We are not HOLY

von Teafairy
GeschichteMystery, Fantasy / P18 Slash
Gestaltwandler Vampire Werwölfe Zombies & andere Untote
21.03.2019
25.08.2019
3
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Part 1: the Salin nightmare

Killing ME? I would like to SEE you TRY.


Zum Glück mussten sich Jade und Kilian nicht nur durch irgendwelche Büsche schlagen, sondern konnten auch einem kleinen Pfad folgen. Die kleinen Kiesel knirschten unter ihren Schuhen und die Vögel zwitscherten und sangen weit oben in den Bäumen. Das Sonnenlicht brach verspielt durch die Baumkronen und alles wirkte eher friedlich und schon märchenhaft.

Die grüne Spur von Z passte zu der ganzen Szenerie.
„Stimmt es eigentlich, dass ihr Vampire meist im Wald lebt?“, fragte Kilian irgendwann neugierig.
„Joa meistens. Eigentlich leben wir überall wo wir sicher sein können, dass Menschen dort nicht lang kommen. Und natürlich wo es genug Beute gibt. Die meisten Clans leben sogar näher an Menschenstädten dran, als man zunächst denkt. Immerhin ist es leichter sich Blut bei irgendeinem Metzger zu besorgen, als selbst sich was fangen zu müssen“, Jade verschränkte die Arme hinter dem Kopf und sah beim Sprechen nachdenklich nach oben: „Jeder Clan handhabt das grundsätzlich anders und es kommt immer sehr auf den Clanführer an.“

Kilian nickte und machte sich eine gedankliche Notiz, dass später in sein wirkliches Notizbuch zu schreiben.

„Wie hat dein Clan das gehandhabt?“, fragte Kilian und Jade schwieg lange darüber. Kilian wollte schon fast etwas anderes sagen, als Jade dann doch sprach: „Mein Ex-Clan meinst du wohl? Sie waren immer die Art, die am liebsten ganz weit weg von euch war. Einer der Gründe wieso ich mit meinem Clan gebrochen habe.“

Kilian fiel auf, dass Jades Stimme tiefer und ernster war. Das Thema war also wirklich ein rotes Tuch für den Vampir.
„Entschuldige, dass ich gefragt habe Jade. Du wirkst, als wolltest du nicht darüber reden. Das werde ich in Zukunft respektieren, aber wenn du mal darüber reden möchtest, dann werde ich zuhören.“

Jade sah Kilian überrascht an, auch wenn er lächelte.
„Du bist wirklich einfühlsamer, als du aussiehst Priesterchen.“
Als Antwort bekam er nur einen leichten Schlag gegen die Schulter und einen Blick, der einem das Fürchten lehrte.

Plötzlich blieb Jade jedoch stehen und lauschte. Kilian fragte nicht was los war, sondern hob sein immer noch schwebendes Buch etwas an. Bereit ein Gebet zu sprechen wenn nötig.
„Die Vögel sind weg“, murmelte Jade nur und jetzt fiel es auch Kilian auf.

Es war totenstill im Wald. Kilian liefen Schauer über die Haut. Eine unerträgliche Befürchtung, dass von jeder Seite etwas angreifen könnte. Die Gewissheit das dort etwas war, was sie beobachtete.

Jades Rücken berührte Kilians, als sie dort standen und warteten. Die Umgebung verriet nichts über ihren Angreifer und so konnten sie nichts tun außer warten.
„Na komm schon! Du willst einen Kampf, dann sollst du ihn haben!“, schrie Jade irgendwann in den Wald. Man hörte Blätter rauschen, doch ob es das Tier oder der Wind war, war unmöglich zu sagen.

„Es wütend zu machen ist genau die richtige Strategie. Mach ruhig weiter so“, spottete Kilian nur mit rollenden Augen.
Er hatte sein Gebetsbuch schon auf der richtigen Seite aufgeschlagen und seine Hände gefaltet. Es würde sich zeigen wer schneller war.

Die Minuten vergingen. Jade wandte seinen Blick etwas von dem Wald ab und genau das war sein Fehler, denn nun sprang das Tier auf dem Gebüsch hervor direkt auf den Vampir zu. Seine riesigen Krallen ausgefahren und seine Zähne gefletscht wirkte es wie eine riesige, hungrige Hauskatze, die geradewegs auf sie zu gesprungen kam.

Kilian reagierte schnell und sprach in ein Schutzgebet: „Ohh erhabene Ioan schütze uns vor Gefahr!“
Die Wildkatze prallte gegen ein helles Lichtschild. Jade konnte es nur in Bewunderung ansehen. Nun umkreiste und beobachtete sie die Beiden. Die Katze war viel größer und buschiger, als ihre Haustiervertreter. Die Augen waren leuchtend gelb und bedrohlich.

Wegen solcher Tiere gibt es die Schutzzäune um die Menschengebiete herum.
„Komm her du komischer Fellteppich ich reiß dich in Stücke!“, knurrte Jade wütend.
„Kommst du gegen es an? Du musst es nicht töten nur verjagen. Wenn ich jetzt anfange komplizierte Gebete zu sprechen habe ich keine Kraft mehr für das Verfolgungsgebet“, gab Kilian zu und Jade brachte mit einem Grinsen seine Fingerknöchel zum Knacken.
„Wofür hältst du mich denn bitte?“

Die Katze haute einmal mit der Pranke gegen den milchweißen Schleier. Sie jaulte laut auf in ihrer Frustration. Erst dann schlich sie weiter. Ihre Beute nicht aus den Augen lassend.

„Jade glaub mir: Du willst nicht wissen wofür ich dich halte“, meinte Kilian kalt. Er merkte wie langsam kalter Schweiß auf seine Stirn trat. Das erste Zeichen, dass die heilige Magie ihn anstrengte. „Jade bist du bereit? Wenn ich die Barriere löse, dann musst du sofort reagieren.“

Der Vampir nickte. Sein Grinsen wurde breiter, als wäre er jetzt in seinem Element. Mit einem Ruck löste sich die Barriere. Kilian konnte nicht genau sagen wer schneller war: Jade oder die Wildkatze. Beide fuhren ihre Krallen aus und stießen wütende Laute aus.

Dann kam der Aufprall. Kleidung riss, doch schaffte es Jade irgendwie sich auf den Rücken der Katze zu schwingen. Kilian nahm Abstand. Er musste zu Atem kommen ohne die Spur von Z zu verlieren, auch im Hinblick darauf, dass er noch genug Kraft brauchte um gegen den anderen Vampir zu kämpfen.

Jade hatte mittlerweile seine Krallen in das Fell der Katze geschlagen, welche um sich schlug um ihn von ihrem Rücken zu bekommen. Als nächstes schlug Jade seine Zähne in die Katze. Kilian sah die unauffälligen Fangzähne von Jade, wenn man nicht wusste worauf man achten sollte, dann waren sie gar nicht so auffällig wie es in Filmen oft gezeigt wurde.

Jetzt begann die Katze sich samt dem Vampir über den Boden zu rollen. Sie schlug mit ihren Krallen nach ihm, damit er endlich von ihr abließ. Sie versuchte sogar nach ihm zu schnappen.

Ein paar Mal drehten sie sich umeinander und das Laub flog durch die Luft. Kilian hatte vertrauen in Jade, doch hatte er sein Buch schon auf der richtigen Seite mit einem Angriffszauber aufgeschlagen. Jade lag noch verwirrt am Boden, als die Katze versuchte in seine Kehle zu beißen.

Kilian setzte bereits zu dem Gebet an, als er Jades Finte endlich erkannte. Er stürzte sich selbst in die Attacke und nutzte sie zum Gegenangriff. Wieder gruben sich seine Zähne in die Bestie. So oft er konnte. Als sie sich wieder von einander trennten standen sie sich gegenüber.
„Lass uns gehen Kilian. Das ist entschieden“, meine Jade trocken und sah an seiner Lederjacke runter, die etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde.

„Oder obwohl warte noch einen Moment “, jetzt hob Kilian die Augenbraue. Erst dann erklärte sich Jade: „Ich werd noch etwas Blut von der Katze trinken. Keine Sorge ich werde sie nicht töten. Nur die Gesundheit zurück fordern, die sie mir genommen hat. Diese Schnitte tun beschissen Weh.“

„Tu was du nicht lassen kannst.“
Die Katze war in der Zwischenzeit umgefallen und bewegte sich nicht mehr viel, außer ein paar Muskelzuckungen vielleicht. Kilian sah Jade genau dabei zu, als er eine gut durchblutete Stelle suchte und dann hinein biss. Sein Opfer wimmerte, aber konnte sich nicht wehren, als wäre es gelähmt und konnte alles nur hilflos geschehen lassen.

Vampire verfügten über ein Nervengift, welches ihre Opfer hilflos machte. Es war sicher eine schreckliche Art so zu sterben.

Jade hatte einen blutverschmierten Mund, als er sich wieder aufrichtete.
„Kannst du mir noch einen Moment geben?“, fragte er vorsichtig und Kilian nickte.
„Da wir eh von Z eingeladen wurden, wird er wohl kaum vor uns davon laufen.“
Kilian setzte sich mit dem Rücken an einen Baum und atmete tief durch.

Jade zog seine Lederjacke und seinen Hoodie aus. Unter beidem kam ein einfaches, schwarzes Shirt zum Vorschein. Auch das streifte sich Jade über den Kopf.

Das Erste was Kilian dabei auffiel war nicht die Frage, wieso der Vampir das tat, sondern, dass er ein buntes Tattoo auf dem Oberarm hatte. Ein Augapfel in einer Flasche.

Inzwischen war Jade wieder mit Hoodie und Jacke bekleidet und riss das Shirt in Streifen und nutzte sie als Verband für die Katze. „Wieso tust du das?“
Jade zuckte mit den Schultern. „Es gehört zu unserer Natur Blut zu trinken. Was anderes vertragen wir nicht, aber müssen wir wirklich unsere Beute töten, wenn es auch anders geht? In diesem Fall wäre ihr Tod sinnlos.“

Kilian nickte langsam. „Ich verstehe das besser, als du jetzt denkst. Lass dir Zeit damit.“

Jade antwortete aber nicht auf die Bemerkung des Priesters, sondern murmelte einfach weiter: „Es gehört halt zu meiner Natur, genauso wie es zu der Miezes Natur gehört uns in ihrem Revier anzugreifen. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich Mitleid mit ihr habe. Wenn sie gewonnen hätte, dann hätte sie das auch nicht, aber es ist ein Unterschied ob man mit Vorsatz tötet und aus Gier nimmt oder um zu überleben.“

Jade machte eine Pause, eh er weiter sprach. Diesmal sogar an Kilian gewandt.
„Meine Mutter hatte mir als Kind etwas gesagt, nach dem ich leben will. Sie sagte: 'Wir sind keine Monster von Geburt an. Menschen sind das auch nicht. Verdorbene Herzen und schreckliche Taten machen uns zu Monstern.' Ich wollte nie ein Monster werden...“

Es legte sich eine Stille um sie, die nur von der wimmernden Katze unterbrochen wurde. Kilian wog seine Worte genau ab. Er wollte nichts falsches sagen, denn immerhin hatte Jade ihm gerade etwas wichtiges erzählt.

Er hatte ihm einen kleinen Einblick in sein Wesen geschenkt.

„Deine Mutter ist eine weise Frau.“
Jade lächelte etwas schwermütig, stand dann aber auf. „Wir sollten weiter, bevor die Spur kalt wird.“
Kilian bemerkte natürlich, dass Jade sich schnell über das Gesicht fuhr um die Ergriffenheit weg zu wischen.

Aus Rücksicht tat er aber so, als hätte er nichts von den kleinen Tränen gesehen.

~*~

Kilian war froh, dass die Katze der einzige Zwischenfall bis zum Schloss war. Sie waren zwar mindestens noch eine halbe Stunde gelaufen, doch nun tat sich der Wald auf und gab den Blick auf ein imposantes Gebäude frei.

Die Gartenanlage war verwildert und verlassen und wurde langsam selbst wieder zum Teil des Waldes. Der Pflastersteinweg war grün von Unkraut und Moos. Die Steinstatuen sahen brüchig und leblos auf sie herab.

„Es ist wirklich schön hier. Findest du nicht?“, Kilian seufzte vor Bewunderung.
„Ist das dein Ernst? Wir dürfen gleich gegen einen mordenden Vampir kämpfen und du bewunderst die Landschaft eines heruntergekommenen Schlosses?“

Jades Verwunderung schlug schnell in ein Lachen um. Kilian betrachtete derweil den abbröckelnden Putz und das dunkle Mauerwerk darunter. Die angelaufene Farbe und den Efeu, der sich langsam über die Wand zog. Verlassene Orte hatten ihre ganz eigene Schönheit.

„Genug die Schönheit betrachtet. Wir müssen vorsichtig sein. Es könnte schließlich auch eine Falle sein.“, gab Kilian zu bedenken und Jade verstummte in seinem Gelächter.

Jade drückte die knarzende Schlosstür auf und ihnen schlug ein Geruch aus muffigem Staub entgegen. Die Eingangshalle war noch mit kleinen Sofas und Schränkchen möbliert. Spinnweben hingen von dem auffälligen Kronleuchter und die Blumen in den Vasen waren verwelkt.

Es führte auch eine große Treppe in den ersten Stock. Ansonsten waren rechts und links davon zwei Türen im Erdgeschoss.

Was jedoch am meisten hervorstach war der staubfreie Tisch in der Mitte der Eingangshalle. Auf welcher ein kleines Radio stand. Direkt daneben eine CD mit den Worten „Spiel mich ab.“

„Das ist jetzt überhaupt nicht krank. Nein...“, kommentierte Jade, während Kilian die CD zum Abspielen brachte.

Ein Knacken kam aus dem Radio. Bis schließlich eine Männerstimme sich erhob.

„Willkommen Kilian Elliot. Schön, dass Sie her gefunden haben. Ich hatte auch nichts anderes von Ihnen erwartet.

Mein Name ist Z. Aber das wisst Ihr ja bereits?

Sehen Sie nun bitte nach vorn und folgen Sie der Treppe mit ihren Augen. Der Flur des ersten Stockes ist offen und einsehbar für Sie. Sehen Sie die große Tür in der Mitte? Sehr gut. Dahinter verberge ich mich.

HALT! Sie werden doch jetzt nicht schon los gerannt sein oder? Wie unhöflich. Hören Sie mir doch erst zu Ende zu.

Die Tür ist mit einem Schloss gesichert. Sie benötigen vier Stücke um sie zu öffnen. Diese Schlüsselsteine sind im ganzen Schloss verteilt. Schummeln ist aussichtslos. Ich sehe alle Ihre Schritte.

Ich hoffe sehr, dass Sie Spaß an meinen Rätseln und Spielen haben. Ich erwarte Sie Pater.“

Danach war nur noch Rauschen auf der CD. Kilian stöhnte genervt auf.
„Mir kommt die Stimme irgendwie bekannt vor, aber ich könnte mich auch täuschen“, meinte Jade nachdenklich.

„Es hilft ja nichts wir müssen wohl mitspielen. Wo wollen wir zu erst hin?“

„Wir haben das linke und rechte Erdgeschoss und das selbe noch einmal im ersten Stock. Links unten?“
Kilian verschwendete ihre Zeit nicht mit einer Antwort, sondern steckte lediglich sein Buch weg und lief zur linken Tür neben der Treppe.

Sie war genauso alt wie der Rest vom Schloss, bis auf das Schild, welches mit einem angespitzten Kruzifix fest genagelt war.

„Der Weg in die Tiefen der Hölle“, las Kilian die Botschaft laut vor.

„Das wird ein Spaß. Ich freue mich ja so“, Sarkasmus brachte sie zwar nicht weiter, aber er fühlte sich so gut an.

Kilian drückte die Tür auf und ihn schlug ein muffiger Geruch entgehen, als hätte man viel zu lange nicht durchgelüftet. Der Gang war düster, denn kein Fenster erhellte ihn. Dennoch wagten sich die beiden weiter hinein. Von den Wänden schälte sich die blasse Tapete und Spinnweben hingen von den Ecken.
„Staubig hier“, murmelte Jade wenig hilfreich, als sie über den verstaubten Teppich gingen und ihre Spuren hinterließen.

Kilian schritt voraus und überwachte die Umgebung aufmerksam. Links von ihnen war eine Tür. Der Gang selbst machte ein Stück weiter vorn eine Abbiegung und war daher nicht einsehbar. Mit einem stummen Zeichen deutete Kilian Jade an ruhig zu sein, als er vorsichtig um die Ecke spähte. Jedoch verbargen sich nur weitere Türen und eine trostlose Kommode hinter der Ecke. Licht fiel an dieser Stelle durch ein dreckiges Fenster und Kilian drehte sich um.

„Noch mehr Türen. Nehmen wir uns eine nach der anderen vor?“
Jade grinste und öffnete gleich die Tür direkt neben ihm. Es war ein Lagerraum, denn er war klein und voll gestellt mit Regalen. Verstaubte Konserven und Lebensmittelsäcke keimten fröhlich vor sich hin.
„Nichts interessantes. Höchstens eine Beleidigung für meinen Geruchssinn“, meinte Jade griesgrämig.
„Hattest du einen Goldschatz erwartet?“

Jade wischte etwas Staub von einem der Gläser. Es waren mal eingelegte Gurken gewesen. Sie maßen dem Raum keine weitere Beachtung zu und wandelten zur nächsten Tür. Beide Türen lagen am Ende des Ganges. Sie entschieden sich zuerst für die rechte Tür.

Eine schmuddelige Küche kam zum Vorschein. Die Mäuse huschten davon, als sie den Raum betraten. Unter ihren Schuhen knirschten Scherben von Fenstern und Tellern. Es roch erdig und doch faulig hier. Nichts schrie bisher nach Hölle.

Sie sahen sich oberflächlich um, denn beide glaubten nicht, dass ihr gesuchtes Schlüsselfragment hier zu finden war. Das wäre zu einfach.
Also gingen sie zur letzten Tür. Unter ächzen schwang sie auf, als würde sie sich   beklagen. Das Licht ihres Ganges gab den Blick auf eine Treppe nach unten frei, doch davor stand ein kleiner Tisch. Auch er wirkte neu und seltsam unpassend. Auf ihm war ein Funkgerät und eine Taschenlampe.
Kilian nahm das Gerät und Jade schaltete die Lampe ein und leuchtete weiter in den Keller hinein, doch konnte noch nicht viel erkennen.

Knackend erwachte das Funkgerät zum Leben und eine gelassene Stimme begann zu sprechen: „Willkommen Priester Elliot und Jade Chirtea. Schön sie zur ersten Prüfung begrüßen zu dürfen.“

„Du kranker Penner woher kennst du meinen Namen?!“, blaffte Jade wütend und hätte Kilian fast das Funkgerät aus der Hand gerissen. Z lachte sie aus.
„Ich überwache euch natürlich. Ich dachte, dass das offensichtlich wäre.“
Jade knirschte wütend mit den Zähnen, doch Kilian ergriff das Wort. „ Sie haben uns dieses Funkgerät nicht umsonst hinterlassen. Was ist die Prüfung?“

„Immer mit der Ruhe. Schauen sie sich doch erst um und lassen sie mich Ihnen eine kleine Geschichtsstunde geben.“
Ohne Zögern ging Kilian los, doch Jade hielt ihn fest.
„Willst du wirklich einfach so darunter?“, in Jades Stimme lag plötzlich etwas ganz anderes als Wut. Kilian konnte es nicht genau benennen.
„Haben wir eine andere Wahl? Du musst mich nicht begleiten.“
Jade schüttelte schnell den Kopf.

„Ich zieh das durch mit dir.“ Kilian strich ihm vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht um seine Augen besser sehen zu können.
„Du hast… Angst?“, fragte der Priester vorsichtig und Jade konnte nur ergeben die Lieder nieder schlagen.
„So offensichtlich? Ich … kann dunkle, feuchte Orte wie Keller und Höhlen einfach nicht mehr leiden. Aber es wird schon gehen.“
„Seid ihr fertig mit turteln? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Wir sterben alle zeitig“, drang die blecherne Stimme von Z wieder an ihr Ohr.
Jade zog das Funkgerät an seinen Mund, damit der andere Vampir auch jedes Wort hören konnte: „Halt deine Fresse.“

Kilian ging mit der Taschenlampe voran und Jade mit dem Funkgerät dicht hinter ihm. Es roch nach muffigem Holz und bald erkannten sie mit dem Lichtkegel was für ein Keller das hier war: Ein Weinkeller.

„Wusstet ihr, dass dieses Schloss früher für sein Weingut bekannt war? Heute ist davon allerdings nicht mehr viel zu sehen. Außer natürlich dem Wein der hier lagert“, erzählte Z als wäre er ein Tourführer in einem Museum.
„Dort weiter hinten müsstet ihr eine Tür finden. Folgt ihr und dem Pfad dort hinter“, wies er sich an und ohne weitere Optionen gehorchten sie.

Mit dem spärlichen Lichtkegel leuchtete Kilian in den Gang dahinter und sah ziemlich schnell die Gitterstäbe der Zellen. Es war totenstill hier und es war fast, als würde der sticke Geruch der Verwesung noch in den alten Mauern hängen.

„Das waren Verliese, oder?“, fragte Kilian und merkte wie Jade vorsichtig nach seinem Pullover griff.
„Ja Priester Elliot. Hier wurden früher verschiedenstes Gesindel weggesperrt. Ihre Schreie nach Gnade hallten durch diese Mauern, doch der Stein war schon immer so dick, dass es die feine Gesellschaft oben kaum beim Tee störte.“

Kilian konnte es nicht lassen und sah in die Zellen hinein. Es lagen meist mehrere Gerippe in einer viel zu kleinen Zelle. Von ihnen war nichts mehr, außer den bleichen Knochen übrig.

„Man sagt, dass sie die Gefangenen so lange hungern ließen bis sie sich gegenseitig begannen zu fressen wie kannibalistisch Bestien.“
Z lachte, als er ihren Gang durch das unterirdische Verlies weiter mit Worten untermalte. „Da kehrte sich mal nach außen, dass auch sie nichts weiter als dreckige Monster waren.“
An jeder Seite der Wand waren diese Käfige und der Gang dazwischen war so schmal, dass Jade und Kilian nur hintereinander laufen konnten. Mittlerweile griff Kilian nach Jades Hand um ihm wenigstens etwas Trost zu spenden. Ob es nun half oder nicht.

Es dauerte jedoch nicht lang, da standen sie vor einer Tür.
„Dort befindet sich eure Prüfung. Ihr könnt das Funkgerät hier lassen, denn ihr werdet nichts außer der Taschenlampe brauchen. Findet einfach den Schlüsselstein. Viel Spaß.“
Z' Stimme erstarb.

„Was? Ist das sein beschissener Ernst? Dieser Wichser…“, Jade knurrte wütend und warf das Funkgerät auf den Boden. Sie drückten einander die Hände bevor sie los ließen und sich ihrer Prüfung stellten.

~*~

Hinter der Tür war ein Absatz und als sie den hinuntersprangen standen sie plötzlich hüfttief im Wasser. Es war kalt und roch abgestanden und selbst mit der Lampe war kaum was im trüben Wasser zu erkennen. Kilian ließ sein heiliges Buch offen über sich schweben, denn er traute dem hier nicht sonderlich.

„Siehst du irgendwo was zum Hochklettern?“, fragte Jade angespannt und Kilian leuchtete alle Ecken des überraschend großen Raumes aus. Hier war nichts außer dem Wasser. Sie wateten noch etwas weiter und spürten Knochen unter ihren Füßen zerbersten.
Doch hier war wirklich nichts außer Wasser. „Es wird wohl unter Wasser sein.“, murmelte Kilian und eigentlich hatte er keine Lust in der Brühe eine Runde tauchen zu gehen.

„Kannst du leuchten, Jade? Ich weiß nicht ob die Taschenlampe wasserfest ist.“ Kilian reichte die Lampe an den Vampir weiter.
„Willst du echt tauchen?“, fragte er und konnte durch das Licht Kilians rollende Augen sehen.
„Natürlich. Du machst schon genug durch hier unten“, tatsächlich lächelte Kilian bevor er abtauchte.

Es war seltsam so im Dunklen zu stehen und Kilian nicht mehr in dem trüben Wasser sehen zu können. Als plötzlich etwas an seinem Bein lang schwamm zuckte der Vampir zusammen. Sofort wandte er sich um, doch es war nichts zu sehen. War das seine Einbildung oder waren sie wirklich nicht allein?

Jade erschreckte sich zu Tode, als Kilian wieder auftauchte.
„Bisher noch nichts.“, rang er sich außer Atem ab. Jade sah ihn ernst an.
„Kilian… ich glaube wir sind nicht allein.“
Sie beide sahen sich an und achteten auf das Wasser. Es bewegte sich leise, doch es war zu fühlen, denn das Wasser schwappte wellenförmig auf sie zu.  

Bis das namenlose Etwas auftauchte und den beiden für einen kurzen Moment das Herz nicht nur stehen blieb sondern am liebsten fortrennen wollte. Eine riesige Schlange deren Schuppen im Licht mehrfarbig schimmerten. Sie zischte und holte mit ihrem Schwanz aus, doch Kilian war schneller und so knallte sie nur gegen sein leuchtendes Schutzschild.

„Jade such den Schlüsselstein! Ich werde sie beschäftigen!“, Kilians Stimme hallte aufgeregt von den Wänden wieder und der Vampir ließ sich nicht zwei Mal bitten. Dabei merkte er, dass die Taschenlampe wirklich wasserfest war. Kilian dagegen setzte gerade an sein nächstes Gebet zu sprechen, doch die Schlange schlug einfach Kilians Buch weg. Als es sich schloss verschwand auch die Barriere für eine Sekunde. Die Schlange nutzte die Deckungslosigkeit und nahm Kilian ihn ihren Wickel.

Erschrocken keuchte er alle Luft aus seinen Lungen und schlug mit der freien Hand auf den massiven Leib.
„Oh Ioan! Schicke mir deine…“, doch weiter kam er nicht, als die Schlange ihn plötzlich Unterwasser zog.
Er hatte gerade so noch Luft holen können, aber das alleine würde ihm nicht helfen. Wenn er nicht sprechen konnte, dann konnte er auch keine Magie wirken.

Jade tauchte gerade auf und suchte die Oberfläche mit der Lampe nach Kilian und der Schlange ab.
„Fuck Kilian!“, schrie er und hoffte auf eine Antwort. Doch niemand antwortete ihm und er sah auch kein magisches Licht des Priesters.
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