Aconitum

GeschichteAllgemein / P12
Remus "Moony" Lupin Severus Snape
25.03.2019
25.03.2019
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Aconitum


für Augurey



Severus beugt sich tief über das Pergament. Seine Haare fallen zu den Seiten seines Gesichtes  auf den Schreibtisch, und als wäre dies nicht Mauer genug, hat er sämtliche Bücher, die ihm beim Aufsatzschreiben behilflich sein könnten um seine Ecke am ansonsten an diesem sonnigen Tag unbesetzten langen Tisch in der Bücherei zu Türmen aufgeschichtet. Eigentlich ist der Aufsatz erst in einer Woche fällig, eigentlich könnte auch er draußen sein, vielleicht auf einer Bank sitzen und lesen, vielleicht am See spazieren – mit Lily. Aber nein, die würde doch sowieso viel lieber mit den so selbstverliebt selbstbetitelten Rumtreibern abhängen, wie sie es in letzter Zeit so gerne tut, sowieso immer tut, seit er-

In seinem Ärger hat er die Spitze des Federkiels zu fest aufgedrückt und einen hässlichen Tintenfleck geschaffen. So vorsichtig, wie es ihm mit vor Wut bebenden Händen gelingt legt er ein Blatt Löschpapier auf den entstandenen Fleck, wohlbedacht, dass niemand ihm dabei zusehen kann, doch die Bücherei ist ansonsten leer. Muss ja nicht gleich jeder wissen, dass ihm ein simpler Fleckentferner-Zauber noch immer schwer fällt. Doch er war ja schon immer besser darin, Schaden anzurichten, als ihn ungeschehen zu machen, oder auch nur einzudämmen. Ein paar Mal atmet Severus tief durch und beschwört sich, weder in Selbstmitleid noch in Wut zu versinken, dann fokussiert er seine wandernden Gedanken wieder auf das Thema, dem er seinen Aufsatz zu widmen sich entschieden hat. Wolfswurz, Eisenhut. Aconitum, der wissenschaftliche Name klingt gleichsam viel magischer. Auch wenn er nicht daran glaubt, den Trank, über den zu schreiben er sich entschieden hat, je verabreichen zu müssen, fasziniert ihn der Gedanke dahinter. Ein Trank, der das Monster im Menschen besänftigt; der die entsetzlichen Zwänge, die fürchterlichen Gelüste im Zaum hält. Eigentlich lernt man ihn nicht schon während der Schulzeit zuzubereiten, er wird also wieder mal wirken wie ein Streber, der sonst nichts zu tun hat – und wo wäre da die Lüge? Sei ganz ehrlich zu dir selbst, Severus – doch das ist ihm egal, denn Faszination und Forschungsinteresse wiegen mehr als alles, was andere über ihn oder zu ihm sagen könnten. Wenn sie ihn nur in Ruhe lassen, vor allem natürlich Potter und seine Bande verdorbener Widerlinge, wenn er die restliche Schulzeit noch unbehelligt wird absitzen können, dann heißt es: Freiheit. Er ist noch nicht sicher, wohin es ihn ziehen wird, was er mit seinem erworbenen Wissen und Können anfangen möchte, doch die Hauptsache ist, dass er nicht mehr tagein tagaus unter hunderten Teenagern und ihren hirnlosen Kommentaren leben muss. Er lässt gerade so viel Ärger zu, dass er das Gefühl in Motivation umwandeln kann – auch mit Emotionen geht Severus um wie mit Zaubertrankzutaten, die nur wohldosiert einzusetzen sind – und setzt seinen Aufsatz fort, bemüht, nicht mehr auf den inzwischen trockenen aber noch immer hässlichen Fleck zu starren.

So vertieft ist er in sein Schreiben, dass es ihm erst nach einigen Minuten auffällt, dass jemand in die Bibliothek gekommen ist und sich einen Platz am anderen Ende des großen Tisches ausgesucht hat. In einer Pause vom Schreiben, in der er seine verkrampfte Hand ausschüttelt, lässt Severus den Blick durch den Raum schweifen, und als ihm auffällt, wer ihm da gegenüber sitzt, verzerrt sich sein Gesicht unwillkürlich zu einer hässlichen Grimasse. Lupin, einer der beiden Mitläufer die ihren Herren Potter und Black so dumpf folgen als hätten sie noch nie einen eigenen Gedanken gehabt. Na, immerhin scheint Lupin alleine in die Bücherei gehen zu können, ohne dass der Rest des Rudels einen Aufstand wagt. Severus schnaubt. Remus hebt den Kopf, scheint sich erst aus den eigenen Gedanken lösen zu müssen als sei er aus rauchigen Wolken herabgestiegen und dann … lächelt er. Es ist ein sehr kleines und schüchternes Lächeln, das nur für den Bruchteil einer Sekunde in seinem Gesicht aufblitzt, und es erschreckt Severus fast. Er lässt sein Gesicht zu einer steinernen Maske werden und richtet seinen Blick starr auf sein Pergament, so lange, bis er den Aufsatz fertig gestellt hat, und hastig aus der Bibliothek fliehen kann.

Die Tage kommen und gehen, die anderen der Jugendlichen in Hogwarts verbringen ihre Zeit draußen. Auch Lily, wahrscheinlich, das weiß Severus nicht, schließlich sitzt er in der Bibliothek und versucht, nicht an sie zu denken. Und immer häufiger sitzt dort auch Remus. Immer am gleichen Platz, am anderen Ende des Tisches, Severus schräg gegenüber. Und immer wieder lächelt er. Schüchtern, aber standhaft und hoffnungsvoll bildet er eine Konstante in Severus‘ täglichem Rhythmus, und als es dem eines Morgens auffällt, dass er sich sorgen würde, wenn Lupin plötzlich nicht mehr auftauchen würde, bleibt er aus Trotz und Schrecken an diesem Tag selber fern, nur um am Tag danach wieder aufzutauchen. Man könnte sogar fast sagen, er lächelt zurück. Nun, er schaut zurück, und das, ohne Hass im Blick, und mehr kann man vielleicht auch nicht erwarten. Also erwartet Remus nicht mehr, lächelt weiter und spricht nie.

Als die beiden Jungen eines Tages wortwörtlich ineinander rennen, als sie in entgegengesetzte Richtungen – doch beide zu spät, beide irgendwie aufgewühlt – um eine Ecke im Gang biegen, ist es wohl das letzte, was jeder von beiden wollte. Sie sehen sich an, erschrockene braune in erschrockenen schwarzen Augen, Remus presst eine Hand auf den Magen, dort, wo ihn Severus Ellbogen getroffen hat. Der bückt sich sofort, seine gefallenen Bücher aufzuheben, vielleicht hat er ein „Entschuldigung“ gemurmelt, vielleicht hat Remus es sich eingebildet. Als Severus wieder aufsieht, ist es, als wollte er etwas sagen, das ganze Ungesagte zuckt um seine Mundwinkel und fast möchte Remus einspringen und selbst das Wort ergreifen, doch was Severus dann sagt, hat wohl keiner wirklich erwartet. Nicht jetzt, nicht so, nicht als allerersten Satz, den die beiden wechseln. „Lily“, sagt Severus. „Ich seh‘, sie jetzt ständig mit euch, mit Potter, und sag mir nur eins: sie mag ihn wirklich oder? Er hat sie  nicht verhext oder so, weil, wenn er das hat, dann …“ Er spricht nicht weiter, denn keine Drohung könnte in Worte fassen, was er tun würde, dann.

Remus hat diese Frage nicht erwartet, doch er sammelt sich schnell. „Nein! Sie und James mögen sich echt, da ist nichts im Spiel, was ihren Willen ausgeschaltet hat“, antwortet er. Severus nickt knapp, eilt weiter, und vielleicht bildet er es sich ein, vielleicht hat er hinter sich gehört, wie Remus hinzugesetzt hat: „Aber es ist nett, dass du dich sorgst.“

...


Mehr als eine Dekade später sind es wieder erschrockene braune Augen die auf erschrockene schwarze Treffen, als hätte keiner von beiden den anderen erwartet. Dabei war es Severus, der an Remus‘ Bürotür geklopft hatte, und Remus, den Dumbledore darauf vorbereitet hatte, dass der Tränkemeister bei ihm auftauchen würde.

Severus tritt ein und lässt seinen Blick durch den Raum schweifen. Mit den vielgenutzten, abgewetzten Nachschlagewerke, die nun sämtliche Regale bevölkern, sieht es schon eher wie das Büro eines Lehrer aus, als Lockharts Zimmer im Vorjahr, doch Severus kann nicht ändern, dass ihm immer, wenn er das Büro des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste betritt, Überlegungen durch den Kopf schießen, wie er selbst es denn einrichten würde. Das sagt er nicht, stattdessen streckt er Lupin nur stumm den Becher hin. Dessen Augenbrauen heben sich fragend, und erst da geht Severus auf, dass Dumbledore dem neuen Lehrer wahrscheinlich einfach nicht erzählt hat, weshalb er ihn aufsuchen würde - wenn er ihn denn überhaupt auf sein Erscheinen vorbereitet hatte. Jetzt saß der alte Mann vermutlich seinerseits im Büro und lachte vergnügt ins Fäustchen, wenn er sich das Zusammentreffen der beiden Männer ausmalte, die zu Schulzeiten gewiss keine Freunde gewesen waren – was auch immer sie gewesen waren.
„Hier. Wolfsbanntrank“, erklärt Severus, drängt dem anderen den Becher fast auf. „Ich werde ihn dir drei Tage vor den Vollmondnächten zubereiten und du wirst sehen, oder eher spüren, wie du du selbst bleibst. Auch wenn dein Äußeres sich … verändert.“
Das Büro liegt im Halbdunkel nur einiger Kerzen, worum nun beide froh sind. Remus, weil er errötet, denn es war ihm nicht klar gewesen, ob und wie liberal Dumbledore mit Informationen zu seinem Zustand umgegangen war. Auch Severus ist erleichtert, weil, wenn er nicht wirklich sagen konnte, ob er den anderen hat erröten sehen, er sich bestimmt auch keine Gedanken darüber machen müsste, was ein solches Erröten bedeuten könnte.

Fast wären sie beide stumm auseinander gegangen, doch dann, als Severus sich schon umwenden will, fragt Remus noch – im flackernden Dämmern kann es ein Scherz oder ernste Sorge sein - : „Bereust du, dass du das tun musst? Den Trank zubereiten, mein Geheimnis bewahren, mir helfen.“
Diesmal ist es Severus, dessen Lippen ein leises Lächeln umspielt: „Es ist nichts im Spiel, das meinen Willen ausgeschaltet hat. Doch es ist nett, dass du dich sorgst.“

...
..
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Liebe Augurey,
es ist immer besonders aufregend, den*die Ersteller*in des Wichtelns bewichteln zu dürfen! :D Ich weiß nicht, ob es rüberkommt, aber ich habe mich von deinen Zitate-Vorgaben für „Ein wenig Sonne, und der Schnee schmilzt. Ein wenig Wärme, und das Eis bricht. Ein wenig Güte, und wir Menschen tauen auf.“ entschieden, auch wenn wirklich alles in diesem Oneshot sehr dezent blieb. Ich hatte aber viel Spaß beim schreiben und hoffe, du hast auch das Lesen genossen! =)

Liebe Grüße
jubilee
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