Eyes On Fire

von Wichita
GeschichteDrama, Angst / P18
Effie Trinket Finnick Odair Gale Hawthorne Haymitch Abernathy Katniss Everdeen OC (Own Character)
29.03.2019
11.09.2019
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Ein Blitzlichtgewitter blendete ihre Augen und verzweifelt probierte sie sich dagegen zu erwehren, doch mit starker Hand war sie an Odairs breite Brust gedrückt, dessen Arm wie ein Schraubstock fungierte.

Die Masse der Anwesenden war entzückt. Der Adonis von Panem Productions zusammen mit einer Unbekannten dunkelhaarigen Schönheit im Arm. Dies würde zu vielen wohlwollenden Kommentaren und noch mehr Spekulationen führen. Oder auch zu bösartigen, giftigen Postings.

Aber egal wie das Pendel auch ausschlagen mochte, Aufmerksamkeit war den beiden auf jeden Fall gewiss.

Finnick Odair war ein gerngesehener Gast auf jeder Veranstaltung der Stadt. Somit stand er auf dem roten Teppich als wäre er dafür geboren worden und hielt Katniss so fest, dass Flucht keine brauchbare Lösung für das Mädchen darstellte. Dabei zeigte er sein strahlendes, schneeweißes Lächeln, welches Katniss entfernt an einen Hai erinnerte.

In einer endlosen Schleife liefen ihr Haymitchs wohlwollende Worte durch den Kopf. Sie sollte den Mann an ihrer Seite verliebt anhimmeln oder ihn zumindest ein Lächeln schenken, aber dies alles war Katniss so fremd, so abstrakt, dass egal in welche Kamera sie auch blickte es aussah als wäre sie kurz davor davonzulaufen.

Wenn sie jemals geahnt hätte was auf sie zukommen würde, sie hätte sich auf diese Charade niemals eingelassen.  

Nach nur zwei Wochen bei Panem Productions, kam es ihr vor als hätte sie dort ihr halbes Leben verbracht. Die Arbeit wurde schnell zur Routine, die Kameradschaft zwischen Annie und ihr zur Freundschaft, doch die Einladungen zur gemeinsamen Kaffeepause von ihrem Vorarbeiter schlug sie jedes Mal hartnäckig aus.

Am Ende der ersten Woche hatte Haymitch eingesehen, dass sein brillanter Verstand indem Moment ausgesetzt hatte, als er das Mädchen mit in das Büro genommen hatte. Unweigerlich hatte sich böswillige Gerüchte wie giftige Schlangen im Haus verbreitet, somit war er um Schadensbegrenzung bemüht. Die Idee Katniss und Finnick zusammenzuführen, lag auf der Hand. Der junge griechische Gott und die unbekannte geheimnisvolle Schönheit würden die Anzahl der interessierten Leser der hiesigen Klatschspalten erhöhen und was gut war für den Verlag, war auch gut für Haymitch Abernathy.

Doch als er Katniss schließlich sah, in ihrem viel zu kurzen, hautengen Kleid, komplettiert mit einem Paar schier endlos hohen Stiefeln aus Schlangenleder, ihr Blick gehetzt, mit Unsicherheit geprägt, wünschte er sich, ihr das niemals angetan zu haben.

Doch nun war es zu spät und in der endlos erscheinenden Menschenmenge suchte sie verzweifelt seinen Blick, fand ihn, krallte sich wie eine ertrinkende daran fest, bevor sie der Adonis an ihrer Seite davonzog und beide den roten Teppich verließen, um das weitläufige Museum der nächtlichen Veranstaltung zu betreten.

Resigniert atmete Haymitch tief ein, klappte den Kragen seines Mantels empor und drehte sich um, bereit die Szenerie den jungen und schönen Menschen dieser Stadt zu überlassen.

***

Ihre Füße waren nackt, kalt. Irgendwo zwischen Party und Taxi hatte sie ihre Stiefel verloren. Warum? Dies wusste sie nicht mehr. Dumpf, in ihrem Hinterkopf, hörte sie die Stimme der arroganten Stylistin, wie wertvoll die Schuhe doch waren. Doch bevor sie anfingen konnte sich darüber sorgen zumachen, tanzten ihre Gedanken weiter. Unermüdlich, so dass es Katniss fast schwindelig wurde.

Was immer ihr auch Finnick zwischen Party und anschließendem Club verabreicht hatte, es verfehlte nicht seine Wirkung und sorglos, sei es auch nur eine Illusion auf Zeit, wankte sie durch das dunkle Apartment, öffnete so vorsichtig, wie sie es mit ihrem vernebelten Verstand vollbrachte die Tür, stolperte über eine leere Flasche am Boden und erreichte schließlich das verheißungsvolle Bett.

Für einen kurzen Moment huschte durch ihren verwirrten Geist die Idee sich dem engen Kleid zu entledigen, doch eine schrille Stimme ihn ihrem Kopf riet ihr davon ab und ohne weiteres zögern schlug sie die Bettdecke zurück, kroch unter die wohlig warmen Daunen und legte ihren schweres Haupt an seine breite Schulter, froh darüber in der Dunkelheit seine Wärme zu spüren.

Als er ihren unnatürlich heißen Atem in seinem Nacken spürte, öffnete er irritiert die trockenen Augen, während sich ihre schmale Hand vertrauensselig auf seine Brust legte und ihr Körper sich gegen den seinen schmiegte.

Vollkommen verwundert die junge Frau neben sich zu finden, strich er sich das lange Haare aus dem Gesicht und fragte sich, was sie kurz vor Morgengrauen in seinem Bett verloren hatte, wenn Odair nur drei Häuserblocks weiter entfernt war…

„Katniss, was machst…“Erklang seine raue Stimme, doch entrückt, wie aus weiter Ferne vernahm er ihre Worte. „Ich habe gelacht.“ Flüsterte sie in die Dunkelheit und irritiert über den fremden Klang ihrer Stimme griff Haymitch aus, legte seine Fingerspitzen unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu ihm.  

Ihr aufwendiges, dramatisches Make-up war bis zur Unkenntlichkeit verschmiert und ihre Pupillen unnatürlich vergrößert. Diese huschten unruhig hin und her, während ihre Augen fiebrig glänzten. Es war unschwer zu erkennen, dass sie unter dem Einfluss eines Rauschmittels stand und innerlich verfluchte Haymitch seinen Assistenten für dessen Dummheit, mehr als bereit ihn am morgigen Tag dafür den Hals umzudrehen.

Von seinen Rachegedanken erfüllt, waren Katniss Augen immer noch auf die seinen geheftet, bis sich ihre Lippen zu einem Lächeln verzogen und ihr ebenmäßiges Gesicht in der Dunkelheit zum Strahlen brachte. „Ich habe gelacht, Haymitch.“ Wiederholte das Mädchen beseelt, so als wäre dies ein Wunder und glücklich vergrub sie ihr Gesicht in seinem Nacken, während ihre Hände haltsuchend nach seinen Armen ausgriffen.  

Seufzend, zu keiner Antwort fähig, von ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung mehr berührt als er es jemals eingestehen würde, drückte er sie fest an seine Brust, küsste sanft ihr seidiges Haar und hielt sie fest. Wohlwissend, dass kein Tropfen Alkohol, kein Betäubungsmittel half der Trostlosigkeit des Seins zu entfliehen.

***

„Der Plan war euch beide als Liebespaar zu vermarkten, Finnick, und nicht Katniss unter Drogen zu setzten!“

Haymitchs Tonfall war harsch, bereit Glas zuschneiden, während er sich zornig mit den Handflächen an der Tischkante seines schweren Schreibtisches abstütze, doch der jüngere Mann schien von seinen Worten nicht beeindruckt zu sein.

Beide befanden sich in einem der oberen Stockwerke der Glaspaläste von Panem Productions. Die aufgehende Morgensonne beschien das großzügig angelegte Büro, tauchte alles in ein goldenes, sattes Licht und brachte Odairs bronzefarbenes Haar noch besser zur Geltung, während sich Haymitchs Falten im Gesicht sich noch klarer, tiefer abzeichneten.

Er hatte den ganzen gestrigen Tag damit verbracht Katniss schmale Hand zu halten. Wie nicht anders zu erwarten, hatte ihr Körper angefangen zu rebellieren und sie mit Fieberschüben und Krämpfen heimgesucht. So heftig, dass er kurz mit dem Gedanken gespielt hatte, sie in das nächstliegende Krankenhaus zu bringen. Doch schließlich gab er die Idee auf, nicht in der Lage dem Personal zu erklären in welchem Verhältnis er zu ihr stand und noch weniger, warum ihr Blut einen Rest von Rauschmitte aufwies.

„Ich konnte ihre Trauermine nicht mehr ertragen.“ Seufzte Finnick selbstgefällig. Dieser saß breitbeinig auf der Couch, den Arm lässig über die Lehne gelegt und erwiderte den Blick des älteren Mannes geradeheraus. „Wie soll man mir glauben, dass ich in jemanden wie sie verliebt bin?“ Zur Untermalung seiner Worte machte er eine lapidare Handbewegung. „Sie ist schön, ja, aber gleichzeitig entsetzlich langweilig, spröde...“

„Dies gab dir nicht das Recht ihr einer deiner Happy Pillen zu verabreichen!“ Fuhr Haymitch ihn an, immer noch um Selbstbeherrschung ringend. Wenn er gekonnt hätte, dann hätte er Finnick am Kragen gepackt und seinem Ärger über sein Verhalten, seine Arroganz freie Luft gemacht, aber so musste er sich zur Ruhe zwingen.

Es war seine Idee gewesen die beiden zusammenzubringen und viele gute Worte seinerseits Katniss gegenüber hatten überhaupt erst zu diesem Abend geführt. Trotzdem schäumte er vor Wut und konnte sich dem Gedanken nicht entziehen, dass der jüngere Mann fokussiert gehandelt hatte.

„Wenn ich gewusst hätte, dass die Kleine davon so tiefenentspannt wird hätte ich ihr etwas anderes gegeben.“ Finnick zuckte lapidar mit der Schulter, bevor er den Blick auf seine feinmaikürten Fingernägel richtete. „Du hättest sehen sollen wie gut sie auf dem Rücksitz war.“ Feixte Odair und suchte provokativ Haymitchs dunklen, abwertenden Blick. „Sie hat noch nicht mal protestiert als ich ihr meinen Finger in den Arsc…“

Das Geräusch von brechenden Knochen erfüllte den Raum.

Blut spritze und unweigerlich krümmte sich Finnick vor Schmerzen zusammen. Die Hände gegen das gebrochene Nasenbein gepresst.

Haymitch hätte nie gedacht, dass es in seinem Leben noch etwas geben würde für das es sich
zu kämpfen lohnte.

Doch scheinbar hatte sich das Blatt gewendet.
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