Geschichtenklau, erste Maßnahmen & Reaktionen

GeschichteDrama / P12
25.03.2019
25.03.2019
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Liebe Leser*innen dieses offenen Briefes,

liebe Operator*innen,

liebe andere Autor*innen,

liebe vom Diebstahl Betroffene,

vor nun mehr als einer Woche wachte ich an einem Sonntagmorgen auf und frühstückte ausgelassen, das Wetter war in Ordnung und ich war guter Dinge, schließlich war es Sonntag und an diesem Tag setze ich mich meistens vor mein Notizbuch oder gleich den Laptop, um mich meinem liebsten Hobby zu widmen – dem Schreiben.

Erst im September 2015 habe ich damit angefangen, das ist noch nicht so wahnsinnig lange her, aber aufgrund der Tatsache, dass ich meine Fanfictions einem Publikum präsentieren konnte, erhielt ich Rückmeldung, die mir dabei half, besser zu werden.

Mit der Zeit entstanden eigene Ideen am heimischen PC, erst traute ich mich an AR-Erzählungen, mittlerweile plane ich regelmäßig freie Erzählungen von vorne bis hinten durch und pflege verschiedene Notizzettel, auf denen die Figuren ihre Persönlichkeit erhalten, um mehr als eine Schablone zu sein. Das hoffe ich jedenfalls.

Zwar habe ich schon häufig über das Self Publishing nachgedacht, mich aber bisher dagegen entschieden, weil ich mich mit dem Drumherum, das mit Steuern etc. zu tun hat, nicht einmal im Ansatz auskenne und außerdem den persönlichen Austausch auf Fanfiktion.de sehr zu schätzen weiß, auch wenn meine Zielgruppe eine sehr kleine ist.

Nun kam es an jenem Sonntag, den ich zu Beginn erwähnte, dazu, dass ich wie gewöhnlich mein privates Mail-Postfach bei GMX öffnete, um zu schauen, ob sich etwas getan hat. Es war wie immer: Mindestens fünfzehn Mails von der Jobbörse meines Vertrauens und mittendrin dieser eine Absender, der mein Herz immer ein kleines bisschen höher schlagen lässt.

Fanfiktion.de – Alerts

Darin stand, dass ich eine Mail über mein Profil erhalten hätte, welche ich dann auch sogleich lesen wollte. Es hätten viele Mails sein können. War es eine private Nachricht einer der Autor*innen, mit denen ich sowieso in lockerem Kontakt stehe? War es vielleicht sogar ein Gastkapitel für meine Kolumne?

Weit gefehlt, es war keines von beidem.

Der Betreff ließ meine Augen sogleich groß werden: „Deine Geschichte ‚Die Gestalt des Universums‘ wurde geklaut und auf Amazon veröffentlicht“

Wow, in Ordnung. Wie das so ist, wenn man eine solche Nachricht mitgeteilt bekommt, wird man nervös, vielleicht erhöht sich sogar der Puls, weil man sich in die Enge getrieben fühlt, oder aber man verspürt Trotz, weil man sich denkt, dass sich da jemand einen wirklich üblen Scherz erlaubt. Dennoch musste ich mich der Nachricht stellen.

Ich las die kurze Nachricht einer anderen betroffenen Autorin durch und begann sofort meine Recherchen. Tatsächlich – im Amazon Kindle-eBook-Shop fand ich eine Erzählung unter einem wirklich schlechten Abklatsch des Titels, die genau dieselbe Kurzbeschreibung wie meine unvollständige Erzählung hatte.

Das ist ziemlich verdächtig, also meldete ich mich für den Probemonat von ‚Kindle Unlimited‘ an, um einen Blick in das eBook zu werfen. Da traf mich nun endgültig der Schlag. Es war meine Erzählung, die Wort für Wort dort geschrieben stand.

Jedoch hatte der Dieb das Motto der Erzählung, auch die Titel der einzelnen Kapitel entfernt. Ebenfalls neu war ein äußerst grottiges Cover, das den Text für potenzielle Käufer schmackhaft machen sollte, doch würde es mich wirklich wundern, hätte jemand das Buch tatsächlich gekauft, denn das Buchcover ist an sich eine Anzeige wert…

Doch auf die Beschaffenheit des Corpus Delicti möchte ich in einem anderen, gesonderten Abschnitt eingehen.

Zurück zu meinem Sonntagmittag, den ich nun damit verbrachte, Screenshots zu machen, Webseiten in PDFs zu verwandeln und Beschwerde-Mails an Amazon zu verfassen, weil dort jemand ohne Erlaubnis meine Erzählung verschacherte.

Zwar für kleines Geld, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Außerdem schrieb ich dem FF.de-Support, weil mir in der ersten Benachrichtigung gesagt wurde, dass es noch eine ganze Reihe anderer Betroffener gäbe, die sich in einem eigenen Thread austauschten und Kontakt zueinander herstellten.

Diesen Thread fand ich einen Tag später, und ich war äußerst schockiert. Im ersten Moment jedenfalls, denn ohne einen Überblick scheint einfach die halbe Welt von diesem Diebstahl betroffen, doch ließ sich die Anzahl auf etwa fünfzehn bis zwanzig Autor*innen eingrenzen, die Amazon mit Mails überschütteten.

Wir rezensierten die gestohlenen Werke außerdem sehr negativ und wiesen in jeder einzelnen Rezension darauf hin, dass es sich bei den eBooks um gestohlenes Material handelte, das auf Fanfiktion.de dreist kopiert wurde, um es auf Amazon unvollständig zu verkaufen.

Zahlen sind uns nicht bekannt, wir wissen also nicht, wie viele Leute darauf reingefallen sind und die Bücher gekauft haben.

Mittlerweile scheinen die Plagiate alle aus dem Verkauf genommen worden zu sein, jedenfalls ist das die letzte Info, die die meisten von uns von Amazon erhalten haben. Offenbar hat der Aufstand etwas gebracht, denn wenn alle Erzählungen gleichzeitig verschwinden und Amazon ziemlich vage mit „scheinbar aus dem Verkauf entfernt“ antwortet, hat der Dieb vermutlich kalte Füße bekommen und versucht es vielleicht später erneut.

Oder aber er wechselt seine Masche.

Dieser offene Brief wird in einem nächsten Kapitel darauf eingehen, wie dieser Diebstahl insgesamt aufgezogen wurde. Fangen wir mit der Gestaltung des Plagiats zu meiner Erzählung an.
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