Du bist die Sternschnuppe, ich das Meer

von Eosphora
GeschichteRomanze / P12
24.03.2019
09.09.2019
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Als der Wecker klingelte, musste Noa sich erst orientieren, wo sie überhaupt war, bevor sie ihn ausschalten konnte.
„Au“, murmelte sie, als sie sich aufsetzte.
So schön es gewesen war, Alister als Kissen zu benutzen, so sehr bereute sie es jetzt, denn ihr Nacken nahm ihr die ungewohnte Unterlage mehr als übel.
„Guten Morgen“, murmelte Alister. „Geht es schneller, wenn wir zusammen duschen? Ich glaube, das ist nötig ...“
Dieser Vorschlag ließ Noa alle Schmerzen vergessen. Sie hatte nicht damit gerechnet, so etwas aus seinem Mund zu hören, doch es machte sie unfassbar glücklich.
„Ich glaube schon“, sagte sie. „Komm. Wir haben nicht so viel Zeit, wie ich gerne hätte.“
Alister mühte sich aus dem Bett und folgte Noa ins Bad.
Die Hoteldusche erwies sich zwar als wenig praktikabel, wenn man sie zu zweit benutzte – Alister maß immerhin auch gut zwei Meter - , doch Noa genoss es, dass er in ihrer Nähe war.
Außer, dass sie eine kurze Massage für ihren Nacken bekam, passierte auch nichts weiter, obwohl sie jede Möglichkeit ausnutzte, ihn zu berühren.
Letztlich dauerte es zwar länger, als sie gedacht hatten, trotzdem kamen sie noch pünktlich zum Frühstück. Fiona wartete bereits auf sie.
„Guten Morgen“, sagte sie und versuchte, zu ignorieren, dass Noa und Alister Hand in Hand in den Speisesaal gekommen waren.
Sie hatte gestern genug ausgerichtet und wollte nicht riskieren, noch mal in Verlegenheit zu geraten.
„Guten Morgen“, erwiderte Noa und lächelte ihre Freundin an. „Hast du gut geschlafen?“
„Ja, und ihr?“, fragte Fiona. Alister entzog sich dem Gespräch und ging etwas zu essen und vor allem Kaffee für Noa holen.
Sobald er außer Hörweite war, sagte Noa: „Ziemlich gut ... aber was soll man auch anderes erwarten, wenn man großartigen Sex hatte?“
Fiona starrte ihre Freundin an.
„Ihr hattet ... hier, im Hotel? Ich meine ... also ...“
Noa grinste.
„Wieso denn so verlegen?“, fragte sie. „Oder dachtest du einfach nicht, dass Alister und ich zu sowas fähig wären? Übrigens, danke ... ich glaube, ohne deine Bemerkung wäre das gar nicht ins Rollen gekommen.“
Dann wurde sie allerdings wieder ernst und sah sich um, ob Alister schon auf dem Weg zurück war.
„Allerdings ... eine Sache bereitet mir Sorgen. Er hat so komische Narben auf seinem Oberkörper ... weißt du vielleicht, was da passiert ist? Oder hast eine Idee, was passiert sein könnte?“
Fiona schüttelte den Kopf.
„Er redet ja nicht über sich, es könnte alles gewesen sein. Allerdings ... es wäre möglich ...“
Doch weiter kam sie nicht, denn Alister kam mit einem voll beladenen Tablett zurück – mit einer extra großen Tasse Kaffee für Noa.
„Oh mein Gott, stimmt ja! Wir sind wieder in Deutschland, es gibt Kaffee!“, freute sie sich. „Das hätte ich jetzt selbst vergessen!“
Alister lächelte und stellte das Frühstück ab.
„Dann ist es ja gut, dass ich daran gedacht habe“, sagte er. „Ich hoffe, die Auswahl ist in Ordnung.“
„Danke“, sagte Noa und küsste ihn flüchtig, sobald er sich gesetzt hatte. „Auch dafür, dass du mir etwas mitgebracht hast.“
„Ihr beiden habt euch ja gerade unterhalten, da musste ich euch ja nicht unterbrechen.“
„Nett von dir“, sagte Fiona und lächelte, auch, wenn es etwas gezwungen aussah. Noa fragte sich, was sie ihr hatte sagen wollen. Welcher offensichtlich schlimme Verdacht hatte sie beschlichen?
Noa nahm ihre Tasse hoch und inhalierte schon fast den aufsteigenden Dampf.
„Gott, das habe ich so vermisst“, murmelte sie. „Ich muss auf jeden Fall Kaffee mit nach Hause nehmen und am besten noch welchen schicken, damit ich wieder Vorräte habe.“
„Du kannst auch noch welchen an den Pub schicken, wenn du magst, wir heben ihn dann für dich auf“, bot Fiona an, die bei ihrem Tee geblieben war. „Übrigens ... wieso heißt bei euch eigentlich alles „Tee“? Ich habe jemanden vom Personal gefragt, was von den ganzen Sorten denn jetzt Tee ist und sie hat mich nur ziemlich komisch angeschaut.“
„Das habe ich mich auch schon gefragt“, seufzte Noa. „Die verstehen nicht, dass Tee was anderes ist als Kräuter- oder Früchtetee ... hast du denn noch welchen gefunden?“
„Ich hab mich durchprobiert“, nickte Fiona. „Da waren ganz interessante Sorten dabei ... vielleicht nehme ich sogar welche davon mit. Verwirrend ist es trotzdem.“
„Ich zeige dir mal meine Lieblingssorten“, versprach Noa und begann endlich zu essen. Alister hatte ihr Rührei und Speck mitgebracht, wenn das kalt wurde, schmeckte es nicht mehr.
„Wann geht denn eigentlich der Zug?“, fragte Alister. „Nur, damit wir wissen, wie viel Zeit wir noch haben.“
„Gegen elf“, antwortete Noa. „Wir sollten uns also ein wenig ranhalten ... ich weiß nicht, wie lang wir in Kassel zum Hotel brauchen, wo die Lesung stattfindet ... also, wo weiß ich schon, ich weiß nur nicht, wie lange wir vom Hotel dorthin brauchen.“
„Haben wir dann da noch ein bisschen Zeit?“, fragte Fiona. „Zum Shoppen und so?“
„Willst du das etwas in jeder Stadt machen?“, fragte Noa, die gerade von ihrem Kaffee hatte trinken wollen, und hielt mitten in der Bewegung inne. „Du weißt schon, dass du nur einen Freibetrag von 430 Euro oder so hast, wenn wir wieder nach Irland einreisen? Alles andere kostet Zoll. Oder hat Irland laschere Regeln als Deutschland?“
„Persönlicher Gebrauch lautet das Zauberwort“, zwinkerte Fiona. „Wenn es für mich ist, darf ich so viel mitnehmen, wie ich will – außer natürlich so Kram wie Alkohol oder Zigaretten, aber seien wir mal ehrlich: Den besten Whiskey gibt es zu Hause.“
Noa nahm das mal so hin und nickte nur. Sie hatte gegen Fionas Shoppingwahn ohnehin keine Chance – und wenn sie ehrlich war, wollte sie die auch nicht haben. Immerhin brachte es etwas Spaß in die ganze Unternehmung, vielleicht konnte sie sie auch zu einem kleinen Sightseeing überreden. Kassel hatte immerhin einiges zu bieten, die Wasserspiele, den Herkules ... alles Dinge, die sie noch nie gesehen hatte, obwohl sie gerade mal dreihundert Kilometer davon weg gewohnt hatte.
„Aber ich muss nicht wieder mit, oder?“, fragte Alister. „Nimm es mir nicht übel, Fiona, aber ... das ist wirklich nichts für mich. Gar nichts.“
„Du solltest mit ihr mit“, widersprach Noa leise. „Außer, du willst Anette über den Weg laufen ...“
„Ja, das möchte ich“, sagte Alister, nahm Noas Hand und sah sie an. „Wir sind zusammen, das kann sie ruhig sehen. Und wenn sie meint, noch mal die Grenzen des guten Benehmens überschreiten zu müssen ... werde ich ihr sagen, was ich davon halte.“
„Okay“, sagte Noa nur und lächelte. Die Nacht – oder ihre Beziehung? - schien Alisters Selbstbewusstsein wirklich gutgetan zu haben. Dann sah sie auf die Wanduhr im Speisesaal. „Wir sollten uns beeilen, ich würde gerne wenigstens zwanzig Minuten früher am Bahnhof sein, nur, falls das Gleis geändert wurde oder solche Späße. Die Deutsche Bahn ist nicht so zuverlässig wie ihr Ruf im Ausland.“
Alister und Fiona nickten.
Fünfzehn Minuten später waren sie alle wieder auf dem Weg zu ihren Zimmern, etwaige Reste zusammenpacken.
„Bis gleich!“, verabschiedete Fiona sich von Noa und Alister, die nur die Hände hoben, bevor sie ihre Tür öffneten.
Sobald sie alleine waren, warf Noa sich in Alisters Arme, der sie überrascht auffing.
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