Red Dead Redemption 2

von Shannon
GeschichteAbenteuer / P16
Abigail Roberts Arthur Morgan Dutch van der Linde John Marston
31.03.2019
02.10.2020
44
111.889
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
31.03.2019 7.143
 
Vorwort

Um RDR2 wurde ja schon Monate vor dem Verkauf ein Riesenwirbel gemacht. Dabei kannte ich nicht mal Teil 1. Aber durch den Presserummel wurde ich neugierig, habe mit Teil 1 geholt und war total begeistert. Das ich mir dann auch Teil 2 hole war natürlich klar. Und ich muss sagen, das Spiel ist nicht so gut, wie alle behauptet haben. Es ist besser! In solchen Momenten schaltet meine Phantasie ganz von selbst in den höchsten Gang und läuft dann auf Hochtouren. Ich habe auch bereits schon einige gute Ideen für Teil 1 und habe mit dem Anfang der Geschichte schon begonnen.


Red Dead Redemption – Wilde Zeiten

Grizzly Mountains, Ambarino, USA – 04.05.1899  


Der kleine Treck kämpfte sich durch den Schnee. „So ein Wetter und das im Mai!“, schimpfe Hosea. Wenn wir nicht bald einen Unterschlupf finden, sterben wir alle!“ „Arthur hält Ausschau, ich hab ihn vorgeschickt“, erwiderte Dutch. „Er wird schon was finden, auf ihn ist Verlass.“ „Ich hoffe nur, die Gesetzeshüter haben sich genauso verirrt wie wir“, meinte Hosea. „Da…!“, sagte Dutch. Ein Reiter tauchte aus dem dichten Schneetreiben auf und hielt vor den Wagen an. „Arthur! Hast du was gefunden?“, fragte Dutch. „Ja, ich hab einen Platz gefunden, der uns Schutz bietet. Lassen wir Davey ausruhen, während er….du weißt schon. Und wir können uns aufwärmen. Ist `ne alte Bergbaustadt, nicht weit von hier. Kommt…“ Arthur wendete sein Pferd und ritt voran. Eine halbe Stunde später erreichten sie die Bergbaustadt. Alle versammelten sich in einem der Häuser. Zwei der Männer trugen Davey auf einer Trage herein, doch sie konnten nichts mehr für ihn tun.
„Hört zu…“, wandte sich Dutch an alle. „…hört mir alle kurz zu. Ich weiß, wir hatten… nun ja…ein paar schlechte Tage. Ich habe Davey geliebt, ihn und Jenny. Sean, Mac, vielleicht geht es ihnen gut, wir wissen es nicht. Aber wir haben ein paar Leute verloren. Wenn ich mich an ihrer Stelle in ein Erdloch werfen könnte, würde ich das tun, ohne zu zögern. Aber… wir werden da raus reiten und wir werden was zu essen finden. Wir sind jetzt in Sicherheit. In so einem Sturm kann uns niemand folgen. Und wenn Sie hier ankommen, dann werden wir längst verschwunden sein. Wir haben schon schlimmeres durch gestanden. Mr. Pearson, Miss Grimshaw, ich will das sie aus diesem Ort ein Lager machen. Wir müssen vielleicht ein paar Tage hier bleiben. Jeder von euch, jeder einzelne, wärmt euch auf. Bleibt stark. Bleibt an meiner Seite. Wir sind noch nicht fertig. Komm schon Arthur,  wir suchen nach Micah und John.“

Arthur und Dutch nahmen die Laternen und gingen nach draußen. „Wir sind noch nicht auf sie gestoßen, also müssen sie beide den Hügel hinunter sein“, meinte Dutch. „Klar…hey, ich hatte noch keine Zeit dich danach zu fragen. Was ist wirklich auf der Fähre passiert?“ „Du hast uns gefehlt, das ist passiert. Komm schon.“ Charles kam auf sie zu mit Taima und Count. „Braucht ihr die Pferde?“, fragte er. „Oh ja und dann ab mit dir nach drinnen, Mr. Smith. Deine Hand braucht Ruhe“, sagte Dutch. „Ich werde es überleben.“ „Geh rein Junge, wir brauchen dich und zwar gesund.“ „Alles klar.“ Dutch und Arthur ritten aus dem Camp. Der Wind heulte und blies ihnen scharf ins Gesicht. „Na dann mal los“, sagte Dutch. „Ich weiß nicht, ob wir hier draußen was finden, Dutch. Schon gar nicht bei Dunkelheit.“ „Wir müssen es versuchen. Bleib bei mir, wir folgen einfach so gut wie möglich dem Weg.“ Arthur hob die Laterne höher, doch es brachte nicht wirklich viel. „Dieses verdammte Wetter!“, schimpfte Arthur. „Es schneit jetzt schon zwei Tage oder mehr. Es müsste eigentlich bald aufklaren“, meinte Dutch. „Ich  kann nicht fassen, dass wir Davey auch verloren haben.“ „Er war der Letzte, Arthur. Nie wieder“, versprach Dutch. „Wir müssen die Leute warm halten und Nahrung besorgen.“ „Zumindest können uns die Pinkertons bei dem Wetter nicht folgen.“ Dutch nickte bestätigend. „Noch ein paar Tage und wir sind auf der anderen Seite. Du musst mir helfen, den anderen wieder etwas Mut zu machen. Du bist der Einzige, auf dessen Stärke ich mich jetzt verlassen kann.“ „Wir haben Feuer und ein Dach über dem Kopf. Ist doch schon mal ein Anfang.“ Sie folgten dem Fluss in Richtung Norden. „Was ist eigentlich mit dem Geld?“, wollte Arthur wissen. „Bitte sag mir, dass du wenigstens das Geld mitgenommen hast, bevor auf der Fähre alles schief gegangen ist.“ „Haben wir, ist beim Rest des Geldes in der Stadt versteckt. Ich denke, es ist vorerst in Sicherheit, aber wir können es in nächster Zeit sicher nicht holen gehen. Warte mal, kommt da jemand auf uns zu?“ Der schwache Schein einer Laterne war zu sehen. „Du da vorne ! Wer kommt da?“, fragte Dutch. „Micah… " „...Gentlemen…“ „Hast du was gefunden?“, fragte Dutch. „Ich glaube schon. Hab in der Richtung einen kleinen Hof gefunden.“ „Alles klar. Jemand zu Hause?“ „Ja. Jede Menge Licht und Lärm. Klang fast nach einem Fest.“ „Das schauen wir uns mal an.“ „Folgt mir. Wie geht’s Davey?“ „Er hat’s nicht geschafft. Und auch die kleine Jenny nicht.“ „Das ist schade, Davey war ein echter Kämpfer. Beide Callender Jungs sind es oder waren es. Und Mac und Sean?“ „Wir wissen es nicht.“ „Verrückte Sache.“ „Freut mich, das es dir gut geht, Micah.“ „Immer…“ „Frag ihn, ob er John gesehen hat“, rief Arthur. „Hey Micah! Hast du John gesehen?“ „Hab so gut wie gar nichts mehr gesehen, seit der Sturm angefangen hat.“ „Er hat ihn nicht gesehen.“ „Dem Jungen wird schon nichts passiert sein, der hat immer Glück.“ „Ich hoffe es und ich hoffe, Mac und Sean sind auch noch irgendwo da draußen“, erwiderte Dutch.“ „Bist du noch irgendjemandem begegnet?“, fragte Arthur. „Wir sind wohl die einzigen, die verrückt genug sind, um hier draußen zu sein, Morgan“, sagte Micah. „Na ja, erzähl du mir nichts von Verrücktheit.“ „Oh…kein Schön das es dir gut geht, ich hab mir solche Sorgen gemacht, Micah? Das wird schon wieder Morgan. Wir haben ein paar Männer verloren, aber so läuft es halt manchmal.“ „Schön, dass du dich damit so wohl fühlst.“ „Wo sind all die anderen?“ „In einem alten Bergbaucamp auf dem Hügel da hinten. Es ist nicht viel, aber es reicht fürs Erste. Dieses Haus, hast du mit den Leuten da schon geredet?“ „Nein, wie uns Dutch gesagt hat, schauen, aber mit niemandem Reden. Ich befolge nur Anweisungen, du kennst mich ja.“ „Ja, nur zu gut. Wie weit ist es noch?“ „Nicht mehr weit.“ „Was heißt das genau?“ „Nicht mehr weit…“ „Danke.“ „Oh dieser verdammte Schnee, der friert einen bis auf die Knochen ein“, meinte Dutch.“ „So leise jetzt, Gentleman. Es ist gleich da vorne.“ „Packt die Laternen weg, Jungs. Am besten haltet ihr beide euch versteckt.“ Sie hielten auf dem Hügel an. Unter ihnen sahen sie ein Haus und eine Scheune, außerdem noch eine kleine Koppel. „Gut, gehen wir da runter.“

In der Nähe der Hütte stiegen sie ab. „Lasst mich das regeln. Wir wollen die ja nicht gleich zu Tode ängstigen“, sagte Dutch. „Klingt, als hätte irgendjemand da drin seinen Spaß“, meinte Micah. „Ihr zwei versteckt euch irgendwo. Ein einzelner Mann ist sehr viel weniger angsteinflößend als drei übel aussehende Mistkerle.“ Während Arthur und Micah in Deckung gingen, schritt Dutch weiter auf das Haus zu. „Hallo? Entschuldigung? Hallo?“, rief Dutch. Ein Mann mit einer Laterne öffnete die Tür und kam heraus. „Oh, hallo mein Freund“, sagte Dutch. „Was willst du?“ „Es tut mir leid, wenn ich störe. Meine Freunde und ich sind etwas in Schwierigkeiten geraten. Sind im Sturm vom Weg abgekommen.“ Weitere Männer erschienen in der Tür. „Ah, Gentlemen…“ „Wir können ihnen nicht helfen, Mister.“ Während Dutch sich weiter mit den Männern unterhielt, flüsterte Micah leise: „Arthur, wir haben ein Problem. Hier auf dem Wagen liegt eine Leiche.“ „Ja, hab’s gehört. Behalt einfach Dutch im Auge.“ Beide zogen ihre Revolver. Arthur sah, wie einer der Männer nach seiner Waffe griff und reagierte blitzschnell. Noch bevor der Kerl auf Dutch anlegen konnte schoss er ihn nieder. Micah traf den zweiten direkt daneben. Ein weiterer ging hinter einem kleinen Schuppen in Deckung. Dann zeigte sich ein vierter beim Dachfenster. Arthur verpasste ihm einen Kopfschuss und Dutch erwischte den Kerl hinterm Schuppen. „Da rennt einer weg! Siehst du ihn, Arthur?“ Arthur wollte ihm nach, doch Dutch hielt ihn zurück. „Lasst ihn laufen! Allein überlebt er da draußen nicht. Verdammt! O´Driscoll Jungs, hier? Wieso?“ „Vielleicht aus demselben Grund wie wir“, vermutete Micah. „Micah, hol die Pferde näher ans Haus ran. Arthur, wir sehen uns in der Hütte um.“ Sie gingen hinein. „Riecht nach `ner Fete hier drin.“ „Durchsuch alles und schnapp dir soviel Vorräte wie du kannst. Wir brauchen das Lebensnotwendigste. Essen, Medizin, Whiskey.“ Während Arthur sich umsah, meinte Dutch: „O´Driscolls, ich fasse es nicht.“ „Ist schon merkwürdig, vielleicht verstecken die sich auch hier. Auf Colm O´Driscoll ist ein hohes Kopfgeld ausgesetzt, fast so hoch wie deins.“ „Das Colm sterben muss, ist so ungefähr das Einzige, bei dem Uncle Sam und ich uns einig sind.“ „Das Haus ist warm und trocken, vielleicht sollten wir die Frauen und Jack hier runter bringen“, meinte Arthur. „Vielleicht, vor einer halben Stunde hätte ich dir wohl zugestimmt. Doch wir müssen damit rechnen, das noch mehr O´Driscolls in der Nähe sind. Da würde ich uns nur ungern aufteilen.“ Sie fanden einige Konserven und Vorräte, ein paar Flaschen Medizin und Alkohol. „Ich fang schon mal an, die Pferde zu beladen. Arthur, sieh dich in der Scheune um, ob du was findest. Micah durchsuche noch mal die Hütte, vielleicht haben wir was übersehen“, befahl Dutch. Arthur stapfte zur Scheune rüber. Er konnte Gewieher hören, also befand sich zumindest ein Pferd in der Scheune. Er öffnete das Tor, zog seinen Revolver und trat ein. Ein Paint Horse Hengst stand am anderen Ende in einer Box. Er hatte die halbe Scheune durchquert, als jemand von oben auf ihn herunter sprang. Arthur wurde umgerissen, die Waffe fiel ihm aus der Hand. „Du Bastard hast meinen Cousin erschossen!“, schrie der O´Driscoll. „Er hat angefangen!“, rief Arthur zurück. „Ich werde dir das Genick brechen!“ „Versuchs doch“, entgegnete Arthur gelassen. Der O´Driscoll stürmte auf Arthur los, doch der verpasste ihm ein paar harte Schläge ins Gesicht und in den Magen. Dutch sah herein. „Was ist hier los?“, fragte er neugierig. „Der Kerl hat mich einfach angefallen“, sagte Arthur wütend. „Ach, hat er das? Wie dumm von ihm.“ „Hinterlistiger Mistkerl, soll ich ihn erledigen?“ „Nein, noch nicht, finde heraus, was sie hier machen und wo Colm steckt.“ „Oh, dieser Hurensohn wird reden“, sagte Arthur und packte den O´Driscoll am Kragen. „Wo ist Colm O´Driscoll?“ „Bei den anderen im Bergbaulager, südwestlich von hier, am See.“ Arthur hob drohend seine Faust. „Was macht ihr Bastarde hier?“ „Wir bereiten einen Zugüberfall vor, wollen die Gleise sprengen, mehr weis ich nicht, ich schwöre!“ „Nun, ich würde sagen, du hast die Sache im Griff, Arthur. Mach mit ihm was du willst, ist mir egal. Aber bring das Pferd mit, wenn du fertig bist.“ Arthur schlug den O´Driscoll noch mal. „Ich weiß sonst nicht, ich schwöre.“ „Mach dass du verschwindest, aber schnell!“ Er ließ den Mann los, der sprang auf und lief hinaus. Arthur hob seine Waffe und seinen Hut auf, dann trat er in die Box. „Ruhig Junge, ganz ruhig, alles gut.“ Er strich dem Hengst über den Hals und griff nach den Zügeln. Dann führte er ihn hinaus. Dutch stand noch vor der Hütte. „Hast ihn laufen lassen, was? Hab gesehen wie der kleine Bastard weggerannt ist.“ „Ja, ich hab mir gedacht, der kommt eh nicht weit bei dem Wetter.“ „Das sieht nach einem guten Pferd aus, du solltest es behalten.“ In diesem Moment ertönte ein schriller Schrei aus der Hütte. „Bleib mir vom Leib!“ „Micah, was zum Teufel machst du da drin?“, rief Dutch. „Runter von mir, du Bastard!“ Dutch und Arthur liefen zur Hütte. Sie sahen eine blonde, junge Frau in einem weißen Unterkleid, die mit einem Messer bewaffnet versuchte, sich Micah vom Leib zu halten. „Seht mal, was ich im Keller gefunden habe“, sagte Micah. „Bist ein wildes Ding, was?“ „Lass sie in Ruhe, Micah“, befahl Dutch. Doch der jagte sie weiter um den Tisch herum. „Ich hab doch nichts gemacht. Sie ist eine der O´Driscolls.“ „Nein, ist sie nicht, Micah, sieh sie dir doch an“, erwiderte Dutch. „Miss…Miss…sind sie…“ Micah hatte das Versteckspiel satt und warf den Tisch um, doch dabei zerbrach die Petroleumlampe, die darauf stand und setzte den Boden in Brand. „Micah, du Trottel!“, rief Dutch, packte Micah und riss ihn zurück. Micah grinste und Arthur schob ihn grimmig in eine Ecke. „Miss, es kommt alles in Ordnung. Wir werden ihnen nichts tun“, versuchte Dutch sie zu beruhigen. Langsam ging Dutch auf sie zu. Sie zitterte und stieß das Messer nach ihm, doch er packte ihr Handgelenk und entwand ihr das Messer. „Kommen Sie, es wird alles gut.“ Das Feuer griff weiter um sich. „Wir müssen raus hier und zwar schnell. Na los“, sagte Arthur. Dutch nahm sich eine Decke und legte sie der Frau um die Schultern, dann gingen sie hinaus. „Alles in Ordnung, Miss?“, fragte Dutch. „Sie kamen vor drei Tagen. Und mein Mann, sie…“ „Schon gut Miss, sie sind jetzt in Sicherheit, aber sie können nicht hier bleiben Sie kommen mit uns…Arthur...“ Arthur trat an ihre Seite und stützte sie. „Miss, alles wird gut, ja? Wir sind üble Kerle, aber wir sind nicht wie die. Alles wird gut“ sagte er zu ihr.  Er hob sie hinter Dutch auf Count. „Wir werden sie beschützen, bis sie wissen, was sie tun wollen.“ Arthur und Micah stiegen ebenfalls auf, dann ritten sie los. „Wie ist ihr Name, Miss…Miss?“, fragte Dutch. „Adler. Sadie Adler…Mrs…ich…Er…er war mein Ehemann.“ Als sie sich dem Lager näherten stand Lenny auf Wache. „Hey, da kommt jemand!“, rief er. „Es ist Dutch! Hey Leute, Dutch ist zurück!“ „Wie lief es da draußen?“, fragte Hosea. „Micah hat einen Hof gefunden, aber er war nicht der Erste. Colm O´Driscoll und sein Abschaum sind vor uns gekommen. Ein paar von ihnen haben wir dort gefunden, aber es sind offenbar noch mehr in der Gegend. Spähen einen Zug aus.“ Arthur hob Mrs. Adler vom Pferd. Verängstigt sah sie sich um, doch als sie die Frauen erblickte, beruhigte sie sich etwas. „Das ist das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können, Dutch“, meinte Hosea. „Es lässt sich nicht ändern, aber wir haben Vorräte gefunden, etwas zu Essen und ein paar Decken. Und dann diese arme Seele hier, Mrs. Adler. Miss Tilly, Miss Karen, kümmern sie sich um sie und geben sie ihr was Warmes zu trinken. Mrs. Adler, es wird alles gut. Sie sind jetzt in Sicherheit.“ Karen und Tilly gingen mit Sadie Adler davon. „Sie haben sie zur Witwe gemacht, diese Tiere“, sagte Dutch. „Ich muss mich ausruhen, ich hab seit drei Tagen nicht geschlafen.“ „Sie schlafen da drüben, Miss O´Shea zeigt ihnen den Weg“, erklärte Miss Grimshaw. „Mr. Morgan, ihr Zimmer ist dort, da vorn.“ „Danke, Miss Grimshaw.“ „Mr. Bell, sie schlafen bei den Herrschaften dort drüben.“ „Wieso bekommt Arthur ein Zimmer und ich nur ein Stockbett neben Mr. Williamson und irgendwelchen Negern?“, erwiderte Micah ärgerlich. „Geh einfach ins Bett“, sagte Hosea knapp.

Am nächsten Morgen trat Arthur ausgeruht aus der Hütte. Auf dem Weg zum Haupthaus begegnete ihm Charles. „Gut geschlafen Arthur?“ „Kann nicht klagen. Ich hoffe nur, es hört bald endlich auf zu schneien. Wir brauchen dringend was Vernünftiges zu essen, nicht nur ein paar Konserven, wenn wir das hier überstehen wollen.“ Charles machte so ein komisches Gesicht und Arthur wurde misstrauisch. „Was ist?“ „Na ja, Naomi ist heute Morgen los geritten, um sich etwas umzusehen.“ „Bei diesem Sturm? Ist sie denn verrückt geworden?“ Charles zuckte nur mit den Schultern. „Sie ist kein Kind mehr, Arthur, wie alt ist sie jetzt?“ „Siebzehn…“
Arthur seufzte. „Tja, dann werde ich sie wohl suchen müssen.“ „Soll ich mitkommen?“ „Du solltest lieber im warmen bleiben und dich schonen, sonst verheilt deine Hand nie.“ „Ach was, ist halb so schlimm.“ In diesem Moment ertönte ein Bellen, ein großer, schwarzer Hund kam auf sie zu, dahinter ritt ein junges Mädchen auf einem Fuchsschecken.“ Trotz des Mantels war ihr deutlich anzusehen, dass sie fror, ihre Lippen waren schon ganz blau. „Naomi! Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?“, schimpfte Arthur. Statt einer Antwort griff sie an ihren Sattel und drei tote Schneehühner kamen zum Vorschein. „Ich weiß, das reicht nicht für alle…“, sagte Naomi zitternd. „…aber mehr Wild habe ich leider nicht gefunden. Zwei habe ich geschossen, das dritte hat Blacky sich geschnappt.“ „Das hast du prima gemacht“, sagte Charles. „Damit können wir zumindest schon mal die Frauen und Jack versorgen.“ „Aber jetzt steig ab und mach das du rein kommst, du musst dich dringend aufwärmen“, meinte Arthur. „Nein, das geht nicht.“ „Und ob das geht“, sagte Arthur ärgerlich. „Zuerst muss ich mich um Silverado kümmern“, beharrte Naomi. „Den übernehme ich“, sagte Charles und griff nach den Zügeln des Schecken. „Ich bringe ihn in die Scheune zu den anderen Pferden“ „Los Abmarsch, ab ans Feuer“, befahl Arthur grimmig. „Aber reib ihn gut ab!“, rief Naomi noch, als sie zur Hütte lief, den Hund dicht neben sich. „So was Stures!“, meinte Arthur. „Tja, was soll ich dazu sagen, Arthur? Sie wird dir immer ähnlicher“, erwiderte Charles grinsend. Ärgerlich sah Arthur Charles an, doch dann grinste er auch. „Ich habe gehört, du hast dir bei dem Ausflug gestern ein neues Pferd mitgebracht?“ „Ja, ein hübscher Schwarzschecke. Ich nenne ihn Chaco. Danke, das du mir Taima ausgeliehen hast.“ „Gern geschehen und… wie ist dein Neuer?“ „Ist ein gutes Pferd, aber wenn wir hier raus sind, hätte ich gern noch was besseres, auch wenn ich denke, dass Boadicea nicht zu ersetzen ist. Vermutlich eins der besten Pferde, die ich je besessen habe.“ „Sie fehlt dir, was?“ „Und wie…“

Während Charles Silverado in die Scheune brachte, um ihn zu versorgen, ging Arthur zu den anderen ins Haupthaus. Naomi saß mit den anderen Frauen vor dem Kamin und trank eine Tasse Tee. Blacky lag neben ihr, erhob sich jetzt aber und ging rüber zu Mrs. Adler, die mit leerem Blick in einer Ecke saß. Naomi sah ihm lächelnd nach. Blacky legte seinen Kopf in Sadies Schoss und winselte, doch sie reagierte nicht. Erst als der Hund an ihrem Bein kratzte, sah sie nach unten. Langsam hob sie die Hand und streichelte ihn. Blacky reckte den Hals und leckte ihr über die Wange, dann legte er sich neben sie, während sie ihn weiter streichelte. Abigail ging auf Arthur zu.  "Hallo Arthur“, sagte Abigail. „Abigail…“ „Arthur, wie geht’s dir?“ „Alles in Ordnung…und dir?“ „Ich brauche deine…Es tut mir leid, dich darum bitten zu müssen, aber…“ „Es geht um den kleinen John, er hat sich wieder in Schwierigkeiten gebracht.“ „Niemand hat ihn gesehen seit…seit zwei Tagen.“ „Deinem John geht’s gut. Da er es nicht zu uns zurück geschafft hat, hat er sich sicher irgendwo verkrochen. In einer Höhle oder sonstigem Unterschlupf. Er wird warten bis der Sturm nachlässt, dann kommt er schon wieder.“ „Aber, was wenn…“, begann Abigail. „Schau dich wenigstens einmal um“, meinte Hosea. „Javier?“ „Ja…?“ „Javier, reitest du mit Arthur raus, um nach John zu suchen? Ihr beide seid unsere besten, kräftigsten Männer.“ „Jetzt?“, fragte Javier mit wenig Begeisterung. „Sie…wir alle, wir machen uns Sorgen um ihn“, erklärte Hosea „Ich weiß, wäre die Situation umgekehrt, würde er auch nach mir suchen… oder nach uns“, sagte Javier und sah Arthur an. „Da hast du allerdings Recht. Also los“, stimmte Arthur zu. „Ich Danke euch“, sagte Abigail und die beiden Männer verließen die Hütte und machten sich auf den Weg.

„Folge mir, hier entlang. Wenn ich mich recht erinnere, wollte John flussaufwärts reiten“, sagte Javier. Die Pferde stapften durch den hohen Schnee. „Hey, ich sehe dort Rauch. Sehen wir uns das mal an“, rief Javier. „Ich hoffe nur, es sind nicht noch mehr von den O´Driscolls Jungs.“ Sie fanden ein kleines Lager. Javier stieg ab und sah sich um. „Sieht verlassen aus, ist aber noch nicht allzu lange her. Da sind Spuren und sie führen…in diese Richtung.“ „Na dann, weiter geht’s.“ „Die Spuren führen zum Fluss.“ „Kann nicht mehr als ein paar Stunden her sein.“ „Reiten wir rüber. Siehst du? Sie führen weiter da rauf.“ „Glaubst du die sind von John?“ „Frag mich nicht, es sind Pferdespuren, klar, aber das könnte jeder gewesen sein. Schauen wir mal nach, wo sie hinführen.“ „Sag mal, du warst doch dabei, Javier. Was ist auf der Fähre wirklich passiert?“ „Wir hatten das Geld, alles sah gut aus, doch dann waren die plötzlich überall.“ „Kopfgeldjäger?“ „Nein Pinkertons. Es hagelte förmlich Kugeln. Dutch hat ein Mädchen getötet, auf eine hässliche Weise, aber es war auch eine hässliche Situation.“ „Und warum?“ „Wahrscheinlich weil sie so rum geschrieen hat, unsere Nerven waren ohnehin zum Zerreißen gespannt.“ „Trotzdem sieht’s ihm nicht ähnlich.“ „Die Fährte führt nach links, hier runter. Davey wurde angeschossen, Mac und John auch. Sean, keine Ahnung. Ich staune immer noch, dass wir überhaupt entkommen konnten. Als ihr von der anderen Seite der Stadt aufgetaucht seid, waren wir fast am Ende.“ „Wirklich übel.“ Sie ritten weiter bergauf. „Hey! Schau mal da drüben, siehst du das?“, fragte Javier. Vor ihnen lag ein Kadaver. Ein paar Krähen flogen auf, als sie sich näherten. „Das Pferd hat John geritten, als wir aus Blackwater verschwunden sind.“ „Das sieht nicht gut aus“, meinte Arthur. „Mal sehen, ob er uns hören kann“, erwiderte Javier. Er zog seinen Revolver und gab einen Schuß ab. „Hey! Hilfe! Hier“ Der Ruf war sehr leise und kam aus einer großen Entfernung, aber er war zu hören. „Komm, da rauf.“ „Hallo? Hier drüben!“ „Das kommt von irgendwo da vorne. Der Weg wird für die Pferde zu schmal, wir müssen zu Fuß weiter gehen“, sagte Javier. Arthur stieg ab, nahm seine Flinte und folgte Javier den schmalen Pfad entlang. „Helft mir! Hier drüben! Hier!“ „Es kommt von da drüben, wir sind auf dem richtigen Weg.“ „Das ist eindeutig John“, meinte Arthur. „Wir finden ihn schon.“ „Hey! Hier drüben!“ „Das klingt schon näher. Wir kommen John.“ „Verflucht, ist das kalt“, schimpfte Arthur. „Wie geht’s dir?“, fragte Javier. „Ich fühl mich jämmerlich. Die letzten Tage waren ziemlich hart.“ „Ich weiß. Ich bin auch nicht für diesen Schnee gemacht… John!“ „John, bist du hier?“ „John! John wo bist du? John, kannst du mich hören?“ „Marston hörst du mich?“ „Ich bin hier! Auf dem Vorsprung!“ „Das klingt ganz nah! John, wir kommen!“ „Hier drüben!“ „Schon gut, beruhige dich, wir sind gleich da.“ „Er ist hier unten.“ Sie blickten auf den Vorsprung. John saß zusammen gekauert auf dem schmalen Grat und sah zu ihnen hinauf. Er hatte ein paar tiefe Kratzer in seinem Gesicht und auch sein Bein war verletzt. „Da hast du dir ja eine böse Schramme eingefangen“, meinte Arthur. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber es ist schön dich zu sehen, Arthur Morgan.“ Arthur sprang zu ihm hinunter. „Siehst nicht besonders gut aus.“ „Ich fühl mich auch nicht gut.“ Arthur zog John auf die Schulter und reichte ihn an Javier hoch. „Ich bin am Erfrieren.“ „Sterben kannst du später, Cowboy“, erwiderte Arthur. „Komm schon, Compadre.“ Arthur nahm John wieder auf die Schulter. „Unser Hinweg wird so nicht funktionieren, versuchen wir es hier lang“, sagte Javier. „Siehst ganz schön übel aus“, meinte Arthur. „Kann ich nicht leugnen“, stimmte John zu. „Glaubst du, du schaffst es?“, fragte Javier. „Ich denke schon.“ Sie gingen den Hang hinab zu den Pferden, als sich oben auf dem Berg etwas bewegte. „Siehst du das da?  Auf der Kuppe?“, fragte Javier und Arthur nickte. „Wölfe…Hier, nimm John und hol die Pferde, ich kümmere mich darum.“ „Gut, dann wollen wir mal. Schaffen wir dich aufs Pferd.“ Während Javier mit John auf die Pferde zuging, nahm Arthur die Wölfe ins Visier. Zwei schoss er ab, dann ergriff der dritte die Flucht. „Gut geschossen, Arthur. Machen wir, das wir wegkommen, bevor noch mehr von den Biestern hier auftauchen.“ Sie ritten los. „Ich fühl mich nicht besonders“, stöhnte John. „Das wird schon wieder“, sagte Javier. „Du stirbst schon nicht. Noch nicht.“ Sie waren den halben Berg hinunter, da rief Javier: „Pass auf, Arthur, da kommen noch mehr!“ „Ich sehe sie, reite weiter, ich halte sie auf!“ Arthur erschoss drei weitere Wölfe, dann gab der Rest des Rudels die Verfolgung auf. „Siehst du noch welche, Arthur?“ „Nein, ich glaube nicht. Bist du noch am Leben, Marston?“ „Gerade so.“ „Du wirst schon wieder, wir haben jetzt einen Unterschlupf.“ „Danke, dass ihr meinetwegen gekommen seid.“ „War doch klar. Erst die Kugel in Blackwater und jetzt das. Hattest viel Pech.“ „Und dabei behauptet Arthur immer, ich sei ein Glückspilz.“ „Bist du ja auch, immerhin lebst du noch, hätte schlimmer kommen können.“ „Wir sollten eine Weile im Wasser reiten, um die Fährte zu verwischen. Wir wollen ja keine Spur direkt zum Lager legen.“ „Weißt du, wir müssen uns eine bessere Geschichte für diese Narbe einfallen lassen“, meinte Arthur. „Was denn? Also, erfrieren, verbluten, verhungern und fast aufgefressen werden, reicht dir nicht?“ „Reiß dich zusammen, es ist nicht mehr weit.“ „Siehst du die Gebäude da vorne, John? Das ist unser Lager.“

Zwischen den Gebäuden hielten sie an. „Kommt her! Helft John mal vom Pferd!“, rief Javier. „Kann uns wer helfen?“, sagte auch Arthur. „Hilft uns mal jemand? Wir brauchen Hilfe hier!“ Abigail, Naomi, Bill und Lenny kamen angerannt. „Du lebst! Oh du lebst noch!“, rief Abigail erleichtert. Bill und Lenny packten John und zogen ihn von Javiers Pferd. „Langsam, ganz langsam“, mahnte Arthur. John stöhnte vor Schmerzen auf. „Hey! Vorsicht Idiotas! Passt auf sein Bein auf“, meinte Javier. „Komm, wir bringen dich ins Warme“, sagte Abigail und lief neben den Männern her. „Danke, danke euch beiden“, sagte sie zu Javier und Arthur. „Hast du sonst noch irgendwelche verirrten Jungfrauen, die gerettet werden müssen?“, fragte Arthur sarkastisch und sah zu Hosea. „Heute nicht“, meinte der beruhigend. Bill und Lenny brachten John in eine Hütte und legten ihn aufs Bett. Naomi trat ein und öffnete ihre Tasche. „Lenny, ich brauche warmes Wasser, um Johns Wunden auszuwaschen“, sagte Naomi. „Und hier…“, sie reichte ihm einen Beutel mit Kräutern. „…gib die Pearson, er soll mir mit einem halben Liter Wasser Tee daraus kochen.“ Lenny nickte und lief hinaus. Kurz darauf brachte Arthur ihr die Schüssel mit Wasser. „Was denkst du?“, fragte er Naomi. „Ach, der wird schon wieder. Seine Verletzungen sind schwer, aber nicht lebensbedrohlich, jedenfalls noch nicht. Das passiert nur, wenn es zu einer Entzündung kommt, aber das werde ich zu verhindern wissen.“ „Du machst das schon“, sagte Arthur und ging wieder hinaus. Naomi schüttete etwas aus einem Fläschchen in die Wasserschüssel. „Was ist das?“, wollte Abigail wissen. „Eine Mischung aus Bärlauchöl und Salbeiöl. Es desinfiziert die Wunden.“ Naomi nahm ein sauberes Tuch, tauchte es in die Schüssel und tupfte vorsichtig Johns Gesicht damit ab. „Hier, nimm den Lappen und mach bei seinem Bein weiter, ich muss mich um die Verletzungen im Gesicht kümmern“, sagte sie zu Abigail. Naomi nahm eine weitere Flasche aus der Tasche und tröpfelte ein paar Tropfen auf ein anderes Tuch. Wieder rieb sie sein Gesicht damit ab. Nach ein paar Sekunden nuschelte John: „Ich fühl mich so komisch…“ „Keine Sorge, alles in Ordnung. Du wirst eine Zeitlang nicht gut sprechen können, aber das geht vorbei. Diese Tropfen bestehen aus verdünntem Oleandersaft und Mohn. Sie betäuben dein Gesicht für eine Weile, aber so werde ich die Wunden ohne große Schmerzen nähen können. Bleib einfach ruhig liegen und versuch dich zu entspannen.“ „Woher kennst du dich so gut mit Heilkunde und Pflanzen aus?“, wollte Abigail wissen. „Ach weißt du, ich habe schon immer gern viel gelesen und dann hat ein pensionierter Arzt in der Nähe unserer Farm gelebt, der hat mir auch einiges beigebracht. Mein Vater war damals sehr enttäuscht und hat sich kaum um mich gekümmert. Er hatte sich unbedingt einen Sohn gewünscht. Als zwei Jahre später mein Bruder geboren wurde, war ich ab sofort Luft für ihn. Später dann, als ich etwas größer war, musste ich natürlich meiner Mutter helfen. Aber wenn ich meine Arbeiten erledigt hatte, konnte ich den Rest des Tages machen was ich wollte. In dieser Zeit hab ich mir viele Dinge selbst beigebracht und den Rest habe ich in den letzten drei Jahren von Hosea gelernt.“ Lenny kam wieder herein und brachte den Tee. Naomi goss ihn in eine Tasse und gab ihn John zu trinken. „Schmeckt bitter…“, maulte er. „Medizin soll auch nicht schmecken sondern helfen.“ Sie verbanden sorgfältig seine Wunden, dann sagte Naomi: „So… fertig. Schlaf jetzt, ruh dich aus, damit du wieder zu Kräften kommst.“ „Vielen Dank, Naomi“, sagte Abigail. „Gern geschehen. Du kannst mich jederzeit rufen, sollte sein Zustand sich verschlechtern. Aber ich denke, das wird nicht passieren.“ Naomi ging hinaus und begegnete Dutch. „Wie geht’s ihm?“, fragte er. „Er wird ein paar Narben zurück behalten und es wird eine Weile dauern, bis er wieder voll bei Kräften ist, aber er wird es überstehen.“ „Gut…“, erwiderte Dutch und ging dann weiter.

Am nächsten Morgen schrieb Arthur in sein Tagebuch: „Wir sind seit Wochen auf der Flucht. Wir haben einen Unterschlupf gefunden und ruhen uns nun in einer alten, verlassenen Bergbaustadt etwas aus, während wir auf Tauwetter warten. Wohl kaum der Frühling, den ich mir erhofft habe.“ Er ging zu einer der Hütten, wo schon Micah, Bill  und Lenny zusammen saßen. Dann kam auch Javier noch dazu. „Ich hab bei euch mitgemacht, weil ich dachte, dass ihr es aufregend mögt. Ein paar Tage auf der Flucht und schon werdet ihr alle ganz bleich…“ meinte Micah „…alle außer dir natürlich“, sagte er zu dem jungen Schwarzen Lenny. „Halt`s Maul Micah“, erwiderte Lenny. „Ich hab noch nie so viele, lange Gesichter gesehen.“ „Ich vermute, die Leute vermissen die Gefallenen“, sagte Bill. „Also, wenn ich mal dran glauben muss, will ich kein Getue“, erwiderte Micah ärgerlich. „Wenn du draufgehst? Schmeißen wir ne` Party“, gab Lenny trocken zurück und die anderen lachten zustimmend. „...ne` Party?“, fragte Bill. „Wahrscheinlich…“. Verärgert stand Micah auf. „Ist das so lustig?“, wandte er sich an Bill. „Klar…“, sagte der grinsend, da verpasste ihm Micah einen Schlag ins Gesicht. Bill sprang auf und die anderen hielten ihn nur mit Mühe zurück. „Vielleicht mag ich es ja nicht, wenn ich von Kerlen wie euch ausgelacht werde“, sagte Micah bissig. In diesem Moment kam Dutch herein. „Aufhören! Sofort!...Ihr prügelt hier aufeinander ein, während Colm O´Driscoll wirklich Prügel verdient und zwar reichlich. Wollt ihr rum sitzen und warten, bis er auftaucht? Kommt schon, wir haben zu tun. Kommt schon.“ Gehorsam verließen alle die Hütte. „Weißt du auch, was du tust, Dutch? Die Leute haben viel durchgemacht. Wir sind ja kaum wieder auf den Beinen“, meinte Arthur. „Und das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist von Colm O´Driscoll niedergemacht zu werden. Gehen wir.“ „Ich weiß, du hasst ihn, Dutch.“ „Er ist wegen uns hier.“ „Das bezweifle ich.“ „Nein, du zweifelst bloß an mir.“ „Ich würde nie an dir zweifeln, Dutch nur…du hast immer gesagt, Rache ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.“ „Hier geht es nicht um Rache. Wir reden hier über Züge und Sprengsätze. Colm hatte immer erstklassige Informationen. Na los.“ Dutch wandte sich noch einmal um. „Mr. Matthews, Mr. Smith, Mr. Pearson, würden sie bitte auf das Lager aufpassen? Hier treiben sich O´Driscolls rum.“ Die Männer holten die Pferde, saßen auf und verließen das Lager.

„Nach Südwesten, richtig, Arthur?“, fragte Dutch. „Ja, dem Pfad südwestlich folgen, meinte er. Die lagern da an einem See.“ „In Ordnung, lass uns diese Bastrade finden,  bevor sie uns finden und dann schnappen wir ihnen ihre Beute weg.“ Sie folgten dem Pfad durch den Schnee. „Was haben wir denn hier? Spuren von Pferden, eine ganze Menge Pferde. Niemand außer uns und denen ist dumm genug, sich hier draußen rum zu treiben. Das ist sicher ihre Fährte“, meinte Dutch. „Alles in Ordnung, Dutch?“, fragte Arthur. „Natürlich. Hör mal ich weiß, dass du von meinen Ideen in letzter Zeit nicht viel hältst, aber hier tun wir das Richtige.“ „Schon gut, du weißt, dass ich dir immer den Rücken freihalte.“ „Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass man Colm O´Driscoll zuerst angreift. Wenn man wartet, bis er kommt, sterben Leute, die man liebt.“ „Diese Fehde zwischen euch beiden, die muss enden, egal wie“, meinte Arthur. „Das wird sie“, sagte Bill zuversichtlich. „Manche Dinge kann ich vergeben, andere kann ich vergessen. Bei dem was er Anabelle angetan hat, kann ich keins von beiden.“ „Du hast seinen Bruder umgebracht, Dutch“, erwiderte Arthur. „Genau, das hab ich. Und die Bastarde werden schon bald wieder vereint sein. So endet das Ganze.“ „Ganz Recht, Boss“, rief Micah. „Siehst du den Rauch? Wir sollten uns das mal von da oben anschauen. Es soll wohl in der Nähe des Sees sein, also sind wir nah dran“, meinte Dutch. Dutch zügelte Count und hielt an. „Wartet hier. Also dann Gentleman, es geht los. Sind wir verflucht noch mal bereit?“ „Bereit, Dutch“, ertönte es einstimmig. „Gut, also, Mr. Morgan und ich werden hier kurz hochgehen. Wir verschaffen uns einen Überblick über das Lager. Mr. Williamson, Mr. Bell, ihr beide bezieht versteckte Positionen direkt vor dem Lager. Mr. Summers, Mr. Escuella, ihr zwei haltet die Stellung hier. Also los.“ Während Bill und Micah sich auf den Weg zum Lager machten, stiegen Dutch und Arthur von den Pferden und gingen zum Rand der Klippe. Sie nahmen die Ferngläser und sahen zum Camp hinunter. „Das sind sie, eindeutig“, meinte Dutch. „Ist das Colm?“, fragte Arthur. „Ich glaube, ja.“ „Ja, das ist er.“ „Mit wem redet der denn da? Der sieht nicht sonderlich erfreut aus“, stellte Dutch fest. „Nein…“ „Wollen die gerade gehen?“ „Sieht so aus. Sollen wir  sie uns schnappen?“, fragte Arthur. „Nein, Colm kann warten. Hauptsache, ein paar von denen verschwinden. Und es macht viel weniger Spaß, ihn und sein Versteck auszurauben, wenn er nie davon erfährt. Na gut, dann statten wir unseren alten Freunden mal einen Besuch ab.“ Sie steckten die Ferngläser weg und gingen zu Javier und Lenny zurück. „Ihr beide, geht da rauf und gebt uns Deckung“, befahl Dutch. „Am leichtesten ist wohl der Weg, den auch Bill und Micah darunter genommen haben.“

Dutch ging voraus und Arthur folgte ihm. „Wie gesagt, Rache ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.“ „Ja, ich war mir nur nicht sicher, ob du mir zustimmst.“ „Arthur, hast du vollkommen das Vertrauen in mich verloren? Was wir im Moment brauchen sind Vorräte, Ausrüstung und ein Weg hier raus. Alles andere, auch Colm, kann warten.“ „In Ordnung.“ „Da unten sind auch so schon genügend Bastarde. Komm schon.“ „Vielleicht sollte ich lieber vorgehen, auf dich schießen die sofort.“ „Bisher haben sie mich noch nie getroffen.“ „Stimmt, aber bei dem Pech was wir im Moment haben…“ „Psst, lass uns erst mal da runter kommen.“ Sie erreichten den Rand des Lagers. Bill und Micah standen schon bereit. Zwei Wachposten befanden sich in ihrer Nähe. „Was machen wir, Dutch? Ich kann das übernehmen, wenn du willst“, meinte Arthur. „Entscheide du. Du willst die Führung übernehmen, dann tu’s.“ „Gut, ich geh voran.“ Arthur schlich noch etwas näher, hob das Gewehr und schoss auf den O´Driscoll, der ihm am nächsten stand. „O´Driscolls! Ihr seid tot, ihr Dreckskerle!“, rief Arthur. Sofort eröffneten auch die anderen das Feuer. „Tötet jeden einzelnen dieser Hurensöhne!“, rief Dutch. „Ich rücke vor! Gebt mir Feuerschutz!“, sagte Arthur. Die Bande lief nach vorn, während Javier und Lenny ihnen von oben Deckung gaben. „Arthur! Da ist einer auf dem Wasserturm!“, rief Dutch. Arthur schwenkte herum und schoss und der O´Driscoll stürzte in die Tiefe. „Vorsicht, da in den Hütten rechts sind noch mehr!“ Micah und Bill erledigten die letzten, dann lagen alle O´Driscolls tot am Boden. „Durchsucht die Leichen, nehmt alles mit was ihr könnt“, befahl Dutch. „Erkennst du irgendeinen von Ihnen, Dutch?“, fragte Bill. „Natürlich nicht. Colm schert sich einen Dreck um seine Männer. Ihn kümmert nur, wie groß sein Trupp ist. Wenn du einen Abzug ziehen und ein Pferd reiten kannst und töten kannst ohne nachzudenken, bist du drin. Überlegt mal, wie lang manche von euch bei mir sind. Ich bin mir sicher, Colm kennt nicht mal die Hälfte dieser Idioten mit Namen. Sucht gründlich, wir müssen diesen Bastarden alles abnehmen, was geht.“ Sie durchsuchten die Toten, als Dutch plötzlich rief: „Oh verdammt, da kommen noch mehr, aus dem Wald!" Sie gingen zwischen den Hütten in Deckung und eröffneten wieder das Feuer. „Was denkst du, Arthur? Halten wir die Stellung oder holen wir sie uns?“, fragte Dutch. „Ich sage, wir greifen uns die Bastarde!“ „Na, dann los! Folgt mir!“ Die O´Driscolls waren in der Überzahl, trotzdem hatten sie gegen die erfahrenen Kämpfer der Van der Linde Gang keine Chance. Einer nach dem anderen ging getroffen zu Boden. Die letzten, die sich noch im Wald versteckten gaben auf und ergriffen die Flucht. „Die Feiglinge rennen davon!“, sagte Dutch. „Zurück zum Lager, wir schnappen uns, was wir brauchen und rücken ab.“ Sie liefen ins Lager zurück. „Gute Arbeit, Jungs, nehmen wir den Laden auseinander. Bill, du durchsuchst den Wagen da. Micah, du nimmst das Gebäude da drüben. Arthur, du suchst in dem Gebäude da links. Also dann Männer, schnell. Besorgt den Sprengstoff, die Zünder und was immer ihr kriegen könnt. Los.“ Arthur betrat das Gebäude. Er fand ein paar Flaschen Whiskey und entdeckte dann eine große Truhe. Als er sie öffnete, erblickte er mehrere Pakete mit Dynamit. „Hier, das sieht gut aus. Was denkst du, Bill?“, fragte Arthur und Bill kam zu ihm rein. Er reichte ihm einen Packen Dynamit. „Sieht in Ordnung aus…und riecht gut", meinte Bill. Sie nahmen das Dynamit und packten es in eine kleinere Kiste. „Gut, gehen wir“, sagte Arthur. Draußen sammelten sie sich um Dutch. „Haben wir alles?“ „Glaube schon, Boss“, meinte Micah. „Einer von denen hatte das hier bei sich.“ Micah reichte Dutch einen aufgerollten Plan. Dutch warf einen kurzen Blick darauf. „Danke. Oh ja, sehr interessant.“ „Das ist perfekt“, stimmte Micah zu. „Da geht es um den Zug den sie ausrauben wollten. Von einem Levictius Cornwall“, erklärte Dutch. „Steigt wieder auf, lasst uns weiter reiten.“ Arthur trat zu Chaco und schwang sich in den Sattel. „Gut, verschwinden wir von hier“, befahl Dutch. „Ich bin stolz auf euch, Jungs, auf euch alle! Keine Verluste. Nicht übel für ein paar halbverhungerte Verlierer. Sie können uns so hart treffen wie sie wollen. Aber wir stehen immer wieder auf und kämpfen weiter. So sind wir, Gesetzlose für immer. Wartet nur, bis John, Mac, Charles uns Sean wieder mit uns reiten. Und ich glaube… nein ich weiß, sie werden alle zurückkommen.“ „Du hast Colm zwar nicht erwischt, aber das hier tut ihm mehr weh als eine Kugel im Kopf“, meinte Arthur. „Vor allem, wenn wir diesen Zug auch noch überfallen.“ „Ja, das werden wir sehen.“ „Oh, das werden wir.“ „Weißt du, das wird der uns heimzahlen.“ „Klar wird er das, genau wie alle anderen, aber wir müssen ihnen immer einen Schritt voraus sein. Wissen wo sie sind, bevor die wissen, wo wir sind. In Blackwater haben wir zugelassen, dass sie uns einen Schritt voraus waren. Das passiert uns nicht noch mal.“ Sie ritten zurück ins Tal. „Legt einen Zahn zu, Jungs. Wir müssen Boden gutmachen, es wird bald dunkel.“ Als sie den Fluss erreichten sahen sie einen Reiter vor sich. „Hey, siehst du den Kerl da? War der nicht im Lager mit Colm?“, fragte Dutch Arthur. „Überlass das mir“, erwiderte Arthur und trieb Chaco an. „In Ordnung, wir reiten schon weiter, zurück zum Lager. Bring ihn mir aber lebendig. Er könnte nützlich sein.“ „Gut in Ordnung.“ Der O´Driscoll jagte davon, doch Arthur setzte ihm nach. „Was zur Hölle wollt ihr von mir?“, rief der  O´Driscoll. Er versuchte zu entkommen, aber Chaco war  schneller als das andere Pferd. In weniger als zwei Minuten hatte Arthur den Mann eingeholt, schwang sein Lasso und riss den O´Driscoll vom Pferd. „Bleib mir vom Leib!“ Doch schon war Arthur aus dem Sattel gesprungen und fesselte ihn. „Du kommst mit mir.“ Dann hob er ihn hoch und legte ihn auf Chaco. „Du verwechselt mich mit jemand anderem.“ „Das glaube ich kaum.“ Arthur stieg wieder auf und ritt los. „Lass mich gehen, bitte.“ „Wie heißt du, Junge?“ „Ich weiß nicht.“ „Du weißt deinen Namen nicht?“ „Kieran…“ „Kieran…was?“ „Kieran Duffy.“ „Ich schätze, das ist heute nicht dein Tag, Kieran Duffy.“ „Wo bringst du mich hin?“ „An einen Ort, der dir nicht gefallen wird.“ „Wieso? Was hast du mit mir vor?“ „Das wird dir auch nicht gefallen.“ „Nein, bitte nicht!“ Doch Arthur ritt ungerührt weiter. „Ich flehe dich an, ich bin nutzlos für dich.“ „Halt besser den Mund, sonst schließe ich ihn dir.“ „Die haben mir nichts gesagt. Ich weiß gar nichts, ich schwöre es, bitte, hab Mitleid.“ „Vergiss es.“ „Komm schon, nenn mir einfach deinen Preis.“ „Willst du mich auf die Probe stellen? Weil ich gleich nämlich jeden Knochen in deinem Körper brechen werde.“ „Tut mir leid.“ „Ich will jetzt kein einziges Wort mehr von dir hören verstanden?“ „Schon gut.“

Endlich traf Arthur beim Lager ein. Naomi kam nach draußen und ging zu ihm. „Alles in Ordnung? Ich hab mir schon Sorgen gemacht.“ „Mir geht’s gut“, erwiderte Arthur. „Wen hast du da mitgebracht?“, fragte Naomi. „Einen der O´Driscolls. Sein Name ist Kieran Duffy.“ „Ich bin kein O´Driscoll!“, rief Kieran. „Komm, ich nehme Chaco, geh und ruh dich aus“, sagte Naomi zu Arthur. „Danke. Na komm, du kleiner Mistkerl. Ich stell dir die Jungs vor“, sagte Arthur und zog ihn vom Pferd. „Bitte, tut mir nicht weh!“ „Keine Sorge, die sind alle echt nett.“ „Ah, du hast den Scheißkerl also gefunden“, stellte Dutch fest. „Jap, hab ich.“ „Sehr gut. Willkommen in deinem neuen Zuhause. Ich hoffe, du fühlst dich hier wohl“, meinte Dutch. „Soll ich ihn zum Reden bringen?“, fragte Arthur. „Oh nein. Jetzt würden wir nur Lügen zu hören kriegen. Uncle, Mr. Williamson, bindet diese Made irgendwo an, wo sie uns nicht entwischt. Erst mal lassen wir ihn hungern. Ich hab da so eine Regel, mein Freund. Wir erschießen Leute, die erschossen werden müssen. Wir retten Leute, die gerettet werden müssen. Und wir ernähren Leute, die ernährt werden müssen. Mal sehen, was wir mit dir machen müssen. Ich kann es nicht glauben, ein O´Driscoll in meinem Lager.“ „Nein! Ich bin kein O´Driscoll, Mister! Ich hasse den Kerl!“, rief Kieran. „Na, wenn du das sagst, mein Sohn“, erwiderte Dutch. Bill und Uncle schleppten ihn davon. „Gut gemacht, Arthur.“ „Ich finde es nur schade, dass wir Colm nicht erwischt haben.“ „Den kriegen wir auch noch“, meinte Dutch und ging in seine Hütte. Arthur ging ebenfalls in seine Behausung, zog seine Stiefel aus und kroch unter die Decken. Er dachte kurz daran, wie alles angefangen hatte, damals vor drei Jahren, als er Naomi gefunden hatte. Erschöpft fiel er in einen tiefen Schlaf.
Review schreiben