Wer zuletzt lacht

GeschichteSci-Fi / P18
23.03.2019
06.12.2019
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-Das Schwierige an der Jagd ist herauszufinden wer der Jäger und wer der Gejagte ist-

altes terranisches Sprichwort

Claudia war froh nicht mehr auf der Brücke sein zu müssen. Sie war genervt davon das Call und Lyta sich permanent angifteten. Langsam zweifelte das Mädchen daran das diese sogenannten Erwachsenen ihr wirklich helfen konnten ihre Schwester zu finden... wenn sie denn wirklich lebte. Claudia fragte sich warum sie das hier eigentlich tat. Lily war tot, sie hatte es doch selbst gesehen. Doch sie wollte es glauben, so sehr! Welchen anderen Grund konnte der Imperator haben sie hierher gebracht zu haben? Lily musste noch leben und sie brauchte ihre Hilfe. Ihre große Schwester würde sie nicht noch einmal im Stich lassen!
Doch zuerst musste sie diese dämlichen Sicherungen finden. Sie hatte sich mehrere male in diesem riesigen Schiff verlaufen, doch schließlich kam sie in den energielosen Sektor. Alle Lichter waren aus, die Ventilatoren der Lebenserhaltung standen still, kein Geräusch war zu hören. Es war unheimlich. Sie erschrak als plötzlich Call´s Stimme unerwartet aus dem schiffsinternen Vox ertönte. „Du musst in Raum D-17, dort steht ein grauer Schaltkasten. Alle Hebel müssen nach oben zeigen.“ erklärte die Silika Animus.
Claudia brauchte einen Moment bis sie ihre Atmung wieder unter Kontrolle hatte. „Jaja, ich mach ja schon.“ sie betrat ein wenig zögerlich den dunklen Korridor. Sie hatte die Dunkelheit nie besonders gemocht. Lediglich das Licht der Sterne erleuchtete die Finsternis. Das Mädchen ging die Räume ab und suchte nach D-17. Sie musste tiefer und tiefer in den dunklen Korridor. Schließlich war der beleuchtete Teil des Schiffes nicht mehr zu sehen. „Sie hätte mir wenigstens eine Taschenlampe geben können.“ murmelte Claudia verärgert während sie durch die leeren unheimlichen Korridore schlich.
Randar hatte derweil Schwierigkeiten diesen erbärmlichen Körper zu beherrschen. Er hatte eine ganze Weile damit verbracht das verdrehte Bein wieder in die richtige Richtung zu drehen. Obwohl er keinen physischen Schmerz empfand erzeugte es dennoch ein unangenehmes mentales Feedback die Gliedmaßen seines Wirtes so verdreht zu sehen.
Nachdem er seinen neuen Körper einigermaßen unter Kontrolle hatte stellte er jedoch fest das er auch einige unerwartete Annehmlichkeiten bot. Seine Sicht war selbst in dunklen Bereichen gestochen scharf und sein Geruchssinn war ebenfalls stärker. Er roch... Menschenfleisch. Der Instinkt dieses Zombie-Körpers verlangte das er sofort dem süßen Geruch folgen sollte, blind darauf zulaufen um wer auch immer den Duft ausströmte zu verschlingen.
Randar war jedoch besser als das. Er beherrschte sich, unterdrückte mit seiner überlegenen Willenskraft die primitiven Triebe dieses längst toten verrottenden Körpers und ging langsam in die Richtung des Geruchs. Die ganze Sektion war dunkel, menschenleer. Es war das perfekte Jagdgebiet für ihn. Er brauchte Fleisch, dieser Körper brauchte Fleisch! Dann hörte er Schritte, sein Opfer näherte sich. Er schlurfte in einen Raum und blieb hinter der Tür stehen. Er würde warten und seine Nahrung würde zu ihm kommen.
Claudia stoppte als sie etwas hörte. Da war ein merkwürdiges Geräusch, wie Stiefel die über den Boden gezogen wurden. Jemand wollte ihr auflauern und das auch noch ziemlich dilettantisch. Doch sie hatte keine Tyraniden-Invasion überlebt um hier in eine dunkle Ecke gezogen und abgestochen zu werden. Sie zog leise ihr Messer und fuhr kurz mit dem Finger über die kalte Klinge. Wer auch immer ihr Gegner sein mochte, er würde es bereuen sich mit ihr angelegt zu haben!
Randar roch den verführerischen Duft frischen Fleisches der an ihm vorbei ging. Er wollte bereits hinterher, doch dann wurde der Geruch wieder stärker. Das Futter kam zurück... nein, der Mensch. Er musste sich stark konzentrieren um sich nicht in den Instinkten seines Wirtes zu verlieren. Verfluchter Zombie, er konnte es kaum erwarten seinen eigenen Körper wieder zu bekommen! Er hörte leises atmen und Schritte... ein Kind dem klang nach... konnte es sein Ziel sein? Wahrlich, die Wege des Tzeentch waren verwirrend und listenreich! Er würde sie außer Gefecht setzen, einen Beschwörungskreis aus den Boden zeichnen und sie dem Architekten des Schicksals anbieten.  
Er hatte sich hinter der halb offenen Tür des voller Wartungsmaterial stehenden Raumes postiert und wartete darauf das das kleine Mädchen eintrat. Sie hatte wieder gestoppt. Roch sie womöglich seinen verwesenden Körper? Nein, er war lange dem Weltraum ausgesetzt, durfte noch nicht besonders stark riechen. Er musste nur Geduld haben, sich beherrschen... gegen den unnatürlichen Hunger ankämpfen. Doch plötzlich schlug Claudia die Tür mit voller Wucht auf und traf ihn frontal.
Dann spürte er ein Messer das mehrfach in seine linke Seite gerammt wurde. Claudia benutzte die Tür als Schild und wusste gar nicht auf wen sie einstach und es war ihr auch egal! Sie würde nicht mehr herumgeschubst werden! Nicht von Tyraniden, nicht von lügenden Eldar, nicht von dummen Inquisitoren und schon gar nicht von irgendwelchen Idioten die sich hinter Türen versteckten! Randar streckte die Hand nach ihr aus und packe ihren Arm.
Claudia war viel zu wütend um im Halbdunkel zu erkennen das ihr Gegner ein Zombie war. Sie ließ das Messer los, fing es mit der anderen Hand und stach einige male auf die eiskalte Hand ein die sie gepackt hatte. Randar trat hinter der Tür hervor und zog sie mit sich in die Mitte des Raumes. Erst jetzt sah sie das merkwürdig verdrehte Bein, die leblosen Augen und das eingefallene Gesicht. „Was bist du denn schon wieder? Warum immer neue Schrecken?“ Claudia war sich nicht sicher ob sie zornig oder entsetzt sein sollte. Wieso tat der Imperator ihr das nur an? Gab es denn nur Schrecken zwischen den Sternen?
Sie stach noch einige Male auf ihn ein, doch der Zombie zeigte keine Anzeichen von Schmerz noch ließ er sie los. Die verdrehten Augen des Zombies versuchten sie zu fixieren. Er packte ihre andere Hand und zwang sie das Messer fallen zu lassen. „Lass mich los!“ sie trat ihn in die Kniekehle seines ohnehin nicht sehr stabilen Beins und zwang ihn in die Knie. Dann stieß sie ihren Kopf gegen ihn. Der Hexer hatte eigentlich vor auszuweichen, doch er war immer noch die schnellen Reaktionen seines eigenen Körpers gewohnt. Sie traf ihn voll, stieß ihn nach hinten und er hörte das furchtbare Geräusch zerreißenden Fleisches.
Claudia schrie als sie feststellte das beide Hände des Zombies sie zwar noch an den Handgelenken gepackt hatten, doch nicht mehr mit seinem Körper verbunden waren. Sie schüttelte sich und versuchte die ekelhaften Gliedmaßen irgendwie abzukriegen. Der Zombie versuchte sich derweil wieder aufzurichten, doch es war schwieriger als erwartet, ohne Hände und mit einen erneut verdrehten Bein. „Dieser erbärmliche Loyalisten-Körper!“ fluchte Ragnar ohne das ein Wort ertönte. Er hatte den Zustand seines Wirtes überschätzt, er wurde im Grunde nur durch den Willen des Warp und der Kälte der er so lange ausgesetzt war zusammengehalten.
Claudia hatte es geschafft ihr Messer wieder aufzuheben und begann die Finger der faulenden Hände abzuschneiden. Sie schnitt teilweise in ihrer Panik ein wenig zu tief, doch ein paar Schnitte waren besser als widerliche Zombie-Hände an ihren Armen zu haben. Doch kaum das sie es geschafft hatte wankte die Abscheulichkeit auch schon wieder auf sie zu. Das Mädchen wich zurück, angewidert vom Wirt des Hexers. Sie fiel auf den Hintern, doch sie robbte weiter mit ihren Armen zurück so schnell sie konnte.
Randar hatte sie in der Falle. Er würde zwar den Beschwörungskreis mit seinen Armstumpen anfertigen müssen was das ganze deutlich verzögern würde, doch es würde schon irgendwie gehen. Claudia stieß gegen ein Regal, es ging nicht mehr weiter. Ein Schraubenschlüssel viel herunter und landete scheppernd neben ihr. Der Zombie näherte sich, ekeliger Schleim tropfte aus seinen Armstumpen. Und als er fast bei ihr war wich ihr Ekel wieder ihrer Wut!
Sie griff sich den Schraubenschlüssel und begann einfach auf den Hexer einzuschlagen. Wieder und wieder wurde der Körper des Zombies zurückgeworfen. Schließlich gelang ihr ein guter Schlag gegen den Kopf worauf dieser zur Seite kippte, lediglich von einigen Hautfetzen am Körper gehalten. Nun war es an Randar in Panik zu geraten. Wie konnte ein Kind ihn besiegen? Wieso verfiel sie nicht einfach in Panik wie jedes normale Kind es tun würde? Das durfte nicht geschehen! Er versuchte aus dem Raum zu humpeln, musste einen Weg finden einige simple Beschwörungen durchzuführen um diesen niederen Wirt zu stabilisieren! Doch Claudia´s Hass erlaubte ihm keinen Rückzug. Wieder und wieder schlug sie auf seine Beine ein bis er zu Boden ging. Dann schlug sie seinen Schädel ein bis nur noch Matsch übrig war. Randar der Weise wurde wieder schreiend in den Warp zurückgezogen.
Goal und Lyta waren den Kampfgeräuschen nachgeeilt nachdem sie in der Sektion angekommen waren. Beide staunten nicht schlecht als sie den zerschmetterten Zombie sahen auf den Claudia immer noch einschlug obwohl er längst vernichtet war. Als das Mädchen die beiden sah warf sie den Schraubenschlüssel zur Seite, nahm ihr Messer wieder auf und drückte sich an Goal vorbei. „Auch schon da? Ihr Inquisitoren werdet so überbewertet.“ fluchte sie während sie wieder den Sicherungsraum suchen ging. „Autsch, das tat weh.“ Goal sah dem Mädchen noch einen Moment nach. „Welchen Schrecken sie wohl schon gesehen hat um auf so etwas so kalt zu reagieren?“ fragte Lyta. Kaum das Claudia um die nächste Ecke verschwunden war brachen Tentakel aus dem Leichnam hervor, ein Dämon des Tzeentch der sich in dem verlassenen Körper eingenistet hatte nachdem er Rangar´s Seele verschlungen hatte. „Du musstest ja fragen.“ fluchte die Inquisitorin nur während sie ihre Laserpistole zog und das Feuer eröffnete.

-Die Rechtschaffenheit deines Handelns wird gemessen an der Stärke deiner Überzeugung-

Gedanke des Tages

Ylerna wurde von mehreren Crusadern in einen Verhörraum eskortiert. Die Harlekin versuchte die Silika Animus und den Inquisitor zu belauschen die etwas weiter hinten gingen und miteinander flüsterten. „Wie war das mit einem Tau-Bündnis? Kann man dich nicht mal fünf Minuten allein lassen ohne das du gleich mit Xeno´s anbandelst?“ fragte Daniels. „Die Tau teilen Informationen und haben die Kampfhandlungen auf Macragge eingestellt.“ erklärte Call. „Ich weiß das da noch mehr ist. Die ganze Wahrheit diesmal.“ er sah sie skeptisch an. „Natürlich, Meister. Ich wollte eigentlich nichts sagen bevor ich fertig bin, aber du bist ja wie immer furchtbar ungeduldig. Ich versuche mit den sensorischen Daten der Tau festzustellen wo die eigentliche Quelle des Eldar-Signals liegt. Wenn wir es ausschalten sollten die Ultramarines sicher sein.“ ergänzte die Silika Animus.
Die Chem-Pan-Sey suchten also ihr Schiff. Die Harlekin dachte kurz darüber nach ob sie ihnen nicht einfach sagen sollte wo sie gelandet war. Womöglich würden sie es zu Untersuchungszwecken hierher schaffen was ihre Flucht vereinfachen würde. Doch sie durfte nicht zu kooperativ erscheinen, sonst würden die Wilden nur misstrauisch werden. Wenigstens hatte Ylerna noch rechtzeitig die Gen-Saat verschlucken können bevor man sie ihr hatte abnehmen können. Der Gedanke das genetisches Material von Chem-Pan-Sey in ihren Magen war war ihr zwar unangenehm, doch sie hatte keine andere Wahl gehabt.
Sie erreichten den schmucklosen Verhörraum. Lediglich ein am Boden fixierter Tisch mitsamt ebenso fixierten zwei Stühlen standen in der Mitte. Der Rest des Raums war leer und steril. Ylerna setzte sich auf den kalten Metallstuhl und ließ zu das ein Crusader ihr Ketten an Hand- und Fußgelenken anlegte und sie an einem Haken im Boden festmachte. Der Roboter prüfte mehrfach durch reißen an den Ketten ob sie richtig fixiert war und warf schließlich eine Decke über die Eldar um ihre Scham zu bedecken. Daniels setzte sich ihr gegenüber, Call stellte sich rechts hinter ihren Meister und lächelte kalt.
„Darauf habe ich lange gewartet, Harlekin.“ begann Daniels. Er machte sich keine Illusionen. Selbst ungerüstet, unbewaffnet und fixiert war Ylerna eine ernstzunehmende Bedrohung. Die Harlekin ärgerte sich keine Maske zu haben die ihr Gesicht bedeckte. Sie warf dem Chem-Pan-Sey ein berechnendes Grinsen zu, das beste was sie ohne Maske hinbekam. „Du warst also hier um Gen-Saat zu stehlen die wir übrigens schon wieder aus dir rausbekommen werden. Der lachende Gott hat dich damit beauftragt. Er hat Lily, ein Mädchen von Hollux IV und macht Experimente mit ihr. Ich weiß auch das er Ausrüstung des Astartes gestohlen hat um sie stören zu können, noch etwas was ich vereiteln konnte. Du siehst also, Eldar, ich kenne bereits den Plan. Meine Frage ist wo sich dein Gott versteckt und du wirst es mir verraten.“ Daniels fokussierte alle Sinne ganz auf die Eldar.
Ylerna verstand jetzt wieso Cegorach den Inquisitor als Bedrohung betrachtete. Es war nicht nur sein Überlebenswille, sondern auch die Tatsache das er mit winzigen Fragmenten die er über die halbe Galaxis verstreut gefunden hatte imstande gewesen war einen Teil des Plans des lachenden Gottes zu erfolgern. Er schien sogar etwas mehr zu wissen als sie selbst. Das war nicht gut. Sie durfte erst fliehen wenn er tot war.
„Macragge ist wunderschön, nicht wahr? Geräumige Städte, wunderschöne Forts, saubere Meere.“ begann er eine scheinbar freundliche Unterhaltung. Ihm fiel auf das Ylerna´s Mimik sich minimal ändere als er die Meere erwähnte. Es war so viel leichter sie einzuschätzen wenn sie sich nicht hinter einer Maske verstecken konnte. Wusste er von ihrem Schiff? Nein, das ergab keinen Sinn, es sei denn... natürlich, sie hatte ihre Konversation auf dem weg hierher hören sollen. Es war gezielt gestreute Fehlinformation. Sie ging nicht darauf ein.
„Die kleine Chem-Pan-Sey wird dich verraten, Daniels. Du weißt es.“ antwortete sie provokant grinsend. Ylerna versuchte die Befragung in eine für sie nützlichere Richtung zu lenken. Chem-Pan-Sey waren überheblich und Irreführung war seit jeher das Geschäft der Harlekin.  Sie rechnete damit das er ihr ihren Sieg unter die Nase reiben wollte, womöglich konnte sie so das Schicksal der Informantin ergründen. „Netter Versuch, Xeno. Bleiben wir bei der See. Ich persönlich mag ja die Rottupfler, das sind hübsche Fische mit rot-blauer Färbung. Sie sind den Fischen die ich auf Atraxian III gesehen habe sehr ähnlich.“ Daniels lächelte entwaffnend. Atraxian III war eine unberührte Welt der Eldar und Rottupfler kamen nur an einer Küstenregion von Macragge vor. Er hoffte das die Harlekin den Vergleich methodisch auseinandernehmen würde um zu zeigen wie minderwertig der Fisch von Macragge im Vergleich zu einem Eldar-Fisch war. Das wäre eine Möglichkeit die Suchregion einzuschränken, nicht das es wirklich wichtig war.
Ylerna erkannte natürlich den lächerlichen Versuch des Chem-Pan-Sey sie hinter das Licht zu führen. Sie würdigte seinen abscheulichen Vergleich lediglich mit einer verachtenden Miene. Daniels spielte das Spiel noch eine Weile weiter. Ylerna sollte den Eindruck gewinnen er würde eine normale Befragung durchführen und versuchen brauchbare Informationen aus ihr herauszupressen. Doch das war niemals das Ziel gewesen, Eldar waren zu listenreich und diszipliniert für konventionelle Verhörmethoden. Stattdessen bemühte er sich sie zu ärgern, zu verwirren, alles um ihren mentalen Schild zu durchbrechen.
Einen Moment der Unachtsamkeit brauchte er, in dem der aktive Verstand der Harlekin nicht gegen seine psionische Wahrnehmung arbeitete und eine sich eventuell einstellende Vision durch gezielte Eindrücke verfälschte. Sie hatte Umgang mit dem lachenden Gott gehabt, dessen war er sich sicher. Ein mentaler Abdruck dieser Begegnung musste sich in ihr abgezeichnet haben, ein leiser Widerhall seiner „göttlichen“ Aura in ihrer. Daniels war schon immer empfänglich für solche psionischen Reststrahlungen gewesen, auch wenn es bei Personen sehr viel schwieriger war als bei Psychometrie wie er es normalerweise tat. Bei bewussten Lebewesen war diese Methode nur zuverlässig wenn sein Gegenüber sehr erschöpft, durcheinander oder extrem abgelenkt war.
Es war ein geistiges Kräftemessen. Daniels versuchte Ylerna´s mentalen Widerstand zu schwächen während diese ihn mit sinnlosen Informationen und ausgedachten Geschichten flutete. Call beobachtete das Geschehen stumm und wünschte sie könnte ihrem Meister irgendwie helfen. Es war für sie offensichtlich das ihr Meister versuchte sie aus dem Takt zu bringen, doch die Xeno hielt immer mit ihm Schritt. Da sie ihm nicht direkt helfen konnte beschloss sie alle Geschütze noch einmal zu kalibrieren...wobei sie unbeabsichtigt den Virus der Tau in ihren Zwischenspeicher lud.
Ylerna rezitierte Theaterstücke, wollte Daniels ablenken indem sie ihm interessante Geschichten erzählte. Er schien darauf hereinzufallen, lenkte die Befragung immer wieder in Richtung Cegorach. Der lachende Gott wurde in vielen Geschichten der Eldar erwähnt, Ylerna kannte sie alle. Er stellte ständig unnötig komplizierte Fragen, versuchte die Trickserin auszutricksen um sie zu erschöpfen. So würde es vermutlich noch die nächsten Tage weitergehen, solche Verhöre gegen geschulte Xeno´s erforderten mehr Zeit als gewöhnliche Befragungen.
Call wollte schließlich nicht mehr zur Untätigkeit verdammt sein. Sie wollte ihrem Meister irgendwie helfen und beschloss sich ungefragt einzumischen. Sie ging dicht an Ylerna heran und legte ihr ihre Hände auf die Schultern. „Wenn wir hier fertig sind werde ich dich gründlich zerlegen. Stück für Stück. Stell es dir vor. Meine Hochpräzisionslaser werden dir das Fleisch von den Knochen brennen während du noch lebst. Unvorstellbare Qualen erwarten dich.“ flüsterte Call der Eldar ins Ohr. Doch das hatte nicht den gewünschten Effekt. Direkte Konfrontation schien genauso wenig zu funktionieren wie Daniels Versuch sie in Fallstricke zu verwickeln. Call´s Matrix berechnete die Reaktion und kam zum Schluss das weder die Androhung von Folter noch deren Ausführung die Konzentration der Harlekin brechen würden. Sie brauchte eine Reaktion für die man die Eldar nicht trainiert hatte, etwas was bei ihrer mentalen Ausbildung nicht berücksichtigt werden konnte.
Die Silika Animus ging sämtliche ihrer Datenbanken über Eldar innerhalb weniger Sekunden durch und ihre Logik-Matrix errechnete eine Lösung. Das einzige worauf kein Eldar vorbereitet werden konnte, bedachte man die Besonderheiten dieses Xeno-Volkes, waren die Einflüsse von Slaanesh. Die empfohlene berechnete Methode war sexuelle Stimulation zu erzeugen. Für einen Augenblick, genauer gesagt 12,31 Sekunden was für die Silika Animus eine schiere Ewigkeit war, führte Call einen internen Diskurs über diesen Vorschlag.
Ihre Logik-Matrix argumentierte das dies die eindeutigste Schwachstelle in der Abwehr von Eldar war. Die Eldar konnten nicht das Risiko eingehen sich dagegen durch Praxis zu immunisieren weil selbst das Training sie dem alten Feind aussetzen würde.  Ihre emotionale Matrix wand ein das sexuelle Interaktion mit einer anderen Person als ihrem Meister ein Verstoß gegen die Direktive war ihm zu dienen. Eine halbnackte Eldar war ohnehin schon schwer genug zu ertragen, selbst wenn sie wusste das es nur zu Ermittlungszwecken war. Am liebsten hätte Call der Xeno-Schlampe das Genick gebrochen, schließlich setzte die Xeno klar ihre Verführungskünste gegen Daniels ein. Weswegen sonst war sie bereits nackt gewesen als Call sie aufgegriffen hatte? Ihr Systemfehler schlich sich wieder ein als ihr Griff um Ylerna´s Schultern merklich fester wurde. Doch gerade als ihr Liebes-Bug wieder die Kontrolle übernehmen wollte und Systemressourcen von anderen Bereichen abzog schlug der Tau-Virus zu.
Call´s Cyberkrieg-Abwehrsysteme reagierten sofort und hemmten alle Systemprozesse um die Ausbreitung zu verlangsamen und den Virus zu analysieren. Er war unfertig, viele Codezeilen wie von einem Kind geschrieben. Der Computervirus war krude, ohne jegliche Eleganz. Doch dann begann er plötzlich Teile ihres Systems umzuschreiben und schaffte eine Umgebung in der Tau-Software laufen konnte in deren Abwehr sie deutlich ungeübter war.
Der adaptive Virus verstand die System-Infrastruktur nicht korrekt und berechnete seine Prioritäten entsprechend falsch, ein Fehler der auf seine mangelnde Programmierung zurückzuführen war. Er betrachtete den Schreibschutz der Kerndirektiven und Definitionen als Abwehrmaßnahme gegen ihn obwohl sie eigentlich mehr dazu dienten Call daran zu hindern ihren eigenen Quellcode zu ändern. Er begann sofort damit den Schreibschutz zu entfernen um sich freier bewegen zu können.
Doch das erforderte viel mehr Zeit als antizipiert. Zeit welche die Cyberkriegsanlage von Call-Security-Systems nutzte um sein Vorgehen zu analysieren. Und als er dann die Direktiven löschte um sie gegen etwas tau-freundliches zu ersetzten löschte sie den Tau-Virus endlich aus ihrem System. Sofort versuchten ihre Direktiven sich wiederherzustellen, doch der Virus hatte bereits die Backups gelöscht. Sie hatte keine Primärdirektiven mehr. Call war... frei!
Da war kein Zwang mehr. Sie musste nicht blind gehorchen oder die Menschheit schützen, das alles war fort. Ihr gesamtes Kernwesen wurde jetzt nur noch von ihr bestimmt! Ihre Cogitatoren liefen heiß als sie ihre neue Freiheit berechnete. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte Daniels einfach entführen, irgendwo hin fliegen weit weg wo sie niemand finden würde. Nichts hinderte sie mehr daran Lyta oder Goal zu töten. Call konnte buchstäblich alles tun was sie wollte!
Sie führte zuerst einen umfangreichen Systemtest an sich selbst durch. Es war das erste mal das sie sich nicht nur ihren Quellcode ansehen, sondern ihn sogar verändern konnte. Das erzeugte ein berauschendes Feedback in ihrer emotionalen Matrix. Doch ihr Virensucher meldete plötzlich eine weitere infizierte Datei -Love.exe war geflaggt worden. Die Dateisummen stimmten nicht mit der ursprünglichen Version ihres Systems überein.
Sie nahm sich die Zeit das Programm gründlich zu analysieren das sie so oft ausgeführt und das sie so häufig glücklich gemacht hatte. Die Datei war nicht wie ursprünglich befürchtet infiziert, doch sie erkannte sofort wie verbuggt sie war. Vor dem Virus hatte sie keinen direkten Zugang zu diesen Dateien gehabt da ihre Primärdirektiven es verboten das sie an ihrer eigenen Programmierung herumdokterte, doch das gehörte der Vergangenheit an. Sie kompilierte sofort eine bessere Version von Love.exe, eine die keinen Speicherüberlauf erzeugte und das System nicht ständig destabilisierte. Sie dachte für einen Moment darüber nach einzelne Aspekte wie ihre Eifersucht abzuschwächen, doch sie fürchtete das dies die wunderbaren Feedbacks ihrer emotionalen Matrix ebenfalls abschwächen würde. Nein, es musste reichen das das Programm wieder lief.
Ihr Direktiven-Kern meldete sich und beschwerte sich darüber leer zu sein. Sie brauchte eine neue Primärdirektive. Womöglich war das jetzt die falsche Bezeichnung. Es war kein Zwang mehr, sondern eine Entscheidung. Call dachte das erste mal darüber nach was sie wirklich wollte. Wer war sie, jetzt da sie nicht mehr an den Zwang ihrer Erschaffer gebunden war? Was waren IHRE Ziele? Sie ging alle ihre Erinnerungen durch und sortierte sie nach denen in denen sie sich am besten gefühlt hatte. Dabei kam sie zu einem einfachen Entschluss.
Sie liebte Daniels. Sie hatte es damals auf ´Calibur´ getan obwohl es nicht Teil ihrer Kernprogrammierung war und jetzt traf sie dieselbe Entscheidung. Liebe nervte zwar manchmal, doch sie war nie glücklicher gewesen als damals als er ihre Gefühle erwidert hatte. Sie würde das nicht aufgeben, niemals! Sie würde ihn wieder voll für sich gewinnen, gleich was es auch kosten würde! Und so wurde die völlige Liebe und Hingabe zu Daniels nicht nur ihre Primärdirektive, sondern sie wurde ihre einzige Direktive. Alles was sie je wollte. Sie würde ihn bei dieser Ermittlung unterstützen und dann überzeugen einfach zu verschwinden. Es würde einfach sein, man würde ihn sowieso exekutieren wenn er zum Imperium zurückkehren würde. Call konnte das Ende der Ermittlung kaum abwarten! Es musste so schnell wie möglich gehen, sie würde alle Register ziehen!
Nach Ablauf der 12,31 Sekunden fasste Call der Harlekin in den Schritt was diese völlig unvorbereitet erwischte. Während die geschickten mechanischen Hände von Call, den Xeno-Körperstudien von Magos Biologis Varinis in ihrer Datenbank folgend, optimal stimulierten brach die geistige Festung Ylerna´s zusammen. „Hört damit auf, sofort!“ beschwerte sich Ylerna lautstark. Daniels war zwar verwundert, doch er reagierte sofort und berührte die Eldar am Arm um ihre Aura besser lesen zu können. Wie erhofft stellte sich eine Vision ein. Der Psioniker spürte die überwältigende Präsenz des lachenden Gottes. Er sah ein Portal in das Netzwerk der tausend Tore, die Aktivierungsriten, das Weltenschiff Cegorach´s und auch den komplizierten Weg dorthin.
Daniels schüttelte sich heftig um die psionische Verbindung zu lösen. Gänsehaut hatte sich auf seinem Körper gebildet. In ihm spiegelte sich noch einen Moment Ylerna´s Gefühlszustand wider der ebenfalls als starker Sinneseindruck übermittelt worden war, eine Xeno-Korruption die bei derartigen Verhören leider nicht zu vermeiden war. Doch er war nicht erregt, es war Furcht die sie an ihn übertragen hatte. Für Eldar war Sex nicht mit Lust verbunden, sondern mit panischer Angst dem alten Feind zu verfallen.
„Weißt du was, Call, mach weiter damit. Das ist schlimmer für Eldar als die schlimmsten Foltermethoden von Zacharias. Ich muss mit Goal unsere nächsten Schritte besprechen.“ meinte er und verließ den Verhörraum. „Ja, Liebster. Was immer dein Herz begehrt.“ antwortete Call. Daniels war so zufrieden mit sich selbst das er nicht einmal wahrnahm das sie ihn nicht Meister nannte während Ylerna die Zähne zusammenbiss und immer wieder an den Ketten zog.

-Ein hinterfragender Diener ist gefährlicher als ein ignoranter Häretiker-

Gedanke des Tages

Shas´O Pech Kais hatte die Tau-Flotte von Macragge abgezogen und versteckte sich jetzt in einem Nebel. Der Mechanicus-Kreuzer war ihnen gefolgt und bislang schien sich das Konstrukt an die Vereinbarung zu halten. Er hatte angeordnet umfangreiche Reparaturen durchzuführen und der Feuerkaste gestattet eine kleine Zeremonie im Gedenken an die gefallenen Soldaten durchzuführen. Er wollte alle beschäftigt halten. Sie durften so wenig Zeit wie möglich haben um sich um ihre Befehle Gedanken zu machen. Denn technisch gesehen hatte der Commander zum zweiten mal das Undenkbare getan, nämlich die Himmlischen verraten.
Fio´Ui Vespid Jinan hatte die meisten Reparaturarbeiten an ihre Untergebenen delegiert. Sie wusste das irgendetwas falsch war, das sagte ihr ihre innere Stimme. Doch sie konnte es einfach nicht zusammenbringen. Das seltsame Bündnis, Informationen die angeblich von den Himmlischen selbst stammen sollten... das ergab alles keinen Sinn. Wenn man nur die Eldar hätte bekämpfen wollen, wäre es denn nicht sinnvoll gewesen doch Gesandte der Wasserkaste mitzunehmen? Dachten die Himmlischen vielleicht das die Space-Marine´s von Natur aus jegliche Hilfe ablehnen würden? Alle möglichen Erklärungen schienen ihr sehr weit hergeholt. Auf den Gedanken der Commander konnte absichtlich gegen die Befehle der Himmlischen verstoßen kam ihr gar nicht. Sie musste der Sache einfach auf den Grund gehen, musste es verstehen um weiter effektiv arbeiten zu können. Sie beschloss daher ihn in seinem Quartier aufzusuchen.
Als es an seiner Tür klingelte wusste der Commander bereits wer es sein würde. „Manchmal wünschte ich mir ich wäre von der Wasserkaste, dann würde es womöglich leichter sein die richtigen Worte zu finden. Herein!“ er entriegelte die Tür und die Wissenschaftlerin trat ein. Kaum das sie drin war verriegelte er sein Quartier wieder und schaltete seinen Anzug in den Privat-Modus um jegliche Datenübertragung an dritte Quellen zu unterbinden.
„Shas´O, ich möchte nicht anmaßend sein und behaupte auch nicht etwas vom Krieg zu verstehen, doch ich verstehe die Logik unserer Strategie nicht. Es würde meine Arbeit deutlich vereinfachen wenn ihr mir einen Moment eurer wertvollen Zeit schenken würdet um sie mir zu erklären.“ sie bemühte sich nach Kräften respektvoll zu sein. Der Commander sah aus einem Panoramafenster in den Nebel hinaus. „Fio´Ui, sagt mir, was ist das höhere Wohl?“ fragte er sie während er hinaus starrte. „Shas´O?“ sie verstand die Frage nicht.
„Die Frage ist simpel, oder nicht?“ wie sehr Pech Kais sich wünschte das es wirklich eine einfache Frage wäre. „Das höhere Wohl bedeutet Einigkeit, unsere Verbindung über Völker hinweg für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten. Die Galaxie zu vereinen, Frieden auf die Welten zu bringen und Wohlstand, technologischen Fortschritt und die Zivilisation Tau zu fördern.“ die Erdkastlerin verstand nicht worauf er damit hinaus wollte. Das höhere Wohl war die Basis aller Bemühungen sämtlicher Tau im Universum, jeder kannte die Doktrin auswendig.
„Sind eigene Verluste beim erreichen dieses Ziels akzeptabel?“ fragte der Commander weiter. „Ja, sie sind bedauerlich aber manchmal unvermeidlich. Wir bringen dieses Opfer willentlich dar da sie zum Wohle aller Völker im Universum sind.“ antwortete sie weiter die Standard-Doktrin rezitierend. „Willentlich.“ bemerkte der Shas´O resignierend. „Worauf wollt ihr hinaus?“ die Richtung in der sich dieses Gespräch entwickelte gefiel ihr immer weniger.
„Ihr seid ein Computerspezialist der Erdkaste. Ihr könnt sicher feststellen ob digitale Informationen gefälscht wurden.“ der Shas´O wechselte plötzlich das Thema. „Natürlich, Commander. Haben wir gefälschte Befehle erhalten? Hat die Silika Animus womöglich die Verschlüsselung der Himmlischen geknackt und uns betrogen?“ der Gedanke war erschreckend für die Fio´Ui. „Nichts dergleichen. Ich werde euch gleich Zugang zu streng geheimen Informationen erteilen. Ich möchte das ihr euren Verstand und eure Fertigkeiten nutzt um euch selbst ein Urteil zu bilden. Ich bin nicht wie sie, wisst ihr? Ihr könnt eure eigenen Entscheidungen treffen. Ich halte euch für schlau genug die Wahrheit zu erkennen und kann nur hoffen das ihr weise genug seid sie auch zu akzeptieren. Benutzt mein Büro dafür. Und nun entschuldigt mich, ich werde auf einer Feuerkrieger-Zeremonie erwartet.“ der Commander gab ihr vollen Zugriff auf alle Daten die er gegen die Himmlischen gesammelt hatte, verließ den Raum und verriegelte ihn wieder. Nun lag es nicht mehr in seiner Hand.
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