We are not HOLY

von Teafairy
GeschichteMystery, Fantasy / P18 Slash
Gestaltwandler Vampire Werwölfe Zombies & andere Untote
21.03.2019
25.08.2019
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Part 1: the Salin nightmare

The Light at the END of the Tunnel is just the TRAIN.

Die frostige Nachtluft brachte Kilians Wangen zum Brennen, denn sie biss sich hartnäckig in der hellen Haut fest. Dennoch genoss Kilian jede Minute, die er durch die stillen Straßen schlenderte. Der Mond erleuchtete seinen ansonsten düsteren Weg. Er war in einem kleinen Wohngebiet, doch da heute eine Vollmondnacht war, hatten die Menschen alle Fenster und Türen verbarrikadiert und die Laternen der Straße ausgeschaltet.

Die Menschen fürchteten sich vor den Geschöpfen der Nacht, die besonders an Vollmond wild und unberechenbar schienen.

Kilian zog den Kragen seines schwarzen Mantels höher, damit sein Gesicht etwas besser vor dem Wind geschützt war. Er fürchtete die Dunkelheit und seine Geschöpfe nicht. Eher erweckte es in ihm eine Faszination, auch wenn er als Priester der Göttin Ioan dafür da war ihr Wort in die Welt hinaus zu tragen und die Menschen vor den Nachtwesen zu beschützen.

Jedoch war es, als würde sich nie etwas bedrohliches in dieses abgelegene Dorf verirren. Kilian wusste jedoch genau, dass solch ein Denken schnell unerwartete Folgen haben konnte. Vielleicht hoffte er auch nur einfach auf eine plötzliche Wendung seines Schicksals?

Kilian drehte seine gewöhnliche Runde durch das Dorf, welche an der Kirche auf dem Hügel anfing und endete. Das Gebäude war eine wirklich kleine Kirche und Kilian war der einzige Bewohner. Nach seiner Ausbildung war er bewusst hier hergezogen, weil er weit Weg von seinem alten Zuhause sein wollte.

Jedoch hatte er bestimmt nicht beabsichtigt in die Lethargie und Langweiligkeit zu ziehen. Dies lag aber nicht nur an dem öden Dorf, sondern auch an der Tätigkeit als Priester selbst.

Kaum schweiften Kilians Gedanken ab, brachte ihm das nichts als Seufzen und Bitterkeit. Deshalb schlenderte er weiter den Weg entlang. Mittlerweile war er schon ein paar mal abgebogen, doch das Dorf wirkte in jeder Straße gleich, was es umso belangloser machte.

Kilian erblickte sogar schon wieder das Kirchengebäude, welches etwas erhöht über den anderen Häusern thronte. Die Sterne funkelten über den Zinnen und Kilian konnte sogar einige Sternbilder ausmachen.
Als er das Sternbild der Lilie ausmachte wurde ihm schwer ums Herz. Nicht, weil man diesem Gebilde nach sagt, dass die verstorbenen Seelen diese Sternblume als Wegweiser ins Totenreich nutzen, nein, die Ursache war eine andere, die Kilian schnell wieder vergessen wollte.
Es war einer der Gründe wieso er diese Ödnis seiner Heimatstadt vorgezogen hatte.

Beinahe hätte Kilian durch diese Überlegungen den plötzlichen Krach überhört, der in der Stille wie ein Paukenschlag donnerte.
Reflexartig versteckte sich Kilian hinter einem parkenden Auto und versuchte sich umzusehen. Für den Fall eines Kampfes hatte er sein heiliges Buch in der Manteltasche stecken und war bereit es zu ziehen. Jedoch sah er nur eine umgefallene Mülltonne, welche harmlos die Straße hinunterrollte und die Sicht auf einen am bodenliegenden Menschen freigab.

Kilian kam aus seiner Deckung hervor und wollte näher treten und dem Mann eventuell helfen. Der Mensch jedoch begann... zu lachen.

Er lachte als gäbe es kein Morgen. Jetzt erst recht interessiert, ging Kilian also auf ihn zu. Der Priester blieb direkt neben dem Jungen stehen. „Alles okay bei dir?", fragte Kilian und mutmaßte ob der Mensch ihn über das Lachen hinweg hören konnte. Das Gelächter hörte genauso abrupt auf, wie es angefangen hatte.

„Klar immer. Ich liege gerne hier 'rum. Ich dachte man sieht das.", gab er nur mit einem schmunzelnden Unterton zurück. Kilian zuckte mit den Schultern. Er konnte zwar keine Farben erkennen, aber dennoch sah er deutlich die zerfetzen Teile der Kleidung. War das etwa Blut, welches sie langsam dunkler färbte?

"Du siehst eher aus, als wärst du verletzt.", Kilian ging etwas in die Hocke und wollte seine Hand nach dem Mann ausstrecken, doch dieser fauchte nur und versuchte von ihm weg zu rutschen.
"Fuck...", grummelte er dann nur und verzog sein Gesicht dabei wirklich schmerzerfüllt.

"Mein Name ist Kilian. Ich kann dir helfen, wenn du möchtest.", bot er an und hielt ihm seine ausgestreckte Hand hin. Der Junge bleckte schwach die spitzen Zähne. "Ich brauch keine Hilfe. Vielen Dank. Vielleicht solltest du lieber Heim gehen. Es ist gefährlich für Menschen, wenn die Geschöpfe der Nacht ihr Unwesen treiben."

„Für Vampire, wie dich, aber anscheinend auch. Also lass die Machotour und lass dir von mir helfen.", gab Kilian fast schon in gelangweiltem Ton wieder, wobei er sich innerlich freute. Der Vampir sah ihn jedoch etwas überrumpelt an. „Wie...?", wollte er fragen, doch Kilian unterbrach ihn gleich: "Man sollte halt nicht jeden mit spitzen Vampirzähnen anfauchen. Zum Glück bin ich nicht nachtragend. Wie du schon sagtest: Es ist hier draußen an Vollmonden nicht sicher, also helfe ich dir gerne auf und bringe dich zu mir nach Hause."

Immer noch verwirrt begann der Vampir zu grinsen. "Du bist aber ein komischer Kauz. Keine Angst, dass ich dich aussaugen könnte?"
Wieder zuckte Kilian müde mit den Schultern. "Ist dann halt so. Letzte Chance mitzukommen.", er richtete sich auf, aber hielt dem Vampir immer noch bereitwillig die Hand hin. Dieser ergriff sie nun doch und ließ sich schwankend auf die Füße ziehen.

Kilian stützte ihn sofort, auch wenn der Vampir etwas schwer war. „Kannst du laufen? Ich kann dich kaum komplett tragen.", fragte Kilian und der Vampir kicherte. „Ein wenig. Wenn wir also langsam gehen. Ich bin übrigens Jade.", flüsterte der Vampir müde und versuchte mit Kilian gemeinsam einen angenehmen Rhythmus fürs Gehen zu finden.

Zusammen machten sie sich in Richtung Kirche auf, welche zum Glück schon in Sicht war. Leider mussten sie dafür eine Steige hoch schleichen.

"Wie ist das passiert?", fragte Kilian irgendwann und Jade brummte: "Unwichtig."
Kilian nahm das so hin ohne weiter nach zu bohren, auch wenn er gerne gewusst hätte ob das, was Jade so zu gerichtet hat, noch in der Nähe sein könnte. „Du riechst gut...", murrte der Vampir etwas schläfrig und lenkte so vom Thema ab.
„Darf ich das als Kompliment oder als Vorfreude auf das Essen betrachten?", schmunzelte Kilian kurz. Jade schenkte ihm darauf ein einfaches Lächeln. "Das kommt wohl ganz auf deine eigene Auslegung an."
„Dann war es wohl ein Kompliment. Du musst etwas durchhalten, dort auf dem Hügel wohne ich. Schaffst du das?", Kilian hatte langsam Mühe Jade zu stützen. „Du wohnst in der Kirche? Von einem Priester, der einfach Vampire auf der Straße aufliest, habe ich noch nie gehört.", jetzt klang der Vampir wieder skeptisch und misstrauisch, obwohl schon fast eine lustige Stimmung zwischen ihn geherrscht hatte.

„Ich bin einfach nicht wie jeder Priester. Ich werd dich auf jeden Fall nicht aufspießen sobald wir da sind. Es gäbe wesentlich schnellere und einfache Möglichkeiten für mich dich zu töten." erwiderte Kilian und Jade prustete und fing wieder schallend an zu lachen. „Als wäre es überhaupt wichtig ob man lebt oder stirbt. Scheiß drauf. Ganz ehrlich.", meinte Jade immer noch mit einem Lachen.

Kilian kam das vage vertraut vor: Man war so vom Leben verraten worden, dass man über seinen eigenen Tod nur noch lachen konnte.

Sie hatten jedoch die Kirche erreicht. Die Türen und Fenster waren, im Vergleich zu den anderen Häusern des Dorfes, nicht besonders gesichert. Damit sich im Notfall jemand hierher retten und der Priester ihn dann mit seiner Macht beschützen könnte.

„Lehnst du dich mal kurz hier an?", bat Kilian außer Atem und verwies Jade an die Wand neben der großen Kirchentür. Kommentarlos kippte der Vampir gegen die Steinmauer und sah dabei zu wie Kilian die schwere Tür unter ächzen aufzog. "Du solltest die Kirche echt mal modernisieren. Automatische Türen oder so etwas.", meinte Jade wenig hilfsbereit und Kilian rollte mit den Augen.

Jade selbst fand sich wirklich lustig. Kaum war die Tür offen stolperte Jade etwas unbeholfen hinein, während Kilian sie hinter sich zu zog.

„Ich bleib einfach mal hier sitzen...", schnaufte Jade, der sich auf einer der vielen Holzbänke niederließ. Noch war es in der Kirche dunkel, doch Kilian wusste genau wo der Lichtschalter angebracht war. Gleich nach dem Drücken erwachte das Licht an den Wänden zum Leben und tauchte den großen Raum in weißliches Glühen. Die Farben der Buntglasfenster kamen besser zur Geltung und auch die kunstvoll gefertigten Figuren der Göttin Ioan waren nun in voller Pracht zu begutachten.

Kilian interessierte sich aber eher für seinen verletzten Gast, den er Dank dem Licht nun besser sehen konnte. Seine Haare waren weißlich blond und standen ungeordnet in alle Richtungen. Die Augen funkelten rot und seine schwarz und rote Kleidung war zerfetzt, dreckig und mit Blut durchtränkt.

„Warte dort, ich hol meinen Verbandskasten.", bat Kilian und Jade nickte. Der Gebetsraum mit den Beichtkästen war die größte Kammer der Kirche. Eine Tür führte in den hinteren Teil, wo der private Wohnraum von Kilian lag. Dort holte er nicht nur seinen kleinen Verbandskasten, sondern auch Kleidung, die dem Vampir trotz des Größenunterschied passen sollten.

Kilian ging auch hinunter in das Kellergewölbe zu einer kleinen Tiefkühltruhe, die er schon seit seiner Ausbildungszeit hatte. Er sah hinein und tatsächlich lagerten dort noch immer ein paar Blutkonserven. Sie waren nicht vollkommen eingefroren, aber dennoch kühl und frisch gelagert.

Das Kilian dieses einstige Geschenk nicht längst weg geworfen hatte war jetzt ein glücklicher Zufall.

Samt dieser Dinge huschte Kilian zu dem verwundeten Vampir zurück. „Ausziehen!", befahl Kilian und Jade grinste ihn an. „Also bitte, ich möchte erobert werden. Ausziehen gibt 's erst nach dem zweiten Date."

Wieder rollte Kilian mit den Augen. „Ich werde es jetzt nicht noch einmal romantischer sagen und selbst ausziehen werde ich dich auch nicht." Jades Grinsen wurde breiter. „Schade". Jade zog das Wort an jeder Silbe länger.

Dennoch setzte er sich auf und mache sich daran seine Kapuzenjacke und sein T-Shirt auszuziehen, welche, bei all der Risse, sowieso nur noch für den Müll zu gebrauchen waren. Kilian stellte derweil alle mitgebrachten Dinge auf einer Bank ab zog seinen langen Mantel aus und krempelte die Pulloverärmel hoch.

Kilian kramte in seinem Verbandskasten nach den passenden Mitteln zum Säubern und Behandeln der Wunden. Die meisten davon sahen aus wie tiefe Kratzer und Bissspuren. „Könnte weh tun.", murmelte Kilian konzentriert, bevor er anfing die erste Wunde vom Dreck zu befreien.
Jade knurrte schmerzerfüllt, aber hielt dem stand. „Du wurdest von einem anderen Vampir angegriffen, oder? Für einen Werwolf sind die Wunden zu klein und sauber ausgeführt."

„Du kennst dich ja ziemlich gut aus, Priesterchen." Kilian zuckte abermals mit den Schultern. „Natürlich. Das ist Teil unserer Ausbildung." Jade sah Kilian dabei zu, wie er sich nach und nach den Verletzungen widmete.
Natürlich fielen ihm die vielen Narben an Kilians Unterarmen auf, doch er beschloss nicht nach zu fragen.

„So... fertig. Hast du an den Beinen noch irgendwelche Wunden? Ansonsten habe ich hier saubere Kleidung, die du erst einmal anziehen kannst.", meinte Kilian und eh er ausgesprochen hatte, wurde er plötzlich von dem Vampir in eine Umarmung gezogen.

„Äh... Jade?", fragte Kilian verwirrt und erntete nur ein Summen von Jade. „Danke... Wirklich."
„Ja es ist okay. Ich helfe dir gern, aber du kannst mich jetzt los lassen.", sagte Kilian etwas schroff und war froh, als der Vampir ihn wieder los ließ und sich lieber mit der frischen Kleidung beschäftigte.
„Die Kleidung ist viel zu langweilig.", murrte Jade, aber zog sich dennoch den weiten Pullover über. „Hier du musst sicher hungrig sein. Ich hatte das noch im Keller.", wechselte Kilian das Thema und hielt dem Vampir die Blutkonserve unter die Nase.

„Wie kommt es, dass du so etwas in deinem Keller hast?", fragte Jade irritiert und Kilian verschränkte nur die Arme:, „Unwichtig." Kilian hatte bewusst dieselben Worte gewählt wie Jade vorhin und somit konnte Jade nur mit den Schultern zucken.
„Ich will mich, bei so viel Gastfreundschaft, mal nicht beschweren." Kilian konnte beobachten wie Jade in die Plastikverpackung ein Loch mit seinen Zähnen biss und das Blut förmlich hinaus schlürfte, wie aus einer Capri-Sonne.

„Das tat echt gut. Ich fühl mich schon viel besser, aber Schlaf brauche ich trotzdem...", freute sich Jade und streckte sich etwas. Kilian nickte: "Komm, du kannst in meinem Bett schlafen."

Jade stütze sich auf Kilian ab, auch wenn er nach dem Mahl schon viel besser laufen konnte und ließ sich in den hinteren Teil der Kirche bringen. Es war wie eine kleine Wohnung dort: Badezimmer, Küche, Schlafzimmer und ein Arbeitsraum waren  neben der Treppe in den Keller und einer Leiter in den Dachboden auf zu finden.
Gemeinsam gingen die Beiden durch den Flur in das Schlafzimmer, welches ähnlich wie Kilians Kleidungsstil, eher langweilig und unspektakulär war.

Jade war trotzdem unendlich froh in das Bett fallen zu können und sich unter die Decke kuscheln zu können. "Schlaf gut Jade.", flüsterte Kilian und er konnte sehen wie Jade ihn ansah. "Wo wirst du schlafen?" Kilian zuckte als Antwort nur mit den Schultern.

Jade rückte etwas an den Rand des Bettes und machte Kilian Platz. Er sprach das Angebot nicht aus, aber Kilian verstand es ohne Worte und ließ sich ebenfalls in das Bett fallen.

Er hatte gar nicht gemerkt wie müde er von all dem geworden war.

Nun lagen sie also Rücken an Rücken unter der Decke und sahen beide in die Dunkelheit des Zimmers. „Danke Kilian.", meinte Jade in ernsthaftem Ton.
„Du musst dich nicht bedanken. Schlaf jetzt. Wir können morgen noch darüber reden.", Kilian schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen.
„Du hast das nicht nur aus Herzensgüte getan, oder? Was willst du als Gegenleistung?", fragte Jade weiter und Kilian wollte am liebsten Seufzen. War der Vampir nicht müde oder so etwas?

„Ich... habe Fragen an dich. Über die Vampire. Aber das ist unwichtig jetzt. Halt lieber die Klappe und Schlaf.", antwortete Kilian und hörte ein Kichern aus der Richtung des Vampirs. Kilian spürte sogar die Vibration von Jades Brustkorb in seinem Rücken.

„Schlaf gut Kilian."
„Du auch, Jade."  

~*~

Kilian wachte noch vor Jade, am nächsten Morgen, auf und widmete sich seiner gewöhnlichen Morgenroutine. Frühstücken, Waschen und Ankleiden.
Kilian schaffte es sogar die Unordnung der gestrigen Nacht aufzuräumen, bevor Jade auch aus dem Bett kroch. Seine Haare standen noch willkürlicher ab, als vor dem zu Bett gehen.

"Guten Morgen.", begrüßte Kilian Jade, der nur teilnahmslos irgendwas von einer Dusche murmelte. Kilian verwies ihn unbeeindruckt zum Badezimmer weiter. Bisher war der Morgen also ziemlich ruhig und ereignislos.  

Kilian saß in der Küche an seinem Esstisch. Er hatte sein Frühstück zwar schon beendet, aber er fand es dort gemütlich. Mit der Tasse Tee auf dem Tisch und dem Roman in der Hand den Tag ruhig angehen zu lassen.

„Ehy Kilian du hast nicht zufällig Klamotten, die ich mir nochmal ausleihen könnte?", die Frage von Jade riss Kilian aus seinem Buch. Er blickte auf und sah wie der Vampir nur mit einem, von Kilians Handtüchern, bekleidet in der Küchentür stand.

Zu Kilians Verwunderung waren die Verletzungen schon nahezu verheilt. Er erklärte es sich damit, dass Vampire schneller regenerierten als Menschen.

„Wir können nach schauen, aber ich glaube kaum, dass dir die meisten Sachen von mir passen.", gab Kilian zu und schloss sein Buch, auch wenn er es nur ungern beiseite legte. Gemeinsam gingen sie ins Schlafzimmer an den Kleiderschrank.

Kaum hatte Kilian die Türen geöffnet verzog Jade das Gesicht. „Du hast ja fast nur langweilige Wollpullover und so Kirchenkrams. Hast du nichts Cooleres?", beschwerte sich der Vampir und Kilian schnalzte verächtlich mit der Zunge.
„Entschuldige, dass ich meine Kleidung nicht nach dem Geschmack eines exzentrischen Vampirs ausgewählt habe. Ich bitte um Verzeihung, Prinzessin.", damit wollte er den Schrank eigentlich wieder schließen, wenn Jade nicht die Hand dazwischen gehalten hätte.

„Ist ja schon gut du Senzwiebelchen... Ich brauch eh nur was für heute. Meine Reisetasche müsste noch irgendwo im Dorf 'rum liegen. Die habe ich gestern während des Kampfes verloren.", sagte Jade schnell und Kilian öffnete die Schranktür wieder.
Jedoch sah er ihn verwirrt an:, „Was ist ein 'Senzwiebelchen'?"

Jade lachte leise, während er sich einige, vielversprechende Kleidungsstücke aus dem Schrank pickte. „Eine Mischung aus Sensibelchen und Zwiebel. Weil man von Zwiebeln weinen muss und so. Wenn man so etwas erklärt, dann wird es nur seltsam."

„Als wäre es nicht schon vorher komisch gewesen...", murmelte Kilian und wandte sich von Jade ab, als dieser begann sich umzuziehen. „Jedenfalls, wie steht es mit deinen Essensgewohnheiten? Wie regelmäßig brauchst du Blut?", fragte Kilian.
Nach seinen Informationen brauchten Vampire nicht jeden Tag Nahrung so wie Menschen, jedoch hat jeder Vampir einen eigenen Rhythmus in dem er wieder etwas zu sich nehmen musste.

Die einen Vampire brauchen vielleicht ein Monat lang nichts, wieder Andere müssen alle zwei Wochen essen.

„Ich bin überrascht, dass du davon weißt, Kilian. Gehört das auch zu den 'unwichtigen' Dingen, wie das Blut, welches du einfach so im Keller herum liegen hast?", feixte Jade und Kilian konnte förmlich das Grinsen auf den Lippen des Vampirs hören. „Exakt. Nur weil ich dir helfe heißt das nicht, dass du einen Lebenslauf von mir bekommst. Bist du fertig? Dann können wir ja jetzt deine Reisetasche suchen gehen.", meinte Kilian ungeduldig.

„Ja ich bin soweit. Obwohl ich die Tasche auch allein suchen könnte.", wollte Jade zu bedenken geben, doch Kilian schüttelte den Kopf. „Du fällst allein viel zu sehr auf. In einem kleinen Kaff, wie diesem, fällt jeder Fremde sofort auf und das letzte was ich will ist, dass die Bewohner merken, dass du ein Vampir bist."

Jade seufzte laut:, „Ja, ja schon klar. Ich bin nicht das erste Mal unter Menschen." Demonstrativ ließ Jade seine Hände in die Hosentasche gleiten und setzte einen genervten Blick auf.

Kilian zog wieder seinen schwarzen Mantel mit den doppelten Knopfreihen an. Jade verzichtete auf eine weitere Jacke und blieb einfach in dem beigen Pullover. Sie waren gerade auf den Weg ins Dorf, als jemand auf sie zu gestürzt kam. Es war eine junge Frau in einer blauen Assistenzuniform der Polizei.

„Entschuldigung? Sind Sie Priester Kilian Elliot?", rief die Dame ihre Frage, noch bevor sie überhaupt zum Stehen kam. „Ja, bin ich. Wieso? Ist etwas passiert?", fragte Kilian zurück und die Frau brauchte einen Moment eh sie zu Atem kam. Sie muss wohl den Hügel hoch gesprintet sein.

„Mein Name ist Leona Grear. Ich bin Assistenzpolizistin aus Venora und gemeinsam mit Kommissarin Marino hier, weil die Kollegen hier vor Ort, einen ungewöhnlichen Mordfall bei uns gemeldet haben, der wohl auf ein Nachtwesen zurück zu führen ist.", ratterte sie die Informationen runter. Man konnte an ihrer aufgeregten Stimme erkennen, dass sie noch neu in dem Amt ist.
Wohl frisch von der Polizeischule und zum Assistenzpolizist gemacht, damit sie genügend Erfahrung sammelt, um eine normale Polizistin zu werden.

Kilian nickte und wartete geduldig, bis sie zum Ende kommen würde. „Da Priester in dem Bereich die Experten sind, möchte die Kommissarin in dem Punkt ihre fachliche Expertise einholen.", schloss Leona also ihren Bericht ab. „In Ordnung bringen, Sie uns hin.", meinte Kilian lediglich und plötzlich schaltete sich auch Jade in das Gespräch ein:, „Ich soll mit kommen?!"

Wie selbstverständlich lächelte Kilian und behauptete:, „Natürlich. Als mein persönlicher Assistent wirst du mir auch dabei zur Hand gehen. Bitte, Frau Grear nach Ihnen." Kilian klang überspitzt freundlich und unschuldig und hätte fast gelacht, als er Jade hinter sich grummeln hörte:, „Persönlicher Assistent... am Arsch... blöder Penner..."

Einige Bewohner grüßten Kilian im Vorbeigehen und er gab sich Mühe als Antwort wenigstens zu nicken. Jade fiel aber gleich auf, dass sich Kilian nervös am Arm kratzte, als wäre ihm diese Aufmerksamkeit zu viel.
Jade selbst machte es nichts aus, dass die Leute ihm hinterher sahen. Sogar dann nicht, als er ihr Getuschel hörte. Es war nur harmloser Tratsch, weil Menschen immer über Fremde spekulieren mussten, auch wenn ihnen das vollkommen egal sein konnte.
Es ging sie nichts an, was er hier zu schaffen hatte und wieso er mit Kilian unterwegs war.

Sie folgten der rothaarigen Polizistin weiter und bogen mit ihr auf die breite Hauptstraße ab, die sich einmal quer durch den Ort zog. Geschäfte, wie kleine Supermärkte, Bäcker und Restaurants sammelten sich hier im Zentrum, so dass die neugierige Menschentraube sich wie ein normales Dorfbild anfühlte.

„Wofür stehen die denn an?“, spottete Jade, obwohl er sich denken konnte was hier vor sich ging: Sie waren gewöhnliche Gaffer.
„Aus dem Weg bitte!“, rief Leona und versuchte soviel Autorität in ihre Stimme zu legen wie sie konnte. Sie hielt dabei auch ihren Dienstausweis nach oben.

Nur widerwillig machten die Menschen Platz.
„Bitte treten Sie zurück. Dies ist eine polizeiliche Untersuchung!“, versuchte sie die Menschen weiter von der Absperrung weg zu treiben.  

Kilian und Jade folgten Leona hinter die Absperrung, wo andere Assistenzpolizisten dabei waren, die Schaulustigen zum Gehen zu bewegen.
„In Venora sind die Menschen irgendwie einsichtiger ....“, murmelte Leona und Jade lachte nur.
„Landeier halt, die haben sicher seit 50 Jahren nix Spannenderes mehr erlebt. Die Sensationsgier der Massen ist manchmal einfach widerlich.“

„Wenn das hier nicht so eine ernste Sache wäre, dann würde ich Ihnen vermutlich Recht geben. Folgen Sie mir bitte weiter.“, versuchte Leona sich ihren wahren Unmut über die Menschen nicht anmerken zu lassen. Sie liefen am Rand der Absperrung weiter und konnten Polizisten dabei beobachten wie sie Fotos vom Tatort machten und Spuren sicherten.

Kilian ging auf Grund fehlender Fachkenntnisse davon aus, dass das die Spurensicherung war. Er achtete auch besonders darauf, wie er sich bewegte, weil er die Arbeit der Polizei ungern behindern wollte. Sie folgten Leona zu einer Art Bierzelt, welches etwas am Rand des Tatortes aufgebaut war. Vor dem Eingang des Zeltes stand  eine Frau mittleren Alters, die ihre dichten Locken in einem Bob zur Schau trug. Sie wirkten dabei wie ein Rahmen aus braunen Wolken.

Mit selbstsicheren Schritten kam die Frau auf Kilian zu und streckte ihm die Hand hin. Zögerlich griff der Priester nach der schlanken Hand.
„Hallo, Kommissarin Giulia Marino. Sie sind der ortsansässige Priester Kilian Elliot, richtig?“, sprach sie direkt und schüttelte Kilians Hand, welcher nickte. „Die Kollegen haben uns extra aus Venora angefordert, aber dass hat Ihnen Leona sicherlich schon alles mitgeteilt. Ihre Begleitung ist übrigens?“

Sie wechselte einen schnellen Blick zu Jade und hielt auch ihm die Hand hin. Dieser ergriff die Hand jedoch nicht, sondern behielt seine Hände  aufmüpfig in den Hosentaschen.
„Jade Chirtea. Sein ... persönlicher Assistent.“, er machte eine deutliche Pause und legte all seinen Widerwillen in die Antwort.

Die Kommissarin verlor keine Zeit und überging das unhöfliche Verhalten mit einer hochnäsigen Drehung zum Zelteingang.
„Das Opfer wurde bereits identifiziert und wir werden mit den Ermittlungen beginnen, jedoch sind die Umstände des Todes mehr als auffällig. Die Polizei ist dazu verpflichtet in solchen Fällen den ortsansässigen Priester mit ins Boot zu holen.“, Giulia Marino redete schnell und Kilian hatte deutliche Probleme ihrem Wort zu folgen.

„Ich werde natürlich helfen und kooperieren. Es ist in unserm beider Interesse, dass dies geklärt wird. Sollte es sich wirklich um ein Geschöpf der Nacht handeln, dann werde ich entsprechende Maßnahmen einleiten.“, Kilian war bemüht, möglichst neutral zu klingen. Sie traten an einen Tisch heran, auf dem etwas menschengroßes unter einem Tuch lag. Jeder konnte erahnen was sich dort drunter befand.

Leona brachte sofort Handschuhe und Mundschütze herbei und reichte sie in der Runde herum.
„Ich halte viel von der Arbeit der Priester. Wir Polizisten befassen uns ja nur mit den Abgründen der Menschen. Sie jedoch müssen es mit Kreaturen aufnehmen, die wohl absolut kein Gewissen haben. Die einfach so Menschen abschlachten, wie ihn hier.“, kommentierte die Kommissarin, während sie das Tuch zurückzog.

Der Mann darunter war kreidebleich. Man hatte ihn noch nicht entkleidet und trotz der klaffenden Wunde am Hals war auf dem Stoff kaum Blut zu finden.
„Ich vermute ja einen Vampir. Doch was ist Ihre fachkundige Einschätzung, Pater?“, die Kommissarin ließ Kilian sich die Wunde genau anschauen.

Auch Jade beugte sich neben Kilian vor und sah sich das mit ihm zusammen genauer an.
„Das war eindeutig ein Vampir, Kilian. Der Typ ist vollkommen blutleer.“, flüsterte Jade und wechselte mit Kilian stumme Blicke.
Sie würden nachher genauer darüber reden, wenn sie allein waren.

„Wurden noch andere Leichen gefunden? Vampire leben meistens in Familienverbänden, wenn also mehrere hier sind, dann sollten auch mehr Leichen auftauchen.“, fragte Kilian an die Kommissarin gewandt, welche den Kopf schüttelte: „Bisher zum Glück nicht. Es wurde auch noch niemand als vermisst bei uns gemeldet. Diese Barbarei. Ich hoffe sie werden etwas gegen die Blutsauger unternehmen. Die gehören ausgerottet.“

Kilian merkte wie Jade sich neben ihm anspannte und etwas sagen wollte. Er trat ihm schnell auf die Füße und schnitt ihm das Wort ab, bevor er der Dame an die Gurgel ging.
„Machen Sie sich da keine Sorgen, Frau Marino. Ich werde mich um alles weitere kümmern. Den Rest überlasse ich Ihren fähigen Händen und was den Vampir betrifft, so werde ich mich darum kümmern. Vielen Dank.“

„Ich habe mich zu bedanken, Pater. Sie müssten noch ein Formular hier ausfüllen, dass Ihr Ergebnis bestätigt und ansonsten werde ich auf sie zu kommen, wenn wir weitere Hilfe brauchen.“, die Kommissarin deutete Leona mit einem Fingerzeig an, dass sie die Leiche wieder zu decken sollte und zog Kilian weiter.

„Jade. warte schon mal draußen, ich komme gleich.“, konnte Kilian sagen, bevor er von der flinken Kommissarin mit genommen wurde.

Jade knurrte genervt, verließ aber das Zelt und den Tatort, bevor er noch irgendjemanden in der Luft zerriss.

~*~

Kilian hatte versucht so schnell wie möglich von dem Tatort weg zu kommen. Er hasste es, mit der Polizei zusammenarbeiten zu müssen. Besonders wenn diese eine festgefahrene Meinung zu Wesen hatten, die sie gar nicht wirklich kannten.

Der Priester fand Jade weit weg von dem ganzen Tumult auf dem Bordstein sitzend und in den Himmel starrend.
„Hat dich die Kommissarschlampe endlich gehen lassen?“, murrte Jade genervt und verfolgte Kilians Bewegungen mit den Augen, als dieser sich neben ihn setzte.
„Ja, nach gefühlt tausend Dingen, die ich ausfüllen musste. Das, was sie da drin gesagt hat, tut mir übrigens leid.“, meinte Kilian nur und Jades Stimme wurde augenblicklich weicher: „Muss es nicht. Ich sollte es ja gewöhnt sein. Bei solchen Menschen ist es kein Wunder, dass wir uns normalerweise versuchen von euch fern zu halten. Übrigens sagt niemand unter den Vampiren 'Familienverband', sondern einfach 'Clan' okay?“

Kilian nickte und zog etwas aus seiner Manteltasche, was sich als kleines Notizbuch entpuppte und schrieb diese Bemerkung hinein.
„Der Vampir, mit dem du gestern gekämpft hast, könnte er das getan haben?“, stellte Kilian nun die Frage, die ihm seit vorhin unter den Nägeln brannte. Jade schüttelte entschieden den Kopf.

„Jeder Vampir-Clan hat seine eigene, unverwechselbare Art zu jagen. Das fängt bei der Wahl der Opfer an, geht über die Stelle des Bisses, bis hin zu der Frage, ob das Opfer getötet wird oder nicht. Welcher Vampir auch immer das war: Er war nicht aus dem Chirtea Clan.“, erklärte Jade und Kilian machte sich weiter Notizen.

„Also war der Vampir, gegen den du gestern gekämpft hast, aus dem selben Clan wie du? Und wer auch immer den Mann umgebracht hat war es also nicht?", fasste Kilian das Ganze zusammen und Jade verbesserte ihn nur barsch: „Ex-Clan. Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben. Und ja, unser Unbekannter muss einem Clan angehören, der sehr traditionelle Ideen verfolgt. Jedoch glaube ich, dass er oder sie alleine hier ist. Zumindest habe ich, als ich noch Teil meines Clans war, nicht mitbekommen, dass ein ganzer Clan in der Nähe ist. So etwas bleibt im eigenen Territorium nicht unentdeckt.“

Kilian schrieb sich das Wichtigste davon mit und schloss dann sein Notizbuch. „Danke für die Informationen. Ich wollte dich eh noch einige Dinge fragen, doch so sind schon einmal wieder einige Fragen über die Vampire geklärt. Und bevor ich mir Sorgen um den unbekannten Vampir mache sollten wir erst einmal deine Tasche suchen, damit du dich nie wieder über meine Klamotten beschweren musst.“, versuchte es Kilian mit einem schwachen Lächeln.

Jade seufzte leise und grinste dann: „Oh nur weil ich sie dann nicht anziehen muss heißt das nicht, dass sie nicht absolut scheußlich aussehen.“
Jade sprang förmlich auf und hielt Kilian die Hand hin.
„Wenn ich länger dein 'persönlicher Assistent' bin, dann werde ich erst einmal deinen Kleiderschrank modernisieren. Übrigens für die Bezeichnung gibt's noch Rache, ich bin nicht dein persönlicher Laufbursche.“

Kilian griff lachend nach Jades Hand und ließ sich von ihm schwungvoll auf die Füße ziehen.
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