Wer zuletzt lacht

GeschichteSci-Fi / P18
23.03.2019
06.12.2019
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Es wird empfohlen "Hammerfall", "der Geist in der Maschine" , "Das Wohl der Anderen" und von "Göttern und Inquisitoren" zu lesen. Dort wird die Vorgeschichte und Motivation und Herkunft vieler Charactere beschrieben die in dieser Geschichte nicht explizit erklärt werden.

Wer zuletzt lacht



-Unschuld beweist gar nichts-

Leitspruch der Inquisition

Seit drei Wochen befand sich Maschinenseherin Lyta nun schon in Gewahrsam der heiligen Inquisition. Wieder und wieder hatten verschiedene Interrogatoren sie intensiv verhört. Man beleuchtete jedes Detail ihres Lebens, doch es war offensichtlich das man sich primär für jede Ermittlung interessierte die sie unter Inquisitor Daniels durchgeführt hatte. Die Diener der Inquisition suchten nach den kleinsten Anzeichen von Korruption und Häresie.
Lyta verstand dieses Vorgehen. Es war logisch. Ihr alter Meister hatte sich mit einer Silika Animus verbündet, einem der schlimmsten Feinde des Maschinengottes. Sie hatte es selbst gemeldet wie er es verlangt hatte, doch sie konnte die Motivation ihres Inquisitor´s immer noch nicht verstehen. Obwohl, war er überhaupt noch ihr Inquisitor? Sie wollte immer noch glauben das Call, die Silika Animus, ihren Meister irgendwie manipuliert hatte, ihn einer Gehirnwäsche unterzogen hatte oder etwas in der Art. Er war immerhin lange in ihrer Gefangenschaft gewesen. Es wollte ihr einfach nicht in den Kopf das er Verrat am Imperium begehen würde. Aber er hatte nicht nur das Imperium verraten, er hatte auch sie verraten, ihren Glauben an Omnissiah und auch an ihn mit Füßen getreten. Wie hatte er ihr das nur antun können, insbesondere wenn man bedachte das die Silika Animus Kommissar Holden getötet hatte?
Die Tür zu ihrer Zelle öffnete sich. Ein Space-Marine der Deathwatch kam kurz in die Zelle, nickte ihr zu und deutete ihr zu folgen. Doch diesmal führte man sie nicht in ein schmuckloses Verhörzimmer sondern in eine halb beleuchtete Kammer. In einem großen Kreis angeordnete Kerzen spendeten fades Licht, in der Mitte war eine Metallplatte mit dem Symbol der Inquisition. Ihre Implantate registrierten irgendeine Technologie die darin verbaut war, doch sie konnte sie nicht genau bestimmen, jedenfalls nicht ohne komplexen Diagnose-Ritus. Mehrere Personen standen im Halbschatten, sie hörte den Atem von mindestens zehn Personen.
Sie kannte diesen Raum aus Erzählungen von Inquisitor Daniels. Es war ein geheimes Gericht, das Tribunal der Inquisition. Dies lies den Schluss zu das man ihr, wie sie erwartet hatte, den Prozess machte. Die meisten dieser Prozesse endeten allerdings mit einem Todesurteil. Ein Teil der Wand öffnete sich und ein alter faltiger Mann schwebte auf einem Antigravitations-Thron herein. Die Wand schloss sich wieder und der alte Mann sah sich langsam um Raum um. „Im Namen der Konklave erklären wir diese Gerichtssitzung für eröffnet. Ist die Anklage bereit den Fall darzulegen?“ seine Stimme war zittrig.
„Inquisitor Zacharias für die Anklage, Erzinquisitor.“ der Eldar-Experte trat aus den Schatten ins Kerzenlicht. „Die Verteidigung?“ fragte der Erzinquisitor nachdem er Zacharias kurz zugenickt hatte. „Inquisitorin Goal für die Verteidigung, eure Lordschaft.“ Goal trat aus den Schatten hervor. Wenigstens stellte man Lyta eine Verteidigung, doch das beruhigte sie nur unwesentlich. „Der Prozess beginnt. Mögen die Parteien ihren Standpunkt darlegen.“ verkündete der Erzinquisitor und deutete fortzufahren.
„Euer Gnaden, zu meiner Verteidigung...“ wollte Lyta beginnen, doch der Erzinquisitor gebot ihr mit seiner zittrigen Faust Einhalt. „Ihr geht fehl in der Annahme dies sei euer Prozess, Maschinenseherin.“ bemerkte der alte Mann. Dies lies nur einen alternativen Schluss zu. Es war der Prozess ihres Meisters. „Der Beklagte hat wiederholt imperiales Recht gebrochen! Er hat getreue Diener des Imperator´s dem Tod und der Verderbnis überlassen! Er hat Ermittlungen schleifen lassen und seine Pflichten vernachlässigt! Doch das größte Verbrechen war ein verabscheuungswürdiges Bündnis mit einem verfluchten ketzerischen Wesen namens Call, einer Silika Animus. Dies kann ich persönlich bezeugen, hohes Gericht! Auf derartige Vergehen kann es nur eine Antwort geben! Die Anklage fordert daher die Todesstrafe für den Ketzer!“ es war offensichtlich das dieser Prozess ein persönliches Anliegen für Zacharias war.
„Die Verteidigung stellt den Antrag das Urteil aufzuschieben bis Inquisitor Daniels sich selbst zu diesen Vorwürfen äußern kann.“ beantragte Goal. „Daniels hat jeglichen astropatischen Kontakt verweigert. Es ist offensichtlich das er nicht wünscht vor diesem hohen Gericht Rechenschaft abzulegen. Kaum verwunderlich in Anbetracht seiner Taten.“ der Ankläger machte keinen Hehl aus seiner Verachtung. „Womöglich hat er derzeit keinen Zugriff zu einem Astropathen und den Ruf des Tribunal´s gar nicht vernommen.“ warf Goal ein. „Wir fahren ohne den Beklagten fort. Er hatte seine Gelegenheit vorzusprechen. Das Gericht ist bereit die Beweise zu sichten.“ der Erzinquisitor spielte über einen Knopf an seinem Thron die ersten Beweismittel ein. Ein großer Bildschirm erwachte in einem abgedunkelten Teil des Raums zum Leben.
Die nächsten Stunden verbrachte das Tribunal damit Beweismaterial zu sichten. Streng geheime Berichte, Videoaufnahmen, durch Interrogatoren teilweise erzwungene Zeugenaussagen, Ergebnisse von psionischen Tiefenscan´s von Befragten aus unterschiedlichen Ermittlungen die Daniels geführt hatte. An einige erinnerte sich Lyta. Kriminelle Informanten, Menschen deren Schuld von Daniels als zu gering eingestuft waren, Opfer die mit ketzerischer Magie in Berührung gekommen waren und andere fragwürdige Individuen.
Natürlich hätten die meisten Inquisitoren diese Leute ohne zu zögern hingerichtet, doch ihr Meister hatte schon immer eine etwas andere Herangehensweise an die Dinge gehabt. Das gereichte ihm hier eindeutig zum Nachteil. Zwar gab es immer wieder Inquisitoren die Leute verschonten, doch für gewöhnlich war es die Ausnahme, nicht die Regel. Daniels hatte es jedoch immer bevorzugt so viele wie möglich zu retten statt möglichst viele Ketzer zu vernichten. Auch dies würde ihm hier nicht zum Vorteil ausgelegt werden, auch wenn Goal ihr bestes gab seine Taten zu rechtfertigen indem sie darauf hinwies das imperiale Institutionen für gewöhnlich bereitwillig mit ihm kooperierten und er ein ungewöhnlich effizientes und großes Netzwerk aus zuverlässigen Informanten hatte.
Es war während der gesamten Beweisaufnahme nicht ersichtlich welche Position der Erzinquisitor einnahm. Der alte Mann hatte sein Gesicht vollständig unter Kontrolle, zeigte nicht die geringste Gefühlsregung während er den Horror sichtete dem sich jeder Diener der heiligen Inquisition jeden Tag stellen musste. Schließlich fiel sein Blick auf Lyta. „Ihr wart ein Agent des Beklagten.“ es war eine Feststellung, keine Frage. „Ja, Lord Erzinquisitor.“ Sie schluckte unwillkürlich. „Ihr habt zusammen mit Inquisitorin Goal einen umfangreichen Bericht eingereicht, doch eure Schlussfolgerungen fehlen.“ bemerkte er.
„Ich wollte meinen Bericht nicht durch Spekulationen verfälschen. Dies steht nur Inquisitoren zu.“ antwortete sie wahrheitsgemäß. „Wir schätzen diese Einlassung. Trotzdem interessiert es uns was ihr denkt. Ihr gehört zu seinem engsten Beraterstab, seid eine seiner vertrautesten Agenten. Wieso glaubt ihr ist er das unreine Bündnis mit einer Silika Animus eingegangen?“ fragte er sie mit durchdringendem Blick anstarrend. „Was ich weiß ist das er eine Verurteilung als Ketzer erwartet. Inquisitor Daniels ist scheinbar überzeugt das was er tut keine Vergebung erwarten kann. Über alles andere müsste ich spekulieren.“ sie erinnerte sich an die letzten Worte die sie mit ihrem Meister gewechselt hatte.
„Haltet ihr sein Verhalten für gerechtfertigt?“ es war die eigentliche Frage die der Erzinquisitor stellen wollte. „Er hatte in der Vergangenheit immer gute Grunde.“ Lyta hatte oftmals eine andere Vorgehensweise bei Ermittlungen gewählt als ihr Meister es getan hätte, doch Daniels hatte meistens gute Ergebnisse erzielt. „Das hat das Gericht euch nicht gefragt, Weib!“ herrschte Zacharias sie an. Ein missbilligender Blick des Erzinquisitors lies den Ankläger jedoch rasch demütig zu Boden blicken bevor er Lyta wieder ins Visier nahm.
„Ich habe zwei Theorien. Eine Möglichkeit ist das Call Inquisitor Daniels irgendwie manipuliert oder sogar kontrolliert. Silika Animi sind gefährliche Konstrukte und ihre Manipulationen können sehr subtil sein.“ begann die Maschinenseherin. „Sollte dem so sein wäre er seines Posten´s unwürdig.“ ergänze Zacharias. „Haltet doch einfach einmal euren Mund, Zacharias!“ flüsterte Goal gefährlich leise. Sie hätte ihren Kollegen angesprungen wenn sie nicht bei einem Tribunal gewesen wären. Sie war die persönliche Vendetta die Zacharias hier führte einfach leid, von seiner chauvinistischen Einstellung ganz zu schweigen. „Meine zweite Theorie lautet dahingehend das er fälschlicherweise glaubt nur durch den Einsatz des ketzerischen Konstruktes größeres Unheil zu verhindern. Doch dies ist durch wenig belastbare Daten gestützt, denn bislang hat er immer Vertrauen in die Streitkräfte des Imperiums gehabt.“ Lyta hatte selbst zahllose Nächte wach gelegen im Versuch ihren Meister zu verstehen.
„Dieses Tribunal hat alle Eingaben vernommen und ist bereit sich die Empfehlungen anzuhören.“ der Erzinquisitor war bereit für den letzten Schritt der Entscheidungsfindung. „Die Anklage empfiehlt den Widerruf des Ranges von Inquisitor Daniels und seine Erklärung zum Ketzer, wenn nicht gar zum Häreticus Traitor.“ Zacharias war bereit den Weg bis zum Ende zu gehen. „Häreticus Traitor? Ihr wollt auch alle seine Verbündeten verdammen? Lächerlich! Die Schuld kann nicht klar bewiesen werden, daher empfiehlt die Verteidigung das festsetzen des Inquisitors damit seine Beweggründe klar eruiert werden können. Seine letzten Ermittlungen deuteten auf eine gewaltige Eldar-Verschwörung hin, ich würde diese Ermittlungen gerne aufgreifen und auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen.“ Goal war nicht vollends von Daniels Unschuld überzeugt, doch sie fand es ein unnötiges Risiko alle seine bisherigen Erkenntnisse ob dessen zu ignorieren.
„Agentin Lyta, wir sind auch an eurer Empfehlung interessiert.“ der alte Mann faltete seine knochigen Hände zur Pyramide. „Mein Lord, einen Zeugen diesbezüglich anzuhören ist höchst unüblich.“ Goal war unsicher was der Erzinquisitor bezweckte, zumal Lyta sich unbeabsichtigt auch selbst schwer belasten konnte. „Wir sind mit unseren eigenen Protokollen durchaus vertraut, Verteidigerin.“ mahnte der alte Mann ohne Goal auch nur einen Blickes zu würdigen.
Lyta war sich zunächst unsicher was sie antworten sollte. Sie wusste auch nicht was man von ihr erwartete. Wollte der Erzinquisitor das sie ihren Meister verdammte? Sollte sie ihn verteidigen? Ein Bekenntnis für oder wider ihres Meisters würde ohne Zweifel als Beweis auch in ihrem Verfahren herangezogen werden. Die Maschinenseherin entschied sich schließlich für den Pfad des Maschinengottes, den der Logik, und sprach das Offensichtliche aus das bisher im Prozess nicht erwähnt wurde. „Ich finde das die Silika Animus bekämpft werden muss.“ antwortete sie schließlich.
Für einige unendlich lang erscheinende Momente wägte der Erzinquisitor die Faktenlage ab. „Hiermit befindet dieses Tribunal das Daniels der Status eines Inquisitors des goldenen Thron´s aberkannt wird. Seine Privilegien werden widerrufen und er ist zur umgehenden gründlichen Befragung zur Konklave zu überführen. Sollte er sich dieses Urteils verweigern ist tödliche Gewalt autorisiert. Wir beschließen ferner die Anregung der Verteidigung aufzugreifen. Es wird Inquisitorin Goal gestattet den letzten Fallakten des Beklagten nachzugehen. Es wird womöglich helfen das Ausmaß seiner finalen Strafe festzustellen.“ verkündete der Erzinquisitor sein Urteil.
Lyta war sich nicht sicher wie sie sich fühlen sollte. Daniels war damit kein Inquisitor mehr und natürlich nahm das auch den letzten Schutz von ihrer Person. Sie wollte etwas sagen, doch sie fand keine Worte. „Mein Lord, ich würde Agentin Lyta gerne in meine Entourage aufnehmen. Sie war, wie eure Lordschaft bereits erkannt haben, eine seiner engsten Berater und könnte Einsicht in seine Arbeit geben die sonst verborgen bliebe.“ beantragte Goal. Zacharias wollte gerade widersprechen, doch der Erzinquisitor kam ihm zuvor. „Ich halte es für weise sie hinzuzuziehen, doch sie ist nach wie vor eine Gefangene dieses Tribunals. Doch wir werden eure Bitte gestatten, auf eure persönliche Verantwortung. Auch über sie wird zu gegebener Zeit ein Urteil gesprochen werden.“ der alte Mann machte klar das diese Sache noch nicht vorbei war bevor er seinen Thron zurücksteuerte und die geheime Versammlung sich auflöste.

-Alle Seelen schreien nach Erlösung-

Gedanke des Tages

Daniels schreckte in seinem Bett hoch. Er hatte einen furchtbaren Alptraum gehabt. Er hatte geträumt das er auf einem einsamen Planeten abgestürzt, eine gewaltige Verschwörung eines Eldar-Gottes aufgedeckt und sich mit einer Silika Animus die sich unsterblich in ihn verliebt hatte verbündet hatte um Macragge zu retten. „Terra sei Dank, es war nur ein Tr...“ er fiel rückwärts aus dem bequemen Bett als er Call neben sich liegen sah. „Naja, immerhin nicht Goal, dann wäre ich längst in die Wand einmassiert worden... oder schlimmer, Zacharias.“ er schüttelte sich. Es war leider kein Traum gewesen.
„Meister, hast du dir weh getan?“ Call stand auf und wollte ihm aufhelfen, doch er schlug ihre Hand aus und kam von selbst wieder auf die Beine. „Nein, so läuft das nicht, Call! Ich bin gestern allein ins Bett gegangen, was machst du hier?“ fragte er ungehalten. „Technisch gesehen bin ich überall auf dem Schiff, Meister, doch ich hatte nicht die Absicht dich zu verärgern.“ sie senkte demütig den Kopf. „Ich habe dich verschont weil ich dich brauche und aus keinem anderen Grund! Wir sind nicht zusammen und wir teilen auch nicht das Bett!“ stellte er lauter fest als er es vorgehabt hatte. „Meine Stimmanalyse und Datenbank deutet auf etwas anderes hin, doch ich würde natürlich nie meinem Meister widersprechen.“ sie schmunzelte leicht. Er grummelte verärgert und ging auf die Brücke.
Als er ankam war sie natürlich schon da, wie auch immer sie es geschafft hatte ihn auf der kurzen Strecke zu überholen. Womöglich hatte sie auch mittlerweile mehrere Avatare von sich selbst gemacht, ehrlich gesagt wollte er es gar nicht wissen. „Wie weit sind wir noch weg?“ fragte er sich auf den Stuhl des Captain´s setzend. „Noch drei Warpsprünge, Meister. Nach Schätzungen des gefangen genommenen Navigator´s voraussichtlich noch vier Tage bis wir Macragge erreichen. Sehr viel Zeit um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, Meister. Mit mir zum Beispiel.“ Call lächelte ihn verführerisch an.
Daniels hatte es beinahe vergessen das Call den Navigator der das Schiff durch das Immaterium lenkte isoliert und getäuscht hatte. Vermutlich dachte er das er das Werk des Imperator´s tat während er im Grunde eine Geisel war. „Möchtest du Frühstück, Meister?“ Call unterbrach seine Gedanken mal wieder in einem unpassenden Moment. Er hatte den Eindruck das sie das mit Absicht machte. Wann immer er grübelte warf sie irgendwelche Belanglosigkeiten ein. „Richtig zu essen ist wichtig, Meister. Ich habe...“ Call wollte gerade ihre Kochkünste anpreisen als er einfach aufstand und die Brücke verließ. „Wohin gehst du?“ fragte sie. „In die Navigatorenkammer.“ erwiderte er. „Das ist nicht empfehlenswert.“ sie versuchte ein paar Türen zu verriegeln um ihn zu verlangsamen, doch ihre Direktiven verweigerten ihr diese Aktion. „Ich bitte dich nicht um Erlaubnis.“ Daniels würde sich nicht vor Call rechtfertigen.
Die Kammer des Navigator´s war nur schwach beleuchtet. Er war ein alter Mann, gehüllt in eine dicke irgendwie schäbig wirkende braune Robe die seine Mutationen und sein drittes Auge verdeckte. Daniels war sich nicht sicher wieso er hierher gekommen war. Was erhoffte er sich hiervon? „Inquisitor? Meine alten Augen sehen nicht mehr so gut.“ seine Stimme war rau und brüchig. „Woher wisst ihr das ich ein Inquisitor bin?“ fragte er zögernd. „Ich bin alt, nicht dumm... auch wenn eure Dienerin das zu glauben scheint.“ der Navigator schaute zu den Sternen hinaus. „Dann wisst ihr...?“ er wagte es nicht den Satz zu ende zu sprechen. „Das meine Crew tot ist? Ja, ich bin mir dessen bewusst, Inquisitor. Ich bin mir sicher ihr hattet eure Gründe, welche auch immer dies sein mögen. Seid unbesorgt, ich werde euch trotzdem sicher durch die Unbillen des Warp geleiten, denn dies ist die Aufgabe die der Imperator mir anvertraut hat. Die bessere Frage ist... wieso seid ihr gekommen?“ der Navigator starrte weiter in die Leere des Kosmos.
„Ich weiß es nicht.“ Daniels atmete tief ein. „Ihr wisst es sehr wohl, Inquisitor. Doch was ihr sucht kann ich euch nicht gewähren. Nicht weil ich euch hasse obwohl mein altes Herz voll Trauer ist über den Verlust meiner Crew. Ich kann es nicht gewähren weil es nur an ihm auf Terra ist eurer Bitte stattzugeben.“ der Navigator verharrte. „Und um was sollte ich eurer Meinung nach bitten, Navigator?“ fragte Daniels nach. „Nach Erlösung, Inquisitor... nach Erlösung.“ kaum hatte der Navigator ausgesprochen verließ Daniels die Kammer. Macragge wartete auf seine Rettung, sonst wären alle seine Opfer umsonst gewesen. Er musste gewinnen!

-Anzugreifen - das ist Perfektion, in einen einzigen Moment destilliert. Greife stets zuerst an-

Die Lehren des Asurmen

Ylerna war lange Zeit ziellos im Netzwerk der tausend Tore herumgeirrt. Sie wandelte über teilweise gefährlich instabile alte Pfade ohne Richtung, ohne Ziel. Wohin sollte sie gehen? Ihr Weltenschiff? Die schwarze Bibliothek? Nachdem sie dabei versagte hatte Inquisitor Daniels zu töten wie man es ihr aufgetragen hatte schien ihr das irgendwie nicht richtig. Und selbst wenn, sie würde womöglich Monate umherwandern müssen bis sie die richtigen Pfade fand.
Doch dann hörte sie wieder dieses mittlerweile vertraute Lachen. Dieses klare beflügelnde Lachen. Sie folgte dem Geräusch, ging über halb zerstörte Pfade des Netzwerks vor denen selbst Ranger zurückgeschreckt wären. Doch sie war eine Meisterharlekin und obwohl es selbst für sie herausfordernd war beschritt sie die verfallenen längst aufgegebenen Pfade. Es war eine Aufführung für sie, ein Balanceakt auf einem Hochseil ohne Sicherheitsnetz bei dem ein Fehltritt bedeutete in das Nichts des Immaterium zu fallen.
Tagelang folgte sie dem Lachen ohne Rast oder Verpflegung. Sie war konzentriert auf ihr Ziel, wo auch immer das sein mochte. Schließlich führte sie das Lachen zu einem inaktiven Portal das zum Leben erwachte als sie näher trat. Als sie hindurch trat dachte sie zunächst sie wäre im Weltraum gelandet. Überall um sie herum war nur Schwärze und ungewöhnlich helle Sterne, doch obwohl sie ihn nicht sah spürte sie festen Boden unter ihren Füßen.
Dann hörte sie laute widerhallende Schritte. Da war er wieder, der schmucklose Harlekin der sie zur Todesjoker gemacht hatte. Es war als würden die Sterne zu jedem seiner Schritte stärker pulsieren während er aus der Finsternis auftauchte. Sie versuchte irgendwelche Konstellationen wiederzuerkennen, doch die Sterne waren völlig falsch angeordnet. Sie waren auch viel zu dicht beieinander und zu viele um echte Sterne zu sein. Dann dämmerte es ihr langsam.
"Es heißt, der lachende Gott würde die Seelen der Harlekin stehlen bevor sie Slaanesh anheimfallen. Deswegen tragen wir keine Seelensteine, zu zumindest hörte ich." er wagte es den Namen des alten Feindes auszusprechen. Sie wollte etwas fragen, um eine Erklärung bitten, doch ihre Stimme versagte. In der kurzen Zeit in der sie den Harlekin jetzt kannte hatte sie nie zu fragen gewagt wer er war. Es war natürlich mehr als offensichtlich, doch es auszusprechen würde es wahr machen und Ylerna war sich nicht sicher was dann geschehen würde. Sie gestand sich selbst ein das sie Angst hatte, vor allem in Anbetracht der Tatsache das sie ihren Auftrag nicht hatte erfüllen können.
"Du fürchtest dich, nicht wahr? Deine Körpersprache verrät dich." stellte der Harlekin fest. Sie nickte schließlich. "Meine liebe Ylerna, es war von Anfang an unwahrscheinlich das du Erfolg haben würdest." er sah sie an, seine Maske neutral. "Warum hast du mich dann geschickt?" fragte sie leise. Wollte sie die Antwort auf diese Frage überhaupt hören? "Versteh mich nicht falsch, ich hatte gehofft das mein Champion entgegen aller Wahrscheinlichkeit über sich hinauswachsen und siegen würde. Doch du hast mir dennoch gut gedient, trotz deines erwarteten Fehlschlages, denn jetzt kenne ich das Werkzeug meines Feindes und  ich weiß wie er denkt. Mein wahrer Feind ist clever, denn unter anderen Umständen hätte dieser Inquisitor vielleicht sogar mein Verbündeter sein können. Folge mir, ich erkläre dir meinen Plan... zumindest einen Teil davon." er ging wieder in die Dunkelheit aus der gekommen war und Ylerna folgte ihm.
Sie durchschritt eine unsichtbare Grenze und fand sich plötzlich im breiten Korridor eines Schiffes wieder. Sie blickte zurück, hinter ihr war ein komplexes Holofeld. Sie blickte ihn fragend an. "Bitte, ich bin ein Harlekin. Theatralik ist wichtig, findest du nicht? Du musst doch zugeben, der Seelenraum ist beeindruckend." er setzte eine breit lächelnde Maske auf. Sie folgte ihm durch weit verzweigte Gänge. Der Ort war angelegt wie ein Labyrinth, doch sie gingen gelegentlich durch Räume von gewaltigen Dimensionen.
Eine Bibliothek die mehrere Stockwerke hoch war und extrem seltene okkulte Werke enthielt, wunderschöne Aspekt-Schreine die den Pfaden der Eldar gewidmet waren, große Arsenale voller edler selbst für Eldar-Verhältnisse hervorragend gearbeiteter Waffen, ein Hangar in dem genug Fahrzeuge für ein halbes Kriegsheer standen, einige Grünanlagen und scheinbar verlassene Biodome. Ihr war schnell klar das nur ein Weltenschiff Platz für derartige Einrichtungen haben konnte. Doch diese letzten Zufluchten ihres Volkes waren für gewöhnlich mit zehntausenden Eldar bemannt, doch sie hatte niemanden sonst gesehen. Waren sie etwa ganz allein hier auf diesem gewaltigen Weltenschiff?
Sie hatte erwartet das er sie zu einem Planungsraum führen würde, doch er stoppte in einer der Grünanlagen. Hier war eine hölzerne Bühne aufgebaut und eine Tribüne aus Stein. Sie kannte diesen Ort, sie war schon einmal hier gewesen. Hier wurde sie zum Todesjoker. Ihr altes Kostüm lag immer noch sauber gefaltet dort wo sie es damals zurückgelassen hatte. "Nostalgisch, nicht wahr? Hier, an diesem Ort, begann ich vor einigen hundert Jahren mit der Planung des Stücks das unser Volk retten kann." der Harlekin war auf die Bühne gegangen. "Der Fall von Macragge." murmelte sie wie in Trance, immer noch überwältigt von den Ereignissen.
"Ja, das Problem ist nicht Macragge einzunehmen. Ich will es nicht besetzen, denn ich habe keine Verwendung dafür. Ich will die Gensaat, aufbereitet und bereit zur Implantation. Ich könnte natürlich kleinere unbedeutendere Orden angreifen, doch die die reinste Gensaat ist auf Macragge zu finden bei dem lästigen kleinen Orden der mehr Verbündete hat als man zählen kann. Das Problem bei dem Stück ist also nicht die eigentliche Bühne." erklärte er. "Sondern die Vorbereitung. Du willst nicht das ihnen jemand zur Hilfe eilt." folgerte Ylerna. "Sehr gut. Doch selbst ohne Alliierte sind die Ultramarines ein nicht zu unterschätzender Gegner, daher die Deaktivierungscodes für ihre Maschinengeister. Mit bloßen Fäusten ist selbst eine Horde Space-Marine keine große Gefahr." stellte er fest.
"Wer sind die Akteure?" fragte sie schließlich. "Hinter der Kulisse? Mehr als man zählen kann. Eldar-Prinzen im Exil, Orks die auf reiche Beute hoffen, Diener des Chaos die glauben ihre dunklen Götter hätten ihnen Visionen von Macht und Blut geschickt, Imperiale die denken das ihre Interpretation des Imperator´s besser ist als die Anderer, sogar eine Necron-Dynastie die ich erwecken musste. Sie alle haben ihre eigenen Motive die Verbündeten von Macragge anzugreifen. Hass, Reichtum, Macht, alte Rivalitäten. Sie sind alle manipulierbar, wenn man weiß wie." der Harlekin setzte eine verschmitzt lächelnde Maske auf.
"Niemand hat diese Vorbereitungen bemerkt?" fragte Ylerna ein wenig verblüfft. "Oh, viele haben es bemerkt. Chaos-Generäle die von Tzeentch der immer schummeln muss Einblicke erhalten haben die nicht für sie bestimmt waren, Runenseher die Warnungen ignorierten, Inquisitoren wie Daniels die einfach immer weiter bohren mussten. Doch niemand ist unbesiegbar, jeder hat Feinde, alle haben Schwächen. Alles was man tun muss ist sie sorgfältig auszuwählen und ihnen einen Grund geben zu einem bestimmten Zeitpunkt anzugreifen." der Harlekin schien stolz auf sich zu sein.
"Und wer spielt auf der Bühne?" Ylerna war fasziniert. „Die Tau, die Ultramarines und du, mein Champion.“ er setzte ein überbreites Grinsen auf. „Tau? Wieso die Tau?“ sie verstand wieso er kein Kriegsheer einsetzte, doch wieso ausgerechnet dieses junge Volk? „Die Tau sind kontrollierbar. Sie halten sich an Anweisungen. Ihr höheres Wohl ist sehr nützlich, vor allem wenn man mit denen einen Handel schließt die bestimmten was dieses höhere Wohl ist. Sie sind auch keine Wilden die aus Versehen die Bunker mit der Gensaat vernichten. Die perfekte Wahl also.“ er hatte sie nicht ohne Grund ausgesucht.
„Warum... warum ich? Es muss zahllose Meisterharlekin geben die besser geeignet wären, die mehr Erfahrung haben.“ es war eine der Fragen die ihr seit ihrer ersten Begegnung auf der Seele brannten, zu der sie unbedingt eine Antwort brauchte. „Du, meine liebe Ylerna, stammst aus einer langen Linie sorgsam gezüchteter Eldar. Ich habe dieses Projekt persönlich gestartet und überwacht. Du bist das Ergebnis eines langen anstrengenden und nervenaufreibenden Zucht- und Auswahlprogramms, Ylerna. So viele vielversprechende Kandidaten, so viele Enttäuschungen. Die Einzige, die mich nicht enttäuscht hat bist du.“ er wechselte seine Maske zu einem frustrierten, fast schon traurigen Ausdruck.
Sie war gezüchtet worden? Sie hatte von solchen natürlichen Zuchtprogrammen gehört, doch nahezu alle Eldar hatten mittlerweile jeglichem Sex abgeschworen, zu groß die Verlockung es zu genießen und damit dem alten Feind anheimzufallen. Sex war ein Tabu-Thema in ihrem Volk. Vielleicht hätte sie angewidert sein sollen oder zumindest erschüttert das man ihre Existenz wie ein Stück inszeniert hatte, doch das war nicht der Fall. Nein, sie war dankbar, nicht nur für ihre Existenz, sondern auch für diese Gelegenheit. Er hatte sie ausgewählt, aus allen Eldar die noch übrig waren im ganzen Universum war die Wahl auf sie gefallen.
„Moment, sagtest du, das du es persönlich gestartet hast? Heißt das...?“ sie wagte nicht es auszusprechen, die Implikation zu gewaltig, zu anmaßend. „Willkommen zuhause... Tochter.“ er streckte einladend die Hände aus und ohne darüber nachzudenken umarmte sie ihn. Für eine gefühlte Ewigkeit standen sie einfach nur so da. „Die Aufgaben vor die ich dich stelle werden sehr schwierig sein. Nur du kannst das tun, niemandem sonst kann ich dies anvertrauen. Sie würden es nicht verstehen. Es geht um die Zukunft unseres ganzen Volkes.“ der lachende Gott wurde ernst als er sich sanft von ihr löste. „Sag mir was zu tun ist.“ war alles was sie erwiderte. Sie war bereit alles zu tun was nötig war.
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