intra muros

von Nuxe
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 Slash
Dr. John Watson Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
28.03.2019
14.12.2019
53
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John betrat, beladen mit Einkäufen, die Wohnung in der Baker Street und beobachtete amüsiert wie Sherlock sich in derselben Sekunde geradezu aus seinem Sessel katapultierte.

„John! Ich muss los!“

Ein wenig verwirrt betrachte John seinen Freund nun schon. In den letzten Wochen hatte sich die Dynamik zwischen den beiden ein wenig verändert. Beide Männer hatten eine schwere Zeit hinter sich, eine Serie die von Unglück, Schmerz und Trauer gezeichnet war. Geendet hatte sie für John in einem Brunnen, kurz vor dem Ertrinken und für Sherlock mit einer neuen Schwester. Wann sie begonnen hatte war John nicht wirklich bewusst. War Marys Tod der Beginn? Oder hatte alles letztlich schon mit Sherlocks Sprung vom Dach des Barths begonnen?

John riss sich aus seinen Gedanken und bemerkte dass er seinem Freund nicht richtig zugehört hatte. „Bitte?“
„Nichts. Bis dann.“ Sherlocks Gesichtsausdruck war unergründlich, doch sein Blick berührte John.

John begann die Lebensmittel zu verstauen. Das sich Sherlock verabschiedete oder gar auf seine Rückkehr wartete um ihn zu informieren das er ausging, wie augenscheinlich eben, war neu. Sein Freund hatte eine Reihe kleiner neuer Verhaltensweisen eingeführt die John durchaus schätzte. Er zeigte sich aufmerksamer, rücksichtsvoller und weniger egoistisch. Zudem hatte John den Verdacht das Sherlock sich bemühte John an seinen Gedanken teilhaben zu lassen und klarer mit ihm zu kommunizieren. Natürlich waren sie weit entfernt davon miteinander zu sprechen. Über ihre Freundschaft. Ihre Gefühle. Das Erlebte. Seit sie vor einigen Wochen wieder in die renovierte Baker Street gezogen waren bemühte Sherlock sich sichtlich seinen Freund nicht zu verstimmen, doch auf Gespräche über Gefühle konnte John gerne verzichten. Er war sehr froh darüber seine Erinnerung an das Spiel, welches Eurus für sie geplant hatte, nicht ständig wieder in sein Bewusstsein zerren zu müssen. Nein, es war gut dass die verstörenden Gefühle und Erlebnisse tief verborgen waren, bei all den anderen Erinnerungen und Gefühlen mit denen sich John ungern befasste.

Als Johns Handy klingelte und Greg Lestrade ihn auf ein Feierabendbier einlud, schnappte er sich eine leichte Jacke und machte sich gut gelaunt auf den Weg.
Er traf den DI in der Nähe des Yards und sie gingen ein Stück zusammen, tauschten sich über neuen Klatsch und Tratsch im Yard aus und steuerten einen etwas weiter entfernten Pub an, in dem es neben Sport auf dutzenden Bildschirmen auch eine anständige Küche gab. Es war warm geworden in London und John genoss den Spaziergang und den Austausch mit Greg, der schon lange ein guter Freund geworden war.

„Sag mal John, wie geht es Sherlock?“ hörte er den anderen plötzlich fragen.  
„Wie meinst du das?“
„Naja… ihr seid ganz schön abgetaucht in den letzten Wochen.“
„Wir hatten zu tun Greg.“ antwortete John vage. Er wollte nicht ins Detail gehen, wusste er doch nicht genau in wie weit und ob Sherlock überhaupt über die letzten Wochen sprechen wollte.
„Sherlock rief mich an und sagte er habe derzeit keine Zeit für Fälle aus dem Yard… das ist… untypisch. Normalerweise kann es ihm doch nicht schnell genug gehen…“

John hielt inne und musste sich zusammen reißen Greg nicht mit offenem Mund anzustarren. Davon hatte er nichts gewusst. Und ja, das war untypisch für Sherlock. Sein Freund hatte ihn zwar angehalten wieder seine Vertretungsstelle in der Notaufnahme aufzunehmen und hielt sich auch selbst an einen, bei genauerer Betrachtung verdächtig geregelten Tagesablauf, doch John hatte dies auf die regelmäßigen Besuchen bei Eurus und die emotional anstrengenden Monate zurückgeführt. Sherlock hatte auf ihn weder gelangweilt noch gereizt gewirkt und keine seiner Nerv tötenden Verhaltensweisen an den Tag gelegt mit der er sein Umfeld sonst quälte wenn er nichts zu tun hatte.

„Keine Ahnung Greg, wirklich. Sherlock hat einiges um die Ohren und du weißt ja wie er –„ da wurde er schon von Greg´s Hand auf seinem Arm unterbrochen. Der DI grinste John zweideutig an, zwinkerte und nickte in Richtung eines Restaurants das sie gerade passierten. „Verstehe“ grinste er.
John folgte Gregs Blick. Das Restaurant mit edel gedeckten Tischen gehörte hatte einige Tische auf der kleinen Terrasse, gesäumt mit halbhohen Buchsbäumen in Kübeln, aufgestellt. Trotz der ersten warmen Tage standen neben Sonnenschirmen auch noch Heizstrahler bereit, so dass die Gäste unbesorgt draußen speisen konnten.

An dem Tisch wenige Meter vor ihnen saß Sherlocks hochgewachsene Gestalt im dunklen Anzug und hellem Hemd an einem rechteckigen Tisch, in ein intensives Gespräch vertieft. An der Tischseite neben ihm saß eine Frau die John nicht kannte. Sie war eine auffällige Erscheinung. Ihre langen blonden Haare fielen ihr über beide Schultern, die hohen Wangenknochen und vollen Lippen deuteten auf ein attraktives Gesicht hin. Sie trug eine dunkle Sonnenbrille und schien Sherlock aufmerksam zuzuhören und leicht zu nicken.

„Komm“ grinste John verlegen Greg zu und nickte auf die andere Straßenseite. Irgendwie wollte er den beiden nicht unbedingt begegnen, auch wenn er nicht genau wusste woher sein Widerwille kam. Er erinnerte sich daran, dass er Sherlock vorhin überhaupt nicht zugehört hatte und wollte unbedingt eine weitere Peinlichkeit vermeiden. Doch Greg hatte schon den Arm gehoben – „Sherlock!“
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