Jamie im 20. Jahrhundert

GeschichteAllgemein / P12
Brianna "Bree" Randall/MacKenzie Fraser Claire Beauchamp Randall/Fraser Frank Randall James "Jamie" MacKenzie Fraser
21.03.2019
20.11.2019
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James Fraser folgte dem aufgeregten kleinen Mann durch schier endlose, holzgetäfelte Korridore. Schließlich wandte der Mann sich zur Linken. „Hier müsste es sein“, erklärte er so nervös wie er aussah, der Schweiß stand ihm auf dem kahlen Kopf.
Er öffnete die Tür aus dunklem Holz und bedeutete Jamie dann einzutreten. Der Raum dahinter sah aus, als hätte er bereits im 18. Jahrhundert so ausgesehen und für einen Moment vergaß Jamie, dass er sich nicht in seiner Zeit befand.
„Hier drüben... Dachte sofort, dass es Sie interessieren würde. Es passt zu dem Grund Ihres Besuches überhaupt... Im weiteren Sinne zumindest... Die Jakobiten und... und Ihr Name...“, der kleine Mann schwitzte und schluckte.
Von Beginn an hatte er sich in James Frasers Gesellschaft unwohl gefühlt, unwohl und überfordert. Er ging Jamie zudem gerade mal bis zur Schulter. Er zurrte an seiner Krawatte herum, dann wischte er sich mit einem Taschentuch die Stirn ab. Er stopfte dieses fahrig in die Hosentasche und zog dann eine Schublade auf. Auf verblichenem rotem Samt lagen diverse Gegenstände. „Hier...“, er räusperte sich, „Hier bewahren wir Stücke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf... Dachte es könnte Sie interessieren... Sir.“ „Dachte es könnte Sie interessieren...“, wiederholte er leise und fahrig. Während er das sagte, nahm er zwei ovale Gegenstände aus der Schublade, Miniaturen.
„Es handelt sich um Miniaturmalereien eines Schotten und seiner Frau, die in den 1740er Jahren einige Zeit in Paris verbrachten. Angeblich standen sie in engem Kontakt zu dem Stuart Prinzen und den Jakobiten... ist doch ihr Spezialgebiet!?
Ein Ehepaar mit ihrem Nachnamen... vielleicht...“, seine Stimme erstarb und ohne ein weiteres Wort reichte er die kleinen Bilder an ihn weiter und hörte, endlich, auf zu reden. Beide Miniaturen passten in eine seiner Hände, er sah sie genauer an. Ohne es wirklich zu bemerken reichte er seine Uniformmütze an den Archivar weiter und beugte sich über die Bilder.
Ein schmaler verzierter Goldrahmen umgab jedes Bild, dass je eine Person auf dunklem Hintergrund zeigte. Die eine zeigte sie, Claire! Er erinnerte sich wie die Miniaturen entstanden waren, sie blickte ihn aus dem Bild herausfordernd an... Auch die zweite Miniatur zeigte ein bekanntes Gesicht, er selbst sah ihm skeptisch aus dem kleinen Bild entgegen, das hatte sie festgestellt, als sie die Bilder betrachtet hatte.
„Er sieht Ihnen ähnlich, Sir. Es könnte doch sein, dass er Ihr Vorfahre ist, Sir...“
„Das ist er“, seine Stimme klang rau, „man hat mich nach ihm benannt“ das klang doch zumindest ansatzweise logisch!?
„Woher haben Sie die Bilder?“, er sah auf, dem kleinen Mann, der mit beiden Händen Jamies Mütze umklammert hielt, in die Augen.
„Oh, ähm, sie gelangten über den Nachlass einer älteren Dame zu uns... Sie hatte sie wiederum geerbt... Soweit ich weiß... so weit i...“, der Mann richtete sich ein wenig auf und fuhr fort,
„Sie erzählte, dass sie in der Familie weitergegeben worden waren, seit dem 18. Jahrhundert. Die abgebildetes Personen, Ihre Vorfahren, Sir, ließen sie wohl in Paris zurück. Anfang dieses Jahrhunderts kamen sie dann hierher nach Boston.“
Er schluckte und wollte gerade weiterreden, als ein kleines Mädchen in den Raum geschossen kam und promt in Jamie hienein rannte.
„Hoppla“, machte Jamie und stellte das kleine Mädchen wieder auf die Beine. Er schätzte es auf circa vier Jahre. Schwer atmend stand es da, es trug einen den Temperaturen draußen entsprechenden Mantel, Handschuhe baumelten an einer Schnur aus den Ärmeln und eine Wollmütze saß schief auf langen roten Haaren. Jamie ging vor ihr in die Knie,
„Wer bist du denn?“, fragte er.
Im selben Moment lief das Kind tiefrot an und blickte hoch konzentriert auf seine Schuhe.
„Das ist die Tochter des Professors für britische Geschichte, Sir. Ich hätte Sie ihm nachher vorgestellt, schließlich sind sie nun für einige Zeit, quasi,... Kollegen, oder?“, ein nervöses Lachen entwich dem Mann. Jamie hätte beinahe die Augen verdreht, wie konnte dieser Mann nur so... Lange würde er seine Gesellschaft gewiss nicht mehr ertragen.
„Na, wo ist denn dein Vater?“, fragte er das Mädchen, vielleicht würde er ja so diesen Archivar los. Sie zeigte in Richtung der Tür.
„Bist du ihm etwa davongelaufen, kleine?“ Ein schüchternes Nicken.
Er lachte leise, „Na komm, er sucht dich bestimmt schon“, mit diesen Worten stand er auf, um mit dem Kind zur Tür zu gehen. Erst als er wieder stand, bemerkte er, dass er noch immer die Miniaturen in der Hand hatte. Er drehte sich um, um sie dem kleinen Archvar zurückzugeben, als an der Tür eine ihm, leider nur zu bekannte Stimme ertönte: „Hier bist du Brianna! Du sollst doch nicht einfach fortlaufen!“
Steif drehte Jamie sich langsam um und blickte in ein Gesicht, das er hier niemals zu sehen gehofft hatte.
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