Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
28.04.2019 1.608
 
Am nächsten Morgen wachte spät Sprotte auf und fühlte sich nicht ansatzweise erholt. Sie hatte sich beim Einschlafen das Hirn zermartert, aber Freds Verhalten ergab keinen Sinn für sie. Ging es ihm darum sie aus dem Konzept zu bringen? Fand er das schlichtweg unterhaltsam? War er einfach zu lange mit keiner seiner Kurzzeit-Beziehungen mehr in die Kiste gesprungen? Sprotte ärgerte sich über sich selbst, darüber wie wenig sie seinem Verhalten bisher hatte entgegensetzen können. Als sie die Beine über die Bettkante schwang, öffnete Frieda grad die Tür. Sie lächelte Sprotte herzlich an und rubbelte mit dem Handtuch durch ihr noch nasses Haar. „Schön, dass du auch mal wach bist“, sagte sie, „kommst du mit zum Frühstück?“. Wie Frieda da stand, in den kurzen hellen Jeansshorts und ihrem verblichenen Shirt von Terre des Hommes und sie mit so viel Freude in den Augen ansah, da konnte Sprotte nicht anders als ihre schlechte Laune vergessen.

Der Tag plätscherte entspannt vor sich hin. Sprotte und Frieda sonnten sich am Pool und lasen, Trude lies sich von Steve die Karten legen, was Wilma eifrig kommentierte. Willi und Melanie hatten sich ins Haus zurück gezogen und die anderen vermieden es darüber nachzudenken, was die beiden miteinander trieben. Torte und Fred hingegen hatten beschlossen an den Strand zu gehen, nachdem Torte es mit seinen Annäherungsversuchen bei Frieda mal wieder übertrieben und sich eine Abfuhr von ihr abgeholt hatte. Abends hatten sie geplant gemeinsam feiern zu gehen, auch wenn Sprotte von der Idee wenig angetan war.

Als die Mädchen sich fertig machten, war Melanie bei Sprottes Anblick beinahe aus ihren hohen Schuhen gekippt. „Ist das dein Ernst?“, hatte sie fassungslos gefragt und Sprotte abschätzig gemustert. Dass Sprotte in schlichtem schwarzen Shirt und ihrer geliebten Tiger-Hose vor die Tür gehen wollte, war für die modebewusste Melanie beinahe zu viel. Sprotte hingegen liebte ihre alte, verwaschene Hose. Im Club angekommen, fühlte Sprotte sich schon beim Betreten in ihrer  praktischen Kleiderwahl bestätigt. Der Club war wahnsinnig voll. Eine große Gruppe von Kerlen feierte laut grölend offensichtlich einen Junggesellenabschied. Sprotte warf Frieda einen entnervten Blick zu, griff ihre Hand um sie nicht in der Menge zu verlieren und wagte sich auf die Tanzfläche.

Nach einiger Zeit ging Sprotte das Gedränge auf der Tanzfläche und die plumpen Flirtversuche betrunkener Idioten zunehmend auf die Nerven. Melanie und Wilma ließen sich davon den Spaß nicht verderben, Trude und Frieda hingegen folgten Sprotte bereitwillig nach draußen vor den Club um frische Luft schnappen. „Diese ganzen Deppen ruinieren einem echt den Abend“, beschwerte sich Sprotte bei den anderen. Frieda grinste sie breit an. „Mach´s wie Wilma und Melli, betrunken kann man den ganzen Mist besser ausblenden“, sagte sie und stupste Sprotte in die Seite. Sprotte hatte in unangenehmer Erinnerung an ihren letzten Abend im Club beschlossen, diesen Abend relativ nüchtern hinter sich zu bringen.

Als Trude ihnen grade ausführlich davon berichtete, was Steves Karten ihr vorhergesagt hatten, kam Torte aus dem Club auf sie zu gestolpert. „Es gab Stress, kümmert euch mal um Melli“, stammelte er und machte auf dem Absatz kehrt, zurück in den Club. Sprotte beeilte sich ihm zu folgen. „Was ist los“?“, rief sie Torte zu. „So ein paar Spinner haben Melli und Wilma betatscht“, antwortete er mit wütender Stimme, „Der eine hat Melli geküsst und wollte ihr an die Wäsche“.  Trude, die sich beeilte mit den anderen Schritt zu halten, stöhnte auf. „Was ist mit Wilma?“, fragte Frieda. „Die hat dem einem Typen ordentlich eine verpasst“, haspelte Torte, „Willi ist dazwischen gegangen und total durchgedreht. Fred hat versucht ihn zu beruhigen, aber ohne die Security hatten wir keine Chance“.

Torte schlängelte sich mit beeindruckender Geschwindigkeit durch die Menschenmassen im Club und führte die Mädchen in einen Raum hinter der Garderobe. Als Sprotte den Raum betrat, fiel ihr Blick zuerst auf Melanie, die in Tränen aufgelöst auf einem Stuhl saß. Wilma stand mit verschränkten Armen da und starrte hasserfüllt die beiden breiten Security-Mitarbeiter an, die Willi in eine Ecke des Raums drängten. Steve stand da und schien beruhigend auf sie einzureden, genau wie Fred. Er drehte sich um, als sie alle den Raum betraten. Freds Shirt war voller Blut, gegen seine Schläfe hielt er ein blutiges Taschentuch. Trude nahm gleich die weinende Melanie in den Arm. Sprotte schob sich an dem breiten Security-Mitarbeiter vorbei, hin zu Fred. „Du siehst ja schrecklich aus!“, stellte sie fassungslos fest. Fred grinste sie schief an. „So schlimm ist´s gar nicht“, murmelte er betreten. „Dein Gesicht ist voller Blut und guck dir mal dein Shirt an“, zischte Sprotte ihn entgeistert an. „Hey Oberhuhn, es ist ja nicht nur mein Blut“, antwortete Fred und sah sie beschwichtigend an.

„Mir wird das langsam zu voll hier“, rief der eine Security-Mann laut. Sein Kollege pflichtete ihm  nickend bei. „Ihr beiden Mädels bleibt hier“, sagte er und deutete auf Melanie und Wilma. Er drehte sich wieder zu Willi. „Und du natürlich auch“, sagte er, „Der Rest von euch geht jetzt“. „Sonst noch was? Wir bleiben hier!“, fuhr Sprotte den Security-Mann wütend an. „Gut, dann bleibt“, sagte sein Kollege resigniert, „Aber du solltest dich lieber um deinen Freund kümmern“. Sprotte hatte grade angesetzt, um klarzustellen, dass Fred nicht ihr Freund war, als Frieda sie lächelnd unterbrach. „Danke, das ist eine gute Idee von Ihnen“, sagte sie mit ruhiger Stimme, „Fred, du siehst aus, als bräuchtest du wirklich dringend ein dickes Pflaster und was frisches zum anziehen. Sprotte bringt dich nach Hause. Trude und ich bleiben bei Melli und Wilma, Torte und Steve kümmern sich um Willi. Wir klären die Situation hier ganz in Ruhe“. Sprotte schüttelte nur entgeistert den Kopf. „Steve kann ihn doch bringen? Oder Torte?“, fragte sie und starrte Frieda ungläubig an. „Sprotte, bitte“, kam es in leisem, aber eindringlichem Ton von Frieda, „Dein Hitzkopf ist hier nicht hilfreich. Bitte kümmere dich um Fred“. Sprotte musste schlucken. Sie wusste, dass Frieda recht hatte. „Okay“, sagte sie und nickte langsam.

Beim Verlassen des Clubs atmete Sprotte tief ein. „Sollen wir ein Taxi nehmen?“, fragte sie Fred, der ihr mit betretendem Blick gefolgt war. „Nee, lass uns zu Fuß gehen. Ist ja nicht weit“, antwortete er. Auf dem Heimweg erzählte er Sprotte, was genau vorgefallen war. Die Jungs hatten an der Bar gestanden, als Willi plötzlich losgestürmt war. Sie hatten sich beeilt ihm hinterher zu kommen. Als sie ihn eingeholt hatten, schlug er grade den Kerl bewusstlos, der Melanie angefasst hatte. Die restlichen Jungs hatten versucht Willi zu bremsen. Das hatte der Kerl, dem Wilma eine verpasst hatte als er sie begrapschen wollte, genutzt um Fred von hinten einen ordentlichen Schwinger zu verpassen. Daraufhin war Willi nicht mehr zu bändigen gewesen und erst mit Hilfe der Security hatte sich die Schlägerei aufgelöst. Die Security-Männer hatten schon deutlich gemacht, dass es für alle Beteiligten Hausverbot geben würde und ob sie die Polizei rufen würden, war noch unklar. „Irgendwie kann ich Willi auch verstehen. Was die Kerle da mit Melli und Wilma gemacht haben, das geht gar nicht.“, wütete Fred. Sprotte schloss die Haustür auf und nickte zustimmend. „Ich schau mal, wo Frieda ihre Notfallapotheke hat“, sagte sie, „Zieh du dir schon mal was frisches an und wasch dir das Gesicht“.

Sprotte wühlte sich vorsichtig durch Friedas Sachen, bis sie ihr Erste Hilfe Täschchen fand. Sie zog Pflaster, Schere und Wunddesinfektion heraus. Auf Frieda konnte man sich wirklich verlassen. „Ich hab Pflaster gefunden. Kann ich reinkommen?“, rief sie Fred durch die geschlossene Badezimmertür zu. „Klar“, antwortete er. Fred stand da ans Waschbecken gelehnt, das blutige Shirt hatte er ausgezogen und achtlos auf den Boden geworfen. Sprotte wünschte sich, er hätte sich ein frisches Shirt angezogen. Sie machte sich behutsam daran, den Cut an Freds Schläfe zu desinfizieren. Immerhin hatte die Wunde aufgehört zu bluten, trotzdem sah sie übel aus. „Meinst du nicht, das sollte vielleicht genäht werden?“, fragte Sprotte skeptisch. „So sehr ich es schätze, dass du dir Sorgen um mich machst, Oberhuhn“, sagte Fred leise lachend, „Aber ich denke, ein Pflaster tut´s auch“. Sprotte legte das Desinfektionszeug zur Seite und griff nach dem Pflaster. „Denken war noch nie deine Stärke“, murmelte sie und klebte das etwas überdimensioniert geratene Pflaster vorsichtig über den Cut. Fred lachte, schlang einfach seine Arme um Sprotte und zog sie an sich. „Ich liebe deine schonungslose Ehrlichkeit“, raunte er, das Gesicht in ihren Haaren vergraben. Sprotte hasste, wie gut sich das anfühlte. Wie angenehm die Wärme seiner Haut war, wie gern sie seinen Geruch in der Nase hatte, den warmen Klang seines dämlichen Lachens hörte. „Warten wir noch auf die anderen? Ich könnte uns ´nen Tee machen…“, fragte Fred leise. Sprotte wand sich aus Freds Umarmung und schüttelte den Kopf. „Ich geh lieber direkt ins Bett, ich bin müde“, antwortete sie ausweichend. „Schlechte Ausrede, Oberhuhn“, grinste Fred sie herausfordernd an und kam ihr näher. Sprotte verschränkte ihre Arme. „Der Abend war lang und dann noch die ganze Aufregung wegen der Schlägerei..“, sagte Sprotte und merkte selber, wie lahm das klang. „Mmmmh“, machte Fred und fuhr ganz sacht mit den Spitzen seiner Finger ihre verschränkten Arme entlang. Sprotte ertappte sich dabei, wie ihr Blick über seinen nackten Oberkörper wanderte. Sie merkte, wie ihr die verdächtige Röte ins Gesicht kroch. Ganz sacht löste Fred ihre Arme aus der Verschränkung. „Ich hatte dich gewarnt…“, murmelte er, bevor er sie küsste. Der Kuss war anders als ihr letzter. Freds Lippen bewegen sich sanft auf ihren. Nicht drängend, trotzdem leidenschaftlich. Bevor Sprotte die Situation richtig erfasst hatte, war sie auch schon vorbei. Fred löste sich von ihr, schnappte sich sein Shirt vom Boden. „Ich bin in der Küche, komm gern runter wenn du magst…“, sagte er leise und verschwand aus der Tür.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast