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Once Upon a Time in Africa

GeschichteDrama, Familie / P12
Charles of Wales OC (Own Character) Prinz Henry "Harry" of Wales
19.03.2019
13.01.2021
49
85.588
15
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13.01.2021 1.275
 
Am nächsten Tag stand ich nachmittags mit Lotte am Flughafen, um sie zu verabschieden. Die Feier war tatsächlich ziemlich entspannt gewesen - zwar hatten einige scherzhaft angemerkt, ich sehe aus wie die Queen in jungen Jahren, doch schien niemand eins und eins zusammengezählt zu haben. Lotte hatte endlich Camilla kennengelernt und ihre Vorurteile meiner Adoptivmutter gegenüber tatsächlich weitestgehend abgelegt. William und Kate war sie völlig offen entgegen getreten und meinem Urteil nach hatte sie sich auch gut mit ihnen verstanden. Alles in allem war ich überrascht gewesen, wie viel von ihrer einstigen Schüchternheit sie verloren hatte. Sie war vielleicht nicht die Extroversion in Person - sie ging nicht mit einem breiten Lächeln auf alle zu, schüttelte sämtliche Hände und begann souverän mit irgendwelchem Smalltalk -, aber sie hatte keinerlei Probleme damit gehabt, fremde Menschen anzusprechen. Mir war auch auf der Feier erst aufgefallen, dass ich sie noch nie so richtig Englisch hatte sprechen hören, aber sie war echt sicher in der Sprache.
Den Morgen hatten wir damit verbracht zu reden; ich hatte ihr viel von Wales und von Harry erzählt und auf der anderen Seite ein ausführliches Update zu ihrem Leben erhalten.
Nun hatten wir etwas Zeit übrig, weil der Flieger sich verspätete, und Lotte fiel plötzlich noch etwas anderes ein, das sie mir hatte erzählen wollen: "Papa hat übrigens erzählt, dass du diejenige warst, die dafür gesorgt hat, dass sie diesen jungen Finnen nach Bayern holen."
Ich horchte überrascht auf und wehrte dann bescheiden ab: "Ich habe es nur vorgeschlagen, mehr nicht. Wieso meinst du?"
"Weil er sich ausgesprochen gut macht", grinste sie. "Sie werden ihn auf keinen Fall zurück nach Arsenal gehen lassen."
"Und menschlich?", fragte ich vorsichtig. "Er war ziemlich... schüchtern, als ich ihn kennengelernt habe. Sagen wir, dagegen warst du früher das Selbstbewusstsein in Person."
"Hey", beschwerte Lotte sich, musste bei dem Vergleich aber schmunzeln. "Na ja, ich weiß nicht besonders viel davon. Aber wenn du uns das nächste Mal besuchen kommst, kannst du ja ja mal nach dem Training zu ihm hingehen und ihn selbst fragen. Übrigens könntest du Marius auch mal wieder besuchen - der fragt schon seit Jahren nach, was aus dir geworden ist und wir können ihm so recht keine Antwort geben."
Ich verzog das Gesicht. "Ups, den habe ich total vergessen."
Lotte lachte auf. "Das werde ich ihm ausrichten."
"Hast du mit ihm zu tun?", fragte ich überrascht. "Ich meine, du hast mir doch damals so vehement erklärt, dass du die Spieler noch lange nicht persönlich kennst, nur weil dein Vater Vizepräsident des Vereins ist."
"Nun, aber niemand verbietet es mir, zu ihnen hinzugehen bei irgendwelchen Vereinsfeiern."
"Wow, Lotte", machte ich beeindruckt. "Ich bin wirklich stolz auf dich - so selbstbewusst, wie du geworden bist."
Sie errötete leicht. "Danke, Maggy. Übrigens sollte ich langsam mal los, ich muss ja noch durch die Sicherheitskontrollen."
Ich nickte und verabschiedete mich mit einer herzlichen Umarmung von ihr - ich war wirklich optimistisch, dass unsere Freundschaft vollständig repariert werden konnte.

Als sich der Trubel nach Charlottes Geburt und Lottes Besuch in den nächsten Tagen langsam legte, kehrte auch das Gefühlschaos in mir zurück. Ich vermisste Vivy und hatte zudem ein schlechtes Gefühl dabei, sie allein in Wales zurückzulassen, obwohl sie sich bei den meisten Dingen sehr wohl zu helfen wusste. Vor allem aber vermisste ich Harry mit jedem Tag schmerzlicher. Das konnte ich Will freilich nicht sagen - der brachte es noch zustande, seinem Bruder mitteilen zu lassen, er solle sich in den nächsten Flieger zurück nach Großbritannien setzen. Telefonieren konnte ich mit Harry höchstens alle paar Wochen kurz, weil er die meiste Zeit in sehr ärmlichen ländlichen Gegenden verbrachte, die kein Telefonnetz hatten, teilweise nicht einmal Strom.
Mir war nicht bewusst gewesen, dass jemand, der so oft umgezogen war wie ich, sich dermaßen stark an eine Heimat und eine Person binden konnte.
Auf der anderen Seite sah ich nicht nur Will und Kate nun ständig, sondern auch Dad und Camilla, bei denen ich nach wie vor eine Menge nachzuholen hatte. Entgegen meiner Erwartung durchschaute Dad ziemlich bald, wie sehr mir Harry fehlte, und er hatte eines Tages, als ich im Clarence House zu Abend aß, eine außergewöhnliche Idee.
"Hör mal, Maggy, es sieht ja momentan noch nicht so aus, als ob Harry bald zurückkommen wird, also was würdest du dazu sagen, wenn wir ihn besuchen gehen?"
Meine Augen weiteten sich. "Harry besuchen? Im Lesotho? Wie und wann? Ich meine, ich habe Unterricht, abgesehen davon kann man sowas sicher nicht der Öffentlichkeit verheimlichen!"
Charles schmunzelte. "Deinen Unterricht kannst du mitbringen - von mir aus gleich Ms. Carter höchstselbst. Camilla und ich werden ganz offiziell nach Südafrika und Lesotho reisen. Du wirst inoffiziell mitkommen - praktisch als Entourage", zwinkerte er.
Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder, dann sah ich zweifelnd von Dad zu Camilla und zurück. "Meint ihr das ernst?" - Einstimmiges Nicken.
"Was ist mit Jane Austen und den Pferden und Will und Kate und...?!"
"Nun, mehr als ein paar Tage wird unser Aufenthalt nicht dauern, ich denke, dass sich Will und Kate und die Angestellten in der Zwischenzeit gut um eure Tiere kümmern können."
Ich schüttelte etwas ungläubig den Kopf. "Zurück in meine Heimat - ich habe keine Ahnung, was ich dabei empfinden soll. Was ist mit der Queen? Kriegt die nicht spitz, dass ihr mich mitnehmt?"
Camilla grinste schief. "Die hat ohnehin schon spitzgekriegt, dass du existierst - wie sollte es auch anders sein? Schließlich haben wir dich als meine Adoptivtochter nicht wirklich vor Bekannten und Verwandten versteckt. Ich bin mir sicher, sie wird nichts dagegen haben, wenn du mitkommst - schließlich bist du minderjährig und außerdem ist das deine alte Heimat. Übrigens keine Sorge: wir müssen nicht in deine frühere Heimatgegend, wenn du dich nicht wohl dabei fühlst. Wahrscheinlich werden wir dich sowieso bei Harry absetzen, damit ihr ein paar Tage miteinander verbringen könnt - und der ist nun mal im Lesotho."
Dankbar lächelte ich die beiden an. "Ihr habt ja keine Ahnung, wie viel es mir bedeutet."
"Na ja", bemerkte Dad etwas zögerlich. "Wir wissen aus Erfahrung, dass London dich nicht gerade glücklich macht - du musstest zwar nicht zur Schule gehen in den letzten Wochen, aber trotzdem. Und Harry war für dich in den vergangenen Monaten eher Vater und Mutter als wir beide."
Ich verzog bei diesen Worten fast schuldbewusst das Gesicht.
"Das muss dir nicht leidtun", wandte Dad sofort ein. "Wir wissen alle, dass es keine optimale Lösung für unsere Situation gibt. Aber du weißt hoffentlich auch, dass wir dich alle lieb haben."
"Das weiß ich", nickte ich ernst. "Und ich habe euch auch alle lieb. Nun, wenn Harry meine Eltern ersetzt, dann seid ihr ja meine Großeltern", fügte ich scherzhaft hinzu, woraufhin Dad das Gesicht verzog. "Also der Gedanke, eine fast erwachsene Enkelin zu haben, ist wirklich beunruhigend."
"Alt genug bist du", feixte ich. Meinem Vater klappte die Kinnlade herunter. "Also so frech, wie du wirst, überlegen wir uns das vielleicht noch mal, ob wir dich mitnehmen."
Augenblicklich verschwand das herausfordernde Grinsen von meinem Gesicht. "Bitte lasst mich nicht hier. Ich bin auch lieb."
Lachend stand Dad auf, um mich in eine liebevolle Umarmung zu ziehen. "Keine Sorge, du wirst mitgenommen, sonst fliegen wir überhaupt nicht. Und falls du vorher nochmal mit Harry telefonierst, kein Wort zu ihm. Es soll eine Überraschung sein."
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