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Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
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26.03.2019 1.070
 
Am nächsten Tag war keines der Bandenmitglieder vor zwölf Uhr Mittag wach. Dank Friedas gestrigem Einkaufskommando gab es ein ganz hervorragendes spätes Frühstück. Melanie und Willi hatten sogar frische Brötchen vom nahegelegenen Bäcker geholt. Wilma äußerte die wahrscheinlich zutreffende Vermutung, dass die beiden einfach mal wieder etwas alleine miteinander sein wollten und nicht aus purer Nächstenliebe für frische Brötchen gesorgt hatten.
Sie beschlossen den Tag entspannt zu gestallten und die kleine Bucht, die laut der Beschreibung im Netz über einen Pfad hinter ihrem Haus in etwa zehn Gehminuten zu erreichen sein sollte, anzuschauen. Angeblich gab es dort einen eher ungestörten kleinen Strandabschnitt.

Und tatsächlich hatte der Anbieter auch hier nichts beschönigt. Die Bucht war überschaubar, hatte einen schönen sauberen Sandstrand und war so gut wie menschenleer. Die Hühner beschlossen erst einmal etwas in der Sonne zu liegen, während die Jungs direkt ins Wasser stürmten um eine Runde zu schwimmen. „Wie die jungen Hunde…“, stellte Frieda fest, während sie den Pygmäen belustigt hinterher sah. „Fred macht Willi ja langsam echt Konkurrenz. Die Zeit im Fitnessstudio tut ihm echt gut…“, sagte Melanie und musterte die im Wasser tobenden Jungs über den Rand ihrer Sonnenbrille. „Stimmt…“, pflichtete Trude Melanie bei. Sprotte betrachtete das sich den Hühnern bietende Schauspiel. Melanie hatte Recht. Während Torte ehr schlaksig und schmal gebaut war und Steve der eher gemütliche Typ mit Bauch, waren Willi und Fred eindeutig die muskulösesten. Willi eilte der Ruf voraus, er könne eine Schlägerei mit nur einem Schlag für sich entscheiden. Sprotte wusste, wie auch die anderen Hühner, dass Willi in seiner Kindheit oft genug hatte einstecken müssen. Sein Vater war ein widerlicher cholerischer Schläger, der Frau und Kind regelmäßig verdrosch. Der Albtraum hatte erst ein Ende gehabt, nachdem Willi irgendwann alle Sicherungen durchgebrannt waren, als sein Vater mal wieder seine Mutter schlug. Melanie hatte den Hühnern damals erzählt, dass Willi seinen Vater wohl übel zugerichtet und aus der Wohnung geschmissen hatte. Seitdem waren Kraftsport und das Boxtraining für Willi ein wichtiger Ausgleich, um sich selber besser kontrollieren zu können und mit seinen angestauten Emotionen umgehen zu können.
Fred hingegen war schmaler, seine Muskeln waren sehniger und weniger aufgepumpt als die von Willi. Trotzdem war es beeindruckend, wie Fred sich körperlich entwickelt hatte. Rein vom körperlichen fand Sprotte ihn definitiv am ansprechendsten.
Schnell verbot sich Sprotte die Gedanken über Fred. Lieber genoss sie die warme Sonne und ließ es sich gut gehen. Sie döste ein, regelmäßig unterbrochen von Frieda, die sorgfältig drauf achtete, dass alle mit ausreichend Sonnenschutz ausgestattet waren.

Sprotte schreckte aus ihrem Dämmerschlaf, als kaltes Wasser auf sie tropfte. Als sie die Augen öffnete, sah sie Fred, der breit von einem bis zum anderen Ohr grinsend über sie gebeugt stand, noch klatschnass vom Meerwasser. „Komm, Oberhuhn“, sagte er lachend, „es wird Zeit dass ihr auch mal ins Wasser kommt!“. Auffordernd hielt er ihr seine rechte Hand entgegen, bereit ihr aufzuhelfen. Zögerlich setzte Sprotte sich auf, seine Hand ignorierend. „Du und Melli seid die einzigen wasserscheuen Hühner hier“, sagte Fred belustigt. Sprotte sah an ihm vorbei und bemerkte Frieda, Wilma und Trude, die ihr aus dem Wasser zuwinkten. Sie schüttelte schnell den Kopf. „Nee, danke, lieber nicht…“, sagte Sprotte. Plötzlich tauchte Willi hinter Fred auf. „Komm schon Melli“, sagte er auffordernd. „Nee, meine Haare sehen vom Meerwasser immer so scheiße aus“, sagte Melanie abwehrend. Willi schob blitzschnell seine Arme unter Melanies Körper, hob sie hoch und lief mit ihr im Arm Richtung Meer. Sprotte hörte durch Melanies lautes Kreischen noch, wie Willi lachend sagte „Du siehst nie scheiße aus Melli, hör auf zu spinnen“.

„Ach, so kriegt man störrische Hühner ins Wasser“, kam es von Fred, der Willi und Melanie mit gespielt nachdenklicher Miene nachsah. Schnell stand Sprotte auf und wich vor Fred zurück. „Untersteh dich, Zwergenboss“, zischte Sprotte und warf Fred einen bösen Blick zu. „Kommst du freiwillig ins Wasser?“, fragte Fred mit hochgezogenen Augenbrauen. Sprotte schüttelte nur mit zusammengekniffenen Lippen den Kopf. Sie hätte es kommen sehen müssen. Nachdem Fred sie über den halben Strand gejagt hatte, erwischte er Sprotte schließlich doch, schmiss sie sich einfach über die Schulter und trug sie unter lautem Protest Richtung Meer. Sprotte hatte grade ihre Taktik geändert und versuchte es nun statt mit lautem Protest mit weinerlichem Flehen, als Fred sich mit ihr ins Wasser fallen ließ. Sprotte schrie auf, musste lachen. Fred sah sehr zufrieden mit sich aus, wofür Sprotte ihn mit einem gemurmelten „Blödmann“ bedachte. Fred schwamm an sie heran, bis sein Gesicht beinnahe das ihre berührte. „Wie hast du mich grade genannt, Oberhuhn?“, knurrte Fred sie leise an. Sprotte sah fest in seine Augen und wiederholte langsam und deutlich „Blödmann“. Fred holte tief Luft, packte die irritierte Sprotte mit beiden Händen an der Taille und zog sie mit sich unter die Wasseroberfläche.
Sprotte war als ob sich mit dem Eintauchen plötzlich alles in verlangsamte. Fred war ihr viel zu nah. Sie spürte seine Hände um ihre Taille, auf ihrer nackten Haut. Es gab nicht mal eine handbreit Abstand zwischen ihnen. Seine linke Hand strich ihren Rücken entlang, wanderte in ihren Nacken. Fred zog sie noch näher, drückte sie an sich.  Schlagartig wurde ihr klar, wie wenig sie beide eigentlich anhatten, dass sie genau so gut nur in Unterwäsche vor ihm hätte stehen können. „Klare Grenzen, Charlotte“, ermahnte sie sich innerlich. Sie legte ihre Hände auf seine Brust und versuchte ihn von sich zu drücken. Zu ihrer Überraschung ließ er sie ohne Widerstand los. „Ist alles okay, Oberhuhn..?“, fragte Fred sie, nachdem sie beide wieder aufgetaucht waren. Sprotte nickte, wich seinem fragenden Blick aus und murmelte „Ich will nur aus dem Wasser raus“. Schnell floh sie zu Wilma und Trude an den Strand und vermied es den restlichen Tag auch nur in Freds Richtung zu schauen.

Als Sprotte Abends nach einer ausgiebigen Dusche zu Frieda ins Bett kroch, merkte sie, dass Frieda sie von der Seite musterte. „Sprotte…“, kam es zögerlich von Frieda, „Was war das heute mit dir und Fred?“. Sprotte spürte wie ihr das Blut in die Wangen schoss. „Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Von mir aus ist alles okay, wir sind Freunde“, murmelte Sprotte. Sie war eine miserable Lügnerin und vor Frieda konnte man eh nichts verheimlichen. „Wie du meinst. Aber du weißt, dass du mit mir über alles jederzeit reden kannst?“, antwortete Frieda mit weicher Stimme. Die Besorgnis in ihrer Stimme rührte Sprotte. „Ich weiß das, wirklich“, entgegnete Sprotte und lächelte Frieda dankbar an.
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