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Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
4
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Dieses Kapitel
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03.04.2019 1.554
 
Das Frühstück am nächsten Tag fiel zu Sprottes Leidwesen weniger üppig als am Vortag aus. Frieda schlug als Ausgleich vor, man könne doch Abends gemeinsam kochen und zusammen essen. Trude, Steve und Torte hatten für den Tag schon einen Einkaufsbummel im Zentrum geplant und Melanie machte relativ unverblümt klar, dass Willi und sie den Tag als Paar in trauter Zweisamkeit verbringen wollten. Aber sowohl Wilma, als auch Fred waren von Friedas Vorschlag überraschend angetan. Sie beschlossen gemeinsam eine traditionell spanische Paella zu kochen. Selbstredend ohne Fleisch, sondern die vegetarische Variante. Seit ihrem Bandenschwur aß keins der Mädchen noch Hühnerfleisch und bis auf Melanie aßen sie inzwischen alle mehr oder weniger streng vegetarisch. Und auch die Pygmäen würden es überleben, wenn es eine fleischlose Mahlzeit gab, fand Frieda.

Gemeinsam mit Frieda machte sich Sprotte auf zum nahegelegenen Supermarkt, um für den Abend einzukaufen. Wilma und Fred hatten sich im Gegenzug dazu bereit erklärt die Küche vorzubereiten. Der Einkauf klappte dank Friedas organisatorischem Talent reibungslos und sie beschlossen, sich mit einem Eis zu belohnen. Sie setzten sich unweit des Supermarktes auf eine sonnenwarme Steinmauer und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. „Hoffentlich übersteht Fred die Zeit mit Wilma alleine unbeschadet“, sagte Sprotte grinsend zu Frieda. Wilma hatte lange den Spitznamen „Die Jungshasserin“ getragen, was sie allerdings nie sonderlich gestört hatte. Frieda musste lachen. „Ach“, sagte sie „Wilma und Fred mögen sich doch. Niemand hat unsere Bandenkriege so leidenschaftlich ausgetragen wie die zwei“. Sprotte seufzte theatralisch. „Stimmt, und heute herrscht die pure Harmonie zwischen Hühnern und Pygmäen“, sagte sie „Unser Pistolenhuhn von damals würde der Schlag treffen“.

Als sie vom Einkauf zurück kamen, hörten sie Wilmas lautes Lachen schon im Flur. Fred kam mit zwei ziemlich vollen Weingläsern um die Ecke, die er Frieda und Sprotte mit einem charmanten Lächeln hinhielt. „Wilma meinte, angetrunken kocht man besser“, fügte er erklärend hinzu. Sie machten sich gemeinsam an die Vorbereitungen für die Paella und schwelgten dabei in Erinnerungen.

„Wisst ihr noch damals, als Melli euch eiskalt verraten hatte, wo unser schönes neues Baumhaus stand?“, fragte Fred mit Lachtränen in den Augen „Und ihr einfach die blöde Leiter umgeschmissen habt? Wir waren so sauer auf euch, wie ihr da unten frech rumgetanzt habt. Wir saßen echte ´ne kleine Ewigkeit auf diesem dämlichen Baumhaus fest.“. Wilma hielt sich den Bauch vor lachen. „Ich bereue es so sehr, dass ich damals noch kein Wildes Huhn war! Das klingt herrlich“, sagte sie atemlos vor lachen. „Du hast da ´ne Kleinigkeit vergessen“, sagte Sprotte breit grinsend „Du selber hast die schöne Melli eingeladen, damit sie euer tolles Baumhaus bestaunt“. Fred verdrehte die Augen. „Ich hab Melli nur wegen Willi eingeladen, kein Grund zur Eifersucht Oberhuhn“, erwiderte er und zwinkerte Sprotte verschmitzt grinsend zu. „Davon träumst du, Zwergenoberhaupt“, sagte Sprotte laut lachend, „Vor allem habt ihr uns aus Rache am nächsten Morgen wie die Entführer von den Fahrrädern gezerrt und in den Schuppen vom Hausmeister gesperrt“. Fred nahm einen großen Schluck aus seinem Weinglas und lachte verlegen. „Gut, ich gebe zu, diese Aktion gehörte nicht zu unseren charmantesten Streichen“, und hob wie zur Beschwichtigung die Hände.

„Oh verdammt“, kam es von Frieda, die grad den Bon vom Einkauf inspizierte. „Ich habe den Safran vergessen“, stellte sie fest. „Schmeckt die Paella nicht auch ohne?“, fragte Sprotte, „Ich hab keine Lust noch mal zum Supermarkt zu gehen“. Frieda verdrehte nur die Augen. „Ohne Safran ist das keine richtige Paella“, erklärte sie und drehte sich zu Wilma. „Kommst du mit zum Supermarkt?“, fragte sie. Wilma nickte nur und leerte ihr Glas mit einem Zug. Sprotte ärgerte sich als sie im Flur stand und den beiden anderen Hühnern dabei zusah, wie sie in ihre Schuhe schlüpften und gemeinsam aus der Finca Richtung Supermarkt verschwanden. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass Frieda die Situation geschickt eingefädelt hatte.

Als sie zurück in die Küche kam, hatte Fred mit seinem Glas Wein auf der Arbeitsfläche platz genommen und schob sich grade ein Stück Paprika in den Mund. Sprotte schenkte sich großzügig Wein nach und lehnte sich an den Esstisch. „Fehlen dir unsere Bandenkriege manchmal?“, fragte Fred sie mit einem Grinsen auf den Lippen. „Da sind wir wohl leider inzwischen zu erwachsen zu“, antwortete Sprotte nicht ohne Bedauern in ihrer Stimme „Und außerdem sind Hühner und Pygmäen mittlerweile ja eher Freunde als Feinde“.  Fred nickte. „Stimmt, wer hätte das mal kommen sehen“, sagte er, „Kein Mädchen wie du hat mir so oft vorgeworfen, dass ich ein Erbsenhirn hätte und Chef einer Affenbande wäre“. Sprotte musste laut lachen. „Hatte ich da denn Unrecht?“, fragte sie spöttisch. Fred griff sich eine Orange aus der Obstschale neben sich. „Nicht so frech, Oberhuhn!“, rief er lachend und schmiss die Orange in Sprottes Richtung. In einer ziemlich umkoordinierten Abwehrbewegung gelang es Sprotte zwar die Orange zu fangen, aber nicht ohne im Gegenzug dafür ihr Weinglas los zulassen. Es zersprang beim Aufprall auf dem Boden in tausend kleine Scherben, nicht ohne vorher noch ihre Kleidung großflächig mit Wein zu durchtränken. „Scheiße“, rief Fred erschrocken, „Das war keine Absicht, entschuldige. Oh Gott, ich dachte, du kannst fangen“. Sprotte sah Freds fassungsloses Gesicht, in das ihm der Schreck noch geschrieben stand, und musste lachen. „Alles gut, nix passiert“, versicherte sie ihm noch immer lachend. „Ey, bleib bloß da stehen“, sagte Fred und rutschte von der Arbeitsfläche, „du hast ja nur Socken an, nicht dass du irgendwo rein trittst“. Als er in seinen Sneakern auf sie zu ging, hörte sie das Glas unter seinen Sohlen knirschen. „Holst du mir meine Schuhe aus dem Flur, oder wie soll ich hier wegkommen?“, fragte sie irritiert. Fred blieb vor ihr stehen und nahm ihr die Orange aus der Hand. „Achtung“, murmelte er, bevor er sie hoch hob. Fred trug sie bis in den Flur, wo er sie vorsichtig absetzte. „Ich beseitige das Chaos mal“, sagte Fred mit schuldbewusster Miene.

Sprotte ging ins Bad. Ihr Oberteil hatte es am schlimmsten erwischt, das hellgraue Shirt hatte riesige Rotweinflecken. Vorsichtig zog sie es sich über den Kopf und lies kaltes Wasser darüber laufen. Immerhin waren ihre Hose und ihr BH schwarz und somit von Flecken verschont geblieben. „Dein Ernst, Oberhuhn?“, kam es plötzlich von Fred. Als Sprotte zu ihm herumfuhr, schoss es ihr durch den Kopf, dass sie die verdammte Tür nicht hinter sich geschlossen hatte. Freds schamloser Blick trieb ihr die Röte ins Gesicht. „Hättest du vielleicht den Anstand mich nicht so anzuglotzen?“, fuhr sie ihn an. „Tja“, sagte Fred und kam grinsend  auf sie zu, „Irgendwie fällt es mir verdammt schwer bei dir meinen Anstand nicht zu vergessen“. Sprotte schnaubte verächtlich. „Spar dir deine dummen Sprüche, okay?“, sagte sie mit zorniger Stimme, „Ich hab absolut keine Lust darauf, mich hier an einem Abend von dir küssen zu lassen, wenn dir grad mal danach ist, und mir dann am nächsten Morgen dafür deine dämliche Entschuldigungen anzuhören“. Fred zog verwundert seine Augenbrauen hoch. „Ich hab mich nicht bei dir entschuldigt, weil ich dich geküsst habe“, sagte er, blieb vor ihr stehen und sah ihr in die Augen, „Ich habe mich entschuldigt, weil ich ´ne dämliche Eifersuchtsnummer abgezogen hab und ordentlich auf deine Fragen hätte eingehen sollen“. Fred setzte sein schiefes Grinsen auf. „Es tut mir auch nicht mal im Ansatz leid, dass ich dich geküsst habe“, raunte er ihr zu, „Ich würd´s sogar wieder tun“. Sprotte hatte das Gefühl nicht mehr klar denken zu können, Freds schiefes Grinsen war da wenig hilfreich. „Du bist echt ziemlich beschissen im Entschuldigen“, murmelte sie tonlos. „Liegt wahrscheinlich an meinem Erbsenhirn“, stellte Fred belustigt grinsend fest und begann den Reißverschluss seiner Sweatjacke zu öffnen. „Was wird das?“, fragte Sprotte irritiert, als Fred aus der Jacke schlüpfte. „Du solltest dir ganz dringend was überziehen, Oberhuhn“, sagte Fred und hielt ihr die Jacke hin. Wortlos schlüpfte Sprotte in die viel zu großen Ärmel und zog den Reißverschluss bis oben hin zu. Fred musterte sie. „Lass mich raten“, sagte er breit grinsend, „Die Jacke sehe ich genau so wenig wieder wie meinen Pulli?“. Sprotte lachte nur verlegen. Als sie hörten, wie die Haustür sich öffnete, rief Fred laut „Schuhe anlassen!“ und beeilte sich damit Frieda und Wilma das Chaos in der Küche zu erklären. Sprotte hingegen blieb mit dem Chaos in ihrem Kopf allein im Badezimmer zurück.

Von der fertigen Paella brachte sie kaum einen Bissen herunter, obwohl sogar Steve, der mit Abstand am besten von ihnen allen kochen konnte, den guten Geschmack beinahe überschwänglich lobte. Am liebsten wäre sie einfach mit Frieda alleine gewesen und hätte mit ihrer Hilfe versucht, ihre Gedanken zu ordnen. Aber Frieda würde das Ganze nicht verstehen und sie wäre sicher gekränkt, dass Sprotte ihr die Sache mit Fred vorenthalten hatte. Und wenn Frieda sauer war, sprach sie tagelang kein einziges Wort mehr mit einem. Sprotte überlegte sogar kurz, ob sie nicht ihre Mutter anrufen und um Rat bitten sollte. Allerdings waren die Männergeschichten ihrer Mutter nie von langer Dauer, sie hatte ihre Mutter früher oft genug beim Fluchen und Weinen in der Küche gehört, sogar nach Amerika hatte sie einmal wegen ihres Liebeskummers auswandern wollen. Und selbst wenn ein Mann es doch mal länger mit ihrer Mutter und ihr aushielt, so wie der Klugscheißer damals, wurde es ihrer Mutter plötzlich zu viel und sie bekam kalte Füße. Bei dem Vorbild in Sachen Beziehung wunderte sich Sprotte nicht mal, dass sie selbst so verkorkst war.
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