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Always with you

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12
Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
18.03.2019
18.03.2019
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Hallo ihr Lieben.
Wem dieser Oneshot bekannt vorkommt, er ist eine stark überarbeitete Version meines Oneshots "Always with you" vom 24.11.2012. Nähere Infos auf meinem Profil ;)
Jetzt aber viel Spaß beim lesen.
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Pepper wischte sich noch einmal mit einem Taschentuch über die Augen bevor sie sich die Papiere schnappte und nach unten ging. Als sie die Tür zur Werkstatt erreichte und ihren Türcode eintippte, stand Tony mit dem Rücken zu ihr und schraubte an irgendeinem Teil des Anzugs herum. Sie wollte die Akten ablegen und dann schnell wieder nach oben gehen, damit er nicht bemerkte, wie schlecht es ihr ging, doch ihre Absätze auf dem Betonboden verrieten sofort ihre Anwesenheit. Tony drehte sich grinsend um, aber seine Mine verfinsterte sich sofort, als er Pepper sah. Sie sah nicht aus wie sie selbst, war nicht geschminkt wie sonst und ihre Augen waren rot und geschwollen. Ihre Haare, die sie sonst immer penibel zurecht gemacht hatte, waren in einem unordentlichen tiefen Dutt zusammengebunden und ihre Hände, mit denen sie einen dicken Aktenstapel umklammerte, zitterten leicht. Besorgt ließ Tony von seinem Anzug ab und kam auf sie zu. Er nahm ihr die Papiere aus den Händen, warf sie auf seinen Schreibtisch und wandte sich dann wieder seiner Assistentin zu. Vorsichtig legte er ihr die Hände auf die Schultern und versuchte sie anzusehen, doch sie hielt den Blick beharrlich auf seine Schuhe gesenkt.

"Pepper... was ist los?"

Unter normalen Umständen hätte Peppers Herz bei seiner sanften Berührung einen Sprung gemacht, doch gerade versuchte sie einfach nur angestrengt das letzte bisschen Haltung zu bewahren. Als Tony dann aber sanft mit zwei Fingern ihr Kinn anhob, damit sie ihn ansehen musste, verlor sie jegliche Selbstbeherrschung. Pepper Potts, die sich sonst damit rühmte, ihrem Job immer professionell nachzugehen, egal wie sehr Tony sie aufregte oder wie sehr sie sich um ihn sorgte, wenn er auf einer seiner Missionen war, brach nun unkontrolliert schluchzend in seinen Armen zusammen. Für einen kurzen Moment war Tony überfordert mit der Situation, trotzdem führte er sie zum nahen Ledersofa, setzte sich und zog sie in seinen Arm. Ihr Kopf lehnte gegen seine Schulter und er strich ihr sanft über den Rücken.

"Shh... Pepper, was ist denn los? Shh... es ist alles in Ordnung", versuchte er sie zu beruhigen und zog sie fester an sich, doch ihr Schluchzen ließ nicht nach. Plötzlich schreckte sie auf, ihre Augen waren noch geröteter als vorher und die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Verzweifelt wischte sie sich mit dem Ärmel ihres langen Oberteils über die nassen Wangen und sagte, immernoch schluchzend:

"Es tut mir...Leid ... Tony... ich wollte nicht..."

Er unterbrach sie, indem er sie einfach wieder an sich zog und sie den Kopf erneut an seiner Schulter verbarg. Eine Weile saßen sie einfach nur da, Tony hielt Pepper im Arm und wiegte sie sanft hin und her, bis sie schließlich aufhörte zu weinen.

"Was ist passiert, Pepper?", flüsterte Tony.

Er hörte wie sie zwei Mal tief durchatmete, bevor sie sich aufrichtete und ihn ansah. Ihre Augen waren leer und glasig als sie leise sagte:

"Mein Dad... er...er hat Krebs... Sie wissen noch nicht...ob..."

Tony riss erschrocken die Augen auf. Warum hatte sie sich nicht frei genommen? Warum war sie zur Arbeit gekommen, wenn es ihr so furchtbar ging? Mit schlechtem Gewissen dachte er darüber nach, ob er zu viel von ihr verlangte, aber darum konnte er sich später kümmern.

"Pep, du nimmst dir heute frei und ich fahr dich ins Krankenhaus, okay?"

Sie sah auf und schüttelte vehement den Kopf.

"Nein Tony, dass geht nicht... ich muss", sie wischte sich noch einmal mit dem Ärmel übers Gesicht und sah Tony an, der kopfschüttelnd antwortete:

"Das einzige was du musst, ist für dich und deinen Vater da sein..."
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Tony hatte seine Assistentin noch nie so still erlebt, wie auf dem Weg zum Krankenhaus in der Nähe von Los Angeles. Sie saß auf dem Beifahrersitz, starrte nach draußen und ihre Hände spielten nervös an der Naht ihres Bleistiftrocks herum. Immerhin hatte sie aufgehört zu weinen, doch Tony war sich nicht sicher, ob ihr derzeitiger Zustand wirklich eine Verbesserung darstellte. Als sie auf dem Parkplatz des Krankenhauses angekommen waren, öffnete er ihr die Tür und immer noch schweigend stieg sie aus. Mit gesenktem Blick betrat Pepper das Gebäude und ging zur Rezeption um sich anzumelden. Tony folgte ihr leise. Er konnte Krankenhäuser nicht ausstehen, alles wirkte so steril und gedämpft und der beißende Geruch nach Desinfektionsmittel machte das ganze nicht besser. Doch er wusste, wie wichtig dieser Besuch für Pepper war.

Als sie das Zimmer erreicht hatten, nickte Tony ihr kurz zu und nachdem sie das Zimmer betreten hatte, ließ er sich auf einem Stuhl im Gang nieder. Seufzend stützte er den Kopf in die Hände. Er hatte viel Zeit gehabt nachzudenken und er konnte nicht umhin zu bemerken, dass sich seine Beziehung zu Pepper verändert hatte. Mehr als einmal während seiner dreimonatigen Gefangenschaft hatte er sie in seinen Träumen gesehen und sich nur gewünscht, endlich wieder bei ihr zu sein. Er konnte nicht leugnen, dass es ihn berührt hatte, dass sie offensichtlich seinetwegen geweint hatte, als er mit Rhodey aus dem Flugzeug gestiegen war. Doch sie war professionell geblieben. Wie immer. All seine Versuche der letzten Monate sich ihr zu nähern waren kläglich gescheitert, egal wie sehr er sich bemüht hatte. Nach ihrem Zusammenbruch in seiner Werkstatt war ihm klar, wie schlecht es ihr tatsächlich ging und er wusste, dass er diese Situation nicht ausnutzen durfte. Aber er wollte für sie da sein und vielleicht konnte er ihr nun endlich beweisen, dass er sich geändert hatte und sich aufrichtig um sie sorgte. Tony wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als Pepper vor ihm aus dem Zimmer kam. Sie sah genau so mitgenommen aus wie vorher, außerdem hatten sich ein paar Strähnen aus ihrem Zopf gelöst und umspielten ihr Gesicht.

"Lass uns gehen", murmelte sie und Tony respektierte die stumme Bitte, ihr keine Fragen zu stellen. Wortlos verließen sie die Klinik.
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Als sie wieder in Malibu ankamen war es bereits früher Abend und Pepper suchte im Wohnzimmer ihre Sachen zusammen. Mit der Tasche über der Schulter wandte sie sich an Tony, murmelte ein "Danke" und wollte das Haus verlassen, als er sie sanft am Arm packte und sie damit zwang sich noch einmal zu ihm umzudrehen.

"Was ist?" fragte sie leise.

Tony sah ihr mit ernstem Blick in die Augen und antwortete ruhig:

"Pepper... ich kann dich in diesem Zustand nicht alleine, geschweige denn fahren lassen! Was hältst du davon wenn du heute Nacht hierbleibst..?"

Pepper war überrascht von seiner Bitte, doch insgeheim war sie erleichtert. Vielleicht würde sie tatsächlich ruhiger schlafen, wenn Tony bei ihr war. Auch wenn es ihr äußerst peinlich war in welchem Zustand er sie gesehen hatte, konnte sie nicht bestreiten, dass sie seine plötzliche Nähe genoss. Also nickte sie und Tony lächelte.

"Ich leih dir ein Shirt zum schlafen...", sagte er und nahm ihre Hand um sie mit sich nach oben zu ziehen. Im großen Schlafzimmer angekommen öffnete er seinen Schrank, kramte in einer Schublade und streckte ihr schließlich eines seiner Black Sabbath T-shirts entgegen. Dann ließ er sie allein, damit sie sich umziehen konnte. Pepper konnte nicht anders, als an dem Shirt zu riechen, bevor sie es sich überzog, doch zu ihrer Enttäuschung war es frisch gewaschen. Sie seufzte.

Hör auf, dir ständig den Kopf über diesen Mann zu zerbrechen...

Pepper öffnete Tony die Tür als sie fertig war und er musste unwillkürlich lächeln als er das Zimmer betrat. Er hatte schon viele Frauen in seinen Klamotten gesehen, die meisten seiner Onenightstands zogen sich nach der gemeinsamen Nacht das Hemd über, das er zuvor getragen hatte. Doch keine hatte jemals so wunderschön darin ausgesehen, wie Pepper. Das Shirt bedeckte nur knapp ihren Slip und ihre Haare fielen in leichten Wellen über ihre Schulter hinab. Auch wenn ihr die emotionale Anstrengung des Tages ins Gesicht geschrieben stand, hätte man Tony gefragt, hätte er behauptet, dass sie das schönste Geschöpf auf Erden sei. Seine Assistentin errötete unter seinem Blick und spielte mit den Händen nervös am Saum des T-Shirts herum. Schließlich unterbrach Tony das unbehagliche Schweigen.

"Du kannst hier schlafen, ich nehm eins der Gästezimmer."

Pepper nickte und sie wünschten sich eine gute Nacht, bevor Tony das Zimmer verließ. Er machte sich auf den Weg ins nächste Gästezimmer, zog sich bis auf die Boxershorts aus, ließ sich ins Bett fallen und schloss die Augen. Einige Zeit später schlug er sie wieder auf und seufzte. Er war es gewohnt, bis mitten in die Nacht in seiner Werkstatt zu sitzen und es war viel zu früh für ihn um einzuschlafen. Kurz überlegte er, nach unten zu gehen und am Anzug weiter zu arbeiten, verwarf dann aber den Gedanken, als er leise Schritte auf dem Flur hörte. Wenige Sekunden später öffnete sich langsam die Tür und Pepper betrat das Zimmer.

"Tony... Ich...Ich kann nicht... Ich bin so... naja"

Als Antwort auf ihr Stammeln hob Tony eine Augenbraue und schüttelte fragend den Kopf.

Pepper seufzte und murmelte dann kaum hörbar:
"Allein..."

Mit verzweifeltem Gesichtsausdruck sah sie Tony an, der nur sanft lächelte und auf den freien Platz auf dem Bett klopfte. Pepper schloss die Tür und kroch neben ihn unter die Decke. Sie hatte lange mit sich gekämpft, ob sie wirklich zu ihm gehen sollte, doch sie brauchte ihn jetzt. Trotzdem lag sie angespannt so weit sie konnte am Rand des Bettes und versuchte tief durch zu atmen.

Tony spürte, wie verkrampft sie war und seufzte leise.

"Pepper... lass uns für eine Nacht vergessen, dass ich dein Boss bin und einfach Freunde sein."

Sie wusste zunächst nicht, was sie tun sollte, wandte sich aber um und nickte vorsichtig. Tony zog sie an sich und Pepper fand sich schließlich eng neben ihm, den Kopf auf seiner Schulter und einen Arm über seiner Brust. Tony schlang seine Arme um ihre Taille und hielt sie fest. So warm hatte sie sich noch nie gefühlt. Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und flüsterte:

"Gute Nacht, Pepper"
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Als Pepper am nächsten Morgen aufwachte, wusste sie zuerst nicht wo sie war. Sie lag auf der Seite und ein nackter muskulöser Arm war fest von hinten um ihre Taille geschlungen. Sie spürte einen warmen Atem an ihrem Nacken und eine ebenso muskulöse Brust in ihrem Rücken. Pepper blinzelte ein paar Mal, bis ihr bewusst wurde, wer sie im Arm hielt und sie schreckte schlagartig auf. Durch ihre ruckartige Bewegung war auch Tony aufgewacht und sah verschlafen zu ihr hoch. Pepper starrte ihn nur an, als wüsste sie nicht, ob er echt war und er warf einen Blick auf die Uhr, stöhnte und setzte sich ebenfalls auf.

Mit den Worten:
"Alles in Ordnung... es ist noch viel zu früh...", nahm er sie sanft bei den Schultern und zog sie zurück in seinen Arm. Sie lag nun ihm zugewandt auf der Seite und Tony hatte beide Arme fest um sie geschlungen, sodass kaum ein Blatt Papier zwischen ihre Körper passte. Pepper seufzte. Sie konnte es nicht bestreiten, sie fühlte sich in seinen Armen so geborgen wie noch nie, doch sie wusste auch, dass es falsch war. Die Krankheit ihres Vaters lag über ihr wie ein Schatten und ihre derzeitige emotionale Schwäche durfte sie nicht ausnutzen, um Tony näher zu kommen. Also kämpfte sie sich aus seinen Armen, ignorierte seinen stummen Protest und verließ das Zimmer.

Tony stutzte. Hatte er etwas falsch gemacht? Er hatte nur noch ein wenig länger ihre Nähe genießen wollen und jetzt wo sie gegangen war, spürte er eine bis dahin unbekannte Leere in seinem Innern. Plötzlich hellwach, sprang er aus dem Bett, zog sich seine Jeans über und verließ das Zimmer. Er hoffte, sie in seinem Schlafzimmer zu finden und tatsächlich saß sie dort auf dem Bett, den Kopf in die Hände gestützt.

"Pepper..?", fragte er vorsichtig und sie schreckte auf. "Was ist los... hab ich... ist es meine Schuld?"

Pepper sah ihn traurig an, schüttelte aber den Kopf. Sie stand auf und kam auf ihn zu, blieb jedoch gerade so weit auf Abstand, dass er sie nicht erreichen könnte.

"Es tut mir Leid... ich sollte jetzt gehen... Ich muss nach Hause, duschen, mich umziehen... und...", sie sah ihn an und betete innerlich, dass er sie aufhalten würde. Sie wollte nicht gehen und doch war ihr die Situation so unangenehm, dass sie nicht wusste wie sie anders damit umgehen sollte. Tony erwiderte ihren Blick und kam langsam auf sie zu, bis er nah genug war, um ihre Hände in seine zu nehmen.

"Geh nicht...", flüsterte er, strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und zog sie dann, mit einer Hand in ihrem Nacken, sanft zu sich heran. Pepper hielt den Atem an als ihre Lippen sich trafen und für ein paar Sekunden war sie wie paralysiert, bevor sie seinen Kuss zögernd erwiderte. Tony schlang die Arme um ihre Taille und zog sie enger an sich, biss sanft in ihre Unterlippe und entlockte ihr damit ein leises Seufzen. Pepper wand ihre Arme um seinen Hals, verschloss ihr Gehirn vor den Gedanken, die ihr sagten, dass es falsch und das absolut nicht der richtige Zeitpunkt war, sich ihrem Boss hinzugeben... Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten sie sich voneinander und Tony starrte in Peppers blaue Augen, suchte verzweifelt nach einem Hinweis ob sie das gleiche empfand wie er. Doch statt Antworten sah er nur noch mehr Fragen darin, also flüsterte er vorsichtig:

"Pep..? Ist alles in Ordnung..?"

Pepper löste sich aus seiner Umarmung und ging zur riesigen Fensterfront. Den Blick starr nach draußen gerichtet murmelte sie:

"Mein Dad... ich...", sie seufzte schwer und versuchte, die richtigen Worte zu finden. "Ich bin so durcheinander... ich will dein Mitgefühl nicht ausnutzen..."

Tony verstand ihre Sorgen und eilte zu ihr, legte ihr beide Hände auf die Schultern und zog sie zu sich.

"Das tust du nicht...", versuchte er sie zu beschwichtigen. "Pepper, das hier hat nichts mit deinem Dad zu tun..."

Pepper nickte schwach und wandte sich um. Sie legte ihm eine Hand auf die Wange und sah in seine braunen Augen. Wie gern wollte sie ihm glauben, doch sie war sich selbst nicht sicher ob seine Zuneigung echt war oder nur daher rührte, dass sie gerade so verletzlich war. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sie sich einfach nur in die Augen gesehen hatten, räusperte sie sich und sagte:

"Ich sollte trotzdem nach Hause fahren und mich umziehen..."

Tony schüttelte nur den Kopf und antwortete:

"Ich fahr dich. Und danach fahren wir ins Krankenhaus. Du nimmst dir frei, bis das alles überstanden ist."

Pepper wollte widersprechen, doch sie wusste, dass Tony nicht mit ihr diskutieren würde. Insgeheim war sie dankbar, dass er sich so sehr um sie sorgte.
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Sie standen wieder vor der selben Zimmertür wie am Vortag und Tony trug eine große Sporttasche über der Schulter, in der Pepper ein paar Sachen für mehrere Tage verstaut hatte. Er spürte, wie sie neben ihm leicht zitterte und ohne zu zögern griff er sanft nach ihrer Hand um ihre Finger ineinander zu verschränken. Pepper sah ihn von der Seite an und lächelte traurig. Tony war sich nicht sicher, wie sich ihre Beziehung weiterentwickeln würde, seit dem Kuss verhielt sie sich merkwürdig. Doch er wusste, er würde alles dafür tun um ihr zu beweisen, dass seine Gefühle für sie aufrichtig waren. Als sie schließlich das Zimmer von Peppers Vater betraten, stand eine rothaarige Frau am Bett und drehte sich zu den beiden um. Tony vermutete, dass es sich um Peppers Schwester handeln musste, von der sie ihm zwar erzählt, die er aber noch nie zuvor gesehen hatte.

"Virgina... hey."

Sie ließ Tony's Hand los um ihre Schwester zu umarmen. Die beiden sahen sich ziemlich ähnlich, Pepper war allerdings etwas schmaler und einen Kopf größer als ihre Schwester.

"Hey Anna, wie geht es ihm?", fragte sie vorsichtig, doch Anna zuckte nur mit den Schultern. Tony stand unschlüssig mitten im Raum und zog sich schließlich auf einen Stuhl am Fenster zurück. Peppers Tasche stellte er auf den Boden neben sich und beobachtete die beiden Frauen.

"Die Ärzte haben noch nicht Bescheid gesagt... ", antwortete Anna nun. "Was macht dein Boss hier? Und warum habt ihr Händchen gehalten? ... Mum wird dich umbringen, wenn sie rausfindet, dass ihr... also...", sie starrte ihren Vater an und seufzte schwer. Pepper warf Tony einen kurzen, unsicheren Blick zu.

"Mach dir keine Sorgen, ich klär das mit Mum...", sagte Pepper genau in dem Moment, als die Tür aufflog und eine ältere, ebenfalls rothaarige Frau den Raum betrat. Ohne Zweifel Peppers Mutter.

"Anna... Virginia!"

Sie würdigte Tony keines Blickes als sie ihre Töchter umarmte und sagte:

"Die Ärztin hat gesagt ihr könnt auf jeden Fall hierbleiben, wenn ihr wollt, sie hat euch ein Gästezimmer herrichten lassen."

Schließlich sah sie Tony doch an und bei ihrem missbilligendem Blick lief es ihm eiskalt den Rücken hinunter. Alles an dieser Frau sagte ihm, dass sie ihn nicht ausstehen konnte. Wenn er ehrlich war, konnte er es ihr nicht verübeln, denn schließlich wusste jeder um seinen Ruf. Und auch wenn er jahrelang sehr stolz darauf gewesen war, was man erzählte, würde er sie schon bald eines besseren belehren.

"Mr. Stark?", sagte sie forsch. "Was machen sie hier?"

Tony blieb ruhig und gelassen. Er wusste wie angespannt die Situation für alle Beteiligten war und er sah beruhigend zu Pepper, bevor er freundlich antwortete:

"Ich habe ihre Tochter hergebracht, Mrs. Potts. Ich wollte sie in ihrem Zustand nicht alleine fahren lassen."

Peppers Mutter zog die Augenbrauen hoch und hätte dabei Pepper schrecklich ähnlich gesehen, wäre da nicht der große Altersunterschied gewesen.

"Sie beabsichtigen doch wohl kaum, zu bleiben?", fragte sie und Pepper warf ihr einen Todesblick zu, den sie zum Glück nicht sehen konnte, da sie immer noch mit Tony beschäftigt war. Dieser antwortete ebenso ruhig wie zuvor:

"Nein."

Dann erhob er sich und verließ den Raum. Pepper wandte sich an ihre Mutter und sagte:

"Wir lassen uns das Gästezimmer zeigen...", bevor sie Anna an der Hand nahm und die beiden Tony folgten. Dieser hatte auf dem Flur gewartet und zwinkerte Pepper zu, bevor er ihr die Tasche gab und sich auf den Weg machte, das Krankenhaus zu verlassen.
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Anna legte sich aufs Bett und schloss erschöpft die Augen, als sie das Gästezimmer betreten hatten, während Pepper ihre Sachen im Schrank verstaute. Die Möbel waren die selben, wie die im Zimmer ihres Vaters, doch die Wände waren in einem hellen Blau gestrichen und blaue Vorhänge verdeckten die Fenster. Die Betten waren mit weißer Bettwäsche bezogen und ein paar zusätzliche Kissen lagen dekorativ am Kopfende. Obwohl es wohl einmal ein Patientenzimmer gewesen war wirkte es nicht mehr ganz so steril und trist. Pepper setzte sich auf die Kante des Bettes und seufzte.

"Seid ihr zusammen?", hörte sie plötzlich die Stimme ihrer Schwester und sah zu ihr auf.

"Was..?", fragte sie vorsichtig. Natürlich wusste sie genau, wovon Anna sprach, doch wenn sie ehrlich war, wollte sie nicht darüber reden. Sie konnte ja selbst nicht sagen, wie genau ihr Verhältnis zu ihrem Boss war. Sie liebte ihn schon lange, doch sie wusste genau so gut wie der Rest der Welt, wie er Frauen gegenüber sich verhielt. Auch wenn es eine ganze Weile her war, dass Pepper eine seiner Bettgefährtinnen hinaus komplementiert hatte, war sie sich nicht sicher, ob er es ernst mit ihr meinte. Nichts desto trotz kümmerte er sich so liebevoll um sie und der Kuss hatte sich angefühlt, als hätten sie nie etwas anderes getan.

"Ginny, hey..!", Anna hatte sich aufgesetzt und schnippte ihrer Schwester vor dem Gesicht herum.

"Du und Stark... was genau ist das zwischen euch?"

Pepper seufzte.

"Ich weiß es nicht Anna... "

"Naja, was auch immer es ist, du scheinst ihm sehr wichtig zu sein...", antwortete sie, legte sich dann wieder hin und schloss die Augen.

Pepper seufzte erneut und biss sich auf die Lippe. Es half alles nichts. Sie kramte ihr Handy aus der Tasche und schrieb Tony eine Sms mit ihrer Zimmernummer. Wenige Minuten später klopfte es leise und Pepper huschte zur Tür.

"Lass uns verschwinden, Anna ruht sich aus", flüsterte sie ihm zu, verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

"Alles in Ordnung?", fragte Tony und musterte sie. Pepper nickte nur und gemeinsam machten sie sich auf den Weg ans Ende des Ganges, zu einem heruntergekommenen Kaffeeautomaten. Tony verzog bereits beim ersten Schluck das Gesicht und Pepper konnte nicht anders als zu kichern. Es war unglaublich schön, sie wieder lächeln zu sehen und Tony erwischte sich dabei, wie er sie etwas zu lange anstarrte. Sie stand mit der Schulter an die Wand gelehnt, in einer Hand den Kaffeebecher, die andere in der Tasche ihrer Jeans vergraben. Ohne, dass er es bemerkte, kam Tony immer näher, bis er nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt war.

"Es tut mir Leid, wegen meiner Mutter...", sagte sie plötzlich und Tony schreckte ein wenig zurück. "Mein Vater hat dich stets geachtet, weißt du?", fuhr Pepper unbeirrt fort. "Obwohl deine Handlungen in der Vergangenheit etwas... fragwürdig waren... er hat sich immer angehört, was ich dazu zu sagen hatte; für Mum war allerdings von Anfang an klar, dass du mich schlecht behandelst."

Tony schüttelte den Kopf und sagte:

"Vielleicht hat sie Recht..."

Pepper zog eine Augenbraue hoch und sah ihn verdutzt an. Tony warf seinen Kaffeebecher samt ungenießbarem Inhalt in den Mülleimer und wandte sich dann wieder seiner Assistentin zu.

"All die Jahre habe ich so viel von dir verlangt. Deine Arbeitszeiten waren eine Katastrophe, du kamst fast immer erst spät Nachts oder früh morgens nach Hause... Und trotzdem warst du am nächsten Tag wieder pünktlich und voller Motivation bei mir. Du hast Aufgaben erledigt, die weit über deine Pflichten hinaus gingen. Ich habe mich nie bei dir bedankt, dass du den Großteil meiner Arbeit machst, Pep... Ohne dich wäre Stark Industries nicht das, was es ist. Ohne dich...", er sah tief in ihre blauen Augen und hoffte, sie würde erkennen, dass er seine Worte ernst meinte. "Ohne dich wäre ICH nicht der, der ich bin."

Mit leicht geöffnetem Mund starrte Pepper ihn an. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie spürte, dass er in diesem Moment absolut aufrichtig war und ihre Zweifel bröckelten langsam. Tony kam erneut näher, nahm ihr den leeren Becher aus der Hand und warf ihn seinem hinterher in den Müll. Pepper gab keinen Ton von sich, doch als er sich wieder zu ihr umdrehte, stürzte sie sich in seinen Arm und küsste ihn. Tony schlang einen Arm um ihre Hüfte, mit einer Hand an ihrem Hinterkopf zog er sie fester an sich und erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Pepper schien in Flammen zu stehen, ihr ganzer Körper kribbelte und sie hätte am liebsten die Zeit angehalten. Ihre Finger spielten mit den Haaren in Tonys Nacken, und er seufzte leise gegen ihre Lippen, seine Zunge stieß vorsichtig gegen ihre und wand sich mit ihr in einem langsamen Tanz. Die Finger in Peppers rotblonden Haaren vergraben, hielt er sie fest bei sich, zu erfüllt, um jemals wieder los zu lassen. Erst als sie von einem Räuspern unsanft in die Realität zurück geholt wurden, lösten sie sich voneinander und Pepper wandte sich abrupt um. Anna stand hinter ihr und sah sichtlich aufgewühlt aus.

"Sie haben die Ergebnisse..", sagte sie mit brüchiger Stimme. Pepper sah Tony an, der beruhigend nickte, griff nach der Hand ihrer Schwester und gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Tony folgte ihnen. Er wartete draußen, als sie das Zimmer betraten, lugte jedoch durch das Fenster in der Tür um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung war. Was er sah beunruhigte ihn zutiefst, denn kurze Zeit später schluchzte Pepper verzweifelt und sank auf den Boden. In diesem Moment konnte er einfach nicht mehr so tun als wäre er nicht da, also riss Tony die Tür auf und sank neben ihr auf die Knie. Er ignorierte Mrs. Potts' Proteste, als er Pepper in seine Arme hob und sie in das Nachbarbett legte, sich neben sie setzte, und fest an sich zog. Beruhigend redete er auf sie ein, hielt sie fest und wiegte sie sanft hin und her. Pepper schluchzte gegen seine Schulter und krallte ihre Hand in sein T-Shirt, während sie eine bis daher unbekannte Kraft von innen auseinanderzureißen versuchte. Tony gab ihr Halt, doch sie hatte das Gefühl, wenn er seinen Griff lockern würde, würde sie in tausend Stücke zerfallen. Anna war nach draußen gestürmt und Peppers Mutter saß auf einem Stuhl an der Wand, der Blick starr auf den Boden gerichtet. Tony konnte nur das schlimmste vermuten und es schmerzte ihn furchtbar die Familie und vorallem die Frau in seinen Armen so zu sehen. Er wusste nicht, was er tun konnte um ihr zu helfen, er wusste zwar genau, was sie durchmachte, auch wenn es bei ihm selbst einige Jahre gedauert hatte, bis er sich die Trauer um seinen Vater eingestehen konnte. Doch der Tod seiner Mutter hatte ihn damals völlig aus der Bahn geworfen und war wohl mit ein Grund dafür, warum er zu dem Mann geworden war, der er war. Bis Afghanistan alles verändert hatte... Tony kannte den Schmerz und die Angst, vor dem, was ohne den Menschen, den er so sehr liebte, geschehen würde und er wollte Pepper davor bewahren. Auch wenn er wusste, dass es unmöglich war.

Jegliches Zeitgefühl hatte ihn verlassen, doch irgendwann verstummte Peppers Schluchzen und wich einem zitternden Atem. Selbst wenn sie gewollt hätte, sie hätte keine Träne mehr herausgebracht. Sie fühlte sich so ausgelaugt und dehydriert wie nie zuvor und auch ebenso erschöpft. Ihre Augen brannten, also hielt sie sie geschlossen und presste ihren Körper an Tonys, dessen Arme sie zu beschützen versuchten. Tony ließ sie nicht los. Er würde sie um nichts in der Welt alleine lassen. Er zog sie noch etwas näher, hielt sie fest, verhinderte, dass sie einfach zerbrach.

Peppers Mutter hatte den Kopf gehoben, und lächelte Tony nun sanft an.

"Es tut mir Leid", flüsterte sie.

Tony nickte und das war für den Moment genug. Er hob Pepper erneut vorsichtig auf seinen Arm um sie zurück in ihr Zimmer zu bringen. Er wusste, wie erschöpft sie war. Als sie im Gästezimmer ankamen legte Tony sie ins Bett, deckte sie zu, und warf dann einen Blick auf seine Uhr. Es war noch nicht sehr spät, trotzdem legte er sich neben Pepper ins Bett und zog sie an sich. Er sagte nichts, er wollte es ihr überlassen, wann sie darüber reden wollte. Tatsächlich schlief er schließlich ein, doch als er am nächsten Morgen die Augen öffnete, war sie verschwunden. Schnell schälte er sich aus dem Bett, machte sich im kleinen Badezimmer halbwegs frisch und verließ dann das Zimmer. Er vermutete sie bei ihrem Vater und tatsächlich sah Tony sie durch das Fenster in der Tür bei ihm am Bett sitzen. Sie sah mitgenommen aus, ihre Haare waren zerzaust und ihre Augen abermals rot und geschwollen. Er klopfte vorsichtig an und betrat das Zimmer nach Peppers leisem "Herein." Sie sah ihn an, lächelte, doch ihre Augen blieben genauso traurig wie zuvor. Tony wandte sich an Peppers Vater, der inzwischen wach war und sehr schwach aussah. Er war wohl einmal ein gut aussehender Mann gewesen, groß und athletisch gebaut, doch die Krankheit hatte sein bestes von ihm verlangt. Er war ausgemergelt und blass, seine Wangenknochen und Augenhöhlen standen hervor, wie die eines uralten Mannes. Dennoch lächelte er Tony zu und streckte ihm seine Hand hin. Tony schüttelte sie.

"Mr. Potts?"

"Mr. Stark... nett, sie endlich einmal persönlich kennen zu lernen. Ginny hat nur Gutes von ihnen erzählt.", sagte er und zwinkerte seiner Tochter zu. Zumindest seinen Humor schien er nicht eingebüßt zu haben. Pepper schniefte und Tony legte ihr die Hand beruhigend auf die Schulter. Sie griff danach, drückte sie sanft und flüsterte nach einigen Minuten Stille:

"Ich werde dich so schrecklich vermissen, Dad..." Ihre Stimme klang heiser und beinahe so, als wäre sie wieder den Tränen nahe. Sie stand auf, kniete sich neben das Bett und legte den Kopf auf die Brust ihres Vaters. Er schlang die Arme um sie und Pepper ließ den Tränen freien Lauf. Sie konnte ihn nicht verlieren. Ihr Vater war schon in ihrer Kindheit ihr größter Held gewesen und auch seit sie erwachsen war, hatte er immer hinter ihr gestanden. Aus ihm schöpfte sie ihre Kraft und sie konnte, wollte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn er nicht mehr da war.

"Ich weiß mein kleiner Schmetterling...", antwortete Mr. Potts und Tony schmolz bei diesem Kosenamen das Herz. "Aber du wirst es schaffen... Du bist eine großartige Frau und ich bin verdammt stolz auf dich..." Das half Pepper nicht, sie weinte nur noch stärker und ihr Körper schüttelte sich unter Tränen. Tony stand hilflos immer noch neben dem Stuhl auf dem Pepper gesessen hatte und beobachtete die Szene, die sich vor ihm abspielte. Es klopfte, doch Pepper bemerkte es gar nicht, also öffnete Tony die Tür. Anna stand vor ihm.

"Hey..."

"Hey...", sie sah genau so verzweifelt aus wie ihre Schwester, doch sie versuchte sich zusammen zu reißen und fuhr fort. "Sag mal, ihr habt doch bestimmt noch nichts gefrühstückt, oder? Ihr solltet in die Cafeteria gehen, solange noch was da ist."

Pepper hatte den Kopf gehoben und nickte schwach. Sie rappelte sich auf, drückte ihrem Vater einen Kuss auf die Stirn und folgte Tony aus dem Zimmer.
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Noch nie hatte sich Tony so hilflos und unbehaglich gefühlt. Sie saßen in der hellen Cafeteria des Krankenhauses an einem der kleinen Tische und Pepper saß ihm Gegenüber. Seit einer gefühlten Ewigkeit starrte sie in die Kaffeetasse, die sie mit beiden Händen fest umklammerte. Tony wollte sie nicht aufwühlen oder drängen, aber er wollte ihr helfen. Also fragte er vorsichtig:

"Pep, möchtest du... mit mir darüber sprechen..? Pep? Hörst du mich eigentlich?"

Sie sah zu ihm auf, doch es war als blickte sie durch ihn hindurch als sie murmelte:

"Mmh?"

"Pep...", Tony legte ihr die Hand auf den Arm. "Du musst was essen..."

Diesmal sah sie ihn an, doch er wünschte sofort, sie hätte es nicht getan. Ihre Augen waren glasig von den ganzen Tränen und das sonst so leuchtende blau wirkte matt und farblos. Sie schüttelte langsam den Kopf und Tony seufzte.

"Pep... ich weiß, was du durchmachst, und ich versteh dich gut....aber bitte, versuch es wenigstens..."

Pepper wollte sich ihm so gerne anvertrauen, sie wollte all ihren Schmerz mit ihm teilen, alle Ängste. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie schlimm es für ihn gewesen sein musste, als seine Eltern gestorben waren. Und er war ganz allein gewesen. Doch so sehr sie mit ihm reden wollte, sie konnte es nicht, denn sie wusste, wenn sie es einmal ausgesprochen hatte, gäbe es kein zurück. Ihr Vater würde sterben. Immer noch schweigend sah sie ihren Teller an, auf dem ein halbes Marmeladenbrötchen lag und nickte. Sie brauchte ungefähr fünf Minuten für einen Bissen bevor sie das Brötchen seufzend zurück auf den Teller fallen ließ und den Kopf in die Hände stützte.

"Er hat nicht mehr viel Zeit, Tony...", sagte sie so leise, dass er es fast nicht hören konnte.
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5 Wochen später.

Die letzten Wochen waren furchtbar gewesen. Seit der Beerdigung vor einigen Wochen hatte Pepper nicht ein Träne vergossen und ihn trotz des Kusses im Krankenhaus in den letzten Wochen kaum an sich herangelassen. Körperlich waren sie sich näher als je zuvor, sie schlief jede Nacht in seinem Arm, auch wenn er oft aufgewacht war, weil sie sich wälzte und scheinbar von Albträumen geplagt wurde. Doch sie redete nicht mit ihm. Ehrlich gesagt redete sie kaum und Tony war zunehmend beunruhigt über ihr Verhalten, doch er wollte ihr auch die Zeit geben die sie brauchte. Er hatte die Geschäfte von Stark Industries vorerst so weit wie möglich wegen "persönlicher Gründe" eingeschränkt, sodass sie nicht arbeiten musste und er für sie da sein konnte. Doch lange würde das nicht mehr funktionieren, gewisse Dinge ließen sich nicht ewig aufschieben. Er musste einen Weg finden, damit es Pepper besser ging. Er hatte versucht sie mit einem Spaziergang abzulenken, jedoch ohne großen Erfolg. In der Villa in Malibu angekommen zog er sie an sich und küsste sie sanft erst auf den Mund und dann auf die Stirn.

"Ich lass dir ein Bad ein...", sagte er. Pepper nickte und setzte sich auf die Couch. Tony ging währenddessen nach oben ins Badezimmer und ließ das Wasser in die große Eckbadewanne einlaufen. In seinem Schrank fand er einen Badezusatz mit blauer Aufschrift, 'Entspannung für die Seele' und beschloss, dass das genau das richtige war. Bestimmt hatte Pepper ihn erst vor kurzem gekauft, denn er war noch originalverschlossen. Mithilfe von Jarvis dimmte er das Licht, nachdem sich ein wohltuender Duft im Bad ausgebreitet hatte und die Wanne beinahe voll war. Tony ging wieder nach unten, um Pepper zu holen und fand sie auf der Couch, wie sie mit ausdruckslosem Gesicht die Wand anstarrte. Sanft nahm er sie bei der Hand und brachte sie ins Badezimmer. Sie lächelte schwach und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich auszog und in die Wanne gleiten ließ. Tony verließ das Bad und ging nach unten in die Werkstatt. Er wollte sich mit Arbeit ablenken, doch als Pepper nach 2 Stunden immer noch nicht zurück war, wurde er unruhig.

"Jarvis? Wo ist Pepper?"

"Miss Potts befindet sich immer noch im Badezimmer, Sir"; antwortete die KI mit dem unverkennbaren britischen Akzent.

Tony verließ die Werkstatt und machte sich auf den Weg um nach ihr zu sehen. Er klopfte an, doch als er keine Antwort bekam, öffnete er vorsichtig die Tür. Der Anblick, der sich ihm bot, brach ihm das Herz. Statt entspannt in der Wanne zu liegen, saß Pepper da, die Arme um ihre Beine geschlungen und den Kopf auf ihren Knien. Sie zitterte am ganzen Körper, kein Wunder, der Schaum war fast komplett verschwunden und das Wasser musste inzwischen deutlich abgekühlt sein. Tony dachte nicht weiter nach, er handelte instinktiv, zog sich aus und stieg hinter ihr in die Wanne.

"Jarvis, lass etwas Wasser ab und dann heißes nach...", beauftragte er die KI und legte Pepper die Hände auf die Schultern. Ihre Haut war eiskalt unter seinen Fingern. Vorsichtig löste er ihren Klammergriff um ihre Beine und schlang seine Arme um ihren Bauch um sie an sich zu ziehen. Er lehnte sich zurück und Pepper ruhte nun mit dem Rücken an seiner Brust, zwischen seinen Beinen. Tony war noch nie in Gegenwart einer Frau nackt gewesen, ohne dass er mit ihr geschlafen hatte, doch die Verbindung, die er nun zu seiner Assistentin verspürte, war viel tiefer, als er es sich je hätte vorstellen können. Er hielt sie fest und streichelte Stumm die nackte Haut unter seinen Fingern, bis Pepper schließlich sagte:

"Ich weiß einfach nicht, was mit mir los ist... Ich fühle mich wie eine leere Hülle. Ich sollte froh sein, dass ich dich habe, du bist wunderbar. Ich hätte nie gedacht, dass du so... so", sie seufzte. Auch ohne dass sie es sagte, wusste Tony, was sie meinte. "Ich habe das Gefühl, ich hätte dich gegen ihn eingetauscht...", flüsterte sie so leise, dass er es kaum verstehen konnte.

Tony küsste sanft von hinten ihre Schulter und murmelte gegen ihre nasse Haut: "Das hast du nicht...nichts davon ist deine Schuld, Pepper... Versuch an die schönen Dinge zu denken, du hattest so viele Momente mit deinem Vater, an die du dich erinnern kannst."

Doch Pepper antwortete nicht und setzte sich wieder auf. Abermals schlang sie die Arme um ihre Beine und vergrub den Kopf dazwischen. Tony griff nach einem weichen Schwamm auf dem Rand der Wanne und tauchte ihn unter. Er setzte sich ebenfalls auf und drückte den Schwamm über ihrem Rücken aus, sodass das warme Wasser über ihre Haut lief. Dann drückte er ihr erneut einen sanften Kuss auf die Schulter und Pepper seufzte kurz, bevor endlich all das aus ihr heraus brach, was sie die letzten Wochen so mühevoll zurückgehalten hatte. Ohne Vorwarnung fing sie an laut zu schluchzen und Tony zog sie erneut an sich, bettete ihren Kopf an seine Brust und hielt sie fest im Arm. Pepper schüttelte sich unter Tränen und grub ihre Nägel in seine Haut, doch es kümmerte ihn nicht.

Wenn er ernsthaft darüber nachdachte, hatten ihn die Gefühle von Frauen nie interessiert. Wie auch? Er hatte sich nie lange genug mit derselben beschäftigt um überhaupt tiefgründige Themen aufkommen zu lassen. Doch seine Beziehung zu Pepper Potts war von Anfang an anders gewesen. Wie lange er schon in sie verliebt war konnte er nicht einmal sagen, doch fasziniert hatte sie ihn schon immer. Ihre Fähigkeit selbst in den unangenehmsten Situationen die Haltung zu bewahren, und nebenbei seinen Hintern und den der gesamten Firma zu retten. Wie sie alle Männer, die bei Stark Industries arbeiteten, eingeschlossen ihm selbst, in den Schatten stellte, auch wenn er sich das niemals eingestehen würde. Und wie sie es bei all dem schaffte jeden Tag so wunderschön auszusehen.

Schließlich hatte sie aufgehört zu schluchzen und malte nun mit dem Finger Muster auf seine nasse Brust auf der ihr Kopf immernoch lag.

"Erzähl mir von ihm...", flüsterte Tony gegen ihre Haare. Er wusste, dass er ihr den Schmerz nicht nehmen konnte. Aber er würde für sie da sein, solange die Wunden verheilten. Und darüber hinaus...
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