Wie ein Adler in der Luft

GeschichteDrama, Romanze / P18
Andreas Wellinger Markus Eisenbichler
27.03.2019
05.11.2019
37
52437
8
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Dieses Kapitel
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Lieben Dank an Leseratte10 für deine Review. Ich freue mich immer riesig, wenn euch die Kapitel so gut gefallen :)



„Oh man Andi… da bist du mal wieder ganz schön über das Ziel hinausgeschossen.“ Markus saß mit dem Rücken an die Wand gelehnt, auf dem Boden und sah zu Andi hinüber, der im Schneidersitz auf seinem Bett saß.

„Ich weiß… und es tut mit auch so verdammt leid. Aber in dem Moment kam ich mir einfach so verarscht vor von Susi… Je länger ich darüber nachdenke, desto schlimmer komme ich mir vor.“

Markus verschränkte seine Arme vor der Brust und sagte: „Ja das war ziemlich dumm. Aber ich kann dich auch in gewisser Weise verstehen. Ich weiß auch nicht, wie ich reagiert hätte, wenn eine von Lenis Freundinnen so auf mich eingeredet hätte.“

„Ja ich war in dem Moment wie vor den Kopf gestoßen und der Rest war eine totale Kurzschlussreaktion. Ich weiß nicht, wie ich dann auf die Idee gekommen bin, Susi so anzufahren. Und als sie dann zurückgeschrien hat, ist es ganz eskaliert.“

Andi stand die Tränen in den Augen und Markus wusste, dass es nur die reine Selbstbeherrschung war, die sie zurückhielten: „Naja stell mal vor, dich würde jemand von jetzt auf gleich so anfahren. Und es tut mir leid, dass so zu sagen, aber du kannst echt gemein werden, wenn du wütend bist. Da ist es nicht verwunderlich, dass Susi so reagiert hat.“

„Du hättest sie mal sehen sollen. Ihr stand die Enttäuschung und auch Wut richtig im Gesicht. Ich konnte nicht mehr und musste weg. Das hat es wahrscheinlich auch nur noch schlimmer gemacht. Ich komme mir so blöd vor. Wie der letzte Idiot.“ gestand Andi. Im wurde jetzt, wo er das ganze nochmal laut aussprach, erst richtig bewusst, wie dämlich er sich verhalten hatte.

Andi tat ihm wirklich leid. Er saß wie ein Häufchen Elend auf seinem Bett und schien nicht zu wissen, wohin mit sich. Er musste einfach versuchen ihn wieder etwas aufzumuntern. In seinem jetzigen Zustand konnte er Werner nicht unter die Augen treten, ohne die ganze Geschichte nochmal zu erzählen. Und Markus wusste, dass das das letzte war, was Andi jetzt gebrauchen konnte.

„Hör mir jetzt mal zu. Wir wissen beide, dass du dich ziemlich danebenbenommen hast und dass du dann einfach verschwunden bist, hat die Situation auch nicht wirklich besser gemacht. Aber denkst du nicht, dass sich die ganze Sache vielleicht klären lässt, wenn du nochmal mit Susi in Ruhe sprichst und dich entschuldigst?“ schlug Markus ihm vor.

Doch Andi sah ihn nur skeptisch an und Markus sprach weiter: „Ich meine, du sitzt hier und kannst keinen klaren Gedanken fassen und Leni hat mir geschrieben, dass Susi zu Hause sitzt und sich die Augen ausheult, wegen dir. Dass würde sie ja nicht machen, wenn ihr nicht was an dir liegen würde. Dann steh dazu, dass du riesen großen Mist gebaut hast und entschuldige dich bei ihr. Erkläre ihr, warum du dich so verhalten hast. Auch wenn es dich einiges an Überwindung kostet, aber das bist du ihr Schuldig, nach deinem Verhalten.“

„Ich habe es wirklich verkackt, oder?“ hob Andi fragend die Augenbrauen und sah Markus direkt an.

Bei diesem Eingeständnis musste Markus doch schmunzeln und war froh, dass seine Worte doch zu Andi vorgedrungen waren. Er hob vielsagend den Zeigefinger und sagte großtuerisch: „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.“ Noch ehe er wirklich zu Ende gesprochen hatte, traf ihn ein Kissen am Kopf.

„Du und deine Lebensweisheiten. Ich warte ja auf den Tag, wo du mal keine direkt parat hast.“ lachte Andi und er merkte, wie er sich schon wieder etwas besser fühlte. Die Gespräche mit Markus hatten irgendwie therapeutische Wirkung, aber das durfte man ihm bloß niemals sagen.

Da klopfte es an der Tür und Karl steckte seinen Kopf herein: „Wie sieht es aus? Seid ihr fertig? Wir sollen in fünf Minuten unten bei Werner sein.“

Markus kramte sein Handy heraus und sah auf die Uhr. Er hatte ganz vergessen auf die Zeit zu achten. Werner hatte für den Nachmittag noch eine Teambesprechung angesetzt, bevor morgen die Qualifikation startete. Schnell standen sie auf und folgten Karl nach unten, wo schon der Rest der Mannschaft auf sie wartete.


*


Susi lag auf der Couch und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Es war das erste Mal seit zwei Stunden, dass sie nicht schluchzend vor ihrer Schwester saß. Leni hatte eine Kanne Tee aufgebrüht und wartete nun schon eine ganze Weile darauf, dass Susi sprach. Doch immer wieder, wenn sie sich etwas gefasst hatte und anfing zu erzählen, überkam sie eine neuer Heulanfall.

Doch langsam schien es besser zu werden und Susi erzählte Leni die ganze Geschichte, wobei sie jedoch immer wieder unterbrechen musste. Leni tat es unglaublich leid, ihre Schwester so zu sehn. Sie hatte Andi ehrlich gesagt, gar nicht so eingeschätzt, aber man konnte den Menschen ja auch immer nur vor den Kopf gucken.

„Oh man Susi, dass tut mir so unendlich leid. Du glaubst gar nicht wie sehr.“ sagte Leni und fuhr ihrer Schwester mit der Hand tröstend über den Rücken.

„Du hättest mal sehen sollen, wir er mich angeschrien hat. Er hat geschrien, das hätte ich nie von ihm gedacht. Als wäre ich eine Verrückte. Dabei war ich doch genauso überrumpelt von Annikas Reaktion. Ich hatte ja keine Ahnung, dass sie so ein großer Skisprungfan ist.“ als Susi darüber sprach, merkte Leni wie sie vor Aufregung anfing zu zittern.

„Das glaube ich dir und Andi ist ja ein ganz schöner Idiot, wenn er dir das Absichtlich unterstellt, aber meinst du nicht, dass er vielleicht genauso überrumpelt war von Annika? Ich glaube, dass es manchmal schon ziemlich viel werden kann, wenn völlig fremde Leute auf einem einreden.“ versuchte Leni Susi etwas zu beruhigen. Klar hatte Andi ziemlich daneben benommen, aber sie wusste auch, dass Annika einem ganz schön auf die Nerven gehen konnte. Sie hatte nie wirklich verstanden, warum Susi mit ihr befreundet war.

„Nimmst du ihn jetzt etwa in Schutz?“ fragte Susi entsetzt.

„Nein das mache ich nicht. Aber ich glaube, dass Andi einfach überreagiert hat. Klar hat er sich wirklich blöd verhalten, aber meinst du nicht, es tut ihm leid?“ sah Leni ihre Schwester fragen an.

Susi sah ihre Hände an. Sie hatte die Nacht bei einer anderen Freundin verbracht, da sie gestern Abend nicht mehr mit dem Zug fahren wollte. Ihre Hände waren dementsprechend voll mit Maskara, da sie es noch nicht geschafft hatte zu duschen.

Nachdenklich sagte sie: „Ja das kann schon sein, aber warum hat er sich dann noch nicht bei mir gemeldet? Er hätte mich ja wenigstens mal anrufen oder mir schreiben können, um sich zu entschuldigen. Aber trotzdem war sein Verhalten einfach scheiße.“

Ende hin bemerkte Leni, wie sich Susis Gesichtszüge wieder verhärteten. Aus Erfahrung wusste sie, dass es jetzt besser war, sie etwas in Ruhe zu lassen. So stand Leni auf und ging auf den Balkon um etwas frische Luft zu schnappen und mal einem klaren Gedanken fassen zu können.
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