Wie ein Adler in der Luft

GeschichteDrama, Romanze / P18
Andreas Wellinger Markus Eisenbichler
27.03.2019
05.11.2019
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„So ein Scheiß…“ grummelte Markus vor sich hin und warf wütend die Handschuhe in eine Ecke des Aufenthaltsraum: „Ich verstehe es einfach nicht. Warum habe ich es mal wieder so verbockt.“

„Du hast es verbockt? Dann frag mich erstmal.“ Andi saß auf der Bank und sah miesmutig zu Boden. Seine Ski lagen achtlos in der Ecke und als Markus ihn ansah, merkte er, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.

Anscheinend hatte ihm der Streit mit Susi doch mehr zugesetzt, als sie alle gedacht hatten. Wenn er so darüber nachdachte, wurde ihm auch erst jetzt richtig bewusst, wie still Andi die letzten Tage gewesen war.

„Darf ich dich mal was fragen, Andi?“ fragte Markus vorsichtig und setzte sich neben ihm auf die Bank. Da Andi keinen Ton von sich gab, interpretierte er das als Ja.

„Hast du eigentlich die Tage mal mit Susi geschrieben und versucht die Sache zu klären?“ Markus ahnte schon, wie die Antwort ausfallen würde und machte sich auf das schlimmste gefasst.

Andis Stimme zitterte, als er begann zu sprechen: „Nein. Ich habe immer wieder versucht eine Nachricht zu schreiben. Wusste dann aber nicht wie ich anfangen sollte. Und was hätte ich ihr am Telefon sagen können, was sie nicht eh schon weiß.“

Markus tat es ehrlich leid, Andi so zu sehen. Gerade hatte er nicht viel von dem sonst so fröhlichen und immer gut gelaunten Springer, der er sonst war.


„Du denkst wahrscheinlich auch ich bin total verrückt, da wir uns ja kaum kennen, aber ich mag Susi wirklich gern. Sie ist so ganz anders, wie die anderen Mädels.“ jammerte Andi, der gerade immer weiter im Selbstmitleid versank.

„Erstens bin ich der letzte, der darüber urteilen kann.“ grinste Markus etwas verlegen, fuhr dann aber unbeirrt fort: „Und Zweitens. Wenn dir wirklich so viel an ihr liegt, dann nutz die Zeit morgen und fahr zu ihr. Entschuldige dich und versuch die Sache wieder gerade zu biegen.“

Andi sah ihn zweifelnd an und wollte gerade weiter jammern, da ging Markus dazwischen: „Du bist doch sonst auch nicht auf den Mund gefallen und wer den Karren in den Dreck fährt, der muss ihn auch selbst wieder herausziehen.
Susi macht nach der Nummer garantiert nicht den ersten Schritt auf dich zu. Ich weiß, wie du dich fühlst, aber du musst dich jetzt mal zusammenreißen. So wie du heute gesprungen bist, warst du eine Gefahr für dich selber und das nutzt keinem etwas.“

Gegen Ende redete Markus immer energischer auf Andi ein, aber er wusste, dass er Recht hatte. Er hatte die Blicke der Trainer nach Andis Sprung gesehen und er wusste, dass er auch von Werner nachher noch etwas zu hören bekommen würde.

Sie kannten sich jetzt schon so lange und Markus wusste, dass Andi jetzt kein Mitleid sondern ehr den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern brauchte.

Markus sah ihn eindringlich an: „Versprichst du mir, dass du morgen zu ihr fährst und die Sache in Ordnung bringst?“

Andi wusste, dass er keine Chance hatte. Markus würde nicht loslassen, bis er es ihm versprach. Er würde ihn sogar bis vor die Tür schleppen und so sagte er: „Okay. Ich fahre morgen zu ihr. Aber was mache ich, wenn sie nicht mit mir sprechen will?“

Markus verdrehte innerlich die Augen: „Dann bleibst du solange hartnäckig, bis sie mit dir redet. Du gibst doch sonst auch nicht so schnell auf!“  

Markus klatschte in die Hände. Er durfte Andi jetzt nicht weiter darüber nachdenken lassen: „Dann lass uns mal zu den anderen gehen. Werner schickt sonst noch den Suchtrupp los.“

Er sah, wie sich Andis Miene etwas aufhellte, als er ihm die Hand hinhielt um ihm aufzuhelfen.

„Danke!“ kam es leise von Andi. Doch in der Art, wie er es sagte, lag noch viel mehr unausgesprochenes.
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