Whatever it takes

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
21.03.2019
06.10.2019
51
162260
10
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Dieses Kapitel
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Kurzer Disclaimer:
In dieser Geschichte werden Themen wie Suizid, Selbstverletzung, Depression, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie Mobbing und anderes behandelt.


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Ein lauter Knall in der Dunkelheit. Schritte, die sich über teure Dielenbretter bewegten; schnell, hektisch. Keuchen zitterte durch die Luft und eine Tür fiel ins Schloss.
„Oh verdammt, Cooper-...", hitzig drängten sich zwei Jugendliche aneinander, teilten leidenschaftliche, innige Küsse. Sehnsüchtig griffen sie einander in die Haare, packten sich an den T-shirts und stolperten quer durch die Dunkelheit der Küche. Unter den Sneakers quietschte der kühle Fliesenboden und eine Arbeitsplatte aus kaltem Stein ließ sie kurz innehalten.
„Deine Eltern sind nicht da", raunte eine kratzige Stimme gebieterisch und große Hände fanden ihren Weg auf zwei wohlgeformte Brüste. Ein zittriges Keuchen ertönte.
Wild und verlangend hingen sie wie zwei Magnete aneinander.
„Du hast recht, nh-", das Mädchen schnappte nach Luft und ließ sich auf den Marmor heben, „aber sie-... könnten jeden Moment- uhn..."
Heiß lagen seine Lippen auf ihrem Hals, wanderten hinab über das Schlüsselbein und weiter über die sanfte Wölbung ihres Dekolletés. Es war wie ein Feuer, das ihre Körper in Brand setzte. Unter den Berührungen erzitternd legte sie den Kopf in den Nacken und fuhr mit langen Fingernägeln durch blonde Haare.

Grelles Scheinwerferlicht flutete die finstere Küche und ein großer SUV brummte die Auffahrt hinauf. Erschrocken schnappte das Mädchen nach Luft, „Cooper, stopp-!", und umfasse das Gesicht, dessen Lippen sie gerade knapp über ihrem Hosenbund küssten.
Ein wenig außer Atem schauten sich die beiden an. Lust brannte in ihren Augen und doch war da die Vernunft, die in denen des Mädchens lag.
Sie fuhr mit ihrem Daumen sanft über die vollen Lippen ihres Gegenübers und schmunzelte verträumt, ehe sie mit einem widerwilligen Raunen gepackt und kurzerhand über seine muskulöse Schulter geworfen wurde. Ein Schrei entglitt ihrer Kehle, doch sie kicherte noch im selben Atemzug und wagte es nicht, sich dagegen zu wehren. Spielerisch ließ sie ihre Fingernägel über die Wölbungen unter dem dünnen Stoff seines Shirts gleiten und genoss jeden einzelnen Muskel, den sie ertasten konnte.

Ein paar Treppenstufen waren das geringste Problem für den Testosterongetriebenen und bereits wenige Augenblicke später fanden sie sich im ersten Stock wieder. Ein fast schon animalisches Geräusch entglitt seiner Kehle, als die beiden sich zwischen flauschigen Kissen befanden, das Mädchen unter Cooper. Wie eine Raubkatze zeigte er seine Zähne und biss neckend zu, legte die Lippen an ihre zarte Haut und saugte daran. Es wurde ein wunderschöner Knutschfleck, mit dem er ein weiteres Mal sein Eigentum markierte.
Wieder sahen sich die beiden in die Augen. Hitze umgab ihre Körper. Lippen tanzten miteinander, Finger fanden ihre Wege über verschwitzte Haut. Sie rieben sich gierig aneinander und keiner von ihnen wollte noch einen Millimeter Luft zwischen sich und dem anderen wissen.
Sie bestanden aus purem Feuer und Rausch, waren schon dabei, sich gegenseitig die Klamotten auszuziehen, als-
„C-Cooper", erneut waren es die zarten Hände des Mädchens, die das Techtelmechtel unterbrachen. So groß ihr Verlangen auch war, so schnell hatte das Klopfen an der Tür ihr stürmisches Gemüt gedrosselt.
Ein tiefes Brummen verkündete Coopers Missmut über das abrupte Ende seines Vorhabens. Schnaubend verdrehte er die Augen, biss noch einmal sanft in die vollen Lippen des Mädchens und ließ sich dann neben sie in die Kissen des Betts fallen.
Man merkte deutlich, dass ihm nicht gefiel, was hier gerade passiere, doch er konnte nichts daran ändern. Ernüchtert und ein wenig außer Atem fuhr er sich durch die blonden Haare und folgte mit seinem Blick dem kleinen, perfekten Hintern seiner Freundin, die schnell zur Tür ging. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und er leckte sich frech über die Lippen. Er wusste es ganz genau. Alle wollten diesen Hintern ihr Eigen nennen, doch niemand außer Cooper durfte an die Tochter des Polizeichefs ran.

Ein schmaler Lichtspalt fiel über den hellen Teppich, als sie den Kopf hinausstreckte, um zu sehen, wer da an ihrer Tür geklopft hatte. „Hey Dad", sie hatte Mühe damit, nicht zu atemlos zu klingen.
„Anna Schatz, kommst du bitte kurz nach unten? Deine Mutter und ich möchten mit dir sprechen."
Cooper richtete sich auf, als hätte er seinen Namen gehört und fuhr sich ein weiteres Mal durch die Haare, während er nach vorn an die Bettkante rutschte. Mit verantwortungsvollem Gesichtsausdruck trat er an seine Freundin heran und legte ihr sachte die große Hand auf die Hüfte. „Guten Abend Mister Summers", ein vorsichtiges Schmunzeln lag auf seinen Lippen. Nicht zu schleimig, nicht zu frech. Genau richtig dosiert.
„Oh, Hallo Cooper", die beiden schauten sich einen Moment lang an und nahmen höflich Notiz voneinander, ehe sich der Mann in Uniform erneut seiner Tochter zuwandte.
„Also, kommst du kurz runter?"
Anna strich sich eine braune Strähne hinters Ohr und nickte, wandte entschuldigend ihren Blick zur Seite und küsste den Blonden zärtlich auf die Wange. „Sorry Schatz. Ich bin gleich wieder da", flüsterte sie und klimperte mit den falschen Wimpern. Ein Grinsen zupfte an Coopers Mundwinkel und er nickte, ehe er seine Hand von ihrer Hüfte nahm. „Lass mich nicht zu lange warten", brummte er ihr ins Ohr und sie verschwand mit rosigen Wangen aus dem Zimmer.

Ein Knarzen störte die Stille im Raum. Schnaufend drehte sich der Blonde in den flauschigen Kissen aus Plüsch herum und öffnete grimmig die Augen einen Spalt breit. Anna schlich auf Zehenspitzen zu ihm rüber, kletterte von der anderen Seite ins Bett und streichelte sanft mit ihren Fingerspitzen über Coopers Arm. Brummend drehte dieser den Kopf zu ihr und hatte Mühe, die Augen ganz offen zu halten.
„Tut mir leid", flüsterte sie leise. Ein Kuss schenkte dem grummeligen Cooper ein wenig mehr Energie. Auch wenn seine Mimik genervt wirkte, so riss er sich doch am Riemen und versuchte, etwas wacher zu werden.
„Es hat ein wenig länger gedauert...", setzte Anna mit sanfter Stimme nach und fuhr dem schläfrigen Blonden durch die hellen Strähnen. Unter ihren zärtlichen Berührungen wäre er beinah wieder eingeschlafen, hätte er nicht beim nächsten Satz kurz gezuckt.
„Meine Eltern haben mir gerade erzählt, dass mein kleiner Bruder bald wieder bei uns wohnt."
Mit dicht zusammengezogenen Brauen schaute er zu ihr hoch. Ihr Gesicht wirkte merkwürdig besorgt, während sie Löcher in die Luft starrte.
„...Moment mal... dein Bruder?", skeptisch betrachtete er sie und versuchte sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal über ihren Bruder gesprochen hatte. Doch ihm fiel nichts ein. Nicht mal, ob sie jemals erwähnt hatte, überhaupt einen Bruder zu haben.
„Ja. Er heißt Gabriel", ein merkwürdig betrübtes Schmunzeln huschte über ihr Gesicht und im nächsten Moment schmiegte sie sich an die muskulöse Brust des Geweckten.
„Er war die letzten acht Monate in einer...", sie schien kurz überlegen zu müssen, „in einem Internat."
Coopers Müdigkeit, die verpfuschte Gelegenheit auf Sex und die Tatsache, dass er eigentlich noch nie etwas vom kleinen Bruder seiner Freundin gehört hatte, ließen seinen Kopf schmerzen. Knurrend packte er sie mit beiden Händen und drehte sie auf den Rücken, sodass er nun mit seinem vollen Gewicht auf ihr lag. Überrascht fiepend kniff Anna die Augen zusammen und lachte dann atemlos, da Cooper eindeutig zu schwer für sie war.
„Mhh...", er begann erneut, sie am Hals zu küssen, dachte aber gar nicht daran, sich auch nur ein Grämmchen leichter zu machen. Kichernd und sich mit allen Kräften gegen die breiten Schultern des Blonden stemmend, wehrte sich Anna spielerisch gegen die Liebkosungen.
„Cooper! Nicht jetzt", gluckste sie und packte sein Kinn mit einer Hand. Ihre langen, spitzen Fingernägel drückten in Coopers Wangen und ließen ihn mit erhobener Braue inne halten.
„Wash shagsht du?", er machte sich noch ein wenig schwerer, als er ohnehin schon war, womit er Anna zum Lachen und gleichzeitig zum Betteln brachte.
„Nicht! H-Hör auf!", prustend versuchte sich die Cheerleaderin zu wehren, doch vor Cooper war kein Entkommen.
„Haha-hör auf- aah!", um ihre letzte Waffe zu ziehen, nahm sie ihre Hand von Coopers Kinn und begann damit, ihn an den Rippen und an der Taille zu kitzeln, woraufhin er ruckartig zusammenzuckte und kämpferisch zur Seite fiel. Genau im selben Moment packte er sie um die Hüfte und zog sie auf sich, um sie - dank des Überraschungsmoments - leidenschaftlich zu küssen.
Anna schnaufte in den wilden Kuss hinein, drückte sich aber schließlich ein Stück von ihm, um etwas Abstand zwischen ihnen zu erlangen.
„Cooper, hör mir doch zu", seufzte sie außer Atem, doch sie schaute nur in selbstgefällige blaue Augen, die im Halbdunkel leuchteten. Kichernd schenkte sie ihm einen flüchtigen Kuss, ehe sie noch ein Stück von ihm rutschte und zum Luftholen etwas mehr Abstand schaffte. Mit einem rotzfrechen Schmunzeln auf dem Gesicht betrachtete er seine hübsche Freundin. Verliebt lächelte sie zurück, klemmte sich eine Strähne hinters Ohr und lehnte sich dann gegen das ausladende Kopfteil des Betts.
„Magst du nicht mehr mit mir schlafen?", fragte der Blonde gespielt beleidigt und zog eine Schnute. Anna seufzte theatralisch und ließ ihre Hand über seine Brust gleiten.
„Du weißt, dass ich es nicht mag, wenn meine Eltern da sind... außerdem kann ich bei dir den Mund nicht halten", ihre Blicke trafen sich und Erinnerungen brachten beide zu einem verschmitzten Grinsen.
„Hmpf. Das lass ich mal gelten", gab Cooper nach und bekam das Grinsen nicht aus dem Gesicht.
„Jaja... feier dich ruhig selbst~... Aber, naja...", sie wurde wieder ein wenig ernster und ihr Schmunzeln schwächte ab.
„Ich hab meinen Bruder nur schon lange nicht mehr gesehen, weißt du? Dass er so lange weg war-... Naja, es hat seine Gründe. Gründe, die er wohl anscheinend für sich behalten möchte", seufzend rutschte sie am Kopf des Bettes hinab und schmiegte ihre Wange neben Cooper ins Kissen. Der schwieg einfach und ließ sie reden. Er schien zu merken, dass es im Moment etwas gab, das sie beschäftigte und eigentlich wollte er gar nichts darüber wissen.
„Und warum kommt er gerade jetzt wieder? Kurz vor Ende vom Schuljahr?", hakte er dann schließlich doch nach, als er sich damit abgefunden hatte, heute nicht mehr zu irgendetwas zu kommen. Versöhnlich legte er seine Arme um Anna und zog sie sanft an sich heran. Mit leicht gerunzelter Stirn betrachtete er ihre braunen Rehaugen. Sie waren schon immer einer der Gründe gewesen, warum er dieses Mädchen so gern mochte. Sie hatte Augen wie ein Engel. Nicht so wie die meisten anderen Mädels an der Schule, die geradezu Schlange standen, um ein Mal von Cooper so im Arm gehalten zu werden, wie er es mit Anna tat.
Er wusste, dass das alles nur Püppchen waren und dass er sie früher gerne ausgenutzt hatte... Doch Anna war schon immer anders gewesen, das hatte er gleich bemerkt, als sie vor einem halben Jahr an die Schule gekommen war.
Dieses unscheinbar wunderschöne Mädchen mit den großen Rehaugen und dieser süßen Stupsnase-... Sie hatte sich als Einzige nicht sofort auf Cooper eingelassen. In ihrer Art mit ihm zu sprechen war schon immer etwas gelegen, das ihn neugierig gemacht hatte.
Als hätte sie Dinge erlebt, die auch ihm widerfahren waren, über die sie jedoch nie sprechen mussten, um den anderen zu verstehen.
Und auch in diesem Moment hatte sie wieder diesen Blick.
Als gäbe es Dinge, vor denen er sie beschützen müsste. Dinge, vor denen nur er sie schützen konnte, selbst wenn er nicht wusste, was es war.

„Naja... er hatte es nicht so leicht bis zu diesem Punkt. Meine Eltern denken wohl, es sei besser für ihn, direkt in die Schule zu gehen. Damit er im Sommer vielleicht schon ein paar Freunde hat. Er kennt hier ja niemanden...", ein Hauch von Trübsal lag in ihrer Stimme. Cooper seufzte leise, „was soll das heißen, er hatte es nicht so leicht?", er fuhr sanft mit seinen Fingerspitzen über den Knutschfleck, den er auf ihrer Halsbeuge hinterlassen hatte. Ein kurzes, triumphierendes Lächeln huschte über seine Lippen, wurde aber gleich wieder ernst.
„Ach, weißt du...", Anna hob den Kopf und schaute ihn nachdenklich an, „er ist ein bisschen... Introvertiert. Mehr nicht", schulterzuckend lehnte sie sich wieder an seine Brust und schob ihre kühlen Finger unter Coopers Shirt, woraufhin dieser zusammenzuckte und mürrisch brummte.
Augenrollend legte er seine Hand über ihre und schloss die Augen.
„Mh...", nach ein paar Minuten der Stille, Cooper wäre beinah wieder eingeschlafen, murmelte Anna schließlich: „Duu Coopy...?"
Vom Blonden kam nur ein tiefes Brummen als Antwort.
„Sag mal... würde es dir was ausmachen, wenn ich ihn ein wenig mit mir rumschleppe...?"
Die ungewohnte Unsicherheit in Annas Stimme machte Coopers müden Geist etwas stutzig und er öffnete ein Auge zur Hälfte, um sie zu betrachten. Ein leicht flehender Gesichtsausdruck lag auf ihr, dem er beim besten Willen nicht entsagen konnte.
„Mmh... mach halt", schnaufte er und schloss die Augen wieder, „wird schon ok sein, dein Bruder... Solang' er keine Schwuchtel ist..."
Anna verzog den Mund und verkniff sich einen Kommentar. Sie wusste nicht, was Gabriel war. Sie hatte ihn seit mehr als einem halben Jahr kaum noch gesehen. Die wenigen Besuche die sie hatten, waren allesamt sehr verkrampft und unnatürlich nett gewesen. Aber sie nahm es ihm nicht übel. Immerhin konnte er nichts dafür, dass die Umstände so waren, wie sie nun mal waren.
Und außerdem...
Wie unverkrampft konnte man als Sechzehnjähriger schon sein, wenn man acht Monate in einer Nervenklinik verbracht hatte?
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