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Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
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24.03.2019 979
 
Den Donnerstag Vormittag verbrachte Sprotte damit ihre Koffer zu packen. Ohne Friedas Erinnerungen an diverse wichtige Sachen, hätte sie wahrscheinlich nicht mal den ersten Tag überstanden. Frieda war die Art Mensch, die stets für alle Eventualitäten gerüstet war. Hatte man Nasenbluten, reichte Frieda einem prompt das Taschentuch. Lief Melanie sich in ihren neuen Schuhen eine Blase, kramte Frieda Pflaster aus ihrer Handtasche. Von Desinfektionszeug über Studentenfutter, Frieda war auf jede Situation vorbereitet. „Denk an Sonnencreme! Mit Lichtschutzfaktor 50, unser Wetterbericht sieht gut aus. Nimm vorsichtshalber noch was für Sonnenbrand mit.“, schrieb Frieda ihr. „Ah, danke fürs Erinnern!“, antwortete Sprotte und kramte im Bad nach ihrer Sonnencreme. „Ne Reiseapotheke hab ich mit, okay?“, kam es von Frieda. Als ob Sprotte an sowas gedacht hätte. Wahrscheinlich war nicht mal Wilma so gut auf die Reise vorbereitet, obwohl ihre pingelige Mutter bestimmt ihr Gepäck kontrollierte. „Du bist die Beste!! Ich freu mich so auf morgen!“, tippe Sprotte in ihr Handy. „Ich mich auch, das wird ein großartiger Urlaub werden. Steves Karten haben es so prophezeit :D“, antwortete Frieda.

Als Sprottes Handywecker klingelte stöhnte sie entnervt auf. Obwohl sie extra früh ins Bett gegangen war, hatte sie keine vier Stunden Schlaf bekommen. Schnell machte sie sich fertig, putzte die Zähne und wusch sich das Gesicht. Die Haare kämmte sie nur kurz und machte sich einen Dutt. Sie hörte, wie ihre Mutter das Radio in der Küche anmachte. Gleich wollten sie schon los, die anderen Hühner abholen. Sprotte zog sich hastig an. Für den Flug hatte sie sich eine bequeme schwarze Leggings und den von Fred geliehenen Pullover rausgelegt. Bei dem Gedanken an das Flugzeug war ihr jetzt schon flau im Magen.

Die anderen Hühner krochen ähnlich verschlafen aussehend in das Taxi von Sprottes Mutter. Melanie war die Einzige von ihnen, die sich die Mühe gemacht hatte sich zu schminken. Allerdings war sie auch, wie von Sprotte treffend vorhergesagt, die Einzige von ihnen mit drei großen Koffern. „Ich brauche die Auswahl, okay? In dem hier sind auch nur Schuhe und Make-Up, der ist halb leer.“, pampte sie Trude an, die Melanies Koffer mit leicht entsetztem Blick musterte.

Sprottes Mutter lud die Mädchen direkt am Eingang ab. Sie drückte Sprotte einen dicken Kuss auf die Wange und wünschte den Mädchen ganz viel Spaß. „Und melde dich mal, ja?“, rief sie Sprotte noch hinterher.

Die Hühner kamen vor den Jungs beim den Check-In an. Sie brachten den Sicherheitscheck hinter sich, gaben ihr Gepäck auf und ließen sich erschöpft in den Wartebereich fallen. Die Jungs waren etwas verspätet dran. „Wo bleibt ihr? Wir fliegen sonst ohne euch…“, schrieb Sprotte grade an Fred, als sich ein Paar Arme von hinten um ihre Mitte schlang. „Na sowas, den Pullover kenne ich doch…“, raunte ihr der Anführer der Pygmäen ins Ohr und zog sie an sich. Sprotte musste lachen und wand sich aus der Umarmung. „Schön dass dir mein neuer Pullover gefällt“, sagte sie und grinste Fred an. Die Pygmäen schmissen sich auf die restlichen freien Plätze im Wartebereich. Sie waren deutlich wacher als die Hühner, denn sie hatten sich entschieden einfach durch zu machen.  

Als sie endlich in den Flieger einsteigen durften, bereute Sprotte schon bitter dass sie im Wartebereich einen halben Kaffee getrunken hatte. Sie hasste alles was mit Höhe zu tun hatte, fliegen bildete da keine Ausnahme. Im Falle eines Absturzes wäre bei der Flughöhe wenigstens klar, dass sie direkt tot wäre. Aber bei dem bloßen Gedanken an Start und Landung drehte sich ihr der Magen um und sie bekam schwitzige Hände. Entsetzt stellte sie fest, dass Fred ihr bei der Flugbuchung nicht nur einen Fensterplatz reserviert hatte, sondern dass er auch noch neben ihr saß. Verzweifelt ging Sprotte zu einer der Stewardessen. „Entschuldigen Sie, ist es möglich die Sitzplätze zu tauschen…?“, fragte Sprotte vorsichtig. „Leider nein. Bitte nehmen Sie Platz.“, kam es von der starr lächelnden Stewardess zurück. Resigniert ging Sprotte zu ihrem Platz und versuchte wenigstens das Rollo an ihrem Fenster zu schließen. „Was ist denn mit dir los, Oberhuhn? Warum machst du das Rollo zu, so siehst du doch gar nichts?“, fragte Fred entgeistert. „Genau das ist der Plan…“, murmelte Sprotte, „Ich will nicht am Fenster sitzen, ich will gar nicht sehen müssen wie weit wir vom Boden entfernt sind“. Fred sah sie irritiert an. „Ich dachte, ich tue dir mit dem Fensterplatz einen Gefallen.“, sagte er verwundert. „Höhenangst…“, antwortete Sprotte zerknirscht. Fred blickte sie schuldbewusst an. „Wollen wir Sitzplätze tauschen?“, fragte er. „Ich hab schon die Stewardess da hinten gefragt“, erklärte Sprotte, „ist nicht gestattet“.

Fred stand auf und ging grade auf die Stewardess zu. Sprotte konnte nicht hören was Fred sagte, aber er flirtete offensichtlich schamlos. Er zog alle Register; das schiefe Grinsen, das verlegene durch die Haare fahren, intensiver Blickkontakt aus seinen tiefblauen Augen. Trotz der in ihr aufsteigenden Panik missfiel Sprotte was sie sah. Die Stewardess konnte ihren Blick gar nicht von Fred wenden, berührte ihn wie zufällig am Arm und kicherte. Als Fred sich wieder auf den Weg zu Sprotte machte grinste er zufrieden. „Wir dürfen ausnahmsweise tauschen“, teilte er Sprotte mit, „also los, rutsch rüber und lass mich ans Fenster“. Schnell wechselte Sprotte den Platz und Fred ließ sich auf den Fensterplatz fallen. „Warum sitzt überhaupt du neben mir und nicht Frieda?“, fragte Sprotte und klang dabei unfreundlicher als beabsichtigt. „Weil ich dachte, ihr freut euch bestimmt wenn ihr beide ´nen Fensterplatz abbekommt. Entschuldige bitte dass du mit mir als Sitznachbarn vorlieb nehmen musst“, antwortete Fred sichtlich angesäuert. „Sorry, so war das nicht gemeint…“, murmelte Sprotte und zupfte an dem viel zu langen Ärmel von ihrem Pullover. „Mit Frieda bin ich schon mal geflogen, die lenkt mich ab und der darf ich bei Start und Landung die Hand zerquetschen“, erklärte Sprotte zerknirscht. Fred lachte. „Wenn´s weiter nichts ist, Oberhuhn. Mein linke Hand gehört ganz dir und ich werde mich bemühen Frieda angemessen zu vertreten.“
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