Die Wilden Hühner auf Abschlussfahrt

von Caro535
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred
22.03.2019
28.04.2019
11
12.912
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22.03.2019 908
 
Sprottes Blick folgte konzentriert dem roten Sekundenzeiger der großen Uhr über der Tür. In wenigen Minuten wäre es endlich vorbei, die letzte Klausur ihrer Schullaufbahn. Mit der schriftlichen Abiturprüfung in Mathe würde es zwar keine glorreiche letzte Klausur werden, aber in Mathe hatte sich Sprotte schließlich noch nie mit Ruhm bekleckert. Sie ließ ihren Blick wandern, weg von der Uhr. Hin zu Frieda, die rechts von Sprotte saß und die noch immer hochkonzentriert das Blatt vor ihr weiter mit ihrer kleinen sauberen Schrift füllte. Weiter zu Wilma, die ganz vorn saß, wo sie sich ihrer Meinung nach am besten konzentrieren konnte. Es würde Sprotte wundern, wenn Wilma nicht auch im Mathe-Abi volle fünfzehn Punkte bekommen sollte. Wilma war ehrgeizig, denn je besser ihre Noten waren, desto mehr Freiheiten erlaubten ihre Eltern ihr. Sprottes Blick fiel auf das Oberhaupt der Pygmäen. Fred saß direkt vorn am Fenster und das Sonnenlicht ließ das fuchsige Rot seiner Haare glänzen. Das enge weiße T-Shirt das er trug zeigte deutlich, dass Fred mehr Zeit im Fitnessstudio als mit dem Lernen für die Prüfungen verbracht hatte. „Die Zeit ist um, Stifte hinlegen! Alle Klausuren bitte zu mir nach vorn.“, sagte Herr Krause laut. Sprotte beeilte sich damit ihre Sachen zusammen zu packen und in ihre Tasche zu stopfen. Schnell gab sie ihre Klausur ab und fühlte sich direkt erleichtert. Sie suchte Friedas Blick und lächelte sie breit an. „Na, wie lief´s?“, fragte Sprotte. Frieda schmiss sich ihren Rucksack auf den Rücken und sagte: „Ich denke ganz gut, und bei dir?“. Sprotte verdrehte als Antwort nur die Augen.

Die wilden Hühner trafen sich wie schon seit der ersten Klasse nach Schulschluss bei den Fahrradständern. Auch bei Trude und Melanie war die Klausur ganz okay gelaufen. Wilma hingegen war sich sicher, dass sie die Klausur fehlerfrei gelöst hatte. „Gott sei Dank! Mein Vater hat so viel mit mir gelernt, ich will mir das Theater gar nicht vorstellen, wenn ich nur mit vierzehn Punkten bestehen würde.“, lachte Wilma. „Dann sollte unserer großen Abschiedsreise ja nichts mehr im Wege stehen, oder?“, grinste Frieda und legte ihren Arm um Wilma.
Die Pygmäen hatten schon zu Beginn des letzten Schuljahres vorgeschlagen, dass Hühner und Pygmäen sich mit einem gemeinsamen Urlaub für die anstehenden Strapazen belohnen sollten. Grade Melanie war begeistert gewesen, denn ihr Vater ließ sie nicht mit Willi allein in den Urlaub fahren. Was natürlich keinen Sinn machte, als ob die beiden nicht auch so miteinander schlafen würden. Aber auch die anderen Hühner fanden Gefallen an der Idee sich nach der ganzen Lernerei eine Auszeit zu gönnen. So einigten sich die Mitglieder beider Banden nach einigem Hin und Her darauf, dass sie vierzehn Tage eine Finca auf Mallorca mieten würden. Dort hätte die Hühner Meer und Strand für sich und die Jungs hätten es nicht weit zur Partymeile. Außerdem war das Angebot ein echter Glücksgriff gewesen und auch die Flüge waren günstig - dafür flogen sie allerdings am Freitag schon um halb vier morgens los.

Auf dem Heimweg schnitt Frieda mal wieder Sprottes Lieblingsthema an. „Ich finde schon, dass Fred sich in den letzten Monaten komisch dir gegenüber verhält. Alleine wie er dich anguckt…“, stellte Frieda fest. Sprotte strafte ihre beste Freundin mit einem bösen Blick und entgegnete: „Fred steht nicht auf mich. Zum letzten Mal, da ist nichts. Wenn du damit nicht aufhörst, dann erzähle ich Torte, dass du mir gesagt hast, dass du ihn manchmal ganz schrecklich vermisst!“. „Wann soll ich das denn bitte gesagt haben?“, fragte Frieda lachend, „aber okay, ich hör schon auf. Bevor du rot wirst.“ Vor Frieda konnte Sprotte einfach nichts verbergen. Es war, als könne Frieda einem direkt in die Seele schauen und alle Geheimnisse, die man ganz tief vergraben hatte, mit einem Blick erkennen. Nicht ohne Grund war Frieda seit Ewigkeiten ihre allerbeste Freundin.

Als Sprotte bei sich Daheim ankam, war ihre Mutter nicht da. Auf dem Küchentisch lag ein Zettel, auf dem stand: „Musste für einen kranken Kollegen einspringen, sorry! Im Kühlschrank stehen Sekt und Kuchen, meinen Glückwunsch zur letzten Prüfung! Deine stolze Mutter“. Sprotte beschloss es sich zur Feier des Tages mit Sekt und einem Stück Erdbeerkuchen vor dem Fernseher gemütlich zu machen. Als sie grade Meredith Grey auf dem Bildschirm dabei zusah, wie sie eine riskante Operation am Gehirn durchführte, vibrierte ihr Handy. „Na Oberhuhn, wie lief Mathe bei dir?“, schrieb Fred ihr. „Besser als bei dir würde ich mal sagen. Du hast ja den Großteil der Zeit nur aus dem Fenster geschaut und vor dich hin geträumt :D“, antwortete Sprotte. „Hast du mich etwa beobachtet, Oberhuhn??“, kam es von Fred. Sprotte war froh, dass er nicht sehen konnte, wie ertappt sie sich fühlte. Sie sah ihn wirklich gern an, zu gern. Sie fühlte sich schon manchmal wie Torte, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit Frida sehnsüchtig anstierte. „Haha, davon träumst du. Warum schreibst du mir überhaupt?“, tippte Sprotte schnell. „Ach Oberhuhn. Treffen wir uns morgen alle bei euch am Wohnwagen? Wir müssen noch Details für Freitag klären. Was hältst du zum Beispiel von gemischten Zimmern?“, schrieb Fred. „Wir Hühner treffen uns eh um 17 Uhr, kommt doch einfach dazu. Und von gemischten Zimmern halten wohl nur Willi und Melli was…“, antwortete Sprotte. „Und Torte :D Bis morgen dann!“, kam es von Fred. Sprotte tippte schnell „Bis morgen“ ein und legte ihr Handy zur Seite. Sie beschloss, dass es Zeit war ins Bett zu gehen. Ihre Mutter würde eh erst in den frühen Morgenstunden wieder kommen.
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