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Das Labyrinth

GeschichteAllgemein / P12 Slash
23.03.2019
18.04.2019
3
5.628
 
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3 Reviews
Dieses Kapitel
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23.03.2019 1.952
 
Ich weiß, die Serie ist schon etwas älter und die deutsche Fancommunity schon ziemlich eingeschlafen, aber nachdem ich so viele englischsprachige Fanfiktions gelesen hatte, habe ich Lust bekommen, mal wieder eine eigene Story zu unseren eishockeyspielenden Weltrettern zu schreiben.
Eigentlich sollte das hier nur ne kleine Kurzgeschichte werden, aber während des Schreibens ist es dann irgendwie mit mir durchgegangen und mittlerweile ist die Geschichte so lang, dass ich angefangen habe, sie in Kapiteln zu unterteilen.
Das Erste lade ich heute einfach mal hoch und hoffe, dass sich jemand findet, der es liest und Gefallen daran findet. :)

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"Jetzt beeil dich.", rief ein genervter Wildwing seinem Bruder zu, der gerade in sein Zimmer rannte.
"Ich bin gleich fertig.", erklang die gedämpfte Stimme von drinnen. "Aber ich kann meine Turnschuhe nicht finden."
Wildwing verdrehte die Augen und seufzte.
"Wir sind nur ein paar Tage weg.", erklärte er in bemüht ruhigem Tonfall.
So langsam verlor er die Geduld. In drei Tagen hatten sie ein wichtiges Spiel außerhalb und ausgerechnet gestern war ihrem Lieblingsmanager eingefallen, noch ganz schnell einen Werbetermin dazwischen zu schieben.
Eigentlich hatte er energisch widersprochen, auch im Hinblick auf das Spiel, aber als Phil dann irgendwas von "für den guten Zweck" gefaselt hatte, gaben sie dann schließlich doch nach. Phil hätte früher wahrscheinlich eh keine Ruhe gegeben.
Und so waren sie gerade dabei, sich auf den Weg zu machen, als Mallory noch mal ganz schnell auf die Toilette musste, Tanya unbedingt noch checken wollte, ob das letzte Sicherheitsupdate für Drake One installiert war und schlussendlich Nosedive auch noch losrannte, um eben seine Turnschuhe zu suchen. Für was auch immer er sie brauchte.
"Hab sie.", meinte Nosedive triumphierend als er aus seinem Zimmer eilte.
"Na endlich.", sagte Wildwing nur knapp und lief bereits los, um sich den anderen im Hangar anzuschließen.
Sein Bruder folgte ihm schnellen Schrittes.
"Worum geht es bei dieser ominösen Werbeaktion eigentlich?", fragte Nosedive und warf Wildwing einen fragenden Seitenblick zu.
"Keine Ahnung.", antwortete dieser. "Phil hat nur irgendwas von Wohltätigkeitsveranstaltung erzählt und das wir unbedingt dabei sein sollen. Aber mal ganz ehrlich. Wann hat Phil das letzte Mal eine Aktion organisiert, die Spaß gemacht hat?"
"Naja, als wir im Zoo waren, das war ganz lustig und ..."
Wildwing sagte nichts, aber innerlich schmunzelte er über seinen Bruder. Nosedive hatte sich von allen aus dem Team wohl am Besten eingelebt.
Er fand sogar Gefallen an den oft peinlichen PR-Auftritten, die ihr Manager immer wieder für sie organisierte und an denen sie häufig eher unfreiwillig teilnahmen.
Während Nosedive unaufhörlich schwatze, näherten die beiden Enten sich dem Hangar, wo die anderen (hoffentlich) schon auf sie warteten.
Die Automatiktüren öffneten sich leise und die Geschwister betraten die Garage.
Duke lehnte mit verschränkten Armen und einem genervten Gesichtsausdruck an ihrem Fahrzeug Grin strahlte wie immer die pure Gelassenheit aus und Mallory aktivierte gerade das Sicherheitssystem ihres Zuhauses. Tanya saß bereits im Wagen auf ihrem Platz.
"Können wir?", fragte sie, als die anderen nacheinander den Migrator betraten.
"Ich hoffe es.", murmelte Wildwing und setzte sich hinters Steuer.
Als alle angeschnallt waren, konnte es endlich losgehen.

"Sind wir bald da?", fragte Nosedive nun schon zum gefühlt zehnten Mal.
"Nosedive, wenn du das nochmal fragst, läufst du den Rest des Weges.", warnte eine ziemlich gereizt klingende Mallory.
"Aber er hat doch Recht. Mit dem Flugzeug wären wir wesentlich schneller gewesen.", mischte sich auch Duke ein.
"Und wie bitteschön hätten wir den Migrator ins Flugzeug kriegen sollen?", fragte Mallory mit deutlicher Anspannung in der Stimme. Auch sie war schon fast am Ende ihrer Nerven.
"Als Sperrgepäck vielleicht?", scherzte der ehemalige Diamantendieb.
"Wäre die Arowing nicht bei dem letzten Gefecht mit Draganus beschädigt worden, hätten wir das Problem überhaupt nicht.", leistete nun auch Tanya ihren Beitrag zu der Diskussion.
"Es ist nun mal wies ist.", versuchte Wildwing den aufkommenden Streit zu beenden. "Aber ohne ein Minimum an Ausrüstung fahre ich nicht mitten in die Pampa. Immerhin ist Draganus nicht der Einzige, der aus uns eine Kissenfüllung machen will."
Der letzte Satz lockerte die Stimmung merklich und die Enten entspannten sich wieder etwas.
Tatsächlich fuhren sie jetzt schon mehrere Stunden durch eine trostlose Einöde, die manche Menschen als Felder bezeichneten. In den Augen der Enten sah es jedenfalls nur nach vertrocknetem Gras aus.
Hinzu kam, dass Phil nur eine vage Wegbeschreibung auf eine Karte gekritzelt hatte und Wildwing mittlerweile sicher war, dass sie erst mitten in der Nacht ankommen würden, wenn überhaupt.
"Kannst du mal ne Weile übernehmen, Nosedive?", wandte er sich an seinen jüngeren Bruder. Der Kleine würde früher oder später sowieso danach fragen und eine Pause konnte der Teamleader langsam wirklich gut gebrauchen.
„Klar.“, war der Angesprochene auch sofort einverstanden.
Die beiden Geschwister tauschten die Plätze und weiter gings.
Während Nosedive fuhr versuchte Wildwing über den Kommunikator an seinem Handgelenk noch einmal ihren Manager zu erreichen, doch dieser ging ausnahmsweise mal nicht an sein Telefon. Eigentlich recht ungewöhnlich für den geschäftstüchtigen Mann, aber sicher konnte er sich schon denken, dass es Wildwing war, der versuchte ihn zu erreichen und nahm deswegen nicht ab.
Auch gut., dachte Wildwing sich. Kurz überlegte er, ob sie einfach umkehren und behaupten sollten, sie hätten den Ort der Veranstaltung nicht gefunden. Aber erstens hatte Wildwing es ihrem Freund nun einmal versprochen und zweitens, wie sah das aus, die weltrettenden Enten fanden nicht mal eine Farm, obwohl man ihnen extra eine Karte mitgegeben hatte?
Also verwarf der Anführer den Gedanken wieder und versuchte lieber, noch ein wenig zu dösen, es würde sicher noch ein anstrengender Abend werden.
Der Rest des Teams versuchte ebenfalls, die Fahrzeit möglichst nützlich zu verbringen. Grin meditierte, Tanya las in einem Techniker-Magazin, Mallory reinigte ihre Waffe und Duke überprüfte noch einmal seine private Ausrüstung.
Offiziell war er zwar aus dem Diebesgeschäft raus, aber alte Gewohnheiten legt man nun mal so schwer ab. Oft waren seine speziellen Fertigkeiten sogar sehr hilfreich für das Team im Kampf gegen ihren Erzfeind Draganus.
So verging die Zeit, bis Nosedive plötzlich aufgeregt rief: "He Leute, ich glaub, wir sind da."
Wildwing schreckte aus seinem Nickerchen hoch und schaute aus dem Fenster. Tatsächlich tauchte in der Ferne ein Gebäude auf, dass die Enten als Scheune deklarierten.
Bei ihnen auf Puckworld gab es so etwas natürlich nicht, aber mittlerweile hatten sie schon genug Informationen über die Erde gesammelt, um einen Bauernhof zu erkennen, wenn sie einen sahen.
"Na, jetzt bin ich aber mal gespannt.", sagte Duke in wenig überzeugendem Tonfall.
"Wehe wir müssen wieder irgendwelche peinlichen Kostüme anziehen."
Das kam von Mallory. Sie hatte immer die meisten Probleme damit, wenn die Eishockeyspieler sich verkleiden oder an irgendwelchen komischen Fernsehauftritten teilnehmen sollten.
"Wir werden es ja gleich sehen.", meinte Wildwing, jetzt wieder völlig wach.
Nach einigen weiteren Minuten Autofahrt hatten sie ihr Ziel endlich erreicht: eine alte, heruntergekommen aussehende Farm mit einem riesigen Maisfeld.
"Wahnsinn.", sagte Nosedive trocken beim Aussteigen.
"Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?", wollte Tanya wissen.
Wildwing konnte sich die Antwort sparen, denn genau in diesem Augenblick kam ein aufgeregter Phil Palmfather auf sie zugelaufen.
"Da seid ihr ja endlich.", rief er schon von Weitem.
"Wenn du nicht so ein großes Geheimnis aus der Sache und uns eine ordentliche Wegbeschreibung gegeben hättest, wären wir deutlich früher hier.", entgegneten Duke, der soeben als Letzter den Migrator verlassen hatte.
Phil brachte diese Aussage nicht eine Sekunde aus der Fassung.
"Aber das war doch notwendig, schließlich soll das Ganze hier eine Überraschung sein. Wenn jemand von der ganzen Sache erfahren hätte ..."
"Worum geht es eigentlich?", wollte Wildwing nun endlich wissen.
"Darum.", kam die knappe und prompte Antwort.
Während er das sagte dreht er sich um und deutete mit einer weit ausholenden Bewegung auf das riesige Maisfeld, welches den Enten schon bei ihrer Ankunft aufgefallen war.
Die sechs Enten schauten auf das Feld, sagten aber nichts.
"Das ist ein Maislabyrinth.", versuchte Phil ihnen auf die Sprünge zu helfen. "Gebaut wurde es von der Firma Crunchy Cornes und eure Aufgabe ist es, den Mittelpunkt des Labyrinthes zu erreichen. Vor laufender Kamera natürlich."
"Aha und was hat das jetzt mit dem guten Zweck zu tun?", fragte Mallory skeptisch. Insgeheim war sie erleichtert, dass sie wenigstens keine bescheuerten Kostüme anziehen mussten.
"In dieser Gegend ist nicht mehr viel los, seit die im Nachbarort eine Recyclinganlage errichtet haben. Natürlich verdienen die Leute dort viel mehr, als wenn sie hier auf den Feldern schuften müssten. Die jungen Leute wandern ab und die älteren Menschen schaffen die anfallende Arbeit nicht allein. Trotzdem ist die Landwirtschaft noch immer eine wichtiger Bestandteil unserer Nahrungsmittelproduktion. Mit dieser Werbeaktion wollen wir darauf aufmerksam machen und dafür sorgen, dass sich wieder mehr Menschen dafür interessieren."
"Klingt ja gar nicht mal schlecht.", bemerkte Wildwing nach dieser Erklärung etwas milder gestimmt.
"Dem stimme ich zu, aber hältst du es wirklich für sinnvoll, uns nachts durch ein Maisfeld zu scheuchen?", warf Duke ein.
Mittlerweile war es schon später Nachmittag und die Sonne hatte den Himmel noch nicht ganz verlassen, aber wahrscheinlich würden sie nicht sofort starten können und am Ende standen sie mitten im Dunkeln in einem Labyrinth.
"Nein, nein.", beruhigte Phil sein Team sofort. "Wir werden das Ganze wohl auf morgen verschieben müssen. Eigentlich hatten wir ja früher mit euch gerechnet, aber jetzt ist es nun mal nicht zu ändern."
"Da sind sie ja endlich.", rief ein Mann im karierten Hemd, einer eng anliegenden Jeans und Cowboy-Boots, als er auf die Gruppe zu gestapft kam.
"Ja, wir haben uns zwischendurch etwas verfahren.", erklärte Wildwing dem Neuankömmling.
"Nagut, macht nichts. Ich bin Rick Martin, Chef der Marketing-Abteilung von Crunchy Corns. Ihr Manager hat Sie schon über alles informiert?"
"Mittlerweile hat er das.", beantwortete Duke die Frage mit einem Blick auf Phil.
"Dann ist ja alles gut. Also, wir fangen am besten gleich morgen früh an. Heute ist es schon etwas zu spät geworden. Wir haben die Technik und alles zwar schon aufgebaut, aber falls sie länger im Labyrinth brauchen, will ich nicht, dass uns der Sonnenuntergang dazwischen kommt.", erklärte er. "Wir haben da hinten ein paar Zelte aufgebaut, wo sie übernachten können. Wir haben sogar einen Imbisswagen und einen eigenen Koch hier.", fügte er lächelnd hinzu.
"Na das klingt doch super.", freute Nosedive sich und lief schon los in die Richtung, in die er Marketing-Chef gezeigt hatte.
Grin folgte seinem besten Freund auf dem Fuß.
"Na toll, in drei Tagen haben wir ein wichtiges Spiel und anstatt zu trainieren, hängen wir jetzt den ganzen Abend hier fest.", beschwerte Mallory sich.
"Ganz ruhig, Mal.", versuchte Duke sie zu beruhigen. "Wir bringen das morgen früh schnell hinter uns und fahren dann gleich weiter. Wenn wir Glück haben, können wir dort abends noch ein wenig trainieren."
"Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber nach der langen Fahrt habe ich wirklich Hunger.", mischte Tanya sich ein.
"Ich sterbe vor Hunger.", lachte Duke und auch Mallory schien einem Abstecher beim Imbisswagen nicht abgeneigt zu sein.
So machten die drei sich also auf den Weg, den Nosedive und Grin vor einigen Augenblicken eingeschlagen hatten.
Wildwing blieb noch kurz mit Phil zurück, weil er noch ein paar Sachen wegen des von Mal erwähnten Spiels besprechen wollte.
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