Du bist die Sternschnuppe, ich das Meer

von Eosphora
GeschichteRomanze / P12
24.03.2019
09.09.2019
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Fiona gab sich geschlagen.
„Aber nur, wenn du meine Hand hältst“, meinte sie, als sie sich die Karten kauften. „Und wenn ich die Augen zumachen darf, wenn wir oben sind.“
„Okay“, meinte Noa.
Die beiden Frauen suchten sich einen Sitz und schlossen ihren Haltebügel.
„Ich traue den Dingern nicht“, sagte Fiona und klammerte sich an Noas Hand. „Ganz ehrlich, das ist furchtbar. Darf ich wieder raus?“
„Klar. Aber erst, wenn wir wieder unten sind. Komm schon, das macht Spaß, wirklich! Und die Aussicht ist großartig!“
„Behauptest du“, murrte Fiona.
Das Karussell wurde hochgezogen und Noa konnte es gar nicht erwarten, bis sie oben angekommen waren. Es war zwar nicht so schön wie das Riesenrad, aber der Lichterwirbel und der Wind in ihren Haaren hatten etwas Magisches an sich.
„Oh Gott“, sagte Fiona, als sie auf dem höchsten Punkt angekommen waren. Noa drückte nur ihre Hand und hoffte, dass ihre Freundin nicht ohnmächtig würde.
Als sie wieder auf dem Boden ankamen, erwartete Noa fast, dass Fiona sich auf den Boden werfen und den Asphalt küssen würde, doch stattdessen tat sie etwas vollkommen Unerwartetes und warf sich in Alisters Arme.
„Deine Freundin ist ein hundsgemeines Biest!“, jammerte sie. „Nicht mal jetzt zeigt sie Anzeichen von Reue, mich in dieses Ding geschleppt zu haben! Bitte sag mir, dass wenigstens du ein wenig Mitleid mit mir hast!“
Alister sah überfordert zu Noa, die nur grinsend die Schultern hob. Damit musste er jetzt alleine klarkommen.
„Wollen wir ... weitergehen?“, fragte er hilflos und Fiona ließ seufzend von ihm ab.
„Du bist genauso gemein“, schmollte sie. „Aber ja ... gehen wir weiter, es warten schließlich noch andere Fahrgeschäfte auf uns.“
Am Ende waren sie wirklich fast alles gefahren, was die Dippemess zu bieten hatte, nur das Riesenrad hatten sie sich aufgespart.
Noa wollte das Risiko eingehen und erst Lose ziehen, damit sie direkt vom Riesenrad zur U-Bahnstation gehen konnten.
„Bist du sicher, dass du das tun willst?“, fragte Fiona. „Die Hauptgewinne sind ziemlich ... riesig.“
„Ganz sicher“, bestätigte Noa. „Wenn es kein Risiko gäbe, würde es keinen Spaß machen, oder?“
Alister sah aus, als befürchtete er das schlimmste, doch er hielt wohlweislich den Mund. Gegen Noa kam er ohnehin nicht an, wozu also widersprechen?
Noa kaufte für jeden von ihnen jeweils die größtmögliche Anzahl an Losen und verteilte sie.
„Also dann ... viel Glück“, sagte sie – und hatte das selbst gleich beim ersten Los.
„Oh.“
„Oh was?“, fragte Fiona und sah auf das Los. „Oh.“
Alister seufzte. Er konnte sich denken, was auf dem kleinen Stück Papier stand.
„Welches Plüschtier willst du?“, fragte er und stellte sich darauf ein, es den ganzen Weg zum Hotel tragen zu dürfen.
Aber Noa hatte sich bereits entschieden, was sie machen wollte. Das Ding zu transportieren wäre unglaublich umständlich geworden und es nach Irland zu schicken wahnsinnig teuer.
Sie sah sich um und entdeckte einen kleinen Jungen, der sehnsüchtig vor einem der Hauptgewinne stand, neben ihm wohl seine Mutter, die ihm erklärte, dass sie sich keine weiteren Lose kaufen konnten, weil sie zu teuer waren.
Noa ging zu der Frau hinüber und reichte ihr das Los mit ihrem Hauptgewinn.
„Glauben Sie mir, Sie tun mir einen riesigen Gefallen, wenn Sie das annehmen“, sagte sie, bevor die Frau widersprechen konnte. „Wirklich.“
Bevor sie widersprechen konnte, war Noa schon zurück zu Alister und Fiona gegangen.
„So, Problem gelöst“, sagte sie. „Hoffen wir mal, dass die anderen Lose keinen Hauptgewinn enthalten.“
Am Ende reichte es dann für ein mittelgroßes Plüschtier, das Fiona sich aussuchen durfte. Noa war eigentlich schon mit dem kleinen, geschossenen Pferd zufrieden, immerhin hatte Alister es ihr geschenkt.
„Holen wir uns noch Popcorn oder sowas?“, fragte Noa, als sie die Losbude hinter sich ließen. „Oder nur noch zum Riesenrad und dann nach Hause?“
„Für Essen bin ich immer zu haben“, sagte Fiona. „Also von mir aus sehr gerne. Außerdem riecht das alles so lecker, da kann man doch gar nicht dran vorbeigehen!“
„Soll ich dor von allem etwas besorgen?“, fragte Noa. „Ich weiß nicht mal, ob alles davon ins Englische übersetzt werden kann ...“
„Das wäre natürlich optimal, dann muss ich auch nicht alles drei Mal wiederholen, weil die mich nicht verstehen!“, stimmte Fiona zu. „Ich weiß schon, wieso ich dich als Freundin habe, du hast die richtigen Ideen bei den wirklich wichtigen Dingen.“
Alister sah eher so aus, als wünschte er sich, möglichst bald wieder im Hotel zu sein, aber er sagte nichts.
Noa beeilte sich ihm zuliebe trotzdem und reichte Fiona zwanzig Minuten später einige prall gefüllte Tüten mit verschiedensten Jahrmarktsüßigkeiten.
„Jetzt noch zum Riesenrad, dann vielleicht noch belgische Pommes holen und dann zum Hotel?“, schlug Noa vor. „Also, die Pommes nur, falls ihr da Lust drauf habt, selbst eine kleine Tüte ist für mich alleine zu viel.“
„Ich wäre durchaus dafür zu haben“, meinte Fiona, die es kaum erwarten konnte, nachzusehen, was Noa ihr mitgebracht hatte. „Du weißt doch, Essen und ich, das ist eine Liebe fürs Leben.“
„Schon gut, ich frage nächstes Mal erst gar nicht“, schmunzelte Noa, während sie zum Riesenrad schlenderten.
„Ich kaufe die Karten“, meinte Alister und ging vor.
„Soll ich mit euch in eine Gondel?“, fragte Fiona. „Oder wollt ihr zwei lieber ganz romantisch unter euch bleiben?“
„Das hätte natürlich was ... aber nein“, antwortete Noa. „Du kommst mit, Alister und ich sind hier schließlich nicht auf einem Date, sondern wir sind zu dritt hier.“
„Bist du sicher?“, fragte Fiona. „Du weißt, dass du zu Hause eher weniger die Gelegenheit bekommst, mit ihm ganz romantisch Riesenrad zu fahren?“
„Ich weiß, aber ich bleibe dabei“, erwiderte Noa. „Wenn du so vehement der Meinung bist, dass er und ich alleine fahren sollten, dann wartest du eben hier unten, während wir noch mal fahren. Aber jetzt nehmen wir eine Gondel zusammen. Du bist absolut kein Störfaktor, Fiona, falls du dir darüber Sorgen machen solltest.“
Fiona grinste nur.
„Mache ich nicht“, sagte sie. „Ich finde nur, dass du und Alister ein bisschen mehr Pärchenkram machen solltet. Ihr habt euch heute Abend nur ein einziges Mal geküsst, da musst doch mehr drin sein!“
Da hatte Fiona einen wunden Punkt erwischt und Noas guter Stimmung einen gewaltigen Dämpfer verpasst.
„Kommt ihr?“, rief Alister, der etwas ungeduldig auf sie wartete.
„Schon unterwegs!“
Fiona merkte, dass sie da ein heikles Thema erwischt hatte, wenn Noa nicht einmal darauf einging, was sie gesagt hatte. Besser, sie entschuldigte sich nachher und fragte nach, was los war.
Noa, Fiona und Alister stiegen in die ihnen zugewiesene Gondel und setzten sich.
Alister blieb neben Noa, Fiona setzte sich ihnen gegenüber und versuchte, ihre Süßigkeiten möglichst schadensfrei zu verstauen.
Sie überlegte, ob sie die Gelegenheit nicht nutzen und die beiden auf ihre Beziehung ansprechen sollte, aber das würde die Stimmung möglicherweise noch mehr drücken.
Es war Alister, der das Thema ansprach.
„Ist alles in Ordnung bei euch?“, fragte er. „Ihr seid auf einmal so still.“
Noa seufzte und sah aus dem Fenster.
„Fiona ist der Meinung, du und ich sollten mehr Pärchenkram machen, weil wir uns heute Abend nur ein Mal geküsst haben.“
Fiona merkte, wie ihr Gesicht warm wurde und sie wünschte sich in eine andere Gondel.
„Findest du?“, fragte Alister und wandte sich damit direkt an Fiona. „Was sollte ich denn anders machen?“
„Gar nichts“, murmelte sie. „Es war mir nur aufgefallen und ich dachte, ich lasse euch mal ein bisschen Zeit alleine ...“
Ein unangenehmes Schweigen erfüllte die Gondel.
Noa bereute es, das Thema überhaupt zur Sprache gebracht zu haben, und wollte es schon zum Ausdruck brinegn, als Alister die Situation selbst in die Hand nahm.
Noa wusste gar nicht, wie ihr geschah, als Alister ihr Gesicht in seine Hände nahm und sie so küsste wie damals an dem Abend, bevor er verschwunden war.
Noa war froh, dass sie saß, denn ihre Knie wurden sofort zu Wackelpudding und Fiona wurde noch verlegener als vorher.
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