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... weil das Leben ein Geschenk ist

von Mira93
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Markus Eisenbichler OC (Own Character)
27.03.2019
03.03.2021
24
36.274
12
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 1.338
 
Kapitel 20

Zittrig versuchte Markus einen Schritt zu machen. Er hob vorsichtig sein linkes Bein an, ehe er es mit höchster Konzentration wieder auf den Fliesenboden der Veranda setzte. Die Krücken hielt er felsenfest in den Händen, sodass seine Knöchel fast schon weiß hervortraten. Voller Konzentration hatte er seine Zungen zwischen den Zähnen und Greta musste darüber fast etwas innerlich schmunzeln.

Nach wenigen Versuchen hatte er es heraus, wie es funktionierte und schaffte es eigenständig mit den Krücken einige auch zum Teil schnellere Schritte zu gehen.

„Wahnsinn“, murmelte er leise völlig versunken in seiner neuen Aufgabe. Gretas Gesicht war von einem großen Lächeln gekennzeichnet und sie jubelte innerlich laut vor Freude über diese wirklich wahnsinnig guten Fortschritte. An Markus Körperhaltung, die sich mit jedem sichereren Schritt mehr und mehr aufgerichtet hatte, bemerkte die junge Physiotherapeutin, dass ihm dieser Moment einen großen positiven Aufschwung für das Gemüt gab.

„Sehr gut“, lobte sie ihn und trat etwas näher an den Skispringer heran. „Das sieht fürs erste echt total gut aus. Hast du an irgendwelchen Stellen ganz speziell Schmerzen oder geht es soweit?“, Greta verschränkte die Arme und beobachtet Markus mit Adleraugen wie er sich über die Veranda bewegte. Jede Körperbewegung von ihm konnte ein Indiz für sie und ihre Therapieansätze sein.

„Es passt soweit“, meinte er mit zusammengebissenen Zähnen und drehte sich langsam zu Greta um. Ein Lächeln lag auf seinen Lippen. Sicher für normale Menschen wäre es ein zurückhaltendes Grinsen, aber Markus hatte bisher selten so einen Blick an den Tag gebracht.

„Wunderbar“, Greta nickte bestätigend und rieb ihre Hände aneinander. „Das wird auch jetzt jeden Tag etwas besser. Dein Körper muss sich erst wieder einmal daran gewöhnen“

Markus nickte und bewegte sich wieder auf Greta zu. „Ich glaub ich kann die Schanze schon riechen“, ein schelmisches Grinsen lag auf seinem Gesicht. Lachend schüttelte Greta den Kopf und ging ein paar Schritte auf ihn zu.

„Ich glaube auf die musst du dich noch ein wenig in Geduld üben. Aber eine erste Etappe dahin ist geschafft“, sie zwinkerte ihm zu und griff ihm etwas unter die Arme.

Markus wollte schon protestieren aber Greta sah ihn mit einem eindringlichen Blick an.
„Aber alles mit der Ruhe und Schritt für Schritt. Wir wollen uns doch nicht überbelasten und drei Etappen nach hinten fallen“

„Ey, ey Chefin, mit dir habe ich eh keine Wahl“, Markus zuckte mit den Schultern und ließ sich auf den Stuhl fallen, den Greta ihm zugeschoben hatte.

„Wie beim Autofahren“, erwiderte sie und Markus zog fragend eine Braue nach oben. Die junge Physiotherapeutin wandte sich etwas von dem Skispringer ab und griff in ihre Tasche mit dem Zubehör.

„Niemand schaltet gleich vom Stand in den fünften Gang. Erst kommt der erste, dann der zweite. Jeder zu seiner Zeit, nach und nach“

„Der Vergleich hinkt schon ein bisschen oder?“, Markus war ihr mit seinem Blick gefolgt und Greta wandte sich Gummibändern in den Händen um.

„Ich finde den Vergleich eigentlich schon sehr schön und anschaulich“, erwiderte sie nachdenklich und ging in die Knie, um Markus, das Band um beide Füße zu legen.
„Versuch mal die Beine auseinander zu bewegen“, wies sie ihn an und legte dabei eine Hand auf seine Wade.

Der Skispringer tat wie ihm geheißen und signalisierte Greta mit einem Nicken, dass es sehr gut funktionierte.

„Gut dann machen wir davon jetzt 20 Wiederholungen“, die Physiotherapeutin nickte und ließ seine Knie nicht aus den Augen.

„Du vergleichst mich also mit einem Wagen nett, nett“, griff Markus das Gespräch von vorhin auf und schüttelte den Kopf. „Sportwagen aller erster Klasse würde ich sagen“, meinte er streckte seinen Kopf stolz empor.

Greta lachte auf und sah ihn mit einem schelmischen Grinsen: „Momentan aber mit einem Totalschaden. Gut, dass es eine Vollkaskoversicherung gibt oder?!“, neckte sie ihm und der Skispringer schnappte nach Luft. Diese Aussage hätte er von Greta nicht erwartet.

„Ist das dein letztes Wort?“, mit zusammengekniffenen Augen sah er sie an.

„Halt lieber die Klappe und mach deinen Übungen“, sie lachte kopfschüttelnd und bedeutete ihm mit einem Druck auf der Wade, dass er fortfahren sollte.

„Dein Umgangston gefällt mir gerade gar nicht“, neckte er sie weiter mit einem spielerisch ernsten Gesichtsausdruck.

„Achso das hat gestern aber noch ganz anders ausgesehen“, erwiderte sie wie aus der Pistole geschossen und hielt augenblicklich inne. Upps, das wollte sie jetzt wirklich nicht sagen. Am liebsten hätte sich Greta jetzt selbst eine Ohrfeige gegeben.

„Sorry, das wollte ich jetzt nicht sagen“, erwiderte sie leise und stand auf, um das Gummiband in ihrer Tasche zu verstauen.
… und um ihren hochroten Kopf vor Markus zu verstecken.

Dieser musste erst einmal schlucken und folgte seiner Therapeutin mit seinem Blick. Das Schweigen, das die nächsten Sekunden zwischen ihnen herrschte, war fast erdrückend. Nur das Plätschern des Pools und das entfernte Rauschen des Meeres, schaffte es dass die Ruhe auf der Veranda nicht völlig in sich versank.

„Du glaubst aber nicht, dass ich mit dir spiele und dich deswegen geküsst habe oder?“, schließlich war es Markus, der das Schweigen brach.

Greta hatte ihm immer noch den Rücken zugekehrt und sortierte etwas in ihrer Tasche. Bei seinen Worten hielt sie plötzlich inne und drehte sich abrupt zu ihm um.

„Was nein, Markus …“, stammelte sie mit weit aufgerissenen Augen und schüttelte zur Bestätigung den Kopf. „Das habe ich zu keiner Zeit gedacht. Nie!“

„Gut“, er nickte leiser mit ruhiger Stimme und sah auf seine Hände. „Ich bin nicht der Badboy über den die Zeitungen immer schreiben“

„Den Qutasch in den Magazinen lese und erst recht glaube ich das nicht“, Greta zog sich einen Stuhl zu ihn heran und strich kurz zur Bestätigung über die Hand von Markus.

„Ich hab dich geküsst, weil ich dich wirklich sehr, sehr gerne mag Greta und du alles irgendwie ein bisschen heller und fröhlicher machst“, fast schüchtern schaute Markus schließlich zu Greta auf und griff nach ihrer Hand, die ihn eben noch berührt hatte. Gretas Herz klopfte etwas und sie spürte wie ihr Mund trocken wurde. Passierte dieser Moment hier gerade wirklich?
„Und der Abend gestern echt wunderschön war!“, kam Markus zum Schluss. Das Plätschern des Pool war es wieder, das die Stille zwischen ihnen füllte. Greta brauchte ein paar Momente, um sich erst einmal zu sammeln. Das was Markus gerade zu ihr gesagt hatte, fühlte sich immer noch so unreal an.

„Ich …“, fing sie an und strich sich nervös eine Strähne aus der Stirn.

„Holla queridos amigos“, laut rumpelnd, mit einem breiten Grinsen standen plötzlich Andreas und Karl auf der Veranda von Markus.

Markus ließ die Hand von Greta los und warf ihr nur noch einen Blick zu, den die junge Frau nicht deuten konnte.

„Pius hatte eine sagenhafte Idee“, Karl verlor keine großen Worte und ließ sich schnaufend in den Liegestuhl fallen. Von Greta und Markus, die beide nah beieinander sich gegenüber saßen, nahmen die beiden keine Notiz.

„Er hat einen kleinen Bus gemietet und wir wollen morgen einen Ausflug machen“, fuhr Andreas für Karl fort, der sich auf dem Liegestuhl in der Sonne rekelte.

„Schön“, erwiderte Markus trocken und kniff die Augen zusammen. „Und was ist mit dem Training?“

„Ruhetag“, gab Karl von sich und streckte die Hände gen Himmel.

„Und was ist´s?“; fragend sah Andreas zu Greta und Markus. „Seit ihr dabei?“

„Die anderen außer und beiden und Pius wollen lieber faulenzen“; gab Karl von sich und schüttelte völlig verständnislos den Kopf.

„Wo geht es denn überhaupt hin?“, auch Greta schloss sich nun der Konversation an. Ihr Herzschlag hatte sich wieder etwas beruhigt und ihre Gedanken waren deutlich klarer.

„Wir hätten an Gibraltar gedacht.“, antwortete Andi und setzte sich neben Markus auf einen freien Stuhl. „Oder ist das zu weit für Markus?“

„Von Nerja bis dorthin müssten es gut zweineinhalb Stunden sein. Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist.“, erwiderte Greta und wandte sich an Markus: „ Zumindest aus meiner Sicht, entscheiden musst es du selber“

Markus nickte und warf Greta einen nachdenklichen Blick zu:“ Ich glaube auch, dass ein bisschen Abwechslung nicht schaden würde und die Gegend wollte ich auch sehen“

„Super“, Karl klatschte in die Hände und lächelte erfreut.
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