Si vis pacem, para bellum

von Calamtha
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
24.03.2019
14.01.2020
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Rückblickend vermochte Nimue nicht mehr zu sagen, wie genau sie in diese Situation geraten war. In ihrer Erinnerung hatte sie nach ihrer unangenehmen Unterhaltung mit Lieutenant Benét einen ausgiebigen Spaziergang an Deck unternommen, um anschließend auf dem Weg zum Passagiersalon Edmund zu begegnen, der sich nun tatsächlich von seinem Krankenlager erhoben hatte.
Gemeinsam hatten sie im Salon die Herren Bolt, Pike, Brocklebank und Oldmaddow in illustrer Runde vorgefunden – gegen die heftigen Bewegungen des Schiffes ausgerüstet mit mehreren Flaschen Brandy. Nach der vermutlich unumgänglichen Litanei, diese Umgebung sei nicht der rechte Ort für eine Frau, hatte ein erschreckend großer Teil des Alkohols auf irgendeine Weis den Weg zu Nimue gefunden. Nun saß sie über jeden zweiten Satz kichernd zwischen völlig betrunkenen Männern und lauschte mit gleichsam betrunkener Ernsthaftigkeit deren Erläuterungen über die Möglichkeiten des Sinkens und Ertrinkens.
„Und ich sage Ihnen…“, Mr. Brocklebank fuchtelte derart schwungvoll mit dem Zeigefinger in der Luft herum, dass er Mr. Bolt wohl ein Auge ausgestochen hätte, hätte dieser nicht milde irritiert den Kopf eingezogen. „Ich sage Ihnen, es dringt mehr Wasser ins Schiff! Fußhoch stand es gestern in meiner Kabine! Fußhoch!“ Murmelnd angelte er sich die nächstbeste Flasche und nahm einen großen Schluck.
Oldmaddow schüttelte erst nachdrücklich, dann etwas bedachter den Kopf. Offenbar bekam ihm die schnelle Bewegung nicht sonderlich. „Nicht doch. Ist ein altes Schiff…aber immer noch…seetüchtig. Genau.“
„Vvvon wegen!“, quäkte Mr. Pike – wieder einmal kurz vor einer ausgewachsenen Hysterie. „Dieses Schiff fällt Planke für Planke auseinander und dieser Ozean wird unser kaltes, nasses Grab! Und das meiner Kinder!“ Seine Stimme brach und mündete in unkontrolliertes Schluchzen.
Peinlich berührt besahen sich alle die bebenden Schultern und das verquollene Gesicht des Mannes. Nimue spürte, dass ihre Höflichkeit sich wahrscheinlich im Alkohol verflüchtigt hatte. Bevor ihr irgendeine Unfreundlichkeit entschlüpfen konnte, schob sie ihm hastig eine Flasche zu. „Nehmen Sie einen Schluck.“
Ich klinge wie ein Hafenarbeiter.
Das Absurde der Situation ließ sie kichern. Unterdessen fügte Mr. Pike sich ihrer Anweisung. „Danke Miss.“
„Wieso verlangen wir nicht beim Captain, dass Maßnahmen ergriffen werden?“ Mr. Brocklebank – ganz begeistert von seiner eigenen Idee – genehmigte sich einen weiteren großen Schluck Brandy.
„Weil dieses Verlagen jeglicher rechtlicher Grundlage entbehrt.“, beantwortete Mr. Bolt die Frage seines Nebenmanns. Der Kanzleiangestellte sank noch ein wenig tiefer in seinen Stuhl.
„Also werden wir alle ertrinken!“, lamentierte Mr. Pike erneut drauflos.
„Du liebe Zeit.“ Diesmal versorgte Edmund ihn eilig mit einem ausreichenden Nachschub an Alkohol.
„Wenn es uns gelingt, das Schiff im Falle eines Falles frühzeitig genug zu verlassen, würden wir wohl im kalten Wasser des Ozeans erfrieren.“, sinnierte Mr. Brocklebank. „Ein weitaus sanfterer Tod, sagt man.“
„Wenn erfrieren das Beste ist, auf das wir alle hoffen können, dann sei der Herrgott uns allen gnädig.“, resümierte Oldmaddow und fixierte seine Flasche. „Und das gilt nur für die, die schwimmen können.“, warf Edmund hilfreich ein.
Nimue fühlte sich von all dem seltsam unberührt. Von einer wohligen Wärme umgeben verebbte die Unterhaltung der Männer allmählich zu einem angenehmen Hintergrundgeräusch. Edmund war gezwungen, ihr mit dem Ellenbogen einen Stoß in die Rippen zu versetzen, um sie aus ihrem traumwandlerischen Zustand zu holen. Sie zuckte zusammen und umklammerte die Tischplatte. „Verzeihung?“
„Hast du nicht gehört?“, zischte Edmund. „Die haben solche Angst vor dem Ersaufen, dass Wheeler ihnen etwas darüber erzählen soll!“
Wenn jemand Erfahrungen in diesem Bereich vorweisen kann, dann er.
Es verging geraume Zeit bis sich in Nimues vernebeltem verstand aus dem Mosaik der Eindrücke eine ernsthafte Konsequenz ergab. „Das sollten wir nicht gestatten.“
„Zu spät. Sie haben schon Philips nach ihm ausgeschickt.“
Nimue fragte sich, wie Edmund es fertig brachte so unvermittelt derart nüchtern an dieses Problem heranzugehen.
Bestrebt, den Wünschen der gut betuchten Passagiere zu entsprechen, trieb Philips Wheeler innerhalb weniger Minuten auf. Nun stand Edmunds Diener sichtlich verloren im Salon wie vor einem Straftribunal. Er wirkte beinahe durchscheinend. Die verbliebenen Anwesenden zogen es offenbar vor, diese Tatsache einfach nicht wahrzunehmen.
„Wheeler, Sie waren so nahe am Ertrinken wie man nur sein kann.“, stürzte Mr. Brocklebank sich prompt auf den Armen Bediensteten. Dieser wurde wenn überhaupt möglich noch blasser.
Oldmaddow beugte sich auf seinem Platz bedenklich weit nach vorn. „Ja. Erzählen Sie uns, wie das war.“
„Ich…“ Auf der Suche nach Hilfe oder einem Ausweg flackerte sein Blick umher.
Bolt schloss sich dem Verhör mit Begeisterung an. „Ist es qualvoll? Wie konnten Sie drei Tage im Wasser überleben?“
„Genug!“, entfuhr es Nimue noch bevor sie darüber nachgedacht hatte, was denn genau genug war und vor allen Dingen aus welchem Grund.
Mr. Pike sah sich prompt zu einer Äußerung bemüßigt: „Falls Ihnen dieses Thema zu nahe geht…“
Und das von einem Mann, der bei der geringsten Aussicht auf Gefahr anfängt zu heulen wie ein kleines Kind.
Wo Nimue vom Alkohol schlicht träge wurde, verlor Edmund jegliche Hemmungen. „Hören Sie auf, sich so aufzuplustern, Pike!“, fauchte der Adlige. Anschließend wandte er sich an Wheeler: „Sie müssen darauf nicht antworten. Gehen Sie nur.“
Wheeler schien der ganzen Sache selbst dann noch nicht richtig zu trauen, als er sichtlich verschreckt zur Tür hinausstolperte.
„Mr. Talbot!“, ereiferte sich Mr. Brocklebank. „Sie haben uns um wertvolle Informationen gebracht!“
„Sie sind ja wirklich nicht mehr zu retten.“, versetzte Edmund und sah in die Runde. „Sie alle!“ Schwankend erhob er sich. „Ich sehe besser mal nach ihm.“ Zum Abschied beugte er sich zu Nimue hinab. „Wenn Sie den Wunsch verspüren, sich zu übergeben, sollten Sie aufhören, zu trinken.“
Die nickte beifällig. Nachdem er hinausgewankt war, bemühte sie sich, den angenehmen Zustand trunkener Gleichgültigkeit wieder herzustellen. Doch zu sehen, wie jedes unbedachte Wort dieser Männer Wheelers Geist noch weiter zerrüttete, hatte jede Aussicht auf Ruhe zerstört.
*

Charles ächzte vor Schmerz, als ein erneuter Ruck des Schiffs ihn gegen die Reling warf. Er hatte sich eingebildet, durchaus zu wissen, wie man sich auch bei widrigen Bedingungen an Bord bewegte, doch allmählich geriet der erste Offizier an die Grenzen seiner Belastbarkeit. In der Nacht machte die Schaukelei das Schlafen nahezu unmöglich. Tagsüber hatten sich seine Aufgaben um die Pflicht erweitert, die kontinuierlich verängstigteren Passagiere davon abzuhalten, in eine ausgewachsene Panik zu verfallen.
Da die Enge unter Deck unter diesen Umständen bedrohlich wirken musste, drängten die Menschen ins Freie. Mühselig schob Charles sich durch die Masse an Leibern, der bei jeder neuen Schwankung ein kollektives Stöhnen der Furcht entfuhr. Ihm war an nichts weiter gelegen, als an einem Blick in das Innere des Schiffs in der Hoffnung, mögliche Schwachstellen zu entdecken und im besten Fall noch auszumerzen bevor sie sich zu einem ernsthaften Problem auswuchsen. Doch drängende Fragen nach den Erfolgsaussichten ihrer Überfahrt zwangen ihn, seinen Weg immer wieder zu unterbrechen.
„Sir, bitte!“ Mit der freien Hand klammerte eine Frau sich an seinen Unterarm. Die andere hielt ein von der Seekrankheit gezeichnetes Kind. Der Junge hing schlaff im Griff seiner Mutter. Seine Erschöpfung machte ihn unempfänglich für die Ängste seines Umfelds. „Sagen Sie: Wir werden doch nicht sinken?“ Ihre tief in den Höhlen liegenden Augen flehten geradezu darum, ihr wenigstens diese Last von den Schultern zu nehmen.
„Bitte bleiben Sie ruhig.“, bat der erste Offizier stattdessen wie schon ungezählte Male zuvor. „Die Besatzung tut alles, um die Stabilität des Schiffs zu gewährleisten.“ Die leere Worthülse hinterließ in seinem Mund einen bitteren Nachgeschmack. Noch ungenießbarer blieb nur die Tatsache, dass ihm abgesehen von diesen Floskeln ohnehin nichts zur Verfügung stand, um die Situation auf die Schnelle in ruhigeres Fahrwasser zu lenken.
Ein Vortrag über die Männer, die an den Lenzpumpen schufteten bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen ohne das Wasser nennenswert zurückzudrängen oder dass andere Mitglieder der Mannschaft mit den Abdichtarbeiten kaum hinterherkamen, hätte eine mögliche Panik eher noch befeuert.
Mit dem untrüglichen Gefühl, seiner Position nicht gerecht zu werden, arbeitete der erste Offizier sich weiter voran. Die nach draußen drängenden Passagiere zwangen ihn dabei zu einem immer rücksichtsloseren Vorgehen. Bald stieß er die Menschen grob beiseite ohne och großartig darauf zu achten, wen er vor sich hatte.
An der Luke zu den unteren Decks quälte sich ein Meer aus Leibern die Stiegen hinauf. Charles wollte sich eben wappnen, um sich ins Getümmel zu stürzen, als das Schiff einen gequälten Laut von sich gab. Unter der Wasserlinie dröhnte es tief und satt. Unwillkürlich lauschte der erste Offizier auf das Brausen eintretenden Wassers und die lautstarke Meldung einer oder mehrerer Lecks.
Er verspürte Erleichterung, als seine Erwartungen enttäuscht wurden. Gleichzeitig gab er sich keinen Illusionen darüber hin, dass ein Teil des Schiffs der ständigen Belastung wohl nicht standgehalten hatte. Nun brannte er darauf, Maßnahmen zu ergreifen.
Wenn ich nur wüsste gegen welches Problem.
Die Aufmerksamkeit der Passagiere wandte sich nach Backbord. Wer weiter entfernt stand, folgte den sich vor Panik überschlagenden Rufen und Fingerzeigen derjenigen, die eine günstigere Position ergattert hatten.
Nachdem er sich schiebend und schubsend einen geeigneteren Platz verschafft hatte, gelang Charles endlich ein Blick über die Reling. Für einen Augenblick beschränkte sich seine Wahrnehmung einzig auf das an der Oberfläche treibende Stück Holz, bei dem es sich nur um einen Teil des Schiffes handeln konnte. Der erste Offizier dachte ernsthaft daran, sich der kollektiven Panik anzuschließen, bis er im Treibgut den Kielschuh des Schiffes erkannte. Die unter dem eigentlichen Kiel angebrachte Holzplanke hatte ihren Zweck, den Rumpf vor Beschädigungen zu schützen, offensichtlich erfüllt und sich unter der Belastung gelöst.
Keine neuen Lecks, kein baldiger Untergang. Wundervoll.
Zu gern hätte er die Erleichterung durch dieses Wissen mit der Menge geteilt, doch diese explodierte in einer Kakophonie aus Geschrei und wütenden Forderungen. Ziellos stolperten Menschen an Deck umher, drängten in die eine oder andere Richtung und trampelten diejenigen nieder, die diesem Ansturm nicht gewachsen waren.
„Beruhigen Sie sich!“, rief Charles. „Das Schiff hat lediglich seinen Kielschuh verloren!“
Seine Worte verklangen fruchtlos. Eingehend betrachtete er die Szenerie. Der nächste logische Schritt bestand darin, den möglicherweise entstandenen Schaden zu begutachten. Allerdings verspürte er Hemmungen, diese Menschen sich selbst zu überlassen. Die herrschende Kopflosigkeit mochte im schlimmsten Fall in eine Massenpanik umschlagen, die Leben kostete.
Cumbersham befreite ihn aus seiner Zwickmühle indem er auf die Schnelle alle verfügbaren Mannschaftsmitglieder zusammentrommelte. Gemeinsam durchkämmten sie die Reihen der Passagiere, stellten Gestürzte auf die Füße und zerrten Streithähne auseinander.
Charles sandte ihm in Gedanken eine Dankesbekundung und wagte einen neuen Versuch, sich unter Deck zu begeben. Zwar kam er so zäh voran, als würde er durch eine Ladung Pech waten, doch nach einigem Schieben und Drücken gelang es ihm tatsächlich, die Stufen hianbzusteigen.
„Mr. Summers!“ Edmund arbeitete sich aus einer aufgeschreckten Gruppe Frauen zu ihm hindurch. Zwar wirkte er etwas derangiert, aber durchaus gefasst. „Was geht denn hier vor sich!“
„Das Schiff hat seinen Kielschuh verloren.“, erklärte Charles zum wiederholten Mal und geriet ins Stolpern, als eine Familie hastig an ihm vorbeidrängte. „Augenblicklich besteht keine Gefahr für Passagiere und Besatzung, doch den Menschen das begreiflich zu machen, ist mühseliger als ich dachte.“
Nach dieser Eröffnung zeigte Edmund seine Erleichterung unverhohlen. „Also schlussendlich doch gute Nachrichten. Ihnen wird sicher bald klar werden, dass sie nichts zu befürchten haben.“
Vorerst.
Charles spähte ins Halbdunkel hinter dem Adligen. Wo Edmund sich befand, war Nimue für gewöhnlich nicht weit. Er mochte sich gar nicht ausmalen, wie beängstigend diese Unruhe für sie sein musste.
Edmund erriet den Gegenstand seiner Suche mit erstaunlicher Präzision. „Zuletzt sah ich Miss Tosny in ihrer Kabine bei der Arbeit. Sie verbringt dermaßen viel Zeit über den Schreibtisch gebeugt – sie wird eines Tages einen Buckel bekommen.“ Der Adlige hielt einen Augenblick inne: „Wir sollten das verhindern.“ Ohne viel Federlesens marschierte er los. „Kommen Sie nun oder nicht?“
Eilig schloss Charles sich dem Adligen an nachdem er seine Veriwrrung über diesen plötzlichen Entschluss abgeschüttelt hatte. Die Passagierdecks glichen einer verwaisten Theaterkulisse. Niemand war bereit gewesen, hier zu verharren, ohne zu wissen, ob sie möglicherweise alle zugrunde gehen würden.
Nur Nimue wäre zuzutrauen, dass sie sich vollkommen in ihrer Arbeit verliert.
Diese Vorstellung entlockte Charles ein völlig unpassendes Lächeln. Doch sie fanden Nimues Kabine verwaist.
„Sie ist sicher wohlauf.“, versicherte Edmund während er die kolossalen Papieransammlungen auf dem Schreibpult des Verschlags in Augenschein nahm. „Sie werden sich an Deck verpasst haben.“
„So wird es wohl sein.“ Charles konnte ein klein wenig Enttäuschung nicht leugnen. Selbst in dieser Lage hatte ihn die Aussicht auf ein paar gestohlene Momente mit ihr regelrecht beflügelt.
„Hören Sie das?“
Der erste Offizier zwang sich zu einer Rückkehr in die Gegenwart, denn Edmund bat mit erhobener Hand um Stille während er lauschte. Da seine Aufmerksamkeit nun geweckt war, vernahm Charles in der Tat eine Art wimmern nicht weit entfernt.
Da steht jemand große Ängste aus.
In stummer Absprache verließen sie Nimues Verschlag, um den jammervollen Lauten zu folgen. Sie fanden die Quelle rascher als erwartet. „Mir scheint, der Ursprung liegt in Ihrer Kabine.“, resümierte Charles vorsichtig.
Mit einer Distanz, die er durch das Ausstrecken seines Arms gerade noch durchmessen konnte, stieß Edmund die Tür auf, als könne ihn aus seinem Verschlag heraus etwas anspringen. Doch anstelle irgendeiner abstrakten Gefahr sahen sie sich Wheeler gegenüber. Der Mann bot einen mitleiderregenden wie beschämenden Anblick. Etwas in Charles, das er selbst nicht besonders mochte, neigte dazu, sich angewidert abzuwenden, wenn jemand derart die Fassung verlor.
Indes machte Edmund von seinem Talent Gebrauch, das Offensichtliche auszusprechen. „Was tun Sie denn dort untern?“
Mit verquollenem Gesicht sah Wheeler von seinem Platz am Boden der Kabine zu ihnen auf. „Ich will nicht ertrinken!“, wimmerte er.
Mit Besorgnis erblickte Charles das Gewehr in seiner Hand. Der Bedienstete hielt die Waffe umklammert als handele es sich dabei um ein lebensrettendes Tau, der Lauf wies zur Decke.
„Niemand wird ertrinken.“, verkündete Edmund sanft. Scheinbar ohne Scheu trat er über die Schwelle. „Mr. Summers hat es mir eben erst versichert.“
Charles spannte sich, bereit einen der beiden falls notwendig beiseite zu stoßen, sollte diese Begegnung unvermittelt einen weniger friedvollen Verlauf  nehmen. Wheeler schien in einem derart labilen Zustand, dass er sich doch noch spontan entschließen mochte, sein Gewehr gegen einen von ihnen zu richten. Da Edmund dieses Szenario offenkundig fern lag, fiel die Aufgabe des Schutzgeistes wohl ihm zu.
Der Adlige wähnte sich auf dem besten Weg, diese Situation zu einem guten Ende zu führen. „Es besteht wirklich keine Gefahr.“ Er ließ sich auf ein Knie nieder, sah seinem Diener in die schreckensgeweiteten Augen und streckte eine Hand nach dem Gewehr. „Und bitte geben Sie mir das. Sollten uns die Wassermassen doch einmal überrollen, halten Sie sie damit bestimmt nicht auf.“
Mit dieser letzten Bemerkung war ihm ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. In diesem Moment hatte Charles das Ende dieser Zusammenkunft deutlich vor Augen. Wheelers Miene war nur bar jeder Emotion. Was immer ihn hier gehalten hatte, er hatte es soeben abgestreift. In aller Ruhe neigte er den Lauf seines Gewehrs zu sich, lehnte den Kopf gegen die Mündung und presste den Fuß gegen den Abzug.