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Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
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29.03.2019 1.408
 
Den dritten Urlaubstag begannen die beiden Banden getrennt voneinander. Die Pygmäen hatten beschlossen sich die Partymeile anzusehen, um zu entscheiden, wo sie alle am Abend feiern gehen konnten. Die Hühner hingegen hatten sich von Frieda überreden lassen über den lokalen Wochenmarkt zu schlendern, wo sie sich mit regionalen Köstlichkeiten eindeckten, die sie später gemütlich am Pool ihrer Finca aßen.

Die Jungs hatten sich für eine Disko entschieden, in der mehr Elektro- als die typische Ballermannmusik gespielt werden sollte. Sprotte war heilfroh, als sie endlich an der Disko ankamen. Zwischen Frieda und Melanie war, während die Hühner sich für den Abend fertig machten, eine Diskussion über Melanies Make-Up-Sammlung entstanden. Frieda war regelrecht entsetzt, als sie die Massen von Schminke sah, die Melanie in ihrem Koffer hatte. Die nachfolgende Diskussion über ein bewusstes Konsumverhalten und Tierversuche in der Kosmetikbranche war erschöpfend gewesen. Bei Melanie stieß Frieda da auf taube Ohren.
Der wummernde Bass, der sie schon beim Eintreten in den Club begrüßte, gefiel Sprotte. Sie war dank der ganzen Lernerei für die Abiturprüfungen schon länger nicht mehr feiern gewesen und sie merkte, dass ihr solche Abende mit ihren Freundinnen gefehlt hatten.

Nachdem die Hühner gemeinsam an der Bar mit einer Runde Kurzen auf einen hoffentlich tollen Abend angestoßen hatten, zog es sie auf die Tanzfläche. Sprotte tanzte ausgelassen mit Frieda und auch die anderen Hühner hatten ihren Spaß. Melanie hatte nach einiger Zeit angekündigt kurz auf die Toilette zu müssen, war allerdings nicht wieder gekommen. Sprotte hatte sie nach kurzer Suche wild knutschend mit Willi an der Bar lehnen sehen und war mit einer Runde Cocktails in der Hand beruhigt zu den anderen Hühnern zurück auf die Tanzfläche gegangen. Fred schien ziemlich genervt von Willi zu sein, Torte und er machten schon einen stark angetrunkenen Eindruck. Zwischen ihr und Fred war die Stimmung nach gestern noch immer seltsam und Sprotte war froh, dass sie heute einen entspannten Abend im Club mit ihren Freundinnen genießen würde.

Sprotte und Trude genehmigten sich grade eine Pause vom Tanzen und bestellten sich einen neuen Cocktail, als Sprotte sah, wie Fred von einer jungen blonden Frau angetanzt wurde. Er schien nicht abgeneigt, lachte, zog sie noch näher beim Tanzen. Wie aus dem Nichts, ohne erkennbaren Anlass, schaute Fred einmal quer über die Tanzfläche direkt in Sprottes Augen. Sie fühlte sich wie ertappt. Schnell lächelte sie ihm zu, drehte dem Anblick den Rücken zu und bestellte für sich und Trude einen Kurzen. Sie ärgerte sich, ihr sollte einfach egal sein, was Fred mit wem trieb.
Zurück bei Wilma und Frieda stellte Sprotte nach einigen Minuten fest, dass sie dringend mal an die frische Luft sollte. Sie hatte wohl ein bisschen zu viel getrunken und die Luft im Club war durch die Nebelmaschinen unglaublich stickig. „Bin kurz frische Luft schnappen“, rief sie Frieda ins Ohr. „Soll ich mitkommen?“, fragte Frieda mit besorgter Miene. „Ich bin in fünf Minuten wieder da, alles okay, tanz ruhig weiter!“, beruhigte Sprotte sie. Sie bahnte sich ihren Weg durch die feiernden Massen.

Vor dem Club angekommen lehnte sie sich gegen eine raue Backsteinmauer einige Meter abseits des Eingangs. Sprotte atmete einige tiefe Züge der frischen abendlichen Luft ein und bemühte sich, ihren Kopf wieder klar zu bekommen. Ein großer dunkelhaariger Kerl kam auf sie zu geschlendert und lehnte sich neben sie. „Rauchst du?“, fragte er, wobei er ihr seine Packung Zigaretten hinhielt. Sprotte schüttelte den Kopf und sagte „Nee, aber danke“. Er zündete sich seine Zigarette an und nahm einen Zug. „Ich bin Andre, und du?“, fragte er, während er ihr die Hand reichte. Sprotte schüttelte sie und antwortete „Sprotte“. Andre zog fragend die Augenbrauen hoch. „Kurzform von Charlotte“, setzte Sprotte erklärend nach. „Ah! Es freut mich deine Bekanntschaft zu machen, Sprotte“, sagte Andre lächelnd, „Bist du etwa ganz alleine hier?“. Sprotte deutete mit dem Kopf Richtung Club. „Nein, die sind noch alle drinnen am tanzen. Ich brauchte nur kurz frische Luft… Und du?“, fragte Sprotte. Andre zog wieder an seiner Zigarette und erklärte „Nee, meine Jungs sind auch alle drin. Ich bin leider der einzige Raucher“. Sprotte fuhr sich durch die Haare. Sie fühlte sich noch immer ganz konfus.
„Lust mit mir zu tanzen?“, fragte Andre und lächelte sie breit an. „Nee, ich bin mit meinen Freundinnen hier, wir wollen den Abend zusammen verbringen.“, entgegnete Sprotte und lächelte entschuldigend. Andre schmiss seine Zigarette auf den Boden und trat sie aus. Er stellte sich direkt vor Sprotte, grinste sie an und sagte „Ach komm schon, deine Freundinnen werden dich doch kurz entbehren können“. Sprotte verschränkte die Arme vor der Brust. „Nein, die warten auch schon auf mich. Ich geh mal wieder rein.“, sagte sie. Sprotte versuchte sich an Andre vorbei zu schieben, doch er versperrte ihr den Weg. „Komm, stell dich nicht so an, nur ein Tanz“, sagte er und sah sie belustigt an. Sprotte runzelte verärgert die Stirn.

Plötzlich tauchte Freds roter Haarschopf hinter Andre auf. Er legte ihm die Hand auf die Schulter, zog ihn ein Stück zurück, weg von Sprotte. „Ich bin Fred. Und du bist?“, fragte er Andre forsch. Dieser schaute ihn verdutzt an. „Ich bin Andre. Was willst du denn?“, antwortete er sichtlich irritiert. „Andre, entschuldige bitte, aber ich hab da noch was zu klären“, sagte Fred in beinahe bedrohlichem Ton.
Er schob sich an Andre vorbei, wobei sein Blick fest auf Sprotte gerichtet war. Mit beiden Händen umfasste er ihr Gesicht und bevor Sprotte auch nur reagieren konnte, küsste er sie. In ihrem Kopf schrillten sämtliche Alarmglocken, aber ihr Körper reagierte ganz anders. Ihre Hände gruben sich in sein weiches Haar und als Freds Zunge in ihren Mund fuhr, konnte sie ein leises Stöhnen nicht unterdrücken. In einer einzigen fließenden Bewegung hob Fred sie hoch. Sprotte spürte die harte Mauer im Rücken und schlang ihre Beine um Fred. Als Fred begann mit seinen Lippen ihren Hals herab zu wandern, hatte Sprotte das Gefühl wieder langsam zur Besinnung zu kommen. „Fred, lass mich runter“, keuchte sie. „Was wenn nicht?“, knurrte er leise und knabberte zart an ihrem Ohrläppchen. Sprotte unterdrückte das absurde Verlangen Freds Drängen einfach nachzugeben. „Fred, bitte…“, sagte sie flehend. „Wie du willst, Oberhuhn“, antwortete Fred mürrisch und stellte sie vorsichtig wieder auf eigene Beine.

Sprotte fühlte sich ganz wacklig. „Was sollte das grade?“, fragte sie Fred gradeheraus. Sie verschränkte die Arme schützend vor der Brust und spürte, wie die Wut in ihr aufstieg. Fred schob die Hände in die Taschen seiner Jeans. „Der Typ eben hat dich angebaggert“, antwortete er trotzig. „Und was geht dich das an?! Was war das denn eben mit der Blondine, mir der du getanzt hast? Komm ich da etwa angestiefelt und zieh da so ´ne Nummer ab wie du?“, fauchte Sprotte ihn böse an. Fred grinste sie mit blitzenden Augen an. „Leider nein, ich hätte absolut nix dagegen gehabt“, sagte er. Sprotte schnaubte nur verächtlich. „Im Ernst Fred, was sollte das?“, fuhr sie ihn an. Fred lächelte noch immer, er biss sich auf die Unterlippe und sah Sprotte direkt in die Augen. „Ich hatte den Eindruck, dass es dir gefallen hat, Oberhuhn“. Sprotte spürte den Drang in sich wachsen, Fred in sein süffisant grinsendes Gesicht zu schlagen. „Kannst du das Gespräch vielleicht mal ein bisschen ernst nehmen, du Idiot?“, zischte sie Fred an. „Für ein ersthaftes Gespräch bin ich viel zu betrunken. Wir können doch auch morgen reden“, sagte Fred lachend, „Ich hätte jetzt viel mehr Lust darauf dich weiter zu küssen“. Er steckte die Hand in Richtung ihrer Taille aus. Wütend schnaubend schlug Sprotte sie weg. „Fass mich nicht an“, fuhr sie ihn an, „Du wirst dir leider wen anderes suchen müssen, den du heute besoffen aufreißen kannst“.

Bevor Fred auch nur im Ansatz reagieren konnte, schob sie sich hastig an ihm vorbei und eilte in Richtung des Clubeingangs. Sie war heilfroh, als sie die Hühner inmitten der tanzenden Menge ausmachen konnte. „Geht´s dir besser? Du siehst nicht gut aus…“, begrüßte Frieda sie mit sorgenvoller Miene, als Sprotte ankam. Sprotte rollte mit den Augen. „Draußen hat mich so ein betrunkener Idiot belästigt“, sagte sie. Das entsprach ja auch der Wahrheit, zu Teilen zumindest. Sprotte hatte Glück und auch die anderen Hühner, mit Ausnahme von Melanie, waren dafür den Abend langsam enden zu lassen. Als sie zu viert im Taxi auf dem Heimweg saßen, ließ Sprotte ihre Stirn gegen die kühle Fensterscheibe sinken. Bei der Aussicht, dass sie noch über zehn Tage gemeinsam mit Fred in einem Haus verbringen würde, wurde ihr ganz flau im Magen.
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