zu wehren wissen, wenn man überleben will. Werden sie länger hier bleiben, Mr. Callahan?“ „Ehrlich gesagt, das weiß ich noch nicht.“ „Wie auch immer, an diesem Wochenende findet in Lonepine das Sommerfest statt. Lonepine ist zwar nur eine Kleinstadt, aber zum Fest ist dort immer viel los. Hätten sie nicht Lust zu kommen?“ „Warum nicht, ich denke, wir kommen gerne.“ „Gut, dann sehen wir uns vielleicht auf dem Fest. Ich muss jetzt weiter, Mr. Callahan.“ Damit stieg Terry auf den Wagen und fuhr wieder los. Lächelnd sah Arthur ihr nach.


Am Samstagabend ritten Arthur, John, Bill, und Javier nach Lonepine. Die Sonne war schon untergegangen, aber trotzdem war die Stadt hell erleuchtet. Überall hingen Lampions und Laternen, Musik tönte durch die Straßen und die Menschen lachten und tanzten. Nachdem er  im Saloon mit den Jungs ein paar Whiskeys getrunken hatte, zog es Arthur wieder auf die Straße. Er folgte der Hauptstraße und sah sich um, als ihm klar wurde, dass er nach Terry suchte. Am Ende der Hauptstraße stand eine große Scheune, die zu einem Tanzsaal umfunktioniert worden war. Dann sah er Terry in der Nähe des Haupttores in der Menge stehen und ging auf sie zu. In diesem Moment drehte sie sich um und entdeckte ihn. „Mr. Callahan, schön das sie kommen konnten.“ „Ein schönes Fest.“ „Ja, nicht wahr? Tanzen sie mit mir?“ „Oh, ich fürchte, ich bin kein sehr guter Tänzer, Miss Richards.“ „Das glaube ich nicht. Kommen sie…“ Und sie nahm Arthurs Hand und nahm ihn mit zur Tanzfläche. Arthur legte seinen rechten Arm um Terrys Hüfte und sie begannen zu tanzen. „Ich weiß gar nicht was sie wollen, Mr. Callahan, sie tanzen besser als die meisten Kerle hier.“ „Nennen sie mich ruhig Arthur, Miss Richards“ „In Ordnung, aber nur wenn sie Terry zu mir sagen.“

Das Lied war gerade zu Ende, als John und Javier herein kamen. Als sie Arthur erspähten, packte Javier ihn am Arm und zog ihn mit. „Arthur, komm schnell, wir haben da was entdeckt“, sagte Javier. „Hey! Jungs ! Moment! Ich…“ Arthur warf Terry noch einen entschuldigenden Blick zu, aber sie schien nicht böse zu sein, sondern sah den dreien lachend nach. Draußen wartete Bill auf sie. „Was soll denn das?“, schimpfte Arthur. „Hör zu, da findet gleich ein Wettschießen statt“, erklärte John. „Ja, und im Wettglas sind schon über hundert Dollar“, fügte Bill hinzu. „Wir haben uns folgendes überlegt, du gewinnst den Wettbewerb und dann teilen wir durch vier. Na was sagst du?“, fragte Javier. „Wenn ich gewinne, soll ich mit euch teilen, ja?“ „Ohne uns hättest du doch gar nicht davon erfahren und den Wettbewerb verpasst. Komm schon, Arthur…“ Er seufzte. „Also schön, ich mach mit.“ „Gut, dann komm schnell, die fangen gleich an.“ Sie gingen die Hauptstraße ein Stück zurück und bogen dann in eine Seitengasse ab. Dort war in etwa fünf Metern Entfernung ein großes Brett aufgestellt, auf dem ein etwa zwanzig Zentimeter breiter Kreis aufgemalt war. In der Mitte des Kreises war ein Herz Ass befestigt worden. Neben dem Brett stand eine Tafel mit den Namen der Teilnehmer, bisher waren es sieben. „Hey! Hallo…unser Freund möchte auch gerne teilnehmen“, sagte Javier zu dem Spielleiter. „Ihr Name, Sir?“ „Arthur Callahan.“ Der Mann schrieb den Namen auf die Tafel. „Noch weitere Teilnehmer?“, fragte er, doch niemand meldete sich. „In Ordnung, fangen wir an. Gentlemen, die Regeln sind ganz einfach. Diese weiße Linie hier darf nicht übertreten werden. Jeder Teilnehmer hat nur einen Schuss. Alle schießen mit demselben Gewehr, diesem hier. Derjenige, der in nächster Nähe des Herzens trifft, hat gewonnen, es sei denn jemand trifft das Herz selbst. Sollten zwei oder mehrere Schützen gleich nah dran sein, gibt es ein Stechen. Noch Fragen? Nein? Gut, dann rufe ich den ersten Namen auf. Der erste Schütze trat vor und schoss. Danach ging der Spielleiter zum Brett. „Zwei Finger breit im Kreis. Der nächste…Einen Finger breit innerhalb der Karte. Der nächste …Nur den Kreisrand getroffen…“ Ein paar der Schützen trafen die Karte in der Nähe des Herzens, dann war Arthur an der Reihe. „Komm schon, Arthur…“, sagte Javier. „Du schaffst das…“ Arthur nahm das Gewehr und legte an. Er konzentrierte sich und schoss. Der Spielleiter trat ans Brett und drehte sich dann um: „Mitten ins Herz!“ „Ha, ha! Ich wusste es!“, rief Javier. „Gratuliere Arthur“, stimmte John zu. „Ladies und Gentleman, wir haben einen Sieger!“, sagte der Spielleiter und reichte Arthur das Geld, doch Javier war schneller, schnappte sich das Geldbündel und begann gleich zu zählen. „240 Dollar, das heißt 60 Dollar für jeden. Leicht verdientes Geld, was Jungs?“ Und er reichte jedem seinen Anteil. „Kommt, darauf trinken wir einen!“, rief Bill und sie machten sich wieder auf zum Saloon, doch Arthur blieb zurück und ging wieder zur Scheune. Doch er konnte Terry nirgends entdecken. „Vielleicht ist es besser so…“, dachte Arthur. „Wir werden ohnehin nicht lange hier bleiben und was dann?“ Lustlos schlenderte er den Weg entlang, der von der Scheune zu einem kleinen See führte. Dort lehnte er sich an das Geländer und lauschte dem Plätschern des Wassers. „Gut geschossen, Cowboy“, sagte da eine Stimme hinter ihm. Arthur drehte sich um und da stand Terry. „Tut mir Leid wegen vorhin. Ich fürchte, die Jungs werden niemals erwachsen“, sagte Arthur. „Schon gut, das haben die meisten Männer so an sich.“ Sie trat noch näher an Arthur heran. „Und was ist mit dir?“ „Ehrlich gesagt, bin ich vermutlich auch nicht besser.“ „Das macht nichts…“ Terrys Blick sagte ihm genug. „Ach, was soll’s…“, dachte Arthur, zog Terry zu sich und küsste sie und sie erwiderte den Kuss. Endlich lösten sie sich von einander. „Ich habe gehört, dein Vater besitz hier eine große Ranch“, sagte Arthur. „Ja, das stimmt, die Red Rock Ranch. Er ist Rinderzüchter und betreibt die Ranch mit meinen zwei Brüdern, Keith und Michael. Aber ehrlich gesagt, ich kann mit Rindern nicht viel anfangen. Mir sind Pferde lieber.“ „Geht mir genauso“, stimmte Arthur zu. „Was ist? Tanzt du noch mal mit mir?“, fragte Terry. „Wenn du möchtest“, erwiderte Arthur lächelnd und sie gingen zurück zur Scheune.


Zwei Wochen später…


Terry schwebte im siebten Himmel. Zum ersten Mal seit vielen Jahren war sie wieder richtig verliebt und sie hatte das Gefühl, Arthur ging es genauso. In den letzten Tagen hatten sie sich oft getroffen und auch heute kamen sie beide in die Stadt, um sich zu sehen. Terry ging zum See, wo Arthur schon auf sie wartete. Doch heute schien irgendetwas anders zu sein. Arthur wirkte irgendwie bedrückt. „Arthur, was ist los?“, fragte sie. „Terry, ich…ich muss dir etwas sagen. Ich mag dich wirklich sehr und deshalb will ich dich nicht anlügen. Ich…“ „Du bist verheiratet…“, meinte sie sarkastisch. „Nein! Nein, das ist es nicht….es ist…“ „Du bist ein Gesetzloser.“ Arthur blickte sie erstaunt an. „Du weißt es? Du wusstest es von Anfang an?“ „Nicht ganz, aber dann habe ich euren Anführer gesehen, diesen Aiden O´Malley. Ich war vor ein paar Jahren Mal in El Paso und habe ein Bild von ihm gesehen, auf einem Steckbrief, aber da stand Dutch van der Linde drauf.“ Arthur seufzte. „Und du hast nichts gesagt?“ „Ich wusste, dass du mir früher oder später die Wahrheit sagen würdest.“ Sie nahm seine Hand. „Hör zu Arthur, es ist mir egal, wer du bist, oder was du bist, ich weiß nur eins, ich liebe dich und ich will dich nicht wieder verlieren.“ „Mir geht es genauso, aber …wir werden nicht ewig hier bleiben, Terry.“ „Ich weiß und mir ist klar, das es nicht leicht wird, aber gib uns nicht auf, bevor es richtig begonnen hat. Lass es uns versuchen, bitte.“ Er sah ihr in die Augen. „Wie könnte ich dir etwas abschlagen.“ Terry lächelte wieder, schmiegte sich an Arthur und gab ihm einen langen Kuss. „Ich muss noch mal in den Laden. Ich bringe die Sachen zum Wagen und komme dann gleich zurück“, sagte Terry. „Ist gut, ich warte hier.“

Als Terry beim Wagen ankam und die Sachen aufgeladen hatte, tauchte plötzlich ihr älterer Bruder Keith auf, packte sie und ging mit ihr in eine Hintergasse. „Keith, was zum Teufel soll das?“, fauchte Terry. „Ich muss mit dir reden“, sagte er streng. „Ich hab gehört, dass du dich seit ein paar Tagen mit einem von diesen Fremden triffst. „Das geht dich überhaupt nichts an!“ „Da täuscht du dich!“ „Keith, du bist mein Bruder, aber ich bin kein Kind mehr!“ In diesem Moment kam auch ihr Vater dazu. „Was geht hier vor?“, fragte Terry. „Ich bin nicht dein Bruder“, sagte Keith. „Wie bitte?“, fragte Terry. „Keith! Nein!“, sagte Ethan Richards warnend. „Irgendwann muss sie es erfahren! Als deine Eltern geheiratet haben, sah es erst so aus, als könnte deine Mutter keine Kinder bekommen, deshalb haben sie einen Jungen adoptiert. Aber dann kamen doch noch du und Michael zur Welt.“ „Und dieser adoptierte Junge, das warst du?“ „Ja. Als du erwachsen wurdest und mit zwanzig immer noch nicht verheiratet warst, begann dein Vater sich Sorgen zu machen. Ich weiß, es gab nicht viele gute, junge Männer in dieser Gegend. Aber die, die es gab, hast du alle abgelehnt. Deshalb hat ein Vater zu mir gesagt, wenn du mit fünfundzwanzig immer noch nicht verheiratet bist, gehörst du mir.“ „Sag mal, bist du wahnsinnig?  Du bist mein Bruder. Was bildet ihr euch eigentlich ein?“ Terry fuhr herum und blickte ihren Vater zornig an. „Glaubst du, du kannst mich verschachern, wie eines deiner Rindviecher?“ „Terry ich…ich will doch nur das Beste für dich.“ „Und deshalb kannst du einfach über mein Leben bestimmen, ja?“ „Schluss jetzt“, sagte Keith bestimmt. „Du wirst diesen Kerl nicht wieder sehen!“ „Darüber hast du nicht zu entscheiden!“ „Oh doch, in ein paar Wochen, wirst du fünfundzwanzig und dann werden wir heiraten.“ „Vergiss es, ich werde dich niemals heiraten!“ „Dieser Callahan…hast du bereits mit ihm geschlafen?“, fragte Keith, doch Terry antwortete nicht. „Hast du?“ Er schüttelte sie heftig. „Ja, habe ich!“ „Du Miststück!“, sagte Keith und schlug Terry so heftig, das sie zu Boden fiel. „Keith!“, rief Ethan Richards, griff aber nicht ein. Keith packte Terry und hob erneut seinen Arm, da wurde er am Handgelenk gepackt. Er ließ Terry los und fuhr herum und sah in das zornige Gesicht von Arthur. „Schlag sie noch mal und ich bringe dich um“, sagte Arthur. „Pah! Das traust du dich doch gar nicht! Ich kenne Typen wie dich. Ihr seid nur mutig genug einem Mann in den Rücken zu schießen.“ „Denkst du, ja?“, erwiderte Arthur und schlug Keith die Faust ins Gesicht. Keith fiel zu Boden und griff nach seinem Revolver, doch Arthur war schneller, schoss ihm die Waffe aus der Hand und trat sie davon. „Lass es, Junge“, sagte er warnend. Dann drehte er sich um und reichte Terry die Hand, doch sie rief: „Arthur, pass auf!“ Keith war aufgesprungen und hatte sein Messer gezogen. Er ging damit auf Arthur los. Arthur packte wieder Keith Handgelenk und entwand ihm das Messer. „Hast du immer noch nicht genug?“ Wieder schlug Arthur ihn ins Gesicht und in den Magen. Röchelnd ging Keith zu Boden. Er blutete aus der Nase und der aufgeplatzten Unterlippe. Jetzt reichte Arthur Terry die Hand und half ihr aufzustehen. „Alles in Ordnung?“, fragte Arthur. Sie nickte und  schmiegte sich an ihn. Dann warf sie noch einen letzten verachtenden Blick auf Keith und ihren Vater und sagte: „Bitte bring mich hier weg, Arthur.“ „Okay, komm mit.“ Zusammen gingen sie zu Barrus und Arthur hob sie in den Sattel. „Was hast du jetzt vor?“, fragte er. „Wir müssen schnell zur Ranch, bevor Vater und Keith zurückkommen. Ich werde ein paar Sachen packen und dann verschwinden. Dort bleibe ich keine Minute mehr!“ Arthur nickte und stieg ebenfalls auf, dann ritten sie los.

Als sie auf der Ranch ankamen, hielt Arthur vor dem Haupthaus. „Gut, ich gehe schnell nach oben und hole meine Sachen“, sagte Terry. „Geh du bitte zum Stall und hole Santano für mich. Es ist die letzte Box rechts. Der Sattel und das Zaumzeug hängen daneben. Arthur nickte und lief zum Stall. Als Terry mit ihrer Reisetasche aus dem Haus kam, stand Arthur mit Santano schon vor der Tür. „Das ist wirklich ein gutes Pferd“, meinte Arthur. „Na, dein Barrus ist aber auch nicht schlecht.“ „Es geht, aber eigentlich suche ich noch nach einem besseren.“ In diesem Moment kam ihr Bruder Michael auf sie zu. „Terry, was ist los? Wo willst du hin? Was ist passiert?“ „Frag Vater und Keith!“, sagte sie knapp. Dann aber drehte sie sich noch einmal um. „Michael, es tut mir leid, aber ich kann nicht bleiben. Gehen wir, Arthur.“ Sie stiegen auf und ritten davon. Als sie die Straße erreichten, fragte Arthur: Und wo willst du jetzt hin?“ „Es gibt einen Freund meines Vaters, David, das heißt, sie waren mal Freunde, aber jetzt nicht mehr. Ich denke, dort kann ich eine Weile bleiben. Weißt du, früher war Vater ganz anders, als meine Mutter noch lebte und die Ranch noch nicht so groß war. Aber je mehr die Ranch anwuchs, umso herrischer wurde er und Keith ist genauso. Jedenfalls, David hat auch eine Ranch, einige Meilen entfernt, er züchtet Pferde.“ Sie erreichten die Ranch am Nachmittag. Als sie abstiegen, kam ein Mann auf sie zu. Er hatte kurze, blonde Haare und war etwa vierzig Jahre alt. „David!“, rief Terry und er lächelte. „Was verschlägt dich denn in diese Gegend?“, fragte er. „David, ich brauche deine Hilfe.“ „Was ist passiert?“ „Vater will mich unter Zwang mit Keith verloben!“ „Wie bitte? Das ist doch nicht dein Ernst!“ „Leider doch. Wir hatten einen furchtbaren Streit und ich bin nur mit der Hilfe von Arthur hier entkommen, aber…“ „Ich verstehe schon.“ „Kannst du vielleicht noch Hilfe brauchen?“ „Wenn du immer noch so gut mit Pferden umgehen kannst wie früher, bestimmt. Du kannst hier bleiben, solange du willst. Und wenn Keith oder dein Vater sich hier blicken lassen, dann können sie was erleben!“ Er sah sich um. Dann rief er nach einem seiner Arbeiter: „Luke!“ „Ja, Mr. Sawyer?“ „Bring bitte das Pferd von Miss Richards in den Stall.“ „Natürlich, Sir.“ Er griff nach den Zügeln von Santano und führte ihn weg. „Gib mir deine Tasche, ich lasse sofort eins der Gästezimmer für dich fertigmachen.“ „Vielen Dank David.“ „Gern geschehen. Er nahm Terrys Tasche und ging in Richtung Haupthaus davon. Terry trat zu Arthur und er nahm sie in den Arm. „Und dir danke ich auch. Wenn du nicht rechtzeitig gekommen wärst…“ „Ich werde dich immer beschützen, immer und überall“, sagte Arthur leise. „Du kommst doch bald wieder, oder?“, fragte Terry. „Bestimmt, versprochen.“ Arthur ging zu Barrus und stieg wieder auf. Terry nahm noch einmal seine Hand. Er beugte sich zu ihr herunter und küsste sie. „Ich liebe dich, Arthur.“ „Ich dich auch.“ Dann wendete er Barrus und ritt davon.


Drei Monate später…


Terry war gerade dabei einen Hengst auf eine der Koppeln zu bringen, als Arthur angeritten kam. Terry öffnete das Tor und ließ den Rotschimmel laufen. Dann drehte sie sich um. „Arthur, wo hast du so lange gesteckt?“ „Tut mir leid, ich hatte die letzten Tage viel zu tun.“ Er warf einen Blick auf den Hengst. „Hübscher Bursche…“, meinte er. „Aber auch sehr dickköpfig“, erwiderte Terry grinsend. „Sein Name ist Salvaje. Frag mich nicht warum, aber David hat eine Vorliebe für ausgefallene Namen.” „Salvaje? Ist das nicht spanisch?”  „Ja, es heißt Der Wilde und glaub mir, der Name passt zu ihm.“ Sie gingen zurück zum Stall und Terry holte sich ein Halfter. „Ich muss noch eine Stute von einer der hinteren Weiden holen, kommst du mit?“ „Gerne…“, erwiderte Arthur und folgte Terry über das Gelände. Sie kamen zu einer Weide, auf der am hinteren Ende eine Baumgruppe stand. Die Pferde standen im Schatten darunter und grasten. Terry stieß einen Pfiff aus und eines der Pferde löste sich aus der Gruppe und kam auf sie zu. Kurz vor dem Zaun hielt die Rappstute an. „Na, was hältst du von ihr?“ fragte Terry. „Sie ist wirklich schön.“ „Sie ist ein Halbblut. Ihr Vater ist ein American Standardbread, aber ihre Mutter ist ein Quarter Horse. Ihr Name ist Boadicea. Wie gesagt, David liebt ausgefallene Namen. Ich hab sie kurz nach meiner Ankunft gekauft.“ „Du hast sie dir gekauft? Du meinst als Zweitpferd?“ „Nein, ich hab sie gekauft, aber sie gehört nicht mir, sondern dir.“ Verblüfft sah Arthur sie an. „Das ist nicht dein Ernst. Terry ich…das ist…das kann ich nicht annehmen.“ „Doch kannst du. Du hast doch gesagt, du brauchst ein besseres Pferd. Ich habe die letzten Wochen intensiv mit ihr gearbeitet, sie ist schnell und klug. Sie wird gut auf dich aufpassen.“ Boadicea trat noch näher an den Zaun heran und stupste Arthur an. „Ich schätze, die Sache ist bereits entschieden“, meinte Terry. „Sie mag dich, dabei ist sie bei Fremden sonst äußerst zurückhaltend.“ „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ „Oh, ein einfaches Danke würde mir schon reichen.“ „Da weiß ich was Besseres“, meinte Arthur, legte den Arm um ihre Hüfte, zog sie zu sich und gab Terry einen langen Kuss. Dann aber kam Boadicea dazu und stieß Terry mit dem Kopf an. „Da hast du`s. Sie gehört dir gerade zwei Minuten und schon wird sie eifersüchtig“, sagte Terry lachend. Dann öffnete sie das Tor und legte der Stute das Halfter an. „Komm meine Süße, du gehst jetzt mit Arthur.“ Sie brachten Boadicea zum Stall zurück. „Ich habe aber noch etwas für dich“, sagte Terry, nachdem sie die Stute in ihre Box gebracht hatte und zeigte auf einen Sattelbock, auf dem ein rotbrauner Sattel lag. Er war sehr gut verarbeitet und mit silberfarbenen Nieten verziert. Daneben hing ein Zaumzeug in derselben Farbe. „Unser Sattler Pablo hat beides für mich angefertigt“, erklärte Terry. „Ich hab dich gar nicht verdient, weißt du das?“, meinte Arthur. „Doch, hast du.“ Terry fiel auf, dass Arthur bedrückt zu sein schien. „Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte sie. „In den letzten Tagen war Dutch sehr unruhig. So lang waren wir selten an einem Ort. Ich denke, wir werden bald weiterziehen.“ „Du wirst mich doch nicht vergessen, Arthur?“ „Nein…niemals und auch wenn es etwas länger dauern sollte, ich komme zurück, das verspreche ich.“ „Das genügt mir. Ich werde dich sehr vermissen. „Du wirst mir auch fehlen, aber ich komme wieder.“ Am späten Nachmittag sattelte Arthur Boadicea und machte sich auf den Weg zurück ins Lager.  Nachdem er die Ranch verlassen hatte, drehte er sich noch einmal um. Terry stand am Tor und sah ihm nach. Sie winkte und er winkte zurück. Dann trieb er Boadicea an und ritt weiter.
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