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Die rothaarige Krähe

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Haiba Alisa Kuroo Tetsurou Nishinoya Yuu OC (Own Character)
23.03.2019
16.08.2020
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23.03.2019 1.122
 
Das heutige Japan.

Im ganzen Land hielt allmählich der Frühling Einzug. In vielen Gegenden standen bereits die Kirschblütenbäume in voller Blüte. Gerade diese Zeit war ein absoluter Touristenmagnet. Menschen aus aller Welt reisten zu dieser Jahreszeit nach Japan um die Kirschblütenbäume in natura bestaunen zu können.

Doch für japanische Kinder bedeutete das Aufblühen der Kirschblüten vor allem eines... Der Beginn eines neuen Schuljahres. Während sich die Kleinsten von ihnen auf ihren allerersten Schultag freuten, gingen die Größten mit einem mulmigen Gefühl in ihr letztes Schuljahr.

Auch in einem kleinen, ländlichen Vorstadtgebiet der Großstadt Sendai, in der Präfektur Miyagi, knappe 300 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Tokio entfernt, bereiteten sich die Schüler auf ihr neues Schuljahr vor. Auch dort standen die Kirschblütenbäume bereits in voller Pracht. Und gerade in solch ländlichen Gebieten wirkten diese noch viel prachtvoller und majestätischer.

Es war der erste April. In ganz Japan begann an diesem Tag das neue Schuljahr.

Inmitten des ländlichen Vorstädtchens der Stadt Sendai stand ein Mehrfamilienhaus mit acht Appartements. Es gab nur sehr wenige Mehrfamilienhäuser in dieser Gegend. Eigentlich reihten sich dort ausschließlich Einfamilienhäuser aneinander, die von Familien mit Kindern bewohnt wurden, die dem Trubel der Stadt entgehen wollten. Da sich aber nicht alle Familien ein Einfamilienhaus leisten konnten, ließen reiche Investoren auch ein paar Mehrfamilienhäuser in dieser Gegend errichten. Die Mieten waren im Verhältnis zur Stadt recht günstig.

Eines dieser Mehrfamilienhäuser war auch infrastrukturmäßig gut positioniert. Einkaufmöglichkeiten waren direkt um die Ecke, Bus und Bahn waren in wenigen Minuten zu erreichen und auch die präfektoriale Oberschule der Präfektur Miyagi „Karasuno" war nur einen kurzen Fußmarsch entfernt.

Aus einem der Appartements hallte an diesem Morgen ein lautes und penetrantes Klingeln. Mehrere Minuten klingelte es unaufhörlich und man hatte das Gefühl, dass es immer laute wurde. Bis es dann schließlich verstummte

Am Klingelschild des Appartements stand nur ein Name... „Makoto Arisugawa"...

Makoto war erst vor kurzem in diese Gegend gezogen und würde ab dem heutigen Tag die Karasuno Oberschule besuchen.

Erschöpft rieb Makoto sich den Schlaf aus den Augen. Wieder war er in der Nacht nicht wirklich zur Ruhe gekommen.

Auf den ersten Blick war Makoto Arisugawa ein ganz normaler Junge. Er war 16 Jahre alt und hatte gerade erfolgreich die Mittelschule abgeschlossen. Nun wartete ein neuer Lebensabschnitt auf ihn. Die Aufnahmeprüfung für die Karasuno Oberschule hatte er ohne größere Probleme bestanden. Seine schulischen Leistungen waren schon immer recht gut gewesen. Und obwohl dieser Junge auf den ersten Blick ganz normal zu sein schien, musste er in seinem Leben bereits viele Schicksalsschläge erleiden, die ihn wirklich geprägt hatten.

Seine Mutter hatte er nie kennen gelernt. Sie war unter dramatischen Umständen bei seiner Geburt gestorben. Deshalb wuchs Makoto bei seinem Vater auf, der ihm seither Vater und Mutter war und sich aufopferungsvoll um seinen Sohn kümmerte. Die beiden hatten eine entsprechende Bindung zueinander.

Umso schlimmer war es für den 16-jährigen Jungen, als sein Vater vor einigen Monaten ganz plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb.

Und auf einmal war er völlig auf sich allein gestellt. Finanziell brauchte er sich vorerst keine Gedanken machen. Sein Vater hatte ihm ein großes Erbe hinterlassen, weshalb er auch dieses Appartement anmieten konnte. Aber was war all das Geld schon wert, wenn man den wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren hatte.

Seiher hatte er keine Nacht mehr durch geschlafen. Alpträume plagten ihn... Die Einsamkeit schmerzte...

Und dann erinnerte er sich an das Versprechen, welches er seinem Vater gegeben hatte... Eines Tages würde er in seine Fußstapfen treten...

Takehito Arisugawa, sein Vater, war professioneller Volleyballspieler und spielte für die japanische Nationalmannschaft. Und auch Makoto spielte Volleyball seit er denken konnte. Das Talent für diesen Sport wurde ihm ja quasi in die Wiege gelegt. Alle Techniken, die er beherrschte, hatte sein Vater ihm beigebracht. Aber in einem richtigen Team hatte er noch nie gespielt. Die starren Strukturen der japanischen Gesellschaft hatten dies einfach nie zugelassen.

An den Eliteschulen, die Makoto bisher besuchte, waren sportliche Aktivitäten nicht so gern gesehen. Er hatte bisher also nur mit seinem Vater trainiert.

Doch an der Karasuno hätte er endlich die Chance einem richtigen Team anzugehören. Endlich könnte er mit gleichgesinnten und vor allem mit gleichaltrigen Volleyball spielen. Wie lange hatte er davon geträumt.

Langsam richtete Makoto sich in seinem Bett auf. Heute würde für ihn ein komplett neues Leben beginnen. Lange hatte er diesem besonderen Tag entgegen gefiebert. Doch jetzt wo der Tag endlich ran war, bekam er es doch mit der Angst zu tun. Hatte er wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Hastig wuschelte er sich durch sein kurzes rotes Haar, welches in dem einfallenden Sonnenlicht in einem zarten Rubinrot schimmerte. Das tiefe blau seiner Augen wirkte kalt und unnahbar.

Völlig übermüdet und in langsamen Schritten schleppte sich der Junge ins Badezimmer. Dort angekommen, betrachtete er kritisch sein Spiegelbild. Es war unstreitig, dass seine gesamten Gesichtszüge sehr feminin wirkten. Aber im Großen und Ganzen war ein äußerst gutaussehender Junge.

Ganz langsam stieg in ihm die Nervosität. Würden ihn die anderen Schüler akzeptieren? Oder würden sie ihn aufgrund seiner femininen Gesichtszüge ausgrenzen oder sich gar über ihn lustig machen?

Makoto seufzte.

Grundsätzlich war es ihm völlig egal, ob ihn die anderen Schüler akzeptierten. Viel wichtiger war es ihm, dass ihn die Teammitglieder des Volleyballclubs akzeptieren und ihn ins Team aufnehmen. Allerdings gab es da zwei Probleme, die seine Nervosität förmlich ins unermessliche steigen ließen. Von sich und seinem Können war Makoto völlig überzeugt. Damit von sich zu überzeugen, stellte für ihn kein Problem dar. Allerdings hat er noch nie in einem richtigen Volleyballteam gespielt. Konnte er überhaupt im Team spielen? Er wusste wie wichtig Teamplay in diesem Sport war. Und ihm war klar, dass auch im Volleyballclub der Karasuno Oberschule darauf großen Wert gelegt wurde. Was sollte er tun, wenn er gar nicht in der Lage war in einem Team zu spielen. Sein Können konnte noch so überragend sein... Ohne Teamplay würde man in diesem Sport nicht weit kommen.

Das zweite und eigentlich noch viel größere Problem war seine momentane psychische Verfassung. Noch immer hatte er den Tod seines Vaters nicht verarbeitet. Und seit sein Vater gestorben war, hatte er keinen Ball mehr angerührt. Er hatte eine Art innere Blockade, die es ihm unmöglich machte Volleyball zu spielen. Und er war sich noch nicht sicher ob er in der Lage war diese Blockade zu überwinden.

Mit kaltem Wasser wusch er sich seine Zweifel und Nervosität aus dem Gesicht. Es machte jetzt ohnehin keinen Sinn darüber nachzudenken.

Die Zeit würde schon die nötigen Antworten bringen.

Nachdem er zum allerersten Mal seine neue Schuluniform angelegt hatte, machte sich Makoto auf den Weg zu seinem ersten Schultag an der Karasuno Oberschule.

Die Grundsteine für einen neuen Anfang waren gelegt.

Jetzt lag es an ihm, was er daraus machte...
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