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Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
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23.03.2019 1.270
 
Sprotte und Frieda waren bereits eine halbe Stunde vor den anderen Bandenmitgliedern am Wohnwagen. Sprotte hatte Möhrengrün und einige von Schnecken angefressene Salatköpfe von Oma Slättberg für die Hühner abgeholt. Von den Hühnern, die sie damals mit Hilfe der Pygmäen  vor Oma Slättberg gerettet gerettet hatten, lebten nur noch Kokoschka und Daphne. Die beiden hatten zwar seit Jahren kein Ei mehr gelegt und waren etwas humpelig unterwegs, aber so zutraulich wie die Beiden war keins der anderen Hühner. Oma Slättberg überlies den Mädchen regelmäßig ihre alten zähen Hühner, wenn sie mit der Legeleistung nicht mehr zufrieden war. „Habt ihr vielleicht noch Platz für ein paar Hennen in eurem Altenheim für Geflügel?“, fragte Oma Slättberg ihre Enkelin dann immer bissig. Und natürlich sagte Sprotte jedes mal ja.

Während Sprotte vorsichtig Daphne über das steife Gefieder strich, sammelte Frieda die Eier aus den Nestern. „Sechs Eier haben die alten Damen heute gelegt, fleißig!“, stellte sie zufrieden fest. Als Sprotte und Frieda gemütlich im Gras sitzend den Hühnern dabei zusahen, wie sie eifrig das Möhrengrün und die Salatköpfe verputzten, hörten sie die vertrauten Stimmen der anderen Hühner. „Sind die Jungs noch nicht da?“, fragte Melanie gleich zur Begrüßung. „Na offensichtlich nicht, oder?“, entgegnete Wilma und verdrehte die Augen gen Himmel, „aber Willi kommt bestimmt gleich, mach dir keine Sorgen“. Willi und Melanie waren nun schon seit vielen Jahren ein Paar. Nicht durchgehend, nicht ohne kleine und größere Dramen, aber irgendwie konnten und wollten sie nicht ohne einander. Wilma hingegen hatte es schwerer, sie hatte nach ihrer Beziehung mit Leonie zwar immer mal wieder ein Date, aber so leicht fand man als Mädchen in einer Kleinstadt keine feste Freundin.

Die Mädels machten es sich in der Sonne vor dem Wohnwagen gemütlich. Grade als Frieda im Wohnwagen verschwunden war um sich noch ein Eis zu holen, kamen die Pygmäen geschlossen angestiefelt. Melanie schoß gleich los um Willi ausgiebig zu begrüßen. Torte und Steve schleppten zusammen einen Kasten Bier, den sie im Schatten des Wohnwagens abstellten. „Wo ist denn Frieda?“, fragte Torte und blickte sich um. „Die versteckt sich im Wohnwagen um dich nicht sehen zu müssen“, entgegnete Wilma genervt. „Torte, benimm dich und lass die arme Frieda in Ruhe“, knurrte Fred. Er ließ sich auf Friedas Platz neben Sprotte fallen.

„Wie steht´s um deinen Kater?“, fragte Sprotte Fred und grinste spöttisch. „Eher so mittelprächtig. Hätte ich nicht gewusst, wie sehnsüchtig du hier auf mich wartest, wäre ich heute einfach im Bett geblieben.“, antwortete Fred und fuhr sich durch die Haare. Sprotte musste laut auflachen. „Nie würde ich eine Dame versetzten!“, legte Fred nach, „Obwohl du mich ja gestern eiskalt im Stich gelassen hast, Oberhuhn!“. Fred schaute sie mit gespieltem Entsetzen in den Augen an. Sprotte sah, wie mühsam sich Fred das Lachen verkneifen musste. „Hey Boss, jetzt heul hier mal nich so rum! Ich hab mich doch hervorragend um dich gekümmert, obwohl du so wahnsinnig nervig drauf warst“, beschwerte Steve sich lachend. Fred grinste breit, erhob sich und guckte Steve mitleidig an. „Das stimmt, Steve hat sich erstklassig um mich in meinem bescheidenen Zustand gekümmert“, sagte er und zog seinen imaginären Hut in Richtung Steve. „Trotzdem hab ich es lieber, wenn eine schöne Frau mich umsorgt“, raunte Fred in Sprottes Richtung und lachte. Er beugte sich über Sprottes Liegestuhl und fragte mit seinem typischen schiefen Grinsen im Gesicht „Darf ich dem Oberhuhn vielleicht auch ein Eis holen?“.

Hühner und Pygmäen genossen die letzten Sonnenstunden gemeinsam, aßen Eis und hörten Musik. Sie einigten sich darauf, dass sie sich am Freitag eine Stunde vorm Boarding am Flughafen treffen wollten. Sprottes Mutter hatte angeboten die Hühner im Großraumtaxi zu fahren, die Pygmäen würden von Freds Vater gebracht werden. Die Versorgung der Hühner würden sich Sprottes Mutter und Freds Großvater teilen, worüber Sprotte sehr froh war. Ihre Mutter war manchmal etwas zerstreut und Freds Großvater hatte sich schon einige Male wirklich liebevoll um die Hennen gekümmert, kannte die Tiere sogar beim Namen.

Gegen elf Uhr wurde Sprotte langsam müde. Das schummrige Licht der Lichterketten, die den Wohnwagen umgaben, machte sie schläfrig und dass sie sich wegen der Kälte in eine der Decken eingemummelt hatte machte es nicht besser. Sprotte unterdrückte ein Gähnen und fragte Richtung Frieda „Was meinst du, wollen wir langsam mal los? Ich hab das Gefühl, ich schlaf hier gleich ein“. Noch bevor Frieda antworten konnte, sagte Fred „Ich würd mitkommen. Hab nicht viel Schlaf bekommen letzte Nacht…“. Frieda sah von Fred zu Sprotte. „Ich würd noch gern länger  bleiben, aber geh ruhig schon. Ich fahre dann mit Wilma“, sagte sie und lächelte Sprotte an. Würde sie Frieda nicht schon eine Ewigkeit lang kennen, dann wäre ihr sicherlich die Bedeutung von Friedas Lächeln entgangen. Das Lächeln war Freude darüber, das Sprotte mit Fred allein den Heimweg antreten würde. Sprotte warf Frieda einen genervten Blick zu. „Na dann lass uns mal los, Oberhuhn“, sagte Fred und erhob sich aus seinem Liegestuhl.

Nachdem Sprotte und Fred sich von den anderen verabschiedet hatten, stapften sie durch den dunklen Garten, hin zu ihren Fahrrädern. Die Reste alter selbstkonstruierter Alarmanlagen, die früher der Pygmäen-Abwehr gedient hatten, umgingen sie beide wie im Schlaf. Eigentlich ist´s mal an der Zeit die Teile endgültig zu entsorgen, dachte sich Sprotte. Aber irgendwie hing sie auch daran, waren die Fallen doch irgendwie auch Erinnerungsstücke an eine Zeit, in der Hühner und Pygmäen noch Feinde gewesen waren. Als Sprotte ihr Fahrradschloss öffnete, merkte sie den kühlen Wind ganz deutlich auf ihrer Haut. „Willst du meinen Pulli haben?“, fragte Fred, dem die Gänsehaut auf ihren Armen aufgefallen war. Er zog sich den Pullover über den Kopf, wobei sein Shirt mit hochrutschte. Sprotte konnte nicht anders und warf einen schnellen Blick auf Freds Körper. Seine sonst so helle Haut war schon gebräunt vom Sommer, bestimmt von der Arbeit bei seinem Opa im Garten, und seine sehnigen Muskeln zeichneten sich deutlich ab. „Nein, lass“, sagte Sprotte schnell. „Bist du echt so stolz, dass du dir lieber den Hintern abfrierst als meinen Pullover anzunehmen?“, fragte Fred spöttisch grinsend. Sprotte schwang sich ohne zu antworten auf ihr Rad und fuhr los. Sie hörte, wie Fred ungläubig murmelnd ebenfalls aufs Rad stieg und ihr folgte.

Nachdem sie etwa zehn Minuten schweigend nebeneinander her geradelt waren, war Sprotte die belustigten Blicke von Fred leid. Außerdem war es wirklich verdammt kühl geworden. Sie bremste, wartete dass auch Fred zum stehen kam und setzte einen leicht ironischen Hundeblick auf. „Steht das Angebot  von eben noch? Es ist wirklich kalt und ich wäre dir dankbar, wenn du einer Dame in Nöten deinen wärmenden Pullover leihen würdest.“, sagte sie und lächelte. Fred zog sich den Pullover über den Kopf, hielt ihn Sprotte hin, die ihn sich direkt überzog. „Natürlich, eine Dame in Not würde ich nie im Stich lassen.“, sagte Fred und fügte grinsend hinzu „Und selbstverständlich auch kein blödes Huhn“. Sprotte lachte und verdrehte die Augen.
Den restliche Heimweg über sprachen Sprotte und Fred über die bevorstehende Reise. Als sie an Sprottes Haus ankamen und Sprotte vom Rad stieg, bremste Fred auch ab. „Gute Nacht, Oberhuhn. Wir sehen uns Freitag am Flughafen“, sagte er und schlang seinen Arm um Sprottes Taille. „Gute Nacht!“, rief Sprotte ihm hinterher.

Als Sprotte sich abgeschminkt und sich die Zähne geputzt hatte, zog sie ihre Klamotten aus um sich ihr Schlaf-Shirt anzuziehen. Sie beschloss stattdessen wieder in Freds Pullover zu schlüpfen. Er war ihr viel zu groß, aber ganz kuschelig und er roch so gut. Fred hatte einen ganz eigenen Körpergeruch, irgendwie nach sonnenwarmer Erde, nach Sommer im Freibad und frischem Kaffee im Bett. „Ich glaube, deinen Pulli behalte ich einfach…“ schrieb Sprotte und kroch ins Bett.
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