Du bist die Sternschnuppe, ich das Meer

von Eosphora
GeschichteRomanze / P12
24.03.2019
09.09.2019
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Erleichterung durchflutete sie, als das Flugzeug endlich landete.
Zu Hause. Das war das erste, was ihr durch den Kopf ging. Heimat.
Sie war nur mit Handgepäck gereist, alles andere war bereits in ihrem Haus oder würde nachkommen.
Der Flughafen in Dublin hatte nichts von seiner Übersichtlichkeit verloren, sodass sie problemlos den Weg nach draußen fand.
In den nächsten Tagen würde sie ihr Auto abholen, bis dahin musste sie alles zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen – aber das war vorerst kein Problem.
An der Bushaltestelle wartete sie auf den Green Coach, der sie ihrem Ziel ein Stück näher bringen würde.
Viele würden behaupten, dass es wehtat, alle Brücken hinter sich abzubrechen, aber für sie war es die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen. Endlich fühlte sie sich frei.
Die Fahrt dauerte etwa drei Stunden, die Noa nutzte, um so viel wie möglich von der Landschaft zu sehen.
Fast hatte sie vergessen, wie wunderschön es hier war, wie grün. Beinahe schon unwirklich. Und ab heute würde sie hier leben. Es war kaum zu glauben.
Arbeiten konnte sie an jedem Ort der Welt, zumindest, wenn es dort Strom und Internet gab. Immerhin eine Sache, die an einem Autorenleben gut war.
Als sie nach einer halben Ewigkeit an ihrem Haus ankam und die Tür aufschloss, fühlte es sich so an, als hätte sie niemals woanders gelebt.
Der nächste Nachbar wohnte zwei Kilometer entfernt, der nächste Pub lag im vier Kilometer entfernten Dorf, ebenso die nächste Einkaufsmöglichkeit. Einen Supermarkt gab es erst zwanzig Kilometer weiter.
Dass sie überhaupt Strom und Internet hatte, grenzte an ein Wunder.
Aber dafür war es ein riesiges Grundstück, das sie erworben hatte, direkt am Meer gelegen und mit genug Platz, damit Noa sich austoben konnte.
Das Haus selbst war ausreichend groß, sodass sie sich nicht andauernd selbst über den Weg lief.
Alles in allem etwas, das sie für den Rest ihres Lebens „Zuhause“ nennen konnte.
Sie schloss die Tür hinter sich und sah sich um.
Noch sah es aus wie in einer Rumpelkammer, überall standen Kisten herum, aber Noa fühlte sich trotzdem wohl. Mit dem Auspacken würde sie am nächsten Tag beginnen, jetzt wollte sie nur noch etwas essen und anfangen, ihr neues Leben zu genießen.
Am nächsten Tag würde sie ihr Auto abholen und vielleicht ihren Nachbarn besuchen. Eigentlich wollte sie ihn sogar ganz sicher besuchen, um ihn oder sie zu bitten, Noa zu ihrem Auto zu bringen, denn alles andere würde sie den halben Tag kosten.
Noa sah auf die Uhr. Theoretisch konnte sie jetzt noch losgehen und dann direkt weiter in den Pub, um etwas zu essen.
Dann hätte sie es wenigstens hinter sich, obwohl sie natürlich das Gesprächsthema im Ort sein dürfte.
Neue Leute waren schließlich selten und grundsätzlich eine Sensation.
Seufzend stand Noa auf, suchte sich einen Koffer mit Klamotten und zog sich um, bevor sie sich auf den Weg machte.
Sie hatte sich eine kleine Karte von der Umgebung gezeichnet, doch die Gegend war so flach, dass Noa ihr Ziel problemlos sehen konnte.
Sie hatte es nicht eilig und stand erst vierzig Minuten später vor der Tür ihres Nachbarn.
Noa zählte innerlich bis drei, bevor sie sich dazu überwand, die Klingel zu betätigen.
Von drinnen ertönte ein lautes, dumpfes Bellen, was darauf schließen ließ, dass ein sehr großer Hund in dem Haus wohnte.
Es dauerte ein paar Minuten, bis jemand die Tür öffnete. Noa hatte schon befürchtet, dass niemand zu Hause war.
„Hi“, sagte sie und schaute nach oben, denn ihr Gegenüber überragte sie um gut einen Kopf.
Im nächsten Moment wurde sie allerdings abgelenkt, als zwei Hunde, groß wie Ponys, aus dem Haus liefen, um sie zu beschnüffeln.
„Na, ihr“, lächelte Noa und streichelte die beiden, nachdem sie ihr bettelnd die Hände abgeleckt hatten. Dann besann sie sich jedoch wieder auf ihre Manieren.
„Verzeihung“, sagte sie. „Hallo. Ich bin Noa und ihre neue Nachbarin. Also … Nachbarin von zwei Kilometer weiter.“
„Freut mich“, antwortete der Mann, sah jedoch nicht wirklich danach aus. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Und da hieß es immer, Iren seien freundlich. Andererseits würde sie wohl nicht anders reagieren, wenn plötzlich jemand Fremdes vor der Tür stünde.
„Äh … ja“, antwortete Noa etwas verunsichert. Er hatte sich nicht vorgestellt und wirkte alles andere als zugänglich. „Ich wollte Sie fragen, ob Sie mich vielleicht morgen in die Stadt bringen könnten, damit ich mein Auto abholen kann. Anderweitig würde es mich den halben Tag kosten, also dachte ich, ich frage mal …“
„Von mir aus“, antwortete der Mann. „Seien Sie um acht Uhr hier. Einen schönen Abend noch.“
Er war kurz davor, ihr die Tür vor der Nase zuzuschlagen, doch die beiden Hunde machten ihm einen Strich durch die Rechnung, indem sie sich weiter von Noa streicheln lassen wollten.
„Wie heißen die beiden?“, fragte sie, damit das Schweigen nicht ganz so unangenehm wurde.
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