Du bist die Sternschnuppe, ich das Meer

von Eosphora
GeschichteRomanze / P12
24.03.2019
09.09.2019
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Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten die beiden sich voneinander und Noa räusperte sich verlegen, während Fiona bemüht interessiert aus dem Fenster auf Frankfurt hinaus schaute.
„Genug Pärchenkram?“, fragte Alister und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Genug Pärchenkram“, nickte Noa und lehnte sich an ihn. „Du kannst wieder hersehen“, sagte sie zu Fiona. „Wir sind sogar beide noch angezogen.“
„Ich gehe lieber auf Nummer sicher“, meinte Fiona. „Das sah nämlich eben gerade so gar nicht danach aus.“
„Vorher meintest du noch, wir würden nicht genug Pärchenkram machen“, merkte Alister an.
„Schon gut“, seufzte Fiona. „Ich nehme alles zurück, okay? Solange ihr euch sowas für euer Hotelzimmer aufhebt.“
„Versprochen“, schmunzelte Noa und begann, die Aussicht aus dem Fenster zu genießen.
Zugegeben, mit so etwas hatte sie überhaupt nicht gerechnet, aber sie war positiv überrascht. Und wer konnte wissen, was dieser Abend sonst noch für sie bereithielt? Vielleicht schaffte Alister es, seine Angst zu überwinden und sie würden endlich miteinander schlafen. Es wäre auf jeden Fall eine sehr angenehme Wende.
Als sie wieder unten ankamen, stieg Fiona als erstes aus und wartete vor dem Ausgang auf sie. Ihre Gesichtsfarbe hatte sich mittlerweile wieder normalisiert und sie schien erleichtert zu sein, dass Noa und Alister die Finger voneinander lassen konnten.
„Also dann ... zurück zum Hotel, oder?“, fragte sie und Noa nickte.
Obwohl sie fast den ganzen Tag geschlafen hatte, war sie ziemlich müde und freute sich auf ihr Bett – und darauf, mit Alister kuscheln zu können. So schön der Abend gewesen war, das hatte sie doch vermisst.
Als sie in der U-Bahn saßen, legte er wieder den Arm um sie und spielte ein wenig mit den Haarsträhnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten.
Fiona tat, als würde sie davon nichts mitbekommen und schaute vorwiegend auf die vorbeiziehenden Tunnelwände.
Noa wurde den Gedanken nicht los, dass Alister sie ärgern wollte und mit Absicht in Verlegenheit brachte, auch, wenn er es mit Sicherheit nicht böse meinte. Vielleicht gab ihm Fionas Bemerkung aber auch die imaginäre Erlaubnis, in der Öffentlichkeit seine Zuneigung zu Noa zu zeigen.
Sobald sie an ihrem Hotel angekommen waren, verabschiedete Fiona sich sehr hastig von ihnen und ging auf ihr Zimmer.
„Wollen wir auch?“, fragte Noa. „Oder hast du Gefallen am Großstadtleben gefunden und möchtest lieber noch um die Häuser ziehen?“
„Nein“, antwortete Alister bestimmt. „Der Abend war lang genug, wir haben morgen einen anstrengenden Tag vor uns. Wir sollten ins Bett gehen.“
„Okay.“
Dem konnte und wollte Noa gar nicht widersprechen. Während sie mit dem Lift nach oben fuhren, überlegte sie, ob sie noch mal unter die Dusche gehen sollte. Und dann, rein zufällig, ihre Klamotten im Zimmer vergessen. Oder wäre das zu manipulativ und Alister würde es ihr übel nehmen?
„Ich glaube, ich gehe noch mal duschen“, sagte Noa und verkniff sich, „Kommst du mit?“ hinzuzufügen.
„Ich auch“, meinte Alister. „Dann haben wir morgen früh ein bisschen mehr Zeit zusammen.“
„Das ist eine ziemlich gute Idee“, sagte Noa. „Wer zuerst?“
„Geh du“, bat er. Der Lift hielt und die beiden gingen zu ihrem Zimmer, Alister schloss die Tür auf. „Ich packe in der Zeit meine Sachen zusammen.“
„Okay. Dann bis gleich.“
Noa stellte ihre Taschen neben dem Bett ab, bevor sie sich schon mal ihr Schlafzeug nahm und ins Bad ging.
Während sie unter dem heißen Wasserstrahl stand, ließ sie den Abend noch mal Revue passieren.
Irgendwas war da im Riesenrad passiert. Hatte es bei Alister endlich „Klick“ gemacht? Oder hatte er Noa nur so geküsst, um Fiona eins auszuwischen?
Noa kam zu keiner zufriedenstellenden Antwort und sah zu, dass sie aus der Dusche kam. Rasch zog sie sich an, putzte sich die Zähne und ging ins Zimmer zurück.
„Du kannst dann“, sagte sie zu Alister. „Bis gleich.“
Noa legte sich ins Bett und starrte an die Decke. Sie hatte keine Ahnung, ob, und wenn ja, was, sie vom weiteren Verlauf des Abends erwarten konnte.
Eigentlich war es ja schon genug, wenn sie nebeneinander einschliefen.
Weiter darüber nachdenken konnte Noa allerdings nicht mehr, denn Alister kam aus dem Bad – und war nur halb angezogen.
Noa wollte eigentlich etwas sagen, doch der Anblick hatte ihr die Sprache verschlagen. Sie hatte nicht gedacht, dass Alister wirklich muskulös wäre, aber offenbar war seine Arbeit ein gutes Training.
Das Narbengewebe auf seiner Haut interessierte Noa vorerst nur am Rande, wenn sie es jetzt ansprach – sofern sie überhaupt ein Wort herausbrachte – würde er sich garantiert wieder anziehen, das war das letzte, was sie wollte.
Weil Noa keine Ahnung hatte, was sie sagen sollte, stand sie auf, ging auf Alister zu und strich sanft über seine Arme, bevor sie lächelnd zu ihm aufsah.
„Womit habe ich das denn jetzt verdient?“, fragte sie, ließ ihm aber keine Zeit zum Antworten, sondern streckte sich und küsste ihn.
A lister hatte sich innerlich schon auf Fragen vorbereitet und war erleichtert, als diese nicht kamen. Er überließ es Noa, zu entscheiden, was sie jetzt tun sollten, er hatte immerhin den ersten Schritt in eine bestimmte Richtung gewagt. Doch fürs Erste schien sie keine weiteren Ambitionen zu haben, als ihn mit Küssen um den Verstand zu bringen.
Als sie einen Schritt zurücktrat, wollte er etwas sagen, doch sie legte ihm nur einen Finger auf die Lippen, nahm seine Hand und führte ihn zum Bett.
Alister legte sich neben sie und wusste plötzlich nicht mehr, was er tun sollte, aber Noa ließ ihn nicht so leicht davonkommen.
Sie zog ihn zu sich, ließ ihre Hände über seinen Rücken und seine Schultern wandern und hoffte, dass er nicht sofort wieder aufsprang.
Als Alister sich einen Moment hochstemmte, um Luft zu holen, sah Noa ihm in die Augen und beschloss, ihm zu sagen, was sie wollte. Dann hatte er immerhin die Möglichkeit, direkt „Nein“ zu sagen.
„Ich möchte mit dir schlafen, Alister“, sagte sie und konnte sehen, wie er für einen Moment erstarrte.
Dann jedoch beugte er sich wieder zu ihr, küsste sie und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er ihren Wunsch teilte.
Noa übernahm die Führung, die Kondome hatte sie zur Sicherheit in ihren Nachttisch getan.
„Ich liebe dich, Noa“, flüsterte Alister, als er über ihr lag.
Sie lächelte nur und strich ihm durch die Haare, bevor sie ihn zu sich zog und küsste.
Alles, was danach kam, hatte Noa mit ihren früheren Partnern niemals so schön oder so intensiv erlebt, was nur eins heißen konnte -
„Ich liebe dich auch“, flüsterte sie.
Alister hielt Noa die ganze Zeit über fest, ließ sie auch danach nicht los, was sie zum Kichern brachte.
„Alister? Tut mir leid, aber ich muss die Stimmung kaputt machen ... die menschlichen Bedürfnisse rufen. Bin gleich wieder da.“
Sie küsste ihn flüchtig auf die Lippen und verschwand im Bad.
Alister stand auf, etwas wacklig auf den Beinen, und entsorgte das gebrauchte Kondom.
„Da bin ich wieder“, meinte Noa und schlüpfte wieder ins Bett. „War gar nicht weg.“
Alister lächelte.
„Ich bin auch gleich wieder da.“
Als Noa endlich wieder in Alisters Armen lag, fühlte sie sich so ruhig und friedlich wie lange nicht mehr.
„Erinnerst du dich an den ersten Musikabend, bei dem du da warst?“, fragte Alister unvermittelt.
„Also war es keine Einbildung, als ich dachte, dass mich jemand beobachtet ...“, schmunzelte Noa. „Ja, ich erinnere mich. Wieso fragst du?“
„An diesem Abend habe ich mich in dich verliebt ... du warst so ... frei. Hast alle mit deiner Fröhlichkeit angesteckt. Dass du da wie heute wunderschön warst, muss ich dir nicht sagen, oder? Allerdings ... es tut mir leid, wenn du dich ...“
„Ich weiß“, unterbrach Noa ihn und küsste ihn auf die Brust. „Du hast dich gut versteckt an dem Abend.“
Alister seufzte und versuchte, nicht die Frage zu stellen, die ihm auf der Zunge lag.
„An was denkst du?“, fragte sie, während ihre Finger träge über seine Brust strichen.
„Habe ich dich enttäuscht?“
Er hatte gesprochen, bevor er darüber nachdenken konnte, aber diese Worte schwirrten die ganze Zeit in seinem Kopf herum.
„Wie kommst du darauf?“, fragte Noa. „Nein ... im Gegenteil. Es klingt furchtbar kitschig, aber ... ich habe mich noch nie so ... ganz gefühlt, wenn ich mit jemandem geschlafen habe. Ich liebe dich. Und ich genieße es, mit dir zusammen zu sein, in jedweder Form. Wie könnte ich das jemals enttäuschend finden?“
„Ich weiß nicht ... weil ich keine Erfahrung habe ... nicht weiß, was dir gefällt ...“
Noa richtete sich auf und sah ihn an.
„Für mich war es perfekt“, sagte sie. „Weil es richtig war. Weil ich dich liebe. Weil du du und nicht jemand anderes bist. Okay?“
Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn zärtlich auf die Lippen.
„Du bist perfekt für mich.“
Alister wusste nicht, was er darauf erwidern konnte, sein Hals fühlte sich plötzlich wie zugeschnürt an.
Noa küsste ihn noch einmal, bevor sie wieder ihren Kopf auf seine Brust legte und nach seiner Hand griff.
„Bist du müde?“, fragte sie leise. Er schüttelte den Kopf.
„Ich auch nicht.“
Schweigend lagen sie beieinander, bis sie doch irgendwann der Schlaf überkam.
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